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Leselupe.de > Ungereimtes
Kein Heim wars ihm, ein Tod im Rauhreif nur
Eingestellt am 22. 10. 2018 18:20


Autor
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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

Werke: 202
Kommentare: 1055
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Er starb am Wegrand im Winter.
Hatte zuvor
im Wald sein Lager aufgeschlagen.
Bei Nagern, Fischen gewohnt.
Im kupfernen Steinkreis
mit den Hirschen gespeist.
Hinter ihm gl├╝hten die Horizonte -
der Herbst. -
So kamen h├Ąrtere Tage -;
N├Ąchte; ├╝ber den Wald hin
lag ihr silbernes Haar - abweisend, stumm.
- ├╝berfroren ist er;
eine Zeile,
Die sich der Winter erfand.
Ich trug ihn, den Steifen, zum Boot.
flussw├Ąrts stie├č ich's.
Bis ihn die Ferne verschlang,
hinwirft vielleicht
an andere Statt; - liedlos - stumm.


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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 689
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Lieber Patrick,

" eine Zeile, die sich der Winter erfand", was f├╝r eine gelungene Metapher.

Wie vielen Fl├╝chtlingen droht dieses Schicksal.

Danke, dass Du dieses Thema uns allen ans Herz gelegt hast mit Worten, die einen ganzen Film in mir ablaufen lassen.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Trainee
Guest
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Lieber Patrick,
ein makellos sch├Ânes Gedicht mit ungew├Âhnlichen Umbr├╝chen.
Zun├Ąchst missfielen die mir, und ich begann in gewohnter Weise umzudr├Âseln (ach, so ist nun mal meine Natur), um dann zu bemerken, dass alles genau richtig ist, wie es da steht.
Gerade die sprachliche "H├Ąrte" der Kurzverse erzwingt immer wieder ein Innehalten des Lesers, ein Zur├╝ckgehen, was ganz wunderbar zu einem Dasein passt, das zwar nicht ziellos ist, sich aber doch im Kreise dreht, oder besser, nicht vom Fleck kommt.
Ich denke dabei nicht in erster Linie an das Schicksal von Fl├╝chtlingen (obwohl diese Assoziation durchaus berechtigt ist), sondern an eine Heimat- und Obdachlosigkeit anderer Art:

quote:
Kein Ort. Nirgends.
(Christa Wolf)

Beeindruckte Gr├╝├če
Trainee

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