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Leselupe.de > Kurzprosa
Kein Beinbruch
Eingestellt am 11. 01. 2019 22:54


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MicM
Hobbydichter
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Nur ein Moment der Unachtsamkeit, ein kleiner Ausrutscher ÔÇô es kann so schnell gehen und Jahre der Erinnerungen liegen in Scherben. Und nat├╝rlich ÔÇô nat├╝rlich! ÔÇô passiert es immer dann, wenn man am wenigsten damit rechnet. Noch schlimmer, gerade dann, wenn alles in Ordnung scheint, wenn alles flie├čt und harmonisch ist, wenn die Dinge, die materiellen und die immateriellen, ihren rechten Platz im Leben eingenommen haben, ja genau dann geschieht es. Die Gewissheit des Unvorhersehbaren, die Erwartung des Zuf├Ąlligen, die Kontinuit├Ąt des Bruchs ist Teil des Ganzen. Und immer dann, wenn es uns ereilt und wir nur vage sp├╝ren k├Ânnen, dass dieses Ereignis, das uns trifft, einen Sinn zu haben vermag, bem├╝hen wir uns, das Warum zu ergr├╝nden, und scheitern an unserer begrenzten ÔÇô oder auch ├╝bersteigerten ÔÇô Phantasie.

Es war neulich, Sonntag Morgen, als mein neuer Freund zeitungslesend in der K├╝che sa├č, der Fr├╝hst├╝ckstisch war bereits mit Croissants und handgepresstem Orangensaft gedeckt. Frisch geduscht trat ich vom Flur aus hinein, bekam von diesem heimeligen Anblick Schmetterlinge im Bauch und von diesem zauberhaften Mann einen leidenschaftlichen Kuss. Es war Ende M├Ąrz, die erste Fr├╝hlingssonne strahlte W├Ąrme auf uns Verliebte und durch den ge├Âffneten Fensterspalt sp├╝lte eine sanfte Brise die Ahnung von neu erwachendem Leben in den Raum. Ich war sehr gl├╝cklich in diesem Moment, man kann es sich denken.

Nachdem ich einen tiefen Atemzug dieser Vollkommenheit genommen und mir einen Tee gekocht hatte, passierte es. Ein schwungvoller Dreh, hei├čes Wasser, das auf meine Hand schwappte, ein schmerzvoller Reflex und schon lag dieser sch├Âne dunkelblaue Henkelbecher, den mir meine verstorbene Oma get├Âpfert hatte, als ich Neun war, in zwei Dutzend Scherben auf dem K├╝chenboden verteilt. Oh, welch ein Ungl├╝ck! Wie unpassend das Zerbersten dieses erinnerungsbef├╝llten t├Ânernen Hohlgef├Ą├čes gegen├╝ber dieser hoffnungsvollen Verdichtung eines liebessatten Augenblicks doch war. Und doch empfand ich die Zerst├Ârung meines gro├čm├╝tterlichen Kindheitsandenkens, so schmerzlich sie war, als fehlendes Puzzlest├╝ck eines noch unvollendeten Lebensmoments - ohne allerdings wirklich zu verstehen warum.

ÔÇ×Kein Beinbruch, nur ein BecherbruchÔÇť, scherzte mein Freund. ÔÇ×Scherben bringen Gl├╝ck, mein Schatz!ÔÇť erg├Ąnzte er und gab mir einen weiteren Kuss.

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aligaga
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Es war neulich, Sonntag Morgen, als mein neuer Freund zeitungslesend in der K├╝che sa├č, der Fr├╝hst├╝ckstisch war bereits mit Croissants und handgepresstem Orangensaft gedeckt. Frisch geduscht trat ich vom Flur aus hinein
Platsch!

@Ali versucht sich vorzustellen, wie das ausgesehen haben mag. Muss eine ziemliche Schweinerei gegeben haben ...*giggle*...

Im Ernst - gegen einen Hauch Filosofie w├Ąr' auch in einem kurzen Prosast├╝ckerl durchaus noch Platz. Ein Hauch, bitte, nicht gleich ein ganzer K├╝bel voll! Und wozu braucht das Schicksal soviel Firlefanz, wenn's doch k├Âmmt, wie's kommt? Wozu das neulich, den Sonntag, den neuen Freund, die Zeitung, das bereits, die Dusche?

Die olle Tasse w├Ąre gewiss auch ohne diese ├╝berfl├╝ssigen Requisiten zersprungen.

TTip: Entr├╝mpeln und entkrampfen, andeuten, nicht auswalzen. Dann wird's schon ...

Heiter

aligaga

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MicM
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Platsch!
Eher so: Klong!

quote:
Die olle Tasse w├Ąre gewiss auch ohne diese ├╝berfl├╝ssigen Requisiten zersprungen.

Omas Tasse mag die gro├če B├╝hne.

quote:
Im Ernst - gegen einen Hauch Filosofie w├Ąr' auch in einem kurzen Prosast├╝ckerl durchaus noch Platz. Ein Hauch, bitte, nicht gleich ein ganzer K├╝bel voll! Und wozu braucht das Schicksal soviel Firlefanz, wenn's doch k├Âmmt, wie's kommt? Wozu das neulich, den Sonntag, den neuen Freund, die Zeitung, das bereits, die Dusche?

F├╝r die Anregungen sei gedankt!

Auf bald
MicM

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aligaga
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Offensichtlich siehst du immer noch nicht, dass auf deinem K├╝chentisch der Orangensaft schwappt und das falsch bezogene l├╝hrische Ich mitten hineintritt.

Platsch!

Das Geschirr zerbricht erst sp├Ąter, wobei man sich fragt, wieso der Typ Zeitung liest, statt seiner S├╝├čen den Tee schon gemacht zu haben. Echte Freunde wissen um die Trinkgewohnheiten ihrer Liebsten (TTip: Dump him!).

Noch was zur "gro├čen B├╝hne": die entsteht nicht durch Anh├Ąufung zusammenhangloser Banalit├Ąten. Vielfalt ist leider nicht blo├č die Mehrzahl von Einfalt. Sonst w├Ąr Schreiben ja keine Kunst ...

Heiter

aligaga

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