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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Kaltgestellt
Eingestellt am 27. 06. 2005 23:04


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ScarlettMirro
One-Hit-Wonder-Autor
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Kaltgestellt



Als ich vom Duschen zurĂŒck ins Zimmer kam, hörte ich leise im Hintergrund den Fernseher. Ich hockte mich mit hĂ€ngenden Schultern davor und sah fĂŒr einen Moment zu; ich bemĂŒhte mich, meine ganze Aufmerksamkeit auf das laufende GesprĂ€ch zu lenken. Manchmal flimmerte Kai-Uwes Gesicht kurz auf. Nein, ich wollte nicht an ihn denken.
Das Wasser trocknete allmĂ€hlich auf meiner Haut. Bilder von Kai-Uwe stiegen auf, wie er an der Bushaltestelle stand, an die Wand des SchutzhĂ€uschens gelehnt. Ich schĂŒttelte den Kopf und konzentrierte mich fröstelnd auf den Fernseher.
Als die Werbung eingeblendet wurde, stand ich auf und holte noch ein paar kleine FlĂ€schchen aus der Minibar. Die Bilder der vergangenen Tage und Wochen drĂ€ngten sich erneut auf. Ich versuchte mich zu beherrschen, um nicht wieder unter die Dusche zu steigen. Inzwischen lag die zweite Garnitur HandtĂŒcher durchnĂ€sst im Badezimmer.

Mich schauderte, als die Moderatorin das Wort „Eifersucht“ benutzte; und da waren die Erinnerungen der letzten Zeit von neuem. Nur am Anfang ist Eifersucht harmlos. Am Anfang nach unserer Trennung hatte ich auf Kai-Uwes Nachstellungen vielleicht sogar geschmeichelt reagiert. SpĂ€ter war ich genervt, als ich ĂŒberall sein Gesicht sah, und bald danach versuchte ich ihm auszuweichen. Ich verabredete sogar Klingelzeichen mit meinen Freunden, damit ich nicht jedes Mal mit ihm sprechen musste, wenn er anrief.
Kai-Uwe nahm es nicht gelassen, als ich die Beziehung beendetet hatte. Er suchte nach mir, lauerte mir an meiner Arbeitsstelle auf, weil er angeblich nur mit mir reden wollte. Dann erklĂ€rte er, dass er kein Problem damit habe, dass ich ausgezogen sei, aber er wĂŒrde gern noch immer mit mir schlafen wollen. Und er fragte mich, wo denn das Problem wĂ€re. Eingeengt wie ein wildes Tier suchte ich nach einer Fluchtmöglichkeit. Anfangs vermied ich, meine neue Wohnung zu verlassen. SpĂ€ter aber entdeckte ich, dass ich nachts spazieren gehen konnte.

Ich sah auf die Uhr, ein Uhr morgens. Duschen. Ich hielt es nicht aus. Duschen oder Schnaps. Ich ging wieder unter die Dusche. Der Wasserstrahl brachte mich immer wieder in die Gegenwart zurĂŒck.

In einer dieser NĂ€chte allerdings war ich an den See im Park gegangen, die Enten hatten bereits ihre Köpfe ins Gefieder gesteckt. Ich fĂŒhlte mich frei wie ein Vogel. In dem kĂŒhlen Wasser badete ich, als Kai-Uwe plötzlich am Ufer stand. Dort, wo ich zuvor meine Sachen abgelegt hatte.
„So. Hier nackt baden kannst du, du Hure!“
„Kai-Uwe, bitte nicht!“, flĂŒsterte ich schwach.
„Kai-Uwe, bitte nicht“, höhnte er, dann trampelte er wie irrsinnig auf meinen Kleidern herum, „Kai-Uwe will aber!“ klang es wie aus einem Kindermund. „Du hast mir mein Leben zerstört, Anke. Und ich will es wiederhaben. Ich will dich wiederhaben! Du musst zurĂŒckkommen.“
„Nein, es ist vorbei.“ Obwohl ich es nicht wollte, klang meine Stimme belegt, „Kai-Uwe, versteh doch. Es ist vorbei! Wir können Freunde 
!“
„Freunde bleiben? Nein. Niemals, Anke. Komm raus!“, seine Stimme schwoll an, „Komm. Und ich werde dir nichts tun!“
„Geh. Bitte.“
„Nun, wie du willst. Dann werde ich dich nach hause holen“, schnell zog er sich die Kordhose, das Hemd und seine Unterhose aus und kam ins Wasser. Ich wehrte mich so gut ich konnte. Mit seinem HandrĂŒcken schlug er mir mehrfach ins Gesicht, meine Wangen brannten. Er schĂŒttelte mich fest und schlug erneut zu. Mir wurde schwindelig.
„Wieso tust du mir das an?“, fragte er mich immer wieder nahezu hysterisch, „Wieso tust du das?“
Ich fĂŒrchtete um mein Leben und versprach ihm, alles werde wieder gut. Dann nahm er meinen Kopf fest an seine Brust und begann zu weinen, seine Brusthaare verklebten mit meinem Blut. Zwischen den Zehen spĂŒrte ich den Schlamm durchglitschen, mir fröstelte.
„Komm! Ich brauche dich!“, sagte Kai-Uwe und hielt mich fest gepackt. Ich wurde zur unbelebten Puppe in seiner Unklammerung. Kai-Uwe roch an meinem Hals und stöhnte auf.
„Ich habe dich so vermisst. Sag, dass du mich auch vermisst hast. Sag es!“
„Ich habe dich vermisst!“, sagte ich mechanisch, mein Gesicht schmerzte noch immer.
„Ich habe dich so sehr vermisst, Anke!“ Stöhnend zog er mich zum kalten glitschigen Boden, hielt mir mit einer Hand beide HĂ€nde ĂŒber dem Kopf fest und schob sich Ă€chzend und stöhnend zwischen meine Beine. „Sag mir noch mal, dass du mich vermisst hast!“ forderte er mich auf.
Mein Körper lag da in dem Matsch, meine FĂŒĂŸe hingen im Wasser und die Enten hatten ihre Köpfe wieder ins Gefieder gesteckt. Sie ignorierten, was hier geschah. Ich zĂ€hlte irgendwas. Und es dauerte nicht lange, dann war Kai-Uwe mit mir fertig. Zum ersten Mal. Sein Samen lief mir zwischen den Schenkeln entlang. Eine dĂŒnne Eisschicht ĂŒberzog mich innerlich. Ich fĂŒhlte mich wie kaltgestellt.
„Und nun ziehst du wieder bei mir ein!“
„Ich muss vorher aber noch ein paar Sachen holen!“, sagte ich.
„Ich komme mit! Ich helfe dir packen.“
„Willst du auch morgen mit zur Arbeit kommen?“, fragte ich lakonisch.
„NatĂŒrlich nicht! Du bist krank“, er lachte, „Wir werden heiraten! Und dann adoptieren wir ein kleines MĂ€dchen!“
„SpĂ€ter vielleicht!“
„Du heiratest mich?“, und als ich zögerte, fĂŒgte er an, „Ich glaube dir nicht! Ich brauche Beweise. Du hast mich einmal verlassen, vergiss das nicht. Du hast mich verlassen und mich sehr lange hinter dir herlaufen lassen! Jetzt gehen wir zu dir, und anschließend fahren wir zu mir. Du kannst dich morgen krank melden!“ er zog mich auf die Beine und schĂŒttelte den Kopf. „Du bist ganz voller Schlamm. Schwimm mal noch ne Runde im Wasser und dann zieh dich an!“
Kai-Uwe bewachte jede Minute meine Handlungen. Er ging mit in die Wohnung, er suchte die Kleider aus, die ihm am besten gefielen und er brachte mich in seine Wohnung.
„Ja, du wirst lernen, dass man geschenktes Vertrauen nicht so schnell verspielen sollte“, sagte er auf der Fahrt zu seiner Wohnung, und es klang, als sei in ihm ein Gedanke gereift.
Als wir in seiner Wohnung angekommen waren, knipste er das Licht an. Der Gestank von verbrauchter und verpesteter Luft verschlug mir den Atem. Was ich sah, war unbeschreiblich. Ein Bild an der Wand, das ich besonders gemocht hatte, war mit schwarzem Edding verunstaltet worden. Überall lagen zerrissene, beschmierte und bemalte Fotos. Ein großes Foto von mir hing nur noch zerfetzt mit Wurfpfeilen durchlöchert an der Wand. Überall lagen leere Weinflaschen, leere Bierdosen und Essensreste, dreckige WĂ€sche, zerschnitten UnterwĂ€sche, die scheinbar mir gehört hatte und die ich hier vergessen hatte.
„Das ist alles deine Schuld!“, sagte er ungerĂŒhrt. Er weidete sich an meinem Entsetzen. Offensichtlich fĂŒhlte er sich im Recht.
„Hast Du noch was von dem Wein da?“, versuchte ich möglichst gelassen zu reagieren und zeigte auf die leeren Flaschen.
„Du rĂ€umst hier auf. Schließlich ist es deine Schuld, dass es hier so aussieht. Und, es wird hier nicht wieder so aussehen.“
Das alles konnte nur ein Scherz sein. Ich fragte mich, wie lange er das alles aufrecht halten wollte. Sie wĂŒrden mich doch suchen, meine Eltern, meine Freunde.
„Kann ich mir erstmal die Wunden versorgen?“
„Nein!“, sagte er bestimmt.
„Aber, dann werden es Narben! Ich muss sie reinigen!“ Zum ersten Mal schrie ich. Sofort schlug er mir ins Gesicht, aber auch das entsprang einer SelbstverstĂ€ndlichkeit. Es lag darin keine Raserei, kein Zorn, nichts. Das machte mir Angst.
„Du schreist mich nicht wieder an. Ich habe verstanden, wie ich mit dir umgehen muss!“, seine Stimme klang bedrohlich. „Und nun rĂ€ume auf. Es stört mich nicht, wenn du Narben im Gesicht bekommst.“
Die hĂ€ufigen SchlĂ€ge in der folgenden Zeit hatten neue und alte tiefe Wunden nicht mehr richtig verheilen lassen. Mein Gesicht glich der verdörrten und lebensfeindlichen Marslandschaft. WĂ€hrend ich die Wohnung reinigte und aufrĂ€umte, was ich sehr grĂŒndlich tat, um Zeit zu gewinnen, kramte Kai-Uwe ein Hanfseil aus seiner Arbeitskiste hervor. Er legte mir das Seil um die Beine, es kratzte und schĂŒrfte die Beine auf.
„Sei nicht albern, ich lauf dir nicht weg!“, versuchte ich einen scherzhaften Ton.
Er richtete sich auf und schlug mir wieder ins Gesicht.
„Das war respektlos. Respekt vor mir werde ich dich lehren!“, und er fĂŒgte kurze Zeit spĂ€ter wie ein Lehrer hinzu: „Und sprich nur noch, wenn ich es dir erlaube, oder wenn ich eine Antwort von dir will.“ Er war zufrieden, als ich stumm wieder an die Arbeit ging und sinnierte: „Weißt du, ich habe immer gedacht, dass ich jene MĂ€nner nicht verstehen könnte, die mit ihren Frauen brutal umspringen. Sie haben aber Recht“, er machte eine kleine Pause, „Und ich habe auch gedacht, dass ich nicht so brutal sein könnte, weil es dir ja weh tun könnte, und weil du weinen wĂŒrdest. Aber ich muss dir sagen, es macht mir sogar richtig Spaß, inzwischen. Es macht mir richtig Spaß, deine TrĂ€nen, deine Angst, deine mickrigen Versuche, mein Mitleid zu erheischen. Es macht mir wirklich Spaß. Und du lernst Gehorsam“, er lachte und versetzte mir verspielt einen festen Klaps auf den Hintern. In diesem Moment erst verstand ich das ganze hoffnungslose Ausmaß meiner Folter.
Sobald ich in den nĂ€chsten Tagen versuchte mich zu reinigen, peinigte er mich mit einer kleinen Gerte, die er mir ĂŒber die Finger zog. Er benutzte mich, wie und wann er es wollte. Wenn ich kochte und er gerade Lust hatte, dann kam er rĂŒber und bestieg mich wie eine Stute. Als ich nicht sofort spurte, holte er seine Gerte und zwang mich seinen Schwanz zu nehmen, bis er kam. Wenn das Essen deswegen verbrannte, schlug er mich, ließ mich den Dreck beseitigen und zwang mich, erneut zu kochen oder zum Sex. Bald schlug er mich ĂŒberall hin. Am liebsten trat er in meinen Bauch und freute sich, wenn ich mich ĂŒbergeben musste. Ich bettelte ihn an, dass ich mich fĂŒr ihn zurechtmachen dĂŒrfte. Ich erzĂ€hlte ihm von dem Wunsch, dass ich fĂŒr ihn schön sein wollte. Nichts half. Irgendwann resignierte ich. Er hatte gewonnen, und ich war verloren.
Wenn er zum Einkaufen oder mit Freunden ausging, kettete er mich mit den Handschellen an das Heizungsrohr direkt auf der Toilette und steckte mir seine Socke in den Mund. Wenn meine Schlafenszeit kam, kettete er mich so ans Bett, dass er mich benutzen konnte, wenn er das wollte. Manchmal tastete ich mein Gesicht im Dunkeln heimlich ab, die GlĂ€tte von FrĂŒher war verschwunden. Meine HĂ€nde waren rissig vom Putzen. Blaue Flecken hatte ich am Bauch und das Atmen machte mir durch die gebrochene linke Rippe Schwierigkeiten. An den Armen, auf dem RĂŒcken und an den HĂ€nden hatte ich auch feine Risse von der Gerte.
Essen gab es fĂŒr mich selten, nur AbfĂ€lle, denn ich sollte Demut lernen. Wein, Bier und Schnaps durfte ich haben. Und das nahm ich zu mir, so viel ich konnte. DafĂŒr war ich ihm wirklich dankbar, damit konnte ich mich bewusstlos saufen. Ihm war es egal, ob ich wach war oder nicht, wenn er mich benutzte.
Weil ich mich nach vier Monaten absolut gefĂŒgig zeigte und mich bewusstlos soff, wenn ich konnte, wurde er nachlĂ€ssiger mit den Handschellen fĂŒr die Nacht. Schließlich, nach einem weiteren Monat, soff er mit. Ich beobachtete seine NachlĂ€ssigkeit und gab mir MĂŒhe, weniger zu saufen - unbemerkt weniger.
TatsĂ€chlich hatte ich keine Vorstellung davon gehabt, wie ich aus dieser Hölle rauskommen könnte. Eines Nachts jedoch hatte er so viel gesoffen, dass er die Handschellen vergaß. Ich lag neben ihm in gewohnter Haltung und wartete, bis sein Schwanz nass aus mir rausrutschte, er selbst schlief fast direkt nach dem Akt ein. Schwer viel es mir trotz des Korns wach zu bleiben. Nach einer Ewigkeit versuchte ich mich zu bewegen. Kai-Uwe reagierte nicht. Ich griff vorsichtig nach den Handschellen, die bereits am Bett vormontiert waren. Kai-Uwe reagierte nicht. Er schnarchte tief. Ich öffnete die Handschelle langsam und horchte wieder. Dann schloss ich sie um sein rechtes Handgelenk. Stolpernd und taumelnd sprang ich hoch, der Korn lag schwer in meinen Gliedern; die Nachttischlampe fiel scheppernd runter. Kai-Uwe reagierte nicht. Ich beeilte mich, die Fußfessel am Bettgestell ebenfalls schnell zu schließen. Mit dem Hanfseil fesselte ich seine zweite Hand an dem Bettpfosten. Jetzt konnte er mir nichts mehr tun. Mein erster Gedanke war die sofortige Flucht. Aber dann kam die Wut, die Pein und die Angst der vergangenen Zeit hoch. Endlich konnte ich mich meiner Haut wehren.
Ich ging ins Badezimmer, betrachtete zum ersten Mal seit wenigstens zwei Monaten mein Gesicht und erkannte, wieso das Brennen nicht nachließ. Einige Schnittwunden waren entzĂŒndet und eiterten bereits. Ich reinigte mein Gesicht so gut es ging und versorgte notdĂŒrftig meine Wunden. Meine Haare waren lang und verfilzt, schmutzig grau und fettig. Ich suchte nach einer Schere und schnitt mein Haar auf 5 cm LĂ€nge ab und duschte ausgiebig. Und Kai-Uwe? Wie sollte es nun weiter gehen? Innerlich fĂŒhlte ich mich eingeschlossen von einer dicken kalten Eisschicht.
Als ich zurĂŒck ins Schlafzimmer kam, lag Kai-Uwe lĂ€chelnd vor mir. Keine Spur von Angst.
„Nun, hast du Oberwasser? Ich werde dich finden und dann hol ich dich wieder hier her!“
„Wirst du nicht, Arschloch!“
„Wieso nicht? Die Polizei tut nichts. Und du wirst dich nicht ewig verstecken können! Also denk daran: Gehorsam und Respekt.“
„Ich habe mich in dir getĂ€uscht. Ich hĂ€tte dir nie zugetraut, was du mir angetan hast, du StĂŒck Dreck!“
„Was willst du eigentlich? Du hast gekriegt, was du verdient hast.“
„Du tust mir nichts mehr, Du nicht!“ Ich drehte mich um und holte ein großes Fleischermesser aus der KĂŒche. Damit ritzte ich ihm unter dem Fuß als erstes die Haut tief auf.
„Lass das!“, er wurde Ă€rgerlich und trat mit dem freien Fuß nach mir, als sei ich eine lĂ€stige Fliege.
Adrenalin klopfte krĂ€ftig gegen meine SchlĂ€fen und ich spĂŒrte, wie mich das fĂŒr einen Moment erleichterte. Blind vor Hass stopfte ich ihm seine eigene Unterhose in den Mund und band ein Tuch um seinen Kopf. Ich wollte ihm wehtun und ihm Schmerzen bereiten, die ihn Jederzeit an mich erinnerten. Automatisch zerschnitt ich ihm die BĂ€nder an den Kniescheiben. Kai-Uwe stöhnte auf.
„Du wirst mich nicht verfolgen. Du wirst mich nicht verfolgen“, schrie ich und handelte wie im Rausch. BeflĂŒgelt durch den Korn im Blut schlug ich auf ihn ein. Wie hysterisch brach ich dann am Bett flennend zusammen: „Du machst alles kaputt! Alles!“ TrĂ€nen liefen ihm stumm ĂŒber das Gesicht. Ich trommelte schreiend auf seiner Brust rum. Langsam kam ich zu mir, betrachtete den blutenden und gefesselten Kai-Uwe. Plötzlich ich hatte es eilig, ich wollte nur noch raus aus der Wohnung. Weg, egal wohin. Ich packte meine Tasche und rannte fort.
Ich suchte ein Hotel, wo ich fĂŒr diese Nacht bleiben konnte. Angekommen in dem Zimmer ging ich duschen. Das Bild des gefesselten Kai-Uwes hatte ich noch immer vor Augen.
Er wĂŒrde vermutlich bald wieder aus dem Krankenhaus kommen und er wĂŒrde mir vermutlich wieder nachstellen. Und in diesem Moment tastete ich zum ersten Mal nach dem Gedanken, irgendwo auf dieser Welt mit einer neuen Vergangenheit eine neue Zukunft zu beginnen.

Zum vierten Mal nun drehte ich die Dusche ab. Ich fror. Die Sommerdecke trocknete meine Haut. Bevor ich einschlief, dachte ich daran, wie Kai-Uwe auf seinem Bett lag, gefesselt, blutend und außer Gefecht gesetzt. Wieso hatte er mich kalt gestellt? „Kaltgestellt“ hallte es in mir.

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JuDschey
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Hallo ScarletMirro,

obwohl Deine Story kein 300 Seiten Roman war, kam sie mir unendlich lang vor.
Ich hatte den Eindruck Du erzĂ€hlst die Geschichte in der Art, wie eine Katze um den heißen Brei herumlĂ€uft. Warum? Das ĂŒbergeordnete Thema der Geschichte ist Gewalt in der Beziehung. Davon hat wohl jeder Leser schon mal etwas in der einen oder anderen Form gehört, gelesen oder gesehen. Frau und Mann kommen zusammen, sie lieben sich, haben PlĂ€ne, dann entpuppt sich der Kerl als Arschloch. Sie macht Schluß, er stellt ihr nach und demĂŒtigt, schlĂ€gt und vergewaltigt die Frau. Sie hat irgendwann das GlĂŒck, dieser perversen Hölle zu entkommen.und fragt sich, wieso hat er das getan (mich kaltgestellt). Dieses Muster ist so bekannt, wie der Kölner Dom. Und genau deshalb wĂŒrde Deiner Geschichte mehr Tempo, Kompaktheit und OriginalitĂ€t gut tun. Nicht soviel breit und umstĂ€ndlich erklĂ€ren, sondern das Wichtige in kompakten, spannenden und originellen (noch nie dagewesenen) Szenen zeigen. Dabei den Leser glauben machen, er könne sich das Ende denken, das dann ĂŒberrachend ganz anders kommt. Das wĂ€re Unterhaltung, wie sie der Leser wĂŒnscht. Ein fesselnder Film mit Worten ohne ermĂŒdende Beschreibungen und einem nicht unmittelbar vorhersehbaren Ende.
Ich weiß, in diesem Fall ist es besonders schwer, den Leser am Ende zu ĂŒberraschen, weil es einfach schon ein alter Hut ist, dass die gegeisselte Frau irgendwann den Spieß umdreht, den Sadist ein wenig spĂŒren lĂ€ĂŸt, was er ihr angetan hat oder ihn sogar umbringt. Vielleicht wĂ€re es besser, die Frau am Ende an Alkoholvergiftung sterben zu lassen, statt ihr (wie man hofft) eine Gelegenheit zu geben, der Hölle zu entkommen. Rechnet man eigenlich nicht mit und wĂ€re deswegen ĂŒberraschend, aber man hĂ€tte damit die WĂŒnsche und Hoffnungen der Leser enttĂ€uscht, was aber nicht unbedingt ein Fehler sein muß.
Ich bin ĂŒberzeugt, in der Geschichte ist noch ein dicker, fetter Nugget verborgen. Es liegt an Dir, das Gold zu finden und zu bergen.

Dabei wĂŒnsche ich Dir viel Spaß und Erfolg!
JuDschey

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ScarlettMirro
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HAllo JuDschey,

danke fĂŒr deinen KOmmentar, der zumindest am Ende einen Funken hoffnung sah!

Nun, wie die Geschichte ausgeht ist bereits am Anfang schon keine Überraschung, denn die Geschichte beginnt mit dem Danach!!! Sicher ist dir das beim ĂŒberfliegen entgangen.

Auch denke ich, dass sicherlich jedes Buch einfach nur von so ganz banalen Schicksalen sprechen, alles schon mal da gewesen! Kann sein. Weißt du, jeden Tag geschieht hier im Haus Gewalt, jeden tag lieben sich zwei Menschen hier im Haus und jeden Tag wird hier WĂ€sche gewaschen, essen gekocht und bla ... Ich habe nicht den Anspruch ĂŒber etwas shreiben zu können ĂŒber das noch nie geschrieben wĂŒrde - das geht nĂ€mlich nicht... :/
Ich persönlich binnicht der Meinung, dass sie noch kompakter sein mĂŒsste - klar hab ich dich verstanden, man kann die Gewaltszenen ansprechen statt ausschmĂŒcken, man kann die Vergewaltigung ansprechen statt darzustellen. Nun, es ist nicht nur ein Kraftakt es zu lesen, sondern auch ein Kraftakt es zu schreiben... Nein, mir hat die Herausforderung sowas auch klar und deutlich zu schreiben viel MĂŒhe gekostet. U ich möchte, dass das dann so langatmig bleibt --- wobei ich denke, dass nicht langatmig gemeint ist, sondern BrutalitĂ€t, die weh tut! Meine ich jetzt mal bloß. Um diese Geschichte gab es in einem anderen Forum eine heiße Diskussion, die sich nĂ€mlich auch am Punkt der BrutaltiĂ€t stieß.

Oh ja, ich hatte ĂŒberlegt, ob sie sterben soll, aber nicht an Alkoholvergiftung - wie platt! Und bitte, am Anfang ist klar, dass sie ihm entkommt! Ja, manchmal klappts nicht mit dem Überraschen --- Man muss auch nicht um jeden Preis ĂŒberraschen!

Gut, dich habe ich damit nicht unterhalten, viele andere schon ... und die fĂŒhlten sich nicht gerade besser danach, aber unterhalten! FĂŒr einen schönen Text, unkompliziert und spannend emphel ich dir mal die Blaue Birke unter schwarzem Quadrat --- ihr fehlt so jede "ĂŒberflĂŒssige LĂ€nge"!

GrĂŒsse
Scarlett
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JuDschey
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Hallo Scarlett,

schön dass Du auch die Möglickkeit ins Auge gefasst hast, die Frau am Ende sterben zu lassen. Aber warum sollte mein Vorschlag des Alkoholtodes platt sein? Wenn sich ein Mensch tot sĂ€uft ist das nicht platt, sondern eine Tragödie. Nur hier, wĂ€re diese Tragödie nicht ganz so schlimm, weil der Frau durch den Alkoholtod weitere Schikanen des Sadisten erspart bleiben wĂŒrden. Eine Ironie des Schicksals.

WorĂŒber Du auch nachdenken könntest wĂ€re, ob Du die Frau nach langer Misshandlung wirklich vom Opfer zu einem TĂ€ter machst.
Solange sie nur daran denkt, sich fĂŒr den Sadismus zu revanchieren, wĂ€re das okay, das kann man gut nachempfinden. Aber sie dann wirklich mit dem Messer auf den Sadisten gehen zu lassen, erfordert eine neue Gerechtigkeit. Tod der Frau wĂ€re vielleicht ĂŒbertrieben, wie wĂ€re es mit einer Gerichtsverhandlung wegen Körperverletzung oder auch ein Unfall bei der Flucht aus ihrer Hölle, der sie ins Krankenhaus bringt, wĂ€re vorstellbar.
Wenn Du das so stehen lĂ€sst, dass die gepeinigt Frau sich auf die Stufe des Sadisten begibt, sind beide Verbrecher und man wĂŒrde das Mitleid gegenĂŒber der Frau vergessen, dass Du eigentlich lange und - ich sage mal ausschweifend - vorbereitet hast. Ist das wirklich in Deinem Sinn, die Frau auch zum Verbrecher zu machen, oder wolltest Du eigentlich etwas anderes?

Ja, ĂŒber etwas zu schreiben, was noch nie dagewesen ist, ist sicher eine ziemlich aussichtslose Lage, da hast Du wohl recht. Und gerade weil man nur noch ĂŒber Dinge schreiben kann, die in der einen oder anderen Form schon mal dagewesen sind, muß man die Sache wirklich gut machen, damit sie ankommt. Und das geht in der Regel nur durch unerwartete Wendungen und Überraschungen. Zu behaupten eine Story braucht nicht unbedingt eine Überraschung, klingt ziemlich dumm. Gerade die Überraschungen sind es doch, die Spannung erzeugen und den Leser fesseln. Wenn es einfach nur so dahinerzĂ€hlt ist ohne Höhen, Tiefen und Wendungen, wĂ€re es wie eine Leinwand mit nur einer Farbe. Das sieht ziemlich uninteressant aus, oder?
Was in den LehrbĂŒchern steht, wie man dem Leser eine interessante Story liefert, habe ich Dir in meiner ersten Kritik erlĂ€utert.
Klar hast Du schrifstellerische Freiheit und brauchst nicht so zu schreiben, wie im Lehrbuch geraten wird. Jeder kann schreiben was und wie er will. Aber ob das dann auch ankommt, ist die Frage.
Stephen King zum Beispiel schreibt auch ĂŒber horrormĂ€ĂŸige Sachen. Aber bei ihm habe ich mich noch nie gelangweilt. Ich finde, er vesteht es, wie kaum ein anderer, den Leser durch unerwartete Wendungen und Überraschungen zu fesseln. Er macht die Sache spannend bis zu Letzt.

An der BrutalitĂ€t in Deiner Story nehme ich keinen Anstoß. Da ist man aus den Medien und vor allem dem Kino ĂŒbleres gewöhnt. Bei dem Kultfilm "Kill Bill", von Quentin Tarantino mit Uma Thurman in der Hauptrolle, spritzte das Blut nur so aus den Menschen, denen der Kopf abgeschlagen wurde. Aber warum sollte man darĂŒber schockiert sein? Ich fand es eher faszinierend, weil man sowas nicht alle Tage sieht.

Nimm mir meine Kritik nicht ĂŒbel. Ich denke, jeder der hier veröffentlicht, tut das aus gutem Grund. Er möchte wissen, was andere Leser von der eigenen Story halten und was sie möglicherweise fĂŒr Ideen haben, um die Story zu verbessern.

Viele GrĂŒĂŸe
JuDschey

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ScarlettMirro
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Danke fĂŒr deine MĂŒhe, mir das zu erklĂ€ren.

Ja, hab bei James N Frey auch gelesen, dass man seine Kritiker nicht belehren soll u sich auch nicht fĂŒr seinen Text rechtfertigen soll, sondern sich einfach mal anhört, was der zusagen hat.

Ich habe es nochmals gelesen und werde darĂŒber nachdenken.

LG
Scarlett
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MDSpinoza
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Hmmm, wenn einer einen anderen Menschen lange genug quĂ€lt und der dann irgendwann zurĂŒckschlĂ€gt ist das eher eine Art Berufsrisiko fĂŒr den QuĂ€lenden. Eine direkte Folge seiner Handlungen.
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Lieber ein verfĂŒhrter Verbraucher als ein verbrauchter VerfĂŒhrer...

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