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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Keine Reaktion
Eingestellt am 11. 01. 2018 20:38


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Mehkah
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2018

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Ich hetze die Treppe hoch, mich wundernd, dass mir keine Menschen entgegen kommen. Oben sehe ich dann warum. Mein Zug hat, mal wieder, zehn Minuten VerspĂ€tung. Genervt schaue ich auf mein Telefon, routinemĂ€ĂŸig, und sehe, dass nichts neues passiert ist. Warum auch, wer sollte schon geschrieben haben? Ist schließlich frĂŒhmorgens an einem Freitag. Wer, außer VerrĂŒckten wie mir, ist da schließlich schon wach?
Gelangweilt lehne ich mich an den Fahrplan, schaue mich genauso gelangweilt um. Plötzlich stutze ich. Ein kleines StĂŒck vor mir steht jemand. Mir ist so, als kenne ich diese Person, aber es will sich einfach keine Verbindung schließen. Sie sieht in meine Richtung, ihre Augen direkt auf meine fixiert, ein kleines LĂ€cheln auf ihrem Gesicht. Keine Reaktion sonst. Ich lĂ€chele zurĂŒck, wende den Blick, und schaue wieder blind in der Gegend herum. Aber irgendetwas zieht mich in ihre Richtung, und auch wenn ich mich leicht wehre, gebe ich doch nach, schaue nach ihr. Sie steht noch genauso da wie vorher, ein ungebrochenes LĂ€cheln strahlt weiter WĂ€rme aus. “Morgen“ sage ich, der Gewohnheit nach, und weil es mir höflich vorkommt. Sie antwortet mit einem „wie war dein Tag?“ Wieder ein kleiner Ruck in meinem Gehirn. Wer zur Hölle ist das, frage ich mich. „Lass dir Zeit, nimm dir alle Zeit, die du brauchst“ kommt es von ihr. Ich halte es nicht mehr aus. „Wer sind Sie? Kennen wir uns?“ frage ich. „Schau mich an, schau mich genau an. Analysiere jeden einzelnen Punkt. Vielleicht erkennst du mich dann.“ Da mein Zug eh auf sich warten lĂ€sst, und ich auch sonst nicht viel zu tun hĂ€tte, gehe ich drauf ein. Ich fange bei der Kleidung an. Oder ich versuche es zumindest. Sie lĂ€sst sich nicht beschreiben, weder in Worten, noch in Gedanken. Ich versuche als nĂ€chstes, ĂŒber Gesicht und Körperform darauf zu kommen. Aber auch hier wieder dasselbe. Es lĂ€sst sich nicht beschreiben. Schließlich blicke ich ins Gesicht, in die Augen, und versuche daraus irgendwas zu schließen. Aber auch da, nichts. Nein, nicht Nichts, nur nichts, was irgendwie Sinn ergibt, gedeutet werden kann. Unbeschreibliches. Außer dem GefĂŒhl, dass ich von Anfang an hatte. Ein GefĂŒhl der Bekanntheit.
Zwischendurch sind einige andere gekommen. Ob sie auch gerade die Treppe hochgerannt sind, oder einfach nur gelangweilt am Bahnhof herumlaufen, kann ich nicht genau sagen. Aber mir ist, als starrten sie mich an, als wĂ€ren sie völlig verwundert, warum ich selbiges tue. Meine Gedanken schweifen ab, hin zu der Fremden. „Ich befĂŒrchtete es“ kam es dann von ihr. Und ohne etwas zu sagen, ging sie an den Rand des Bahnsteigs, und wartete. Meine Verwunderung ĂŒber den ganzen Vorgang verdrĂ€ngend schaue ich auf die Uhr. Es ist 7:39 Uhr, und wie auf Kommando ertönt die Durchsage. Mein Zug kommt. Ich schaue wieder auf die Fremde, welche unverĂ€ndert am Bahnsteigrand steht, und dann nach rechts, dem Zug entgegen. Es ist ein Regionalexpress, mit der Lokomotive vorne. Mir ist, als fahre er etwas schneller ein als gewöhnlich. Aber wahrscheinlich ist das nur ein komisches GefĂŒhl. Wie immer verfolge ich die Lok auf ihren Weg in den Bahnhof, irgendwo muss mein Blick schließlich hin, mit irgendwas mĂŒssen sich meine Augen beschĂ€ftigen. Kurz schweife ich ab, wieder in die Richtung der Fremden. Auch sie schaut in Richtung des Zuges. Ich will wieder wegschauen, aber etwas zwingt mich dazu, meinen Kopf nicht zu bewegen, hĂ€lt mich an ihr, eine Art Vorahnung. Und bevor ich es registrieren, gar verhindern kann, springt sie.

Der Zug fĂ€hrt weiter ein. Ich schaue noch kurz an die Stelle, wo sie gerade eben stand. Keine Schreie, kein Bremsen, keine Reaktionen. Es ist zwar Still, aber nicht durch Schreck. Es ist dieselbe Stille, die normal ist um diese Zeit. Und auch in mir herrscht keine AufwĂŒhlung, auch in meinem Kopf ist keine Reaktion zu spĂŒren. Nur rationale Verwunderung darĂŒber, was gerade geschehen ist. Aber keine Trauer, kein Schock, nichts. Ohne lĂ€nger zu warten steige ich ein, suche mir einen Platz, und schaue wie gewohnt aus dem Fenster. Und verstehe endlich, wer sie war.

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DocSchneider
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