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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Licht
Eingestellt am 29. 06. 2016 15:29


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SalLD
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2016

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Licht. Das war das Erste, was er in dieser Realit├Ąt sp├╝rte, als er, mit noch geschlossenen
Augen, aus der Traumrealit├Ąt erwachte, noch mit dem Gef├╝hl, ein Geheimnis entdeckt zu
haben, das hinter den grauen Augen eines M├Ądchens schlummerte, die ihn in einer fremden
Stadt fl├╝chtig streiften. Benommen torkelte er durch die Stra├čen, suchte seine Gef├Ąhrten in
den Neonw├Ąldern und wand sich durch die Blicke der Fu├čg├Ąnger, die ihn bei seinem
n├Ąchtlichen Rausch beobachteten. Er sah sie aus den Augenwickeln, ohne sie wirklich zu
beachten. Seine Gedanken hingen in der Luft, ziellos und orientierungslos und dann sah er sie,
unter einer Stra├čenlaterne stehend. Oranger Schimmer. Braune Haare. Graue Augen.
Das war sie, die Traumrealit├Ąt, die ihm dieses Gef├╝hl der Sehnsucht injizierte, noch bevor er
die Augen ├Âffnete. Er lag auf dem Boden in einem Schlafsack. Es war warm und gem├╝tlich.
Er f├╝hlte sich geborgen in dieser W├Ąrme und ├╝berlegte, ob er die Augen ├Âffnen und diese
Gef├╝hle, die ihn ausf├╝llten, zerst├Âren sollte. Er wollte zur├╝ck in den Traum und dieses
M├Ądchen fragen, wie sie hie├č. Er wollte ihre Hand ber├╝hren und sie fragen, woher sie kam
und in dieser Stadt zu finden erhoffte. Aber es war zu sp├Ąt. Er verlie├č sie schon. Es war so
schwer, wieder zur├╝ck in diese Welt zu kommen, wenn man sie erst einmal verlassen hatte.
Das Einzige, was blieb, war die Erinnerung und das Gef├╝hl von einem anderen Leben.
Er streckte seinen Arm heraus und f├╝hlte Holz. Es war warm und glatt. Er mochte Holzb├Âden.
Sie gaben ihm das Gef├╝hl von Geborgenheit und hatten etwas Heimisches an sich, egal in was
f├╝r einer Wohnung er war. Er mochte den Geruch von Holz. Eine Holzwohnung also. In einer
fremden Stadt.
Er h├Ârte das Rascheln einer Decke auf nackter Haut. Er schlief nicht alleine in diesem
Zimmer. Seine Bewohnerin erwachte langsam und z├Âgerlich. Dann war es wieder still. Nur
drau├čen h├Ârte er ged├Ąmpft Autos ├╝ber Kopfsteinpflasterstra├čen fahren. Langsam und tr├Ąge.
Leise erwachend. Die Menschen machten sich auf den Weg und erledigten ihre kleinen
Besorgungen und gingen gem├Ąchlich ihrem Leben nach. Wie er auch. Sein Leben, das er nun
um eine Erfahrung bereicherte, indem er bei diesem M├Ądchen ├╝bernachtete, das ihn
eingeladen hatte. Obwohl er zuerst einen kleinen Gewissenskonflikt auszutragen hatte, sagte
er ihr schlie├člich zu. Was sollte schon passieren?
Es raschelte wieder und er h├Ârte, wie sie ihre F├╝├če vorsichtig auf den Boden setzte. Ein
mattes und schwaches Ger├Ąusch. Ein beruhigendes Ger├Ąusch. Erwachendes Leben. Sie war
leise und gab sich M├╝he, ihn nicht zu wecken. Und er bewegte sich nicht, um sich nichts
anmerken zu lassen, um sie nicht merken zu lassen, dass er erwachte, um dieses Gef├╝hl des
Beobachters nicht zu zerst├Âren. Und um diese morgendliche Schauspiel auszukosten. Es war
wieder still. Sie sa├č auf der Bettkante.
Er fragte sich, ob sie auch diesen Nachgeschmack von dem Wein der letzten Nacht im Mund
hatte. Rotwein. Franz├Âsischer. Seine Zunge war trocken und er ├╝berlegte, ob er aufstehen und
etwas Wasser trinken sollte, um dieses unangenehme Gef├╝hl zu vertreiben. Aber die W├Ąrme
war einfach zu verlockend. Gestern Nacht h├Ątte er gerne ihre W├Ąrme gesp├╝rt, als sie sich in
ihr Bett legte und er auf den Boden. Er stellte sich vor, wie er in der Dunkelheit neben ihr lag
und ihre fremde, nackte Haut an seiner sp├╝rte. Ungewohnt w├Ąre es gewesen und vielleicht
h├Ątten sie auch etwas Angst gehabt. Aber solch eine Intensit├Ąt des Surrealismus w├Ąre solch ein
Wagnis wert gewesen. Ein kleiner infantiler Schritt in die Wirklichkeit der Tr├Ąume. Er ahnte
das Bersten seiner Gewohnheiten, wenn er diese Szenerie weiterspielte. Es nahm nie ein gutes
Ende, wenn man noch eine andere Frau hatte, an die man dachte. Aber so etwas war auch nur
Ansichtssache. Jetzt lag er in ihrem Zimmer und vielleicht reichte ihm das schon aus, um dem
Leben etwas von seiner Traumessenz abzuringen.
Er h├Ârte, wie sie ein paar Schritte machte und die T├╝r des Kachelofens ├Âffnete. Er h├Ârte ihre
nackten, bettwarmen F├╝├če auf dem Boden und das Klappern des Eisens, mit dem sie die kalte
Asche aus dem Ofen herausschob. Er mochte dieses morgendliche Ger├Ąusch, das er auch aus
seiner Kindheit kannte. Wenn seine Eltern im Winter den Ofen s├Ąuberten, f├╝hlte er sich
geborgen und er freute sich auf die W├Ąrme, wenn er sich nach dem Aufstehen an den Ofen
stellte, sie in sich aufsog, die wei├čen Stra├čen drau├čen sah und das Knirschen des Schnees
h├Ârte, wenn die Autos langsam dar├╝ber rollten.
Auch hier bei diesem M├Ądchen f├╝hlte er sich wohl, w├Ąhrend sie den Ofen vorbereitete und
Holzsp├Ąne zusammensuchte. Er h├Ârte, wie sie gr├Â├čere Holzst├╝cke beiseite legte, um an die
Kleinen zu kommen. Er h├Ątte sie gerne beim Feuermachen beobachtet, m├Âglicherweise nur
leicht bekleidet. Ihm gefielen diese Gesten, aber er wollte diesen Traum noch nicht
verwischen und belie├č es dabei, sie sich vorzustellen.
Als er dies tat, roch er leicht ihr Parf├╝m, das gestern Nacht noch einem Wind glich und heute
morgen zu einer Sommerbrise verblasst war, die sich mit ihrem dezenten, weiblichen
Schwei├čgeruch und dem Rauch vermischte, der sich bildete, als sie das Feuer entz├╝ndete.
Er h├Ârte wieder die Schritte des M├Ądchens, das sich durch das Zimmer bewegte. Er stellte sich
vor, wie sie in der Morgensonne tanzte, die durch die gro├čen Fenster schien und das Zimmer
golden strich. Er w├╝nschte sich, ihre nackten, samtenen Beine in der Morgensonne anzubeten.
Er wollte sie sehen und ├Âffnete die Augen. Licht.

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DocSchneider
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