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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Geschichten aus dem Baum
Eingestellt am 17. 12. 2016 11:21


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Tschik
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Dec 2016

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Heute war einer der Tage, an denen der alte Mann seinen Zuhörern eine Geschichte aus dem Baum vorlas. Es waren mittlerweile ĂŒber 100 Leute, die sich bei seinen „Lesungen“ einfanden, grĂ¶ĂŸtenteils aus den umliegenden WohnhĂ€usern. Manchmal war auch ein Reporter da.
Begonnen hatte es vor mehreren Monaten, als der alte Baum gefĂ€llt werden sollte. Er stand mitten in einer Wohnhaussiedlung. Eigentlich stand er schon ewig da, noch bevor auf diesem Areal ĂŒberhaupt was gebaut wurde. Im Laufe der Zeit wurden die BĂ€ume ringsum gefĂ€llt und es entstand eine Wohnsiedlung. Der alte Baum blieb, letztendlich wurde er zum Mittelpunkt einer Spielwiese. Unter seinem großen BlĂ€tterdach spielten die Alten : Karten, Schach und Backgammon. Die Jungen knutschten nachts an seinen Stamm gelehnt oder machten ihn zum Mittelpunkt ihrer Spielabenteuer. Der alte Mann hatte Jahrzehnte seines Lebens in dieser Siedlung verbracht und speziell in den letzten Jahren eine besondere Beziehung zu ihm hergestellt.
Nun wollte die Wohnungsbaugesellschaft den Baum fĂ€llen, um einen Blumenladen mitten in die Wiese zu bauen. Als die Nachricht die Runde machte, war der Schock groß fĂŒr den alten Mann. Aber auch viele andere Bewohner aus der Siedlung waren empört und so entstand sehr schnell eine Initiative gegen das FĂ€llen des Baumes.
Der alte Mann wusste aus seiner Lebenserfahrung, dass dies nur eine Hinauszögerung sein wĂŒrde. Man wĂŒrde die große Mehrheit beschwichtigen, man wĂŒrde in einer Stadtratssitzung die Gefahren die von dem alten Baum ausgingen analysieren, um dann letztendlich zu dem Ergebnis zu kommen das sein Verbleib nicht mehr tragbar wĂ€re.
Er verbrachte immer mehr Zeit unter dem Baum, bis er eines Tages einen Rucksack mit allem notwendigen packte, sich eine Leiter besorgte und in den Baum stieg. Er wollte 1-2 Tage im Hause seines alten Freundes wohnen, dem Baum.
Der Tumult, der dabei entstand, ist aus anderen Aktionen hinlĂ€nglich bekannt: UnterstĂŒtzung seitens der Umweltschutzorganisationen, Feuerwehr, Berichterstatter, Parteileute und viele andere mehr oder weniger interessierte. Nachdem der alte Mann bekanntgab, nach 2 Tagen wieder runterzukommen und belegen konnte, das er fĂŒr diese Zeit alles nötige dabei hatte und auch geistig voll da wĂ€re, legte sich die Aufregung. Der alte Mann zog sich im BlĂ€tterdach so weit zurĂŒck, das er aus dem Blickfeld der anderen geriet. An einen dicken, knorrigen Ast gelehnt gab er sich seinen GefĂŒhlen fĂŒr den „alten Freund“ hin. Er begann zu spĂŒren, dass die Schwingungen seiner GefĂŒhle immer mehr eins mit denen des Baumes wurden. Er versank in eine Art Trance und fĂŒhlte sich geborgener als zu jedem anderen Zeitpunkt der letzten Jahrzehnte.
Irgendwann viel ihm ein Blatt aus einem ĂŒber ihm befindlichen Ast in den Schoß. Er nahm es mit zittrigen HĂ€nden auf, da ihn das GefĂŒhl befiel, sein Freund wĂŒrde mit einem langen Abschied beginnen. Als er es genauer betrachtete, wurde er hellwach. Das Baumblatt war beschrieben. Es berichtete von einem Tag aus dem Leben eines Anwohners der Siedlung. Der alte Mann betrachtete die BlĂ€tter ringsum und stellte fest, dass alle BlĂ€tter beschrieben waren.
Nachdem er einen ganzen Tag lang die beschriebenen BlĂ€tter gelesen hatte, kam er zu der Überzeugung das der Baum hier auf jedem Blatt Geschehnisse aus dem Leben der Menschen innerhalb seines „Sichtkreises“ gespeichert hatte. Und zwar seit dem Zeitpunkt der ersten Wohnungen bis heute.
Um nicht aufzufallen, kletterte er nach den angekĂŒndigten 2 Tagen vom Baum und verkĂŒndete , fĂŒr ihn sei es eine Art Therapie, ein paar Stunden „auf dem Baum“ zu verbringen und er beabsichtige, dies tĂ€glich ein paar Stunden zu tun, so lange der Baum noch da sei. Die Menschen nahmen es mit einem LĂ€cheln, teilweise auch mit Besorgnis und auch zum Teil mit VerstĂ€ndnis zur Kenntnis.
Daheim packte er ein paar mitgenommene BlĂ€tter aus seinem Rucksack, um weiter zu lesen. Er musste feststellen, dass es da nichts zu lesen gab. Die vorher beschriebenen BlĂ€tter waren grĂŒn und unbeschrieben. Am nĂ€chsten Tag kletterte er mit dem ersten Tageslicht wieder auf den Baum und stellte erleichtert fest, dass die BlĂ€tter wieder beschrieben waren.
Er konnte die Geschichten also bloß auf dem Baum lesen, stellte aber auch fest dass auf den abgerissenen BlĂ€ttern die Zeilen zu verblassen begannen. Jedes Blatt wĂŒrde also nur fĂŒr eine gewisse Zeit seine Geschichte preisgeben und dies auch bloß auf dem Baum. Er empfand ein GefĂŒhl großer Trauer: sollten diese Zeugnisse aus der Vergangenheit so vieler Menschen einfach so verschwinden? Jede der Geschichten, die er bisher gelesen hatte, offenbarten wahre Wunder, es waren keine ErzĂ€hlungen irgendeines normalen Tages. Jede Geschichte berichtete ĂŒber einen besonderen Tag eines Menschen, manche fröhlich, manche besinnlich, manche traurig.
Er beschloss, sich ein AufnahmegerÀt zu besorgen und wÀhrend des Lesens im Baum alle Geschichten aufzunehmen. Er besorgte sich mehrere der kleinen Technikwunder, wobei ihm einige Jugendliche sehr hilfreich zur Seite standen.
Nach ein paar Tagen fiel es auf, dass er mit einem Blatt vor seinen Augen stundenlange Diktate aufnahm.
Man war besorgt! Also erzĂ€hlte der alte Mann die Wahrheit. Das eben auf jedem Blatt des Baumes eine Geschichte aus dem Leben eines Menschen, der in einer der umliegenden Wohnungen gelebt hatte oder noch lebte, zu lesen sei. Lachend erklommen etliche Menschen den Baum, doch keiner konnte was lesen. Sie hielten nur grĂŒne BlĂ€tter in der Hand, welche der alte Mann ihnen besorgt abnahm.
Jetzt war man noch mehr besorgt! Der alte Mann ergriff die Flucht nach vorn und las ihnen eine der Geschichten vor.
Die Zuhörer staunten. Der alte Mann konnte faszinierende Geschichten erzĂ€hlen. Man sah, dass er fĂŒr sich sorgen konnte und außer dieser Eigenart, nur im Baum die faszinierendsten Geschichten zu erfinden, schien er ja noch in Ordnung zu sein. Im Laufe der Zeit wurde er so manchem unheimlich. Es geschah, das er Geschichten erzĂ€hlte, in denen sich Menschen aus der Siedlung wieder erkannten oder zumindest diese jemandem zuordnen konnten. Also begann der alte Mann, die Geschichten, die er vorlas sorgsam zu selektieren, um nicht zu viele vor den Kopf zu stoßen.
Er wurde zu einer BerĂŒhmtheit! Menschen außerhalb der Wohnsiedlung kamen, um seine Geschichten zu hören. Aber auch Leute von lokalen Sendern, Zeitungen und sogar von einem kleinen Verlagshaus kamen vorbei. Nachdem ihm verschiedene Angebote gemacht wurden, die er anfangs alle ablehnte, blieb ihm nichts anderes ĂŒbrig als sich das Urheberrecht fĂŒr diese Geschichten anzueignen.
Unter dem Baum fand ein geselliges Treiben statt, BĂ€nke wurden herbeigebracht, manche kamen mit Picknickdecken und Provisionen an Essen und Trinken, andere mit AufnahmegerĂ€ten. An dem Baum hatte er ein bedrucktes Blatt angebracht, in welchem er die Aufnahme und Weitergabe der Geschichten gestattete, so lange diese nur fĂŒr den persönlichen Gebrauch waren. Jede kommerzielle Wiedergabe war nur mit seiner ausdrĂŒcklichen Genehmigung erlaubt. Diese gab er ab und zu einer Zeitung, mit der Auflage, den ausgehandelten Betrag an die örtliche Naturschutzorganisation zu ĂŒberweisen. Mit Hilfe seiner jugendlichen Fans waren auch 2 Lautsprecher und 1 Mikrophon installiert worden. Diese nutzte er, wenn mehrere Zuhörer da waren.
Unter dem Baum wurden noch 2 BehĂ€lter angebracht, eine mit frischem Wasser aufgefĂŒllte Schale, in welche die abgefallenen BlĂ€tter gelegt wurden (diese nahm er dann jeden Tag mit in den Baum und las sie als erste). Die Zweite war fĂŒr kleine Spenden, um den Baum (und auch den alten Mann)zumindest so lange am Leben zu erhalten, bis kein Blatt mit einer Geschichte mehr erschien.
Zumindest wurde im Stadtrat jede Entscheidung bezĂŒglich des Schicksals des Baumes bei jeder Sitzung vertagt.







Heute wĂŒrde er „ihnen“ eine ganz besondere, aktuelle Geschichte aus dem Baum vorlesen. Er hatte BĂ€che von TrĂ€nen vergossen, als er diese Geschichte gleich bei Tagesanbruch als erste las. Das Blatt war ihm in den Schoß gefallen. Er wusste, diese BlĂ€tter waren von dem Baum speziell auserkoren. Auch wenn es sich um eine Person handelte, die heute noch da wohnte und von den anderen Bewohnern identifiziert werden konnte. Entgegen seiner Gewohnheit, Geschichten mit identifizierbaren Personen zu vermeiden, diese musste erzĂ€hlt werden!
Also begann er mit vom Weinen geschwÀchter Stimme:

Jetzt weine ich alleine !
Ahmud hatte mit 15 Jahren schon mehr traumatisches erlebt, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben.
Weinen war fĂŒr ihn etwas AlltĂ€gliches, es gehörte zu seinem Leben wie Wasser und Brot.
Er weinte wenn die Bomben fielen! Bei jedem Bombeneinschlag setzte das Leben zwei Mal fĂŒr Sekundenbruchteile aus! Das erste Mal, wenn man das Jaulen der abgeschossenen Bomben hörte.
Wenn dieses GerĂ€usch nicht mehr zu hören war, setzte das Leben fĂŒr einen Sekundenbruchteil aus.
In diesem einen Augenblick war nur Stille!
Danach erst brach die Hölle aus. Man hörte den Einschlag! Ein Krachen welches die Hölle noch nÀher brachte.
Das Krachen war unterschiedlich, je nach Entfernung des Einschlags und auch abhĂ€ngig davon, was getroffen wurde. Dann war meist wieder nur eine sich elendig lang anfĂŒhlende Stille. Obwohl auch dies nur Augenblicke waren.
Danach kam das normale Leben. Man stellte in Sekunden fest, dass man nicht getroffen war, das alle im Raum noch da waren und lebten. Dann hörte man schon die anderen Komponenten des normalen Lebens: Schreie, Weinen, derbe trĂ€nenerstickte MĂ€nnerflĂŒche.
Und da konnte man endlich weinen. Der Vater, die Mutter, die Geschwister und andere Verwandte oder Freunde, die gerade da waren. Alle weinten! Jeder auf seine Art ! Und man konnte selbst mitweinen, ohne jede Hemmung, ohne Scham!
Dabei weinten sie alle schon lange nicht mehr aus Angst vor dem eigenen Tod! Sie weinten, weil sie Angst hatten, das schon wieder jemand gestorben sei, ein Verwandter, ein Freund, ein Nachbar. Dieser Schmerz einte sie und brachte sie zur Verzweiflung.
In diesen Momenten wĂŒnschte er sich, selbst derjenige zu sein, der dieser Hölle durch den gnĂ€digen Tod entkommen konnte. Doch dieses gemeinsame Weinen war alles, was ihnen noch geblieben war. Das gab ihnen zugleich auch die StĂ€rke, sich immer und immer wieder dem Schicksal zu stellen.
Eines Tages kam der Vater mit einem Onkel heim und sagte, dieser Onkel wĂŒrde Mahmud wegbringen und als Garant in der TĂŒrkei bleiben, bis er in Europa sei. Mit großen Augen sah Mahmud, wie sein Vater einen BĂŒndel Geld in verschiedene PĂ€ckchen teilte. Ein Packerl fĂŒr die Leute, welche ihn und seinen Onkel bis zur tĂŒrkischen Grenze bringen wĂŒrden. Ein weiteres fĂŒr den Onkel, damit er sich und Mahmud ĂŒber Wasser halten konnte, bis Mahmud die Reise antrat. Und das GrĂ¶ĂŸte Packerl fĂŒr die Garantie. Dies sollte bezahlt werden, wenn Mahmud in Europa war. Dann wurde erst mal gemeinsam geweint.
Danach nahm der Vater Mahmud an der Hand und fĂŒhrte ihn in ein abgeschiedenes Zimmer. Hier erklĂ€rte er ihm, es gĂ€be nur noch diese Möglichkeit um Mahmud „rein“ zu halten. Wobei er ihm nicht erklĂ€rte, was „rein“ bedeutete, dieser wusste es auch so. Mahmud sei jetzt beinah 15 und „sie“ wĂŒrden jetzt alle hinter ihm her sein und seine Dienste einfordern. Die Regierung, die verschiedenen Rebellengruppen oder die „anderen“, die einen weiteren Staat installierten.
Sie kannten alle keine Gnade. Ohne die Zugehörigkeit zu einer der Gruppen wÀre er ein toter Mensch, unweigerlich!
Dann wĂŒrde der Schmerz noch grĂ¶ĂŸer sein fĂŒr die Gebliebenen.
Mahmud wusste, der Vater hatte sich mit einer der Gruppen „arrangiert“, sonst hĂ€tten sie kein Geld mehr und der Vater wĂŒrde auch nicht mehr unter ihnen sein. Der Vater gestand dies auch und sagte ihm, er wĂ€re da eh nur pro Forma, um die Familie am Leben zu erhalten. Aber er könne und wolle Mahmud nicht zum mordenden Monster werden lassen. Und vielleicht könne Mahmud sie sogar eines Tages nachholen.

Danach weinten sie alle zusammen, die Mutter, der Vater, die Geschwister, Verwandten und anwesende Freunde. Sie weinten den Rest des Tages bis tief in die Nacht. Dann mussten sie los, Ahmud und der Onkel.
Ahmud musste danach noch oft weinen, manchmal alleine, manchmal mit dem Onkel oder anderen Fremden, die sein Schicksal teilten. Auch als sein Onkel erschossen wurde! Auch als er erniedrigt und fĂŒr Sexspiele missbraucht wurde ! Auch als er halbtot geschlagen wurde!
Doch er hielt durch! Er wollte nicht, dass sie wegen ihm weinten. Die, welche noch zusammen weinen konnten!
Irgendwann, er nahm es nur durch die Schleier der Wirklichkeit wahr, kam er in Europa an. Und kam auch in Deutschland an.
Sie gaben ihm Hilfe; Kleider, Medikamente, Unterkunft, Lehrer. Und auch viel MitgefĂŒhl. Doch keiner weinte mit ihm.
NĂ€chtelang weinte er alleine, betete fĂŒr seine Eltern, Geschwister, Freunde und Verwandten. Er vermisste sogar die Boten des Todes und das anschließende Umarmen und zusammen weinen.
Sie lernten ihn die Sprache, Gesetze, Sitten und GebrĂ€uche. Zu allem gab es Regeln! Er lernte auch diese, kam schließlich zu einer sehr netten Familie und durfte auch zur Schule. Manchmal sahen ihn die Menschen scheu oder auch mit UnverstĂ€ndnis an. Sein bisheriges Leben und das einsame Weinen hatten sich in seine GesichtszĂŒge eingegraben: aus einem hĂŒbschen Jungen war ein befremdender junger Mann geworden. Die Familie war nett zu ihm, er hatte ein eigenes Zimmer, war wohl behĂŒtet und hĂ€tte sich ĂŒber sein Leben in Sicherheit freuen können. Doch darĂŒber hinaus fĂŒhlte er tĂ€glich, das sie nie mit ihm zusammen weinen wĂŒrden.
Er ging sogar ein paar Mal auf den nahe gelegenen Friedhof und sah, dass sie selbst bei Beerdigungen nicht zusammen weinten. Nur jeder fĂŒr sich ! Wenn ĂŒberhaupt.
Es gab viele nette Menschen um ihn herum, aber sie konnten nicht weinen. Abends schlich er sich oft zu dem alten Baum, lehnte sich an seinen Stamm und weinte. Hier hatte er das GefĂŒhl, das er nicht alleine weinte.
Von der Familie, bei der er lebte hatte er sich nur eins gewĂŒnscht, ein Handy. Er bekam es auch und durfte es auch fĂŒr Anrufe nach Syrien benutzen, so lange er es nicht ĂŒbertrieb. Die Regeln waren wichtig! Dabei hatte er eh keine Rufnummern aus Syrien, außer von seiner Familie. Hier aber antwortete keiner. Als er schon befĂŒrchtete, es gĂ€be seine Familie nicht mehr, kam eine Nachricht von seiner Mutter. Sie hĂ€tten sehr selten Funkverbindung und Nachrichten wĂ€ren da der bessere Weg. NatĂŒrlich schrieb sie ihm noch vieles vom Herzen und Mahmud weinte.
Er schrieb ihr auch gleich eine Antwort.
„ Mama. Ich bin In Europa. In Deutschland. Es geht mir gut.
Ich gehe zur Schule. Ich lerne und lebe nach den Regeln.
Aber ich brauche euch! Auch wenn ich in Sicherheit bin, muss ich oft weinen!
Und, Mama, jetzt weine ich alleine ... “



Der alte Mann war, es gewohnt das nach seinen Geschichten geplaudert, debattiert wurde. Doch jetzt herrschte eine nie dagewesene Stille. Mit gesenktem Kopf ging einer nach dem anderen. Bei manchem konnte er die TrÀnen sehen, die meisten versteckten sie. Sie weinten allein!
Er las eine weitere Geschichte fĂŒr sein AufnahmegerĂ€t. Als er viel spĂ€ter den Kopf hob, sah er, dass etliche wieder gekommen waren und sich schweigsam um ein großes selbstgebasteltes Plakat versammelt hatten. Darauf stand in großen Buchstaben:
„Mahmud, komm lass uns zusammen weinen !“


Version vom 17. 12. 2016 11:21

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