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Leselupe.de > Veröffentlichungen unserer Autoren
Kai und das Reitabzeichen
Eingestellt am 05. 12. 2010 12:44


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Ruedipferd
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Neuerscheinung

Im zweiten Band von „Kai und der Ponyhof“ wird es wieder turbulent. Kai und Katja erleben viele neue Abenteuer und Fohlen Alexander muss sich vor dem gestrengen Preisgericht beim Hauptbrenntermin behaupten. Der kleinen Katja steht dann die grĂ¶ĂŸte und schwerste Herausforderung ihres Lebens bevor. Sie nimmt all ihren Mut zusammen, ĂŒberwindet ihre Angst und wird zur Heldin des Ponyhofs. Ein ereignisreiches Jahr endet mit dem Weihnachtsreiten und Kai kann mit seiner Katja in eine neue glĂŒckliche Zukunft blicken.

"Kai und das Reitabzeichen" ist
wie "Kai und der Ponyhof" erschienen auf:
Hier klicken
Autor: Manuel Magiera und kostet 15€

Wer fĂŒr sein pferdeverrĂŒcktes Kind noch ein gĂŒnstiges und pĂ€dagogisch wertvolles Weihnachtsgeschenk sucht, wird sicher nicht enttĂ€uscht sein.


Reitsportinteressierte Kinder und Erwachsene sollen ĂŒber die Erlebnisse des kleinen Kai und seiner behinderten Freundin Katja auf wichtige Grundlagen des Pferdesports aufmerksam gemacht werden. Durch diese spannende Geschichte, die mitten aus dem Leben gegriffen ist, erfahren die Leser ganz nebenbei und ohne lernintensiven Fachbuchcharakter bereits sehr viel Wissenswertes ĂŒber den sicheren Umgang mit Pferden. Der Werdegang des neunjĂ€hrigen Kai, seines Fohlens "Alexander" und der behinderten Katja zeigen den Weg eines Reiters vom ersten lĂ€ndlichen Turnier bis zur Teilnahme an der Landesmeisterschaft auf. Die Reihe, die mit "Kai und der Ponyhof" begann, wird nun mit "Kai und das Reitabzeichen" sachkundig fortgefĂŒhrt und gibt Einsteigern erste Einblicke in schöne, aber auch wichtige Einzelheiten des Pferdesports. Ein Pferd ist kein TennisschlĂ€ger, den man mal eben in die Ecke stellen kann. Der Reiter ĂŒbernimmt oft eine lebenslange Verantwortung fĂŒr ein Tier, das frĂŒher nur in freier Wildbahn vor kam. Hieraus leiten sich neben Rechten auch weitreichende Pflichten ab.
Ich reite selbst und möchte dem Nachwuchs mit meiner Geschichte zeigen, wie Mensch und Tier auch kĂŒnftig harmonisch miteinander umgehen können. Gleichzeitig werden zwischenmenschliche Aspekte, christliche Werte und die Integration Behinderter in eine lehrreiche Kinderfreundschaft einbezogen.

Leseproben gibt es auf Tredition zum Buch und auf meiner Homepage:
Hier klicken unter Links auf Hier klicken

Eine Kleine erhaltet ihr auch hier jetzt nachstehend:

4. Kapitel Das Reitabzeichen
Die erste Lehrgangswoche ist schnell vergangen. Jeden Morgen trainierten die kleinen Reiter fleißig. Auch die Pferde haben sich an den tĂ€glichen Unterricht und ihr Arbeitspensum gewöhnt. Jochen Asmussen hat wie immer zuerst großen Wert auf den korrekten Sitz gelegt.
Dazu mussten die Kinder auch Übungen am Boden durchfĂŒhren.
Als alle auf der langen Bank saßen und ihre Sitzbeinhöcker spĂŒren sollten, gab es großes GelĂ€chter. Aber um mit dem Pferd einfĂŒhlsam und harmonisch mitschwingen zu können, muss man natĂŒrlich nicht nur selbst im ganzen Körper beweglich sein, sondern den eigenen Körper erst einmal richtig kennen. Auch der Voltigierbock und einige große GymnastikbĂ€lle kamen zum Einsatz.
Wenn der Reiter mit seinem Pferd kommunizieren, sich also unterhalten will, damit das Pferd auch dahin geht, wohin der Reiter möchte, mĂŒssen alle Bewegungen von Reiter und Pferd ein einheitliches Bewegungsbild ergeben. Man nennt das mit einem Fremdwort Harmonie.
Wer auf den Turnieren erfahrene Reiter beobachtet, wird die Einwirkung des Reiters kaum noch bemerken. Und so soll es auch sein. Der Reiter sitzt gerade auf seinem Pferd, Schultern, Arme und Beine sind locker und der Reiter schwingt in der Mittelposition im Becken durchlĂ€ssig mit. DurchlĂ€ssigkeit ist das Weiterleiten der Bewegung ĂŒber alle Gelenke, ohne irgendwo aufgehalten zu werden. Das kann man ĂŒben, aber es dauert lange und ist mit Arbeit und stĂ€ndiger Disziplin verbunden.
DurchlÀssigkeit gehört also nicht nur zur Ausbildung des Pferdes, sondern auch zum Reiter.
Reiten mit Gewichtshilfen, das Gleichgewicht, der Ausgleich der Schiefe des Reiters, KurvengefĂŒhl und richtiges Treiben waren die Themen eines ganzen Nachmittags, an dem die Kinder nicht nur viel Theoretisches gehört haben, sondern vor allem auch selbst Übungen und Spiele machen durften.

Im Dressurunterricht wurde erst lange Zeit in der Abteilung geritten. Allerdings wechselte Jochen Asmussen den Tetenreiter, also denjenigen, der die Spitze ĂŒbernimmt, stĂ€ndig aus. Dadurch konnte jeder einmal vorne sein und wurde natĂŒrlich in Sitz, Einwirkung und dem GefĂŒhl fĂŒr das richtige Ausreiten der Bahnfiguren genauestens vom Reitlehrer kontrolliert. Den zweiten Teil der Stunde sollten die Kinder durcheinander reiten und dabei einzelne Lektionen ĂŒben.
Nun wird zum ersten Mal auch die ganze PrĂŒfung geritten. Man soll das nicht zu oft tun, denn die Pferde gewöhnen sich natĂŒrlich an die Aufgabe und warten dann die Hilfestellung durch den Reiter gar nicht mehr ab. Das ist zwar zu Hause beim Üben ganz angenehm, fĂŒr eine PrĂŒfung aber Ă€ußerst hinderlich. Die Richter achten ja genau auf die Signale des Reiters und nur darauf soll das Pferd reagieren.

Kai und seine Gruppe haben sich bereits warm geritten. Die Pferde sind gelöst und Kais Onkel betritt die Reithalle. Er hat ein kleines gelbes Buch in der Hand. Es handelt sich dabei um das Aufgabenheft. Es gibt DressurprĂŒfungen der Klasse E (Einsteiger), A (AnfĂ€nger), L (Leicht), M (Mittel) und S (Schwer).
In den hohen Lektionen gibt es auch noch Unterscheidungen durch Sterne, also M zwei Sterne oder S drei Sterne. Das hĂ€ngt dann mit dem Schwierigkeitsgrad der PrĂŒfung zusammen.
Onkel Jochen liest sich aufmerksam die DressurprĂŒfung E5 durch. Er kann sie inzwischen schon auswendig, aber es ist immer besser, sie abzulesen. Auf einem Turnier kann der Reiter, dessen Vorleser sich verliest, wegen Verreitens disqualifiziert werden. Jeder Reiter, der vielleicht einen langen Anmarschweg hatte und wegen eines solchen unnötigen Fehlers unverrichteter Dinge wieder abfahren muss, wird sich fĂŒrchterlich Ă€rgern.

„Einen schönen Guten Morgen, alle miteinander!“, erhebt der Reitlehrer seine Stimme.
„Wir wollen jetzt das erste Mal die PrĂŒfung vollstĂ€ndig reiten. Ihr seid nur fĂŒnf Reiter. Von daher könnt ihr alle in der Bahn bleiben und zusehen. Zirkel, ganze Bahn, LĂ€nge der Bahn, Mittellinie bleiben frei. Ach so, durch die ganze Bahn wechseln mĂŒssen wir auch. Also bitte Platz machen und Vorsicht. Wir werden die PrĂŒfung vorsichtshalber spĂ€ter auch zu zweit gegeneinander ĂŒben.
Denkt bitte an die Ecken und an die korrekte Stellung. Kai, du fĂ€ngst nicht an. Du hast hier stĂ€ndig die Möglichkeit zu trainieren. Sabrina, du bist heute mal die Erste. Also alle durchparieren zum Schritt und Aufpassen. Die PrĂŒfung beginnt.

Einreiten im Arbeitstrab, im Mittelpunkt halten, GrĂŒĂŸen. Gerade auf C zureiten und bereits beim Abwenden stĂ€ndige halbe Paraden. Mach dein Pferd aufmerksam. Weiter, weiter, jetzt ganze Parade und Halten. Er muss mit allen vier Beinen gerade stehen. Gut, die ZĂŒgel in die linke Hand. Den rechten Arm nach hinten und einmal nicken.
Fein. Jetzt bleib ruhig und lass ihn stehen. ZĂŒgel aufnehmen und gleich energisch anreiten.
Im Arbeitstempo Trab und leicht traben, bei C rechte Hand. Weich werden, aber immer energisch und vorwÀrts.
Leichte Innenstellung. Die HĂ€nde ruhiger und richte dich noch mehr auf. Jetzt schön die Ecke durchreiten, das ist bereits eine viertel Volte und gerade richten, bei K durch die ganze Bahn wechseln. Tief in die Ecke reiten. Schön. Bei M linke Hand und bei C aussitzen. Auf dem Zirkel geritten. Schau jetzt genau zum ersten Zirkelpunkt. Kopf hoch und lĂ€cheln. Einmal herum. Weiter, weiter, du bestimmst das Tempo. Ruhiger mit der Hand, aufrecht die ZĂŒgelfĂ€uste, sonst kannst du keine richtigen Paraden geben. Aus dem Zirkel wechseln, Geraderichten, erst dann umsitzen und Rechtsstellung. Weiter vorwĂ€rts. Bei X angaloppieren, einmal herum, bei A durchparieren zum Trab.

Schon vor X stÀndig halbe Paraden. Wenn er mit den Ohren spielt, ist er bei dir. Jetzt linken Schenkel nach hinten und vor mit der Hand. Schau nach vorne, MÀdchen. Der nÀchste Zirkelpunkt ist deiner.
Vor der Ecke schon wieder halbe Paraden. Sehr gut. So muss der Wechsel sein. Ganz weich. Ganze Bahn, aussitzen. Wieder vorwÀrts. Deine HÀnde sind zu unruhig. Du störst ihn immer wieder im Maul.
Bei C durchparieren zum Schritt, M durch die ganze Bahn wechseln. Weicher Übergang. Ja, er kaut doch. Aufrichten und schönen Mittelschritt. Gib ihm etwas Luft. Vor K die ZĂŒgel wieder diskret kĂŒrzer fassen. Wenn du die Gerte ĂŒbergibst, nimmst du erst die ZĂŒgel in die rechte Hand. Dann ziehst du die Gerte gerade nach oben und nimmst den linken ZĂŒgel mit der linken Hand wieder auf. Den Wechsel kannst du gleich machen, wenn du bei M abgewendet hast. Dann hast du mehr Zeit dazu. Jetzt wird es kritisch, denn du sollst sofort hinter K vor der Ecke wieder im Arbeitstempo antraben.
Auf dem Zirkel geritten und energisch vorwĂ€rts. Schau nach vorn. Bei X angaloppieren, bei A ganze Bahn. GleichmĂ€ĂŸig im Tempo bleiben. Bei C durchparieren zum Trab und wieder mit halben Paraden aufmerksam machen. Weicher Übergang, ganze Bahn und immer noch fleißig vorwĂ€rts.
Bei A auf die Mittellinie abwenden, bei X halten und grĂŒĂŸen. Am langen ZĂŒgel die Bahn zĂŒgig verlassen. Sehr schön. Freu dich, das war schon fast eine 7.
NĂ€chstes Wochenende hĂ€ltst du nur noch deine HĂ€nde ruhiger und rutscht etwas weniger im Sattel hin und her. Am Mittwoch ĂŒben wir noch einmal.

So, der NĂ€chste. Marius, komm, wir wollen sehen, was ihr MĂ€nner drauf habt.“
Auch Marius, Pamela und Lara und natĂŒrlich Kai am Schluss konnten ihren Reitlehrer zufrieden stellen.
„Hey, wenn das am nĂ€chsten Sonntag auch so gut klappt, sind wir bald Profis“, lacht Marius, als er seine Stute Arabella neben Kai im Stall absattelt. „Au ja, wir können doch gemeinsam einen Stall aufmachen. Du bist fĂŒr die Dressur zustĂ€ndig und ich fĂŒrs Springen“, entgegnet Kai.
„Und welche Rolle spiele ich dabei?“, fragt Katja, die mit ihrem Rollstuhl nach gekommen ist. Sie hat ein anderes Modell erhalten und kann jetzt selbst damit fahren. Kai sieht seine kleine Freundin verschmitzt an. „Du bist wie alle Frauen fĂŒrs Essen verantwortlich und machst unsere BuchfĂŒhrung“, antwortet er lachend. „Und du bist wieder unmöglich Kai Thomsen, aber ich werde es mir merken“, erwidert das MĂ€dchen mit einem stolzen LĂ€cheln auf den Lippen. Kai lacht. „Apropos Essen, ich habe wirklich schon wieder Hunger. Kannst du uns nicht ein Brötchen oder so besorgen? Eine Cola oder ein Apfelsaft wĂ€re auch nicht schlecht. Marius will sicher auch etwas trinken. Wir gehen gleich zu Alexander, ich muss auch noch die Box misten.“ Kai zwinkert Katja zu. „Na gut, ausnahmsweise, weil du es bist!“, neckt sie ihn und fĂ€hrt zum Bauernhaus, wo Kais Tante bereits mit den Vorbereitungen fĂŒr das Mittagessen beschĂ€ftigt ist.
Kai und Marius gehen in den Ponystall und beginnen, Schneeflockes Box auszumisten. WĂ€hrend Kai die Mistkarre nach draußen fĂ€hrt, beginnt Marius bereits mit dem Einstreuen. Auch Heu holt der zehnjĂ€hrige blonde Junge und lockert es in der Box etwas auf.
Als Kai zurĂŒckkehrt, lĂ€uft er in die Futterkammer und schneidet einige Wurzeln fĂŒr sein Pony. Es ist Herbst und natĂŒrlich stehen ĂŒberall im Stall auch KĂ€sten mit Äpfeln fĂŒr die Pferde bereit.
Zuviel dĂŒrfen sie nicht davon fressen, das ist ungesund, hat ihm Opa Hannes erzĂ€hlt. Es hĂ€ngt mit den Inhaltsstoffen eines Apfels zusammen, aber das versteht Kai noch nicht. Nur, wenn Opa Hannes ihm etwas erklĂ€rt, wird es schon richtig sein.

„Danke, fĂŒr die Hilfe, Marius. Du bist ein guter Kumpel“, lacht Kai. Marius grinst zurĂŒck. „Ich hoffe, du hilfst mir auch, wenn ich dich mal brauche!“ Kai nickt ernst mit dem Kopf. „Klar, wir sind doch Freunde. Lass uns zu Alexander gehen.“
Die beiden sind wenige Augenblicke auf der Ponyweide und umringen Katja, die Brötchen und SafttĂŒten verteilt. Alexander kommt in großen GaloppsprĂŒngen auf Kai zugerannt und stupst ihn sofort mit den NĂŒstern an. Auch Marius tĂ€tschelt den kleinen Frechdachs, der nun schon vier Monate alt ist. Er steckt ihm den Finger ins Maul und Alexander beginnt, darauf zu kauen. „Autsch“, ruft Marius und zieht seine Hand mit schmerzverzehrtem Gesicht zurĂŒck. Kai und Katja lachen. Marius schneidet lustige Grimassen. „Sei vorsichtig, Alexander will dir nichts tun, aber er hat schon jetzt viel Kraft in seinem Gebiss“, warnt Kai seinen Freund. „Das habe ich gerade gemerkt“, antwortet dieser.
Katja holt ihr Lehrbuch aus der Tasche. „Dann wollen wir mal sehen, was ihr beiden alles ĂŒber die ZĂ€hne beim Pferd wisst“, meint sie. „Kai, erzĂ€hl mir etwas ĂŒber Alexanders ZĂ€hne!“

„Frag ihn doch selbst“, frotzelt der kleine Junge frech. Aber er hat den Wert der Frage gleich verstanden und ĂŒberlegt sich seine Antwort gut.
„Also, die beiden mittleren SchneidezĂ€hne heißen Zangen und brechen in den ersten Lebenstagen nach der Geburt durch. Die zweiten MittelzĂ€hne daneben kommen nach sechs Wochen und die Ă€ußeren EckschneidezĂ€hne nach sechs Monaten. Alle sind MilchzĂ€hne, sie fallen dann heraus und
“
„Stopp“, unterbricht ihn Katja wie eine kleine Lehrerin und wendet sich Marius zu. „Wann kommen die bleibenden ZĂ€hne?“ Marius hat das Unheil herannahen sehen und macht sich auch erst einmal Gedanken. Dann schaut er freudig auf. „Hab ich doch gestern gerade gelesen und gelernt. Die Zangen brechen mit 2 Âœ bis 3 Jahren durch, die MittelzĂ€hne nach 3 1/2 bis 4 Jahren und die EckzĂ€hne 4 1/2 bis 5 Jahre. Und wie viele ZĂ€hne hat ein Pferd, Katja? Aber ohne Buch!“, dreht er den Spieß um.
Katja ĂŒberlegt nur kurz. „36-40, davon sind 12 SchneidezĂ€hne und 24 BackenzĂ€hne und Hengste und Wallache haben noch zwei EckzĂ€hne mehr.“ Zufrieden blickt sie die beiden Jungen an. „Also, fĂŒr die theoretische PrĂŒfung sind wir gerĂŒstet“, meint sie altklug.

In diesem Augenblick kommt Kais Tante Monika aus dem Bauernhaus. „Es gibt Mittag, könnt ihr mir mal bitte helfen?“, fragt sie die Kinder. NatĂŒrlich können die drei. Im ReiterstĂŒbchen sitzen schon die anderen hungrigen MĂ€uler und die Gulaschsuppe kommt ihnen gerade recht. Um zwei Uhr beginnt Kais Onkel mit dem theoretischen Unterricht. Alle warten gespannt auf ihn und haben sich Kugelschreiber und Notizblöcke bereit gelegt. Dann erscheint Jochen Asmussen
„So, Kinder. Ich habe gerade noch mit Frau Förster, der Richterin, die Kai und Katja und einige andere auch ja schon vom Basispasslehrgang her kennen, telefoniert. Es geht am Sonntag planmĂ€ĂŸig um 13 Uhr los. Herr MĂŒller, der zweite Richter, hat einen lĂ€ngeren Anmarschweg vor sich, deshalb starten wir erst nach dem Mittagessen. Aber dann brauchen wir auch die Zeit, denn es sind ja zwölf AbzeichenprĂŒfungen, die abgenommen werden mĂŒssen. Frau Förster rechnet mit etwas ĂŒber eine Stunde fĂŒr die Dressuren und dasselbe sicher noch einmal fĂŒr das Springen. Wir reiten in der Halle, von daher mĂŒssen wir ja auch noch den Parcours aufbauen. Aber das mache ich mit den VĂ€tern. Dann kommt die Theorie und wenn alles klappt wie vorgesehen, sind wir spĂ€testens um 17 Uhr durch. Über die Einzelheiten unterhalten wir uns noch am Freitag. Am Samstag ist Generalprobe. Ich werde dann höchst persönlich die theoretischen Fragen in der Reithalle stellen, so dass ihr die PrĂŒfungssituation einmal vollstĂ€ndig durchgespielt habt.
Nun kommen wir zu meinem Lieblingsthema. Die Skala der Ausbildung!“
Onkel Jochen erklĂ€rte dann den Kindern, was es mit Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung auf sich hat. Ziel ist die DurchlĂ€ssigkeit, um ein angenehmes und gehorsames Reitpferd zu haben. Die Skala der Ausbildung geht auf die Zeit von 1935 zurĂŒck, als es in Deutschland noch eine Kavalleriereitschule fĂŒr die Soldaten gab. Damals wurde sie von einem Mann mit Namen Heydebreck aufgestellt und ist noch heute gĂŒltig. Als Onkel Jochen dann auch noch erzĂ€hlte, dass es aus dem neunzehnten Jahrhundert ein Buch mit dem Titel „Das Gymnasium des Pferdes“ gibt, mussten alle erst einmal lachen. Kai meinte, Alexander könne ja im nĂ€chsten Jahr neben ihm sitzen, wenn er selbst auf das Gymnasium kommt. Es war eine lustige Stunde, trotz des doch schweren Themas.

Am Dienstag ist wieder Springen angesagt. Kai und die anderen Jungen und MĂ€dchen mĂŒssen vor der Reitstunde helfen, den Parcours aufzubauen. Weil in der Halle geritten wird, ist die Hinderniszahl auf sechs bis zehn Hindernisse begrenzt. Onkel Jochen hat acht verschiedene Hindernisse ausgewĂ€hlt. Es ist eine zweifache Kombination darunter, die aus zwei kleinen SteilsprĂŒngen besteht. Zu Beginn mĂŒssen die Kinder einen kleinen rot-weißen Kreuzsprung ĂŒberwinden. Dann geht es ĂŒber einen grĂŒnen Oxer. Danach muss durchpariert werden und es wird die Hand gewechselt. Nach einer kleinen Trabpause kommt erst ein Steilsprung mit zwei grĂŒn-gelben Stangen und danach ein weiterer Oxer, unter dem eine schmale Kiste mit Buschwerk steht, so dass er wie ein Natursprung aussieht. Und wieder wird die Hand gewechselt.
Ein Oxer mit blau-weißen Stangen ist zu nehmen und danach geht es in die zweifache Kombination.
Nach einer lĂ€ngeren Galoppstrecke auf der rechten Hand kommt ein einladender blauer Hochweitsprung und dann steht schon der Aussprung, ein Steilsprung mit grĂŒnen Stangen, auf dem Programm. FĂŒr das E-Springen mĂŒssen die Hindernisse zwischen 0,80 m und 1 m hoch sein. Die Richter wollen den richtigen Sitz bewerten und die DurchlĂ€ssigkeit des Pferdes prĂŒfen. Dazu wird durchpariert zum Trab, erneut angaloppiert und dann weiter galoppiert. NatĂŒrlich muss alles in einem ruhigen gleichmĂ€ĂŸigen Tempo geschehen und die Kinder sollen das richtige Angaloppieren auf der anderen Hand nach dem Handwechsel zeigen. Auch der leichte Sitz wird erwartet.

FĂŒr Kai ist der Parcours kein Problem. Aber er hat ein anderes. Er ist nĂ€mlich jedes Mal mit seinem Rennpony Lonzo der Schnellste. Lonzos Renngalopp verhilft ihm auf den Turnieren zwar immer zu Siegen und Platzierungen, wenn es um die Zeit geht, aber fĂŒr die AbzeichenprĂŒfung wird ihm nun ein „Schuh“ daraus. Die Richter wollen keinen fliegenden Kai sehen, sondern ein artig und ruhig galoppierendes Pferd und Kai hat alle MĂŒhe, seinem Lonzo klar zu machen, dass er von seinen Gewohnheiten ablassen muss. Onkel Jochen ist ebenfalls etwas nachdenklich geworden. Er erwĂ€gt, Kai einen Pferdewechsel beim Springen machen zu lassen.
„Kai, das wird so nichts. Wenn du ihn nicht zur Ruhe bringen kannst, musst du den Tarzan von Pamela nehmen. Am besten ihr beide tauscht mal eure Pferde. Dann sehen wir, ob meine Idee richtig war.“ Pam und Kai gehorchen. „Aber ich muss doch hoffentlich nicht mit ihm springen?“, fragt die kleine blonde Pam Ă€ngstlich. Sie bewundert Kai und Lonzo, aber Springen ist nicht ihre StĂ€rke und der Gedanke, mit dem schnellen Lonzo zurechtkommen zu mĂŒssen, ist dem kleinen MĂ€dchen gar nicht geheuer.
„Um Gottes Willen, nein, dann könnte ich ihn ja auch mit Kai starten lassen!“, ruft Jochen Asmussen entsetzt aus. Du reitest Tarzan. Aber es sind zwei Starts pro Pferd beim Springen erlaubt und bevor sich Kai seine Wertnote gĂ€nzlich kaputt macht, gehen wir den Weg des geringsten Widerstandes. Los Kai, fĂŒnf Minuten Kennenlernen, wie beim Preis der Nationen, und dann geht es ab. Sabrina, du bist dran.“
Auch die dreizehnjĂ€hrige Gymnasiastin ist nur Springfan, solange sie nicht selbst im Parcours starten muss. Sie liebt die Dressur und vor allem das Ausreiten in die Umgebung. Mit einem mulmigen GefĂŒhl im Bauch reitet sie einmal ganze Bahn und trabt dann ruhig ĂŒber den kleinen Kreuzsprung. „Sehr schön“, lobt der Reitlehrer. „Lass ihn einfach gehen. Dein Sitz ist gut. MerkwĂŒrdigerweise sitzt du beim Springen ruhiger als bei der Dressur, obwohl du doch nicht so gerne springst. Schau jetzt nach vorne auf den nĂ€chsten Sprung zu. Immer mit dem Kopf schon zum nĂ€chsten Hindernis sehen. Stell ihn gerade und bleib im Sattel sitzen. Bei dieser Höhe mĂŒsst ihr noch nicht so hoch aufstehen. Langsam und gleichmĂ€ĂŸig auf die zweifache Kombination zu galoppieren. Jetzt vor mit der Hand. Sehr schön machst du das. Und noch einmal, dann hast du es geschafft.
Nun lach mal, ist doch gut gegangen! Du brauchst nur ein einziges Mal fĂŒr die PrĂŒfung zu springen. Dann reitest du auf den Turnieren deine Dressur und fĂŒr das Klasse III Abzeichen kannst du disziplinspezifisch statt der vorgeschriebenen A-Dressur eine L reiten. Das schaffst du. Wir haben viel Zeit zum Üben. Rom ist auch nicht in einer Woche erbaut worden.“
Langsam hat sich Sabrinas Anspannung gelegt. Sie freut sich. Aber sie weiß natĂŒrlich auch, dass sie nur deshalb so ruhig auf ihrem Pferd sitzt, weil sie sich vor Angst völlig verkrampft. Aber Lausbub ist ein vierzehnjĂ€hriger erfahrener Wallach und geht schon lange im Schulbetrieb. Er weiß, was er zu tun hat, und macht es seinen jungen Reitern leicht. Eine Wertnote um die 6,0 wĂŒrde dem MĂ€dchen zum GlĂŒck schon reichen. Sie hofft auf eine gute Dressurnote und als Gymnasiastin möchte sie natĂŒrlich auch in der Theorie glĂ€nzen.

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