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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Inszenierung
Eingestellt am 13. 01. 2019 18:36


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Mistralgitter
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Ich sitze vor dem Haus meiner Mutter auf einem Esszimmerstuhl. Es gibt hier keine Bank. Es w├Ąre auch kaum Platz daf├╝r.

Die Stra├če ist eng, ohne Gehweg. Zwei Autos kommen nur schwer aneinander vorbei. Im Schritttempo. Doppelh├Ąuser reihen sich aneinander. Dazwischen nur die ├╝beraus schmalen Garagenzufahrten. Ein bisschen Garten. Ein wenig Blumenschmuck hier und da vor der Haust├╝r oder an den Fenstern. Die meisten Anwohner lassen den Eingang jedoch sachlich, kahl, unterk├╝hlt.

Man k├Ânnte den Nachbarn sehen und vielleicht mit ihm reden. Wenn man wollte. Wenn es m├Âglich w├Ąre. Doch hohe Hecken mauern die Grundst├╝cke ein. Meist sind auch die Fenster geschlossen und mit dichten Vorh├Ąngen verhangen. Automatische Rolll├Ąden verhindern schon fr├╝h bei Sonnenuntergang die Sicht. Es wird dann richtig dunkel im Innern, man muss die Lampen anschalten. Der Blick von drau├čen nach drinnen wird abgewiesen und man sieht nicht mehr hinaus. In dieser Umgebung wohnt meine Mutter. Sie passt hierher.

Ich mag lieber das Leben, wie es fr├╝her einmal war, offene Fenster und T├╝ren, B├Ąnke vor den H├Ąusern, wo man sa├č, wenn Feierabend war. Reichlich Blumenschmuck an Fenstern und Balkonen wie in Oberbayern. Ich will mich auch so f├╝hlen, wenn ich zu Besuch bei meiner Mutter bin, so gem├╝tlich, entspannt, erleichtert. Romantisch vielleicht. Im Gegensatz zu aller K├╝hle und Angespanntheit im sonstigen Umgang miteinander. Deswegen sitze ich jetzt hier auf der Stra├če neben dem Hauseingang. Wenn es mir nicht von au├čen gegeben wird, nehme ich mir selber die Freiheit und gestalte das Drumherum so, dass es mir passt.

Wie die Frauen in alten Zeiten habe ich eine kleine Tischdecke auf dem Scho├č und besticke sie mit Kreuzstichen. Und genau, wie ich es erwartet habe, erscheint meine Mutter mit ihrem Fotoapparat und macht ein Foto von dieser Szene. Ich schaue von meiner Stickerei auf und l├Ąchele brav ins Bild.

Eine Inszenierung, sonst nichts. Sie ist mir gelungen. Denn als wir sp├Ąter dieses Foto betrachten, meint sie: ÔÇ×Siehst du, wie du auf dem Foto l├Ąchelst? Du kannst dich doch nicht nur ungl├╝cklich gef├╝hlt haben bei mir.ÔÇť Ich l├Ąchele immer noch, wenn ich daran denke. Aber nicht brav.

__________________
AST: "Ach, wissen Sie, in meinem Alter wird man bescheiden - man begn├╝gt sich mit einem guten Anfang und macht dem Ende einen kurzen Prozess."

Version vom 13. 01. 2019 18:36
Version vom 13. 01. 2019 22:02

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