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Leselupe.de > Ungereimtes
Kein Wort
Eingestellt am 02. 06. 2018 11:37


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Ralf Langer
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Kein Wort

Wenn man am Meer steht
und allein die Möwe sieht
wie es schon dÀmmert
und nur die Zeit geschieht

ringst du noch mit dem Wort
was nie gestrandet ist
heißt GlĂŒck-; es rauscht, es brandet
dir ein LĂ€cheln ins Gesicht

nur was unsagbar : bleibt
tĂŒrmt sich in Bildern auf
zu einem großen Schweigen

Kein Wort ist mehr Gedicht



(Ustronie Murski; Mai 2018)
__________________
RL

Version vom 02. 06. 2018 11:37

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Monochrom
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Hi Ralf,

endlich mal wieder was zu lesen von Dir. Freut mich.

Das Gedicht ist dem Dichten gewidmet. Ein beliebtes Thema.
Die beiden letzten Strophen sagen mir sehr zu.

Ich liste mal, was mich stört:

Erste Strophe:
Das Wörtchen „man“ ist mir zu unpersönlich.
Genauer betrachtet gefallen mir die ersten beiden Verse nicht so. Du hast sicher eine Einleitung gesucht, eine Vorbereitung auf die große Metapher des Texts. Die Worte und das Meer.
Ein Vorschlag, oder besser, eine Überlegung meinerseits wĂ€re, die erste Strophe wegzulassen. Schade ist es dann allerdings um „wie es schon dĂ€mmert und nur die Zeit geschieht“.

Doch an sich könnte der Text gut mit „ringst du noch mit dem Wort“ beginnen.

Generell gefallen mir diese versteckten Äußerungen: „heißt GlĂŒck-;“, bei denen man sehr auf die Interpunktion achten muss, um sie richtig ablesen zu können.

Und die Kernaussage am Ende, in der letzten Strophe, die ich fĂŒr mich ablesen kann, mag eine Lehrstunde sein fĂŒr angehende Lyriker. Sehr gut.

Vielleicht ist es das, aus dem Schweigen, aus den Pausen, die Wörter als den Rahmen zu entdecken, heraus zu picken aus der Leere, eine bloße Form, und das Gedicht selbst ist dann das eingefangene Schweigen.

Könnte ich einen Abend lang bei einem Whiskey und Joint drĂŒber reden,

GrĂŒĂŸe,
Monochrom

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Ralf Langer
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Hallo Monochrom,
Ja ich hab so meine strukturellen Probleme mit meiner Poesie. Habe den Eindruck fĂŒr mich alles verwortet zu haben, und so ĂŒbe ich mich im sprachlosen...

Hm, das mit 'man' hab ich vermutet.
Ich will meine Entscheidung zum unpersönlichen kurz erlÀutern
Naheliegend wÀre:

Wenn du am Meer stehst
Und nur die Möwe siehst
Oder
Und nur die Möwe sieht
Ersteres bedeutete:
Lyrdu steht am Meer und nur die Möwe sieht (etwas)
Oder eben
Lyrdu steht am Meer und lyrdu sieht nur die Möwe

Ich wollte aber beides
Und so kam ich zu dem Kniff mit ' man '
In dieser Satzkonstruktionen sind aber beide Sichtungen durch die Form gegeben.
Das entsĂŒrach meiner Absicht:
Der Leser soll herausfinden ob fĂŒr ihn nur die Möwe sieht
Oder ob er nur die Möwe sieht.
Das war mir wichtig.

Und ja es ist eine Lehrstunde _ zumindest fĂŒr mich
(Über den Weg de Saucuere und seine Sprachanalyse habe ich es entdeckt)
Wie soll ich sagen:
Das Wort hat eben eine dienende Funktion in der Alltagssprache.Es existiert in einer Zwischenwelt von sinnlicher Wahrnehmung und Notwendigkeit.

Alle Dinge sind zuerst Wahrnehmung und Schweigen.Das Wort zumal das lyrische kommt erst danach ins Sein. Es ist ein Kind der Wahrnehmung aber nicht sie selbst.
Puh
Danke fĂŒr deine Worte
Ralf
__________________
RL

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Tula
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Hallo Ralf

GefÀllt mir auch, ein schönes, nachdenklich stimmendes Gedicht. Ich habe aber auch Zweifel, was die Verwendung von 'man' angeht. Deine ErklÀrung leuchtet mir ein (hatte die zwei Varianten der Interpretation beim ersten Lesen gar nicht erkannt).
Das Problem ist das VerhĂ€ltnis zwischen 'man' und 'du', jetzt eigentlich zwei verschiedene Personen. Wobei das 'du' in der Tat ein lyrisches 'ich' gewissermaßen fordert.

Wie dem auch sei, ich schaue ebenso gern aufs Meer

LG
Tula

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Trainee
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Kein Wort

Wenn du am Meer stehst
und allein die Möwe sieht
wie es schon dÀmmert
und nur die Zeit geschieht

gibt es dies Ringen um ein Wort
das nie gestrandet ist
heißt GlĂŒck-; es rauscht, es brandet
dir ein LĂ€cheln ins Gesicht

nur was unsagbar : bleibt
tĂŒrmt sich in Bildern auf
zu einem großen Schweigen

Kein Wort ist mehr Gedicht

Lieber Ralf,

schön, etwas von dir zu lesen.
Oben siehst du meine Idee zur Debatte um das "man", die sogar klanglich noch punktete. Jedenfalls aus meiner Sicht.
Übrigens ein sehr schönes melancholisches Gedicht um das GlĂŒck, das nur ein Wort lang, einen Augenblick dauert, dauern kann und trotzdem pures GlĂŒck ist.
Besonders am Meer.

Hervorzuheben sind die "geschehende Zeit" und der gelungene "Doppelpunkt." Die munden ...

Herzliche GrĂŒĂŸe
Trainee

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Ralf Langer
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Hallo Heidrun,
schön von dir zu hören, und dank an alle Bewerter.
‚Man o man‘: da ring ich mit dem einen Wort.

Hm, Heidrun: so sehr mir der Klang bei deinem Vorschlag gefÀllt. Ich verlöre
doch die doppelte Lesart, die mir so wichtig ist.

Ich werde noch ein wenig der sanften Brandung an der OstseekĂŒste lauschen.
Vielleicht sagt mir die Möwe ja noch das ‚Wort‘.
Lg
Ralf
__________________
RL

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