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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Miriam
Eingestellt am 15. 12. 2015 09:12


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Ji Rina
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2015

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Ich dachte daran, Miriam anzurufen. Das letzte Mal, dass ich sie gesehen hatte, war am Freitagabend gewesen. Ich hatte sie in M├╝nchen zum Hauptbahnhof gebracht, wo sie den Zug nach Hamburg nehmen wollte. Dort w├╝rde ihre Mutter sie abholen und mit dem Auto nach Hause fahren.
Was hatten wir noch gelacht, als wir uns ├╝ber die Italiener unterhielten; zwei Br├╝der aus Cagliari, die aus Italien angereist waren, um in der Pizzeria ihres Onkels zu arbeiten. Drei Wochen zuvor hatten wir sie in einer Kneipe kennengelernt. Der eine war gro├č und kr├Ąftig mit einem markanten Gesicht; der andere kleiner und zarter mit sch├╝chternem Blick. Wie die Dinge halt so kommen, war Miriam mit dem gro├čen und ich mit dem Bruder gegangen. Niemand hatte niemanden gew├Ąhlt, sondern es hatte sich so ergeben.

Nach ein paar Tagen beschwerte Miriam sich bei mir. Sie sagte, der Gro├če sei zwar okay ÔÇô lieb und nett , aber zu aufdringlich. St├Ąndig w├╝rde er sie k├╝ssen wollen. Sie sagte, seine K├╝sse w├╝rden sie bedr├Ąngen. Zwar k├╝sse sie gern, aber nicht so. Nicht so, wie er es tat. Ich lachte und sagte dazu nichts. Wir redeten ein wenig ├╝ber dies und das, und dann ging das Gespr├Ąch wieder ├╝ber zu ihrer Mutter. ├ťber ihre Mutter wusste ich bereits so einiges. Zwar kannte ich sie nur vom Sehen, aber Miriam hatte mir schon unz├Ąhlige Geschichten ├╝ber sie erz├Ąhlt. Auch von ihr f├╝hlte sie sich bedr├Ąngt. Ihre Mutter, so Miriam, leide an zwanghafter Eifersucht und Kontrollsucht. St├Ąndig w├╝rde sie sie fragen: Wo gehst du jetzt hin? Wo warst du? Wer hat dich vorhin angerufen? Miriam sagte, ihre Mutter st├╝nde immer unter Strom, als k├Ânne sie krank werden, wenn sie ihre Tochter nicht unter st├Ąndiger Aufsicht habe. Aus diesem Grund war Miriam damals auch von Hamburg nach M├╝nchen gezogen. Wir begannen zur gleichen Zeit einen Kurs als Maskenbildnerinnen.
┬╗Wenn ich am Wochenende nach Hause komme┬ź, erz├Ąhlte Miriam oft, ┬╗bombardiert sie mich mit Fragen. Was hast du die ganze Woche ├╝ber gemacht? Mit wem warst du unterwegs? Hast du jemanden kennengelernt?┬ź
Ihre Mutter lebte in st├Ąndiger Angst, ihrer Tochter k├Ânne irgendetwas zusto├čen: an die falschen Leute geraten, sich in fragw├╝rdigen Gegenden aufhalten oder an den Wochenenden nicht nach Hause kommen. Ja, das war ihre gr├Â├čte Angst. Denn jeden Freitagmorgen rief ihre Mutter sie an und sagte: ┬╗Heute Abend kommst du, nicht wahr? Du nimmst den Abendzug?┬ź

Aus ihrem Privatleben erz├Ąhlte Miriam ihr grunds├Ątzlich nichts. ┬╗Wenn du ihr einen Finger reichst, rei├čt sie dir die ganze Hand ab┬ź, sagte Miriam verbittert. Ihre Mutter w├╝rde sogar in ihr Zimmer gehen und ihre Sachen kontrollieren, selbst ihre Handtasche untersuche sie, heimlich, w├Ąhrend Miriam im Bad war, falte dann jedes Papierchen auseinander und lese es. Das Handy trug Miriam aus Sicherheitsgr├╝nden nur bei sich, in einer Jacken- oder Hosentasche.
┬╗Ich bin jetzt 23 Jahre alt┬ź, klagte Miriam. ┬╗Soll das ein Leben lang so weitergehen?┬ź
┬╗Warum bleibst du nicht einfach in M├╝nchen?┬ź, fragte ich. ┬╗Fahr doch mal ne Zeit lang nicht nach Hause!┬ź
Aber diese S├Ątze kamen bei Miriam nie an.
┬╗Sie w├╝rde es nicht dulden┬ź, antwortete sie. ┬╗Sie w├╝rde herkommen und mich mit dem Auto holen. Sie w├╝rde sonst wo hinfahren, um mich zu holen.┬ź
Bei diesen Gespr├Ąchen wechselte ich oft das Thema. Ich ├Âffnete dann eine kleine Flasche Wein, redete ├╝ber anderes und riss Witze. Aber ich merkte, dass es mir nur sehr selten gelang; Miriam wirkte dann verbittert und distanziert.
┬╗Echt. Wenn ich irgendwie k├Ânnte, w├╝rde ich ihr alles heimzahlen┬ź, sagte sie einmal. ┬╗Seit meiner Kindheit macht sie mir mein Leben zur H├Âlle.┬ź
Dazu sagte ich nichts. Ich sch├Ątzte es als die ├╝blichen Mutter-Tochter-Probleme ein. Irgendwann w├╝rde Miriam ihr Elternhaus verlassen, ein eigenes Leben f├╝hren, vielleicht heiraten, Kinder kriegen. Wie diese Dinge halt kommen.

An jenem Morgen also wollte ich Miriam anrufen. Ich wollte wissen, wie es ihr ging, und ob sie zu dieser Party gegangen war, zu der man sie eingeladen hatte. Au├čerdem wollte ich sie fragen, ob ich sie bei ihrer R├╝ckkehr wieder am Hauptbahnhof abholen solle. Mit den Italienern hatte ich vereinbart, dass wir uns in der Pizzeria ihres Onkels treffen w├╝rden.
Ich w├Ąhlte Miriams Handynummer, aber da es abgestellt war, rief ich bei ihr zu Hause an. Es meldete sich ihre Mutter.
┬╗Hallo!┬ź, sagte ich so kurz und b├╝ndig wie m├Âglich, weil ich jede Fragerei ihrerseits vermeiden wollte. ┬╗K├Ânnte ich mal kurz Miriam sprechen?┬ź
Einige Sekunden herrschte Stille. Ich dachte, sie w├╝rde mich jetzt fragen, wer ich sei und was ich wolle. Aber sie sagte nichts. Und als ich schon dachte, sie w├╝rde einfach auflegen, sagte sie mit ausdrucksloser Stimme:

┬╗Miriam ist tot.┬ź

Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ihre Worte bebten in meinem Kopf nach, und ich war unf├Ąhig zu irgendeiner Reaktion. Ich hielt den H├Ârer an meinem Ohr und sp├╝rte das Zittern meiner Hand.
┬╗Gestern Nacht ÔÇŽ┬ź, stammelte sie, ┬╗bei einem Autounfall ÔÇŽ auf dem Heimweg ÔÇŽ von einer Party ÔÇŽ┬ź

Sie sagte etwas, das ich nicht verstand. Ich schluckte und horchte, w├Ąhrend ich den H├Ârer fest gegen mein Ohr presste. Die Stimme am anderen Ende der Leitung ging ├╝ber in ein Schluchzen.
┬╗Wie ÔÇŽ wie ist es passiert?┬ź, war alles, was ich herausbrachte.
Ich h├Ârte ein Knacksen. Und dann machte es Klick.
Sie hatte aufgelegt.

__________________
Der Leser hat┬┤s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

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Sorry, aber das ist keine Kurzgeschichte.

Wir bekommen einen umst├Ąndlilch geschriebenen Einblick in ein todlangweiliges Kleinb├╝rgermilieu (in dem es "kleine Weinflaschen" gibt), an dessen Ende - wer h├Ątte das gedacht! - der Tod steht.

Es geschieht nichts, es gibt keine Handlung und keine Pointe. Der Tod ist der banalste Schluss, der sich ├╝berhaupt denken l├Ąsst und bleibt in diesem Text v├Âllig bedeutungslos. Eine glatte "Null-Nummer", Ji.

TTip: Aus den Gegebenheiten, dass zwei biedere M├Ądchen, von denen eins noch im Hotel Mama haust und das viel mit dem Zug herumf├Ąhrt, zwei Italiener kennenlernen, von denen einer dick und der andere d├╝nn ist, eine Handlung konstruieren und etwas geschehen lassen, das es wert machte, eins der M├Ądels am Ende gleich in den Tod zu schicken.

Falls der Text als vorweihnachtliches R├╝hrst├╝ckerl gedacht sein sollte: So funzt's nicht. Der Leser nimmt den Tod der Person so zur Kenntnis, wie man eine fremde Todesanzeige ├╝berfliegt: Knacks. Klick.

Falls jetzt die "Aber genau so ist es gewesen"-Nummer kommen sollte: Die "Geschichten", die das gew├Âhnliche Leben schreibt, sind nicht immer die spannendsten. Sie eignen sich nur in den seltensten F├Ąllen als Romanvorlagen.

Gru├č

aligaga


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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

Werke: 22
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Hallo, Ji Rina
Eine bedr├╝ckende Geschichte ├╝ber den unerwarteten Tod einer jungen Frau. Erz├Ąhlt aus der Situation zweier Freundinnen, die eigentlich die kurze Geschichte dominieren sollten.
Soviel erst mal dazu.
Nach Deiner eigenen Einsch├Ątzung (sofern nicht sarkastisch gemeint)

quote:
In der Tat ÔÇô wirkt der Text trocken ... es fehlt Inhalt, Substanz ...

Sollte dem Wirklich so sein? Woran k├Ânnte es dann liegen?

Es beginnt mit der Begegnung mit zwei Jungs.
Die werden recht ausf├╝hrlich dargestellt, sie werden beschrieben, sie stehen im Rampenlicht.
Dann reagiert Miriam irgendwie genervt auf die Aufdringlichkeiten eines der Buben.
Ganz kurz erfahren wir, unter etwas Gel├Ąchter, dass die beiden Freundinnen zusammen studieren.
Dann erfahren wir etwas ├╝ber Miriams Mutter.
Nervt├Âtende, kontrolls├╝chtige Person, die ihre eigene Tochter ├╝berwacht.
Schlie├člich wird dar├╝ber berichtet, dass Miriam selbst wohlmeinende Vorschl├Ąge der Freundin nicht annimmt.
Ganz zum Schluss wird uns mitgeteilt, Miriam sei bei einem Autounfall gestorben.

Das wars. (Blau markiert: Der einzige Aspekt, der Miriam ein ganz klein wenig anleuchtet.)
Wo liegen jetzt die Probleme? Warum kommt dieses St├╝ck nicht beim Leser an?

Miriam bleibt als Character im diffusen Halbdunkel, sie tritt nicht aus den Schatten heraus. Der Leser erf├Ąhrt nichts ├╝ber Miriam, das ihn mitf├╝hlen lassen k├Ânnte. Da ist nichts Nennenswertes ├╝ber Miriam selbst. Wir erfahren eine Menge ├╝ber ihre Mutter, wir erfahren sogar deutlich mehr ├╝ber die beiden Italiener. Aber Miriam?
Wer war sie? Was hatte sie f├╝r Interessen? Wie tief war die Freundschaft zu Erz├Ąhlerin?

quote:
┬╗Miriam ist tot.┬ź

Da regt sich bei mir kein Gef├╝hl. Bestenfalls ein sachliches ÔÇ×Aha.ÔÇť Ebenso sachlich / ebenso nebens├Ąchlich wie ein ÔÇ×Das Auto ist rot.ÔÇť
Mir (als Leser) fehlt die Bindung / die Beziehung zu Miriam.

Wie k├Ânntest Du das Problem l├Âsen?
Erz├Ąhl ├╝ber die Jungs aus Sicht der M├Ądchen. Die beiden Freundinnen k├Ânnten ├╝ber die Jungs tuscheln, die K├Âpfe zusammenstecken und kleine Frechheiten austauschen.
Statt zu n├Ârgeln, k├Ânnte Miriam ihrer Freundin zu erkl├Ąren suchen, warum es nicht so einfach ist, sich von der alleinstehenden Mutter ÔÇ×abzunabelnÔÇť.
ÔÇ×Ich bin ja schon froh, dass ich hier in M├╝nchen studiere. Kannst du dir vorstellen, was los ist, wenn ich meiner Mutter erkl├Ąre, ich wolle dauerhaft hierher ziehen? Die w├╝rde doch glatt die Wohnung verkaufen und mit nach M├╝nchen kommen!ÔÇť
So in der Art, irgendetwas halt, was den Character ÔÇ×MiriamÔÇť beim Leser sympathisch werden l├Ąsst, damit am Schluss mitgef├╝hlt werden kann.

Also:
Die Jungs in den Schatten stellen, die M├Ądels in das Rampenlicht. Miriam ganz nach vorne, die Erz├Ąhlerin dicht daneben. Die Mutter mit etwas mehr Abstand dahinter.
(Dran denken: Miriam ist 23! Die will(!) sich von zu Hause abnabeln)
Und: Lass Miriam als echte Freundin auftreten.

G├Ąbe das eine v├Âllig neue Geschichte? Auf jeden Fall.
Hat Dir dieser Kommentar geholfen? Ich hoffe es.


Hallo Thomas
Ji Rinas Schreibstil besticht zuweilen mit einer Leichtigkeit, die einen durch ihre Texte fliegen l├Ąsst. W├Ąre dieser Text als Basis f├╝r eine Verbesserung zu gebrauchen, h├Ątte ich eine Vielzahl von sprachlichen Anmerkungen vorgetragen, die den Text noch etwas Leichtf├╝├čiger h├Ątten erscheinen lassen. Nun ist unsere gesch├Ątzte Ji Rina erst mal in der Pflicht, irgendwie zu reagieren.
Ein Story-Rohger├╝st hat Sie ja schon.


Gr├╝├če aus Westfalen
Frank

__________________
Leben und leben lassen.

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