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Leselupe.de > Erzählungen
Glück
Eingestellt am 10. 06. 2017 15:20


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nathaliez
Hobbydichter
Registriert: Jun 2017

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Von der unüberwindbaren Hürde des Glücks
Ich schlendere durch die Straßen des kleinen Dorfes, das ich seit meiner Kindheit meine Heimat nennen darf. Der Himmel ist wie üblich mit dichten grauen Wolken behangen, aber das stört mich herzlich wenig. Von so einer Kleinigkeit lasse ich mir nicht die Laune verderben. Generell wird man mich höchst selten mit schlechter Laune antreffen. Schließlich lebe ich ja am schönsten Ort der Welt. Zumindest denke ich das. Zugegeben Ich habe noch nicht sonderlich viel von ihr gesehen, dieser großen weiten Welt. Urlaub mache ich am liebsten auf immer demselben Campingplatz an immer demselben See. Ab und an fahre ich auch an die Ostsee, wenn das Geld reicht um sich dort ein kleines Ferienhaus zu mieten. Meine Freunde denken, ich hätte versagt, mein Leben sozusagen und nicht mein ganzes Potential ausgeschöpft. Sie sagen es nicht, aber ich weiß doch, dass sie es denken. Das stört mich allerdings nicht. Alle meine Freunde sind Manager in top Unternehmen. Sie fahren einen schicken Mercedes, tragen maßgeschneiderte Anzüge in schicken Grautönen oder die Kleider aus der neusten Chanel Kollektion und sie machen Urlaub an exotischen Stränden unter der strahlenden tropischen Sonne. Sie halten sich für erfolgreich und doch sind sie bedauernswerte Menschen. Sie lachen über mich mit meinem ausgefallenen Modegeschmack und meinen langweiligen Urlaubsplänen. Und dennoch ich freue mich jeden Abend vor dem Einschlafen schon wieder darauf am nächsten Morgen aufzustehen, während sie sich Abends unter schwerem Stöhnen auf die Couch fallen lassen um den Rest des Abends im eisigen Schweigen vor drittklassigem TV-Programm zu verbringen. Am nächsten Tag werde ich von den Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher geweckt, während sie vom penetranten Summen ihres Smartphones, viel zu früh, aus dem Schlaf gerissen werden. Ich werde von einer freundlichen Stimme aus meinen Gedanken geholt. Frida, eine ältere Dame aus der Nachbarschaft steht strahlend vor mir auf dem Bürgersteig. In ihren Händen hält sie einen riesigen Korb, der bis zum Rand voll ist mit herrlich roten Kirschen, die bei der alten Frau im Garten wachsen. Begeistert streckt sie mir den Korb entgegen. „Hier mein liebes Kind, die sind für dich.“ Ich bedanke mich höfflich und schiebe mir grinsend eine sonnengereifte Kirsche in den Mund. „Aber das ist doch selbstverständlich.“, sagt die alte Dame „Wir haben dieses Jahr so viele, dass wir sie gar nicht alle selber Essen können und ich weiß doch wie gerne du Kirschen hast.“ Mir ist klar, dass sie lügt. Es gibt dieses Jahr nicht mehr Kirschen als in den Jahren zuvor. Ich gehe weiter. Den süßen Geschmack einer liebevollen Nachbarschaft noch immer auf den Lippen. Sie kennen ihre Nachbarn nicht. Nach der Schule sind sie in die Großstadt gezogen, um dort zu arbeiten. Heute leben sie in schicken, anonymen Lofts und Penthouse Wohnungen. Sie wissen nicht, wie die Frau unter ihnen heißt. Meist Grüßen sie sie nicht einmal wenn sie ihr auf dem Flur oder im Aufzug begegnen. Ihre Milch kaufen sie nicht im Laden um die Ecke sondern in einer großen Supermarktkette, oder sie lassen sie sich noch lieber nach Hause liefern. Das heißt wenn Milch überhaupt in ihren Ernährungsplan passt. Denn sie essen meist vegan, glutenfrei und auf Kohlenhydrate verzichten sie natürlich nach 18 Uhr komplett. Sie fahren mindestens 5 mal die Woche in ein schickes Sportstudio um dort 30 Minuten auf dem Laufband zu Joggen. Meine kurvige Figur ist ihr schlimmster Alptraum. Ich bleibe stehen ich bin an meinem Arbeitsplatz angekommen. Es ist kein schickes verglastes Bürogebäude, sondern der Digitalisierungsverlierer schlecht hin, ein kleiner Bücherladen. Ich schließe die Tür auf und der Geruch von Büchern weht mir entgegen. Tausende Geschichten die nur darauf warten erzählt zu werden. Abenteuer und Helden, alle griffbereit und alphabetisch sortiert. Ich stelle den Korb voller Kirschen auf der Theke ab und wundere mich darüber, wie sonderbar diese Welt doch ist.
Sie sind Erfolgreich, ich nicht. Ich bin glücklich, sie nicht.

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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