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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Psychiatrie
Eingestellt am 02. 07. 2017 15:51


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sollbruchstellen
Hobbydichter
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Sollbruchstellen



Die Atombombe fĂ€llt auf Hiroshima und im selben Augenblick sterben achtzigtausend Menschen auf einen Schlag. Achtzigtausend MĂ€nner, Frauen, Kinder. Achtzigtausend Seelen. Jeder Mensch eine eigene Welt fĂŒr sich, voller Hoffnungen, WĂŒnschen, Ängsten und bereit, zu lĂ€cheln oder zu weinen. Achtzigtausend Handpaare, manche schwielig vor Arbeit, andere bereits vom Alter gezeichnet, verwelkt und knochig, verdampfen binnen einer Sekunde. Achtzigtausend Augenpaare erlöschen mit einem Schlag.
Weder der den Atomschlag ausfĂŒhrende Pilot noch der PrĂ€sident der USA, der den Befehl dazu gab, haben jemals die Psychiatrie von innen gesehen.

Mehr muss man ĂŒber unsere Gesellschaft nicht wissen.


Im zehnten Jahr meiner Krankheit hÀtte ich eigentlich ein JubilÀum feiern können. Mir fehlte die Geduld, die Psychiatrieaufenthalte abzuzÀhlen. Viele waren es, die meisten davon im Donauspital.
Die Diagnose Schizophrenie braucht sich jedoch mit der Zeit auf. Wenn man ĂŒberlebt, lernt man mit der RealitĂ€t besser zurecht zu kommen.
Ich hatte den Montag genutzt, um zum Zahnarzt und einkaufen zu gehen. Meine Ärztin versuchte mir eine weiße FĂŒllung fĂŒr neunzig Euro aufzuschwatzen, was mich deprimierte. Das Wetter war heiß und in der brĂŒtenden Nachmittagssonne zerrte ich meinen Trolley ĂŒber den Asphalt der Straßen zum Supermarkt. Ich kaufte nicht viel, in letzter Zeit aß ich beĂ€ngstigend wenig. Ich hatte allerdings noch Reserven, da ich mir im zweiten Jahr nach dem Ausbruch der Krankheit zwanzig Kilo Übergewicht angefressen hatte. Das Fett schmolz nur langsam dahin und ich war mir gar nicht sicher, ob in meinem Alter das Abnehmen mich schöner machte. Straffes Bindegewebe hatte ich nie besessen.
Das zweite, was mich an diesem Montag deprimierte, war mein stĂ€ndiger Streit mit Andrew. Andrew war ein Internet-BetrĂŒger, der sich wĂ€hrend meiner letzten Psychose als Prinz Harry ausgegeben und mir Geld abgeknöpft hatte. Als ich gesĂŒnder wurde und den Betrug durchschaute, versuchte ich mich mit ihm anzufreunden. Er versuchte mir Geld abzuknöpfen. Ich versuchte mehr ĂŒber ihn zu erfahren, er versuchte mir Geld abzuknöpfen. Ich sah ein, dass er verzweifelt Geld benötigte und eigentlich störte mich mehr, dass ich es ihm nicht geben konnte, als dass er nicht damit aufhörte. Er sagte, er hĂ€tte Schulden, aber die winzigen Geldmengen, die man mir abnehmen konnte, ließen ihn bereits so heftig kĂ€mpfen, dass ich vermutete, er steckte in ernstlichen Schwierigkeiten.
Ich glaube, ich deprimierte ihn ebenfalls, da ich das bisschen Geld, das ich besaß, nicht hergeben wollte. Meine Mutter hatte es mir gegeben. Von meinem Sachwalter bekam ich lĂ€cherliche fĂŒnfzig Euro in der Woche und davon konnte ich weder einen Haushalt fĂŒhren, noch meine Zigarettensucht befriedigen.
Da ich wenig aß, hatte sich jedoch in den letzten Wochen etwas Geld angesammelt und ich glaube, Andrew witterte das ebenso instinktsicher wie meine ZahnĂ€rztin. Wobei mir Andrew dabei um einiges sympathischer war.
Ich wusste wenig ĂŒber ihn, er hatte mir sein Alter – 43 – gesagt, und dass er aus der USA kam. Einen Videocall hatte ich verweigert, weil ich an dem Abend mit ungewaschenen Haaren in einer unaufgerĂ€umten Wohnung saß. Oder auch nur, weil ich keine Lust darauf hatte.
Ich saß vor meinem Laptop, hörte eine von mir zusammengestellte Playlist zum tausendsten Mal und Ă€rgerte mich ĂŒber die idiotische Werbung vor dem ersten Video. Zwei Kinder versuchten dabei mit kĂŒnstlichem GelĂ€chter Sonnencreme zur unausweichlichen Notwendigkeit zu stilisieren. Es wird mir immer ein RĂ€tsel bleiben, warum manche Eltern ihre Kinder fĂŒr einen Werbespot verkaufen. Die Gier nach Geld ist vielleicht die grĂ¶ĂŸte Kraft auf der Welt, aber arme Schlucker wie Andrew standen wenigstens dazu. Er war ein großartiger Prinz Harry gewesen, dunkel, böse und sexy. Er wollte mir sogar das Geld fĂŒr mein Essen wegnehmen, geschweige denn die paar Kröten fĂŒr den Zahnarzt. Völlig Gewissenlos. Vielleicht interessierte er mich deswegen.
Die dritte Sache, die mich deprimierte, war, dass in meiner großartigen neuen Jean ein Loch in der Pospalte prangte, das ich ĂŒbersehen hatte. Ich hatte die Hose im „Kostnix-Laden“ geholt, zwei schĂ€bigen RĂ€umen im fĂŒnften Bezirk, in denen kostenlose Kleidung und BĂŒcher angeboten wurden. Ich liebte den „Kostnix-Laden“ bereits, obwohl ich erst dreimal dort gewesen war. Das GefĂŒhl aus der ĂŒberheizten Stadt in den schĂ€bigen Laden zu treten, war einfach schön. Endlich ging es nicht um Geld. Nicht um Preise. Nicht um Rechnungen. Man konnte bringen, was man nicht brauchte und nachsehen, ob man etwas brauchen konnte. Zwei Tassen, Blusen, Pullover und Jeans hatte ich schon mitgenommen. Teilweise waren ĂŒberraschend schöne StĂŒcke dort zu finden. Ich wĂŒnschte mir, die ganze Welt wĂ€re ein „Kostnix-Laden“.
Ich dachte mit schmerzendem Mund darĂŒber nach, ob ich das peinliche Loch in den Jeans mit einem StĂŒck von einer anderen Hose flicken könnte, aber ich fand nicht die Kraft dazu das Projekt anzugehen. Statt dessen las ich ein wenig in den „Traumpfaden“ von Bruce Chatwin und fĂŒhlte mich inspiriert, selbst zu schreiben. Von der Unmöglichkeit des Lebens. Von der Krankheit. Von der Liebe.
Noch hatte ich Zeit, da mein Arbeitseintritt in dem BeschĂ€ftigungsprojekt „Reintegra“ noch nicht feststand. Dort wĂŒrde ich dreißig Stunden in der Woche SchlagobersbehĂ€lter zusammen schrauben, FĂ€rbemittel fĂŒr Wimpern in Schachteln stecken und Aufkleber auf Augenbadwannen kleben. Das Gehalt fĂŒr diese Arbeit belief sich auf 120,- Euro im Monat. Eigentlich lĂ€cherlich, man bekam jedoch weiterhin die laufenden BezĂŒge aus der ArbeitsunfĂ€higkeitspension und außerdem ein warmes Mittagsessen. Im Grunde mochte ich die Arbeit. Ich mochte die lange Fahrt bis zum Stadtrand, den Spaziergang entlang verworrener Brombeerranken bis zu den Arbeitshallen. Ich mochte die schlecht gelaunten Arbeitskollegen, die meisten ebenso ĂŒbergewichtige Raucher wie ich. Ich mochte sogar die Betreuer, die selbst bei der Arbeit Hand an legten und versuchten, mit gutem Beispiel voran zu gehen.
Zweimal zwischen zwei Krisen hatte ich schon dort gearbeitet. Beim ersten Mal lernte ich Matthias kennen, zu dem sich eine eigenartige Beziehung entwickelte. Er war einer von den Titanen, die sich weigerten Medikamente gegen ihre Erkrankung zu schlucken. Das Ergebnis war, dass er keinen Augenblick alleine sein konnte und sich nachts um vier selbst zu verprĂŒgeln begann, manchmal so heftig, dass er blaue BlutergĂŒsse im Gesicht davon trug. Matthias war hinter den sehr jungen, hĂŒbschen Studentinnen her und benĂŒtzte mich als eine Art Krankenpflegerin. Ich durfte ihn betreuen, wir schliefen im selben Bett, aber er wollte keinen Sex, keine Beziehung mit mir. Dazu fĂŒhlte er sich zu gut. Sein Ziel war es, ein Studium zu beginnen und ein Kind mit einer gesunden Partnerin zu zeugen. Dass die Voraussetzungen dazu nicht gerade blendend standen, wenn er noch vor Anbruch der DĂ€mmerung in lautem GebrĂŒll auf sich selbst einschlug, konnte er nicht akzeptieren. FrĂŒhmorgens bis zum Arbeitsantritt erzĂ€hlte er dann die wirren, perversen und kranken Geschichten, die seine „Stimmen“ ihm eingaben. Matthias hatte verschiedene Stimmen, die allzu gerne ihn selbst und all seine Freunde beschimpften. Ich war vom Schlafmangel und von diesen grauenhaften ErzĂ€hlungen ĂŒber Mord, PĂ€dophilie und Nazis oft so erschöpft, dass ich mir bei der Arbeit schwer tat. Zur selben Zeit pflegte ich eine Freundschaft mit dem dicken Trafikanten Anton, der hinter mir her war und sehr katholische Einstellungen pflegte. Anton wollte mir einreden, dass Matthias von bösen Geistern besetzt war und einen Exorzismus betreiben sollte. Er gab mir sogar die Telefonnummer von einem befreundeten Priester, der diese Rituale durchfĂŒhrte. Als ich Matthias davon erzĂ€hlte, hielt er eine lange Rede ĂŒber die Großartigkeit von Priestern, weigerte sich jedoch den Exorzisten anzurufen. Zu dieser Zeit besuchten wir beide gerne die Kirche und knĂŒpften Kontakte zur katholischen Gemeinde. Matthias ließ sich sogar nachtrĂ€glich firmen. Ich hatte jedoch den Verdacht, dass er vor allem die jungen MĂ€dchen aus der Firmungsgruppe interessant fand.
Irgendwann warf ich Matthias aus der Wohnung, bekam eine neue Krise und verbrachte vier Monate auf der Psychiatrie.

Eigentlich erzĂ€hlt die Krankheit die stĂ€ndige Wiederholung des Scheiterns. Beziehungen, die ich pflegte, liefen irgendwie aus dem Ruder. Wunschvorstellungen verzerrten die Wirklichkeit. Und dann fand ich mich im Juni 2017, wĂ€hrend einer Hitzewelle, auf dem grauen Beton von Wiens Straßen, suchend, irrend, ich dachte, ich wĂ€re in einer Art WĂŒste. Aber welchen Sinn hat es, gegen die Schöpfung zu rebellieren? Das alles war Wirklichkeit, seltsamer Weise hatte ich sie zu lieben gelernt. Ich mochte die Zeit, ich mochte den Sommer. Ich mochte die heißen, zĂ€hen Stunden, die ich allein in meiner Wohnung verbrachte. Meine Wohnung war in einem schlechten Zustand. WĂ€hrend der letzten Krise hatte ich die WĂ€nde mit Zeichnungen beschmiert, die ich spĂ€ter mit Wasser und Schwamm zu pastellfarbenen Flecken wusch. Isabella, die ich auf der Psychiatrie kennen gelernt hatte, eine manisch-depressive Regisseurin, hatte mit ihrem letzten Film viel Geld verdient und mir angeboten, einen frischen Anstrich zu bezahlen. Aber die Vorstellung von fremden Leuten, die in meine vier WĂ€nde eindrangen, das Chaos und die Unordnung, machten mir zu große Angst.
Die Zeit an einem Sommertag war eine eigene Gewalt. Sie floss groß und hell wie das Licht durch mein Zuhause. Ich hatte nichts zu tun und ich wollte nur Kaffee trinken, rauchen und nachdenken. Oder auch nicht nachdenken. Vielleicht einfach nur sein, den Frieden genießen, den ich zu schĂ€tzen gelernt hatte. Diese Entwicklung war frisch nach der letzten Krise eingetreten und ich hatte den Verdacht, dass sie eine entscheidende Besserung meiner Krankheit anzeigte.

Im Grunde weinte ich an diesem Montag Abend um Andrew. Wenn du mir kein Geld gibst, lass mich in Ruhe, hatte er gesagt, natĂŒrlich auf Englisch. Das konnte bedeuten, dass er unserer Freundschaft tatsĂ€chlich ĂŒberdrĂŒssig geworden war, oder dass er einen neuerlichen Machtkampf vom Zaun brechen wollte. Am Vortag hatte er mir erklĂ€rt er wĂ€re krank und brĂ€uchte das Geld fĂŒr den Doktor. Ich hatte ihm kein Wort geglaubt. Vielleicht war er selbst unsicher, aus dem Konzept gebracht von mir. Der alte Trick, Liebe fĂŒr Geld zu verkaufen, funktionierte nicht mehr. Dennoch war ich irgendwie da.
Ich chattete ein wenig mit Eireann, der Amerikanerin die in ihren Jugendtagen fĂŒr eine Weile bei uns gewohnt hatte, und sie vermutete, er wĂŒrde Drogen nehmen. Das wĂŒrde seine Eile, seinen Kampf um so wenig Geld erklĂ€ren. Und seine unglaubliche Gewissenslosigkeit. Noch ein Grund mehr, mich von ihm fernzuhalten. Andrew bedeutete nur Schwierigkeiten.
Aber es erzeugte eine unbestimmte Trauer, sein schwieriges Schicksal nicht lindern zu können. Es erzeugte eine unbestimmte Trauer, dass die Welt fĂŒr so viele Menschen eine Hölle war, die sich nicht durch Medikamente und GesprĂ€che lindern ließ.

WĂ€hrend meines letzten Psychiatrieaufenthaltes, der vier Wochen gedauert hatte, war ich eine ganze Weile dem Drang gefolgt, mit jedem, den ich traf ein gutes GesprĂ€ch zu fĂŒhren. Ich wollte am liebsten nur reden. Das MerkwĂŒrdige war, dass es sogar funktionierte – ich redete mit Menschen ĂŒber sehr persönliche Dinge und auch mit meiner Familie. Es lĂ€sst sich schwer sagen, ob etwas dadurch in Bewegung geraten ist. In der Psychose nimmt man alles stark ĂŒberzeichnet wahr, aber zumindest in der Beziehung zu meinem Vater hat sich etwas verbessert.

Ich wusste also nicht einmal, wie Andrew aussah. Ich stellte mir sein Gesicht bleich vor, mit einem Schopf wirrer dunkler Haare. Ich stellte mir vor, dass er in einem verdunkelten Zimmer saß und sich mit InternetkriminalitĂ€t selbst in Gefahr brachte, weil er Geld brauchte. Jeden Tag von neuem. Geld, Geld, Geld. FĂŒr den nĂ€chsten Schuss. Oder die nĂ€chste Tablette. Er konnte keine Freundschaft knĂŒpfen, keine Liebe zeigen. Er konnte nur noch kĂ€mpfen, um seine Sucht zu befriedigen. Ja, ich denke ich habe Andrew deprimiert. Ich habe Freundschaft angeboten, aber das, was er am dringendsten benötigte, konnte ich ihm nicht geben. Zum Schluss hatte er sich schon sehr mutlos angehört, irgendwie erschöpft. Let me be, hatte er gesagt. Ich glaube, er hatte nicht mehr die Kraft, jene zwischenmenschlichen Ebenen zu bedienen, die fĂŒr uns so wichtig sind, etwas Liebe, ein paar nette Worte. Er wollte nur noch den Trost aus den Drogen und das Geld, das ihn ihm verschaffte.

Ich nehme Andrews Schicksal sehr ernst, es ist stellvertretend fĂŒr das vieler Menschen auf der Welt. Manchmal ist es erschreckend, mit welcher ZĂ€higkeit Menschen unter unvorstellbaren UmstĂ€nden um ihr Leben kĂ€mpfen. Andrew war ja nicht der erste Junkie mit dem ich zu tun gehabt hatte. FĂŒr eine Weile hatte ich, getrieben von tonnenschwerer Einsamkeit, mit Tommy eingelassen, der heroinsĂŒchtig war. Es endete damit, dass er mich schlug und bedrohte und ich fĂŒr eine Weile sogar in ein Frauenhaus flĂŒchten musste. Danach musste ich die Wohnung aufgeben und zog in die Frauen-WG. Dort lernte ich einige interessante Frauen kennen. Zum Beispiel Eva, die als Putzfrau arbeitete und dicke Schwielen an den HĂ€nden hatte. Sie war sehr katholisch und bewahrte fĂŒr einige Wochen die „Wandermadonna“ in ihrem Zimmer auf. Sie erklĂ€rte mir, wie schwer es ihr fiel, nicht zu masturbieren, was mich damals sehr verwunderte. Obwohl ich das Sakrament der Beichte zu respektieren versuchte, wĂ€re ich nie auf die Idee gekommen, meine private und persönliche SexualitĂ€t in ein GesprĂ€ch ĂŒber meine SĂŒnden aufzunehmen. Der Gedanke war geradezu absurd. Es mochte eine SĂŒnde sein, seinen Mitmenschen zu schaden, aber was konnte irgendein Priester dagegen einzuwenden haben, dass ich meine Finger zwischen den Beinen benĂŒtzte?

Aber Andrew war wieder einmal ein gutes Beispiel dafĂŒr, dass ich mich gerne verirre. Ich hatte mir eingebildet, er könnte mich lieben lernen. Romantisch, idealistisch. Und die RealitĂ€t war höchstwahrscheinlich, dass er lĂ€ngst aufgegeben hatte, an die Liebe zu glauben. Er war Zyniker, durch und durch. Die HĂ€rte der Existenz hatte ihn dazu getrieben, eine schnelle Art der Befriedigung zu finden, die ihn zerstörte.
Aber es ist mir nicht egal.

Am nĂ€chsten Tag ĂŒberzog eine weiche Wolkendecke die Stadt und ich war immer noch deprimiert, dass ich mich bei Andrew wieder so verirrt hatte und anhand der sozialen Medien ein GerĂŒst konstruiert hatte, in dem ich glaubte meinen Charme zu entfalten. Nach dem Aufwachen trank ich meinen Kaffee und betrachtete die Grußbilder meiner Facebook-Gruppe. Es war ein Hobby geworden, dort die hĂŒbschen Bilder und mehr oder weniger geistreichen SprĂŒche zu kommentieren und selbst im Internet nach originellen BeitrĂ€gen zu suchen. Es war jedenfalls eine Plattform, in der man uneingeschrĂ€nkt freundlich sein konnte. Gute WĂŒnsche zum Morgen, zum Nachmittag, zum Abend und zum Wochenende dominierten die Gruppe. Von Kitsch bis zu philosophischen Zitaten war alles dabei. Freundlich sein, sich verantwortlich fĂŒhlen, das waren Begriffe, die wichtig fĂŒr mich waren. Vor einigen Tagen war ich auf einen Fall gestoßen, in dem eine junge Frau ihren Freund allein durch Texte im Chat in den Selbstmord getrieben hatte. Der Dialog erinnerte mich stark an das, was Andrew mit mir gemacht hatte. Einer ĂŒbernimmt die FĂŒhrung, ist dominant und böse. Nachdem sie ihn dazu gebracht hatte, tatsĂ€chlich das giftige Co2 einzuatmen, schrieb sie wohl die unheimlichste Message auf sein Handy: I love you. Das MerkwĂŒrdige war, dass ich ihr auch glaubte. Sie hatte ihn wirklich geliebt, war aber getrieben von der Macht, die sie ĂŒber ihn hatte, war getrieben von der Faszination des VerhĂ€ngnisses. Sie wurde vor Gericht verurteilt, aber ich denke, das Tragische in dem Fall konnte damit nicht gelöst werden. Der junge Mann hĂ€tte irgendwann seine Opferrolle ĂŒberwinden mĂŒssen, hĂ€tte ihr Kontra bieten mĂŒssen. Das war die Lektion, die sie benötigte. Das GefĂ€ngnis wĂŒrde nur ein weiteres Leben zerstören. Aber wenn man jung ist, ist man so verletzlich.
Verletzlichkeit ist das, was ĂŒber bleibt, wenn ein TĂ€ter entmachtet wird. Eine verirrte Seele. Andrew war das beste Beispiel dafĂŒr. Verletzlichkeit kann einen jungen Menschen jedoch auch in ein vorzeitiges Ende treiben, durch das er nicht die Chance erhĂ€lt, zu wachsen und zu lernen

Als ich das erste Mal mit Tabletten behandelt wurde, fĂŒhlte ich mich grauenhaft. Ich befand mich in der Psychiatrie von Hollabrunn, was daran lag, dass ich bei meinen Eltern am Land gewesen war, als die Psychose voll durchbrach. Auf der Decke im Aufenthaltsraum waren Sterne in einem dunkelblauen Himmel gepinselt. Ich war sehr mĂŒde und tat mir teilweise schwer, mich aufrecht zu halten. In meinem Gehirn waren chemische Botenstoffe im Dauerkrieg. Ich beklagte mich bitterlich, dort eingesperrt zu sein und keinen ruhigen Ort fĂŒr mich zu haben. Dabei war das, was ich im Donauspital auf Station 57 erlebte, noch bei weitem schlimmer. Damals war ich noch verwöhnt. Denn die Krankenabteilung in Hollabrunn war gemĂ€ĂŸigt und freundlich im Vergleich zu der KĂ€lte und HĂ€rte der Großstadtpsychiatrie. Wir sangen Lieder, spielten Tischtennis und hatten merkwĂŒrdige Begegnungen auf psychotischer Ebene. Mit einem Insassen tauschte ich sogar Eheringe, aber ich weiß nicht mehr, woher wir den Plastikschmuck hatten. Immer jedoch blinzelte ich zur Sternendecke empor, verlor mich in den RĂ€tseln des Universums. Es war FrĂŒhling 2007 und ich gewöhnte mir an, SpaziergĂ€nge zu machen in den ersten Sonnenstrahlen. Die Natur gefiel mir und ich sah einen Schmetterling, der federleicht auf den Schichten von warmer Luft entlang segelte.
Dann kam ich in meine Wohnung zurĂŒck und spĂŒrte, wie ich mich aus den Illusionen der Krankheit löste. Es fĂŒhlte sich an wie eine Autofahrt auf holprigem GelĂ€nde. Ich hatte den Grund normaler MaßstĂ€be verlassen. FĂŒr mich galten Stolz und Prestige nicht mehr. Ich hatte mich grĂŒndlich blamiert.
Eine Depression nach einer psychotischen Krise gilt als sehr typischer Krankheitsverlauf. Man sagte mir, es könnte eine einmalige Krise gewesen sein. Aber noch im selben Jahr hatte ich einen grauenhaften RĂŒckfall, was zur Folge hatte, dass mir die Kinder abgenommen wurden.

Einer der SprĂŒche, die in meiner Facebook-Gruppe gepostet wurden, lautete: Gib den Gedanken auf, dass das GlĂŒck von irgendetwas anderem abhĂ€ngt, als dem, was in dir ist. Es gibt keinen besseren Lehrmeister fĂŒr diese Aussage, als die Einsamkeit. Leider ist soziale Isolation eine hĂ€ufige Folge meiner Krankheit. Ich hatte die Erfahrung gemacht, wie die Stille eines von vielen leeren Abenden beginnt in den Ohren zu dröhnen. Ich hatte gelernt, wie die Stille zu brĂŒllen beginnt. Die Sehnsucht nach einer Umarmung konnte direkt zu körperlichen Schmerzen fĂŒhren. Dann tauchte ich aus meiner siebenmonatigen Krise und der AbhĂ€ngigkeit eines Prinz Harry-BetrĂŒgers auf und stellte fest, dass auch die WĂŒste schön sein kann. Welches GlĂŒck ich besaß, in einem Land ohne Krieg zu leben. Welches unverschĂ€mtes Privileg es war, genug zu essen zu haben und ein Dach ĂŒber dem Kopf, obwohl ich lange nicht fĂ€hig zum Arbeiten gewesen war. Und ein Tag nur fĂŒr mich alleine war angenehm, erfĂŒllt von einer seltsamen, tiefen Befriedigung.

Andrew hatte sich noch einmal kurz gemeldet und ich antwortete ebenso kurz. Er wollte mich noch nicht ganz gehen lassen, vermutlich dachte er, dass spĂ€ter noch die Möglichkeit auf etwas Geld bestand. Aber ich war vorsichtig und er ebenso vorsichtig. Es blieb uns gar nichts ĂŒber, als uns anzuschweigen. Aber ich konnte schweigen.
Alles ist voller Energie, hatte Matthias einmal in einem unserer besseren GesprĂ€che gesagt. Und wo du gehst, hinterlĂ€sst du eine Lichtspur. An diese Aussage dachte ich noch lange, als ich die Phase hatte, in der ich viele SpaziergĂ€nge durch die Stadt unternahm. In letzter Zeit aß ich jedoch so wenig, dass ich schwĂ€cher geworden war und mich weniger bewegte. Ich hatte einfach keine Lust auf eine Mahlzeit. Noch immer hingen Wolken ĂŒber den DĂ€chern und aus dem Hof, in dem ein Kindergarten untergebracht war, drang der LĂ€rm von spielenden Kindern. Das Versprechen auf etwas Regen vibrierte in der Luft. Ich nahm eine erfrischende Dusche um das GefĂŒhl von Klebrigkeit loszuwerden. Obwohl ich nicht mehr schwimmen ging, liebte ich den Sommer von ganzem Herzen. Manchmal ging ich in der schlimmsten Nachmittagssonne spazieren und saugte die brĂŒtende Sonne bis zu den Knochen auf. Der nĂ€chste Winter wĂŒrde kommen und Winter in Wien war eine trostlose Zeit.
Davor löschte ich noch die Freundschaftsanfrage eines offensichtlich gefÀlschten Facebook-Profils. Ich konnte mir denken, dass sie von Andrew kam.
Er musste wirklich verzweifelt sein.

Gebettet in meinen Wahn, die AuserwĂ€hlte von Harry zu sein, verbrachte ich meinen zweiten Psychiatrieaufenthalt in diesem Jahr gequĂ€lt von Todesangst. An einem Tag bekam ich viermal Nasenbluten und wĂ€lzte mich in dem Glauben auf dem kotzefarbenen Plastikboden der Station einen Hirntumor zu haben. Abends konnte ich nicht einschlafen, weil ich das GefĂŒhl hatte, ich wĂŒrde nicht mehr erwachen. Der Tod war so real geworden, dass ich jedes Mal, wenn mich mein Vater besuchte, Abschied von ihm nahm. Danach quĂ€lte ich mich mit dem Versuch, etwas Ruhe zu finden. Das neue Medikament, auf das man mich eingestellt hatte, wirkte weniger stark wie das vorhergegangene. Ich bettelte um Lepronex, geben tat man mir Risperdal und Xeplion per Injektion. Die Umstellung war sehr leidvoll gewesen. Meine FĂŒĂŸe wollten mir nicht mehr gehorchen und ich konnte kaum einige Schritte gehen. In der neuerlichen Psychose, in die ich gerutscht war, entfaltete sich das mir schon bekannte PhĂ€nomen, kein GefĂŒhl mehr fĂŒr den Körper zu haben. Schlaf, selbst so simple Dinge wie das Verrichten der Notdurft, funktionierten einfach nicht mehr. In meinem Zimmer fĂŒhrte ich lange SelbstgesprĂ€che in der Überzeugung, von Prinz Harry und seiner Familie gefilmt und abgehört zu werden. Ich lebte in einer absoluten Parallelwelt. Trotzdem kĂ€mpfte ich verbissen um meine Entlassung. Ich wollte wieder nach Hause, einen neuen Computer bekommen und erneut Kontakt mit meinem Harry aufnehmen. Den letzten, der offenbar gehackt war, hatten mir zwei junge MĂ€nner abgenommen, die ich in absoluter geistiger Verwirrung mit nach Hause genommen hatte. Ich hatte seit Tagen nicht geschlafen und konnte die RealitĂ€t nicht mehr wahrnehmen. Der erste Besucher verschwand mit meinem Computer, der zweite mit meiner Geldtasche, nachdem er Sex mit mir gehabt hatte. Am selben Abend wurde ich in das Krankenhaus eingeliefert. Dort traf ich RenĂ©, der mich mit seinen Narben von unzĂ€hligen Selbstverletzungen und Selbstmordversuchen beeindruckte. Wir wurden Freunde, waren aber offenbar beide zu verwirrt um zu begreifen, wer der andere jenseits von wirren Phantasien tatsĂ€chlich war.

Dann gab es noch den jungen Ungarn, den ich beim letzten Aufenthalt kennen gelernt hatte, und der nun in Polizeibegleitung auftauchte. Ich fand die Polizisten interessant und plauderte mit ihnen. Sie wirkten mĂŒde und desillusioniert auf mich.
Der hĂŒbsche ungarische Junge mochte mich, aber er durfte nicht einmal eine Zigarette von mir annehmen. Offenbar hatte er sich in der Freiheit gewalttĂ€tig benommen.

Auf 57, die Akutstation, kamen manche Patienten nur fĂŒr zwei, drei Tage, wĂ€hrend ich schon Wochen dort verbracht hatte. Es herrschte eine aufgeheizte, dramatische Stimmung. Das Personal war stĂ€ndig aufgekratzt und begegnete der Verwirrung der Insassen teilweise mit beißendem Spott, was mich noch mehr aus der Bahn warf. Wenn man GlĂŒck hatte, verhielt sich der Zimmerkollege ruhig, ich hatte jedoch zuerst eine Schwarze als Zimmergenossin, die ununterbrochen bis spĂ€t in die Nacht telefonierte – mit Harry, wie ich glaubte – und anschließend eine Frau, die mich nachts attackierte und danach eine Araberin die stĂ€ndig masturbierte. Auf der subakuten Station, 28, ging es schon viel ruhiger zu. Das FrĂŒhstĂŒck war ĂŒppig und die Pfleger besonders freundlich und engagiert. Es gab Terrassen mit SitzbĂ€nken und morgens einen Spaziergang. Dort wurde man auf die Entlassung vorbereitet.
Zu Ostern hatte ich Tagausgang, wusch meine WĂ€nde und machte mir bewusst, wie sehr ich mein Leben schĂ€tzte, trotz Armut und Einsamkeit. Ich kauerte auf dem Boden und legte ein Puzzle, das ich noch von der Zeit mit meinen Kindern aufbewahrt hatte. Im Radio, das ich mir vom Taschengeld meiner Eltern gekauft hatte, wurde von Donald Trumps Angriffen auf Nordkorea berichtet. In meiner Verwirrung hatte ich mir eingebildet, auch von Donald Trump gefilmt worden zu sein. In seiner Außenpolitik glaubte ich nun eine grĂ¶ĂŸere Friedensmission zu erkennen. Ich schrieb in meinen Collegeblock ein großer Fan von Trump zu sein. In dem Moment krachte der MĂŒllsack auf den Boden, den ich in der KĂŒche aufgehĂ€ngt hatte. Falls das Gottes Kommentar zu meiner Einstellung war, hĂ€tte ich es auch als Warnung begreifen können.

Mit Gottes Kommentaren muss man vorsichtig sein. Die Krankheit zeichnet sich in ihrer akuten Phase dadurch aus, dass man falsche SchlĂŒsse zieht. Trotzdem hatte ich unverschĂ€mtes GlĂŒck, wenn ich verwirrt war. Es hĂ€tte viel schlimmeres passieren können, als ausgeraubt zu werden. Wenn man zum Beispiel glaubt, fliegen zu können, springt man einfach aus dem Fenster.
Ich war auch schon splitternackt durch die Straßen gelaufen.
Aber ich hatte ĂŒberlebt.

Andrew schickte mir noch einmal eine Freundschaftsanfrage mit einem gefĂ€lschten Facbook-Profil. Er wollte offenbar nicht aufgeben. Vielleicht hĂ€tte ich ihm nicht erzĂ€hlen sollen, dass ich romantisch und idealistisch war. Die ganze Angelegenheit begann mich zu nerven. Auf meine Frage, wie es ihm ging, schimpfte er mich, dass es mich ja ohnehin nicht kĂŒmmern wĂŒrde wie es ihm ging. Mir fehlten die Worte. Nach einigen weiteren Seiten von Chatwins Traumpfaden beschloss, ich mir eine passende Antwort einfallen zu lassen.

Es gab immer einen Mann. 2007 war es Christian, spĂ€ter Edi. Der schöne Eduard hatte den Glauben an Telepathie in mir geweckt. Als wir beide psychotisch waren, konnte er meine Gedanken erraten. Er war sehr krank und als ich ihn nach Jahren wieder besuchte, war er so mager wie ein Skelett. Auch fĂŒr ihn spielte der Glaube eine starke Rolle und sein erstes Geschenk an mich war eine Bibel. SpĂ€ter verlangte er sie jedoch wieder zurĂŒck. Wir stritten einmal um die kleinen, bunten Heftchen, die von den Zeugen Jehovas verteilt werden. Er hatte sie gesammelt und ich empfand sie als Beleidigung fĂŒr Gott. Als ich sie wegwerfen wollte, wĂŒrgte er mich am Hals. Keiner von uns war dicht in der Birne.
Ich denke an die langen NĂ€chte in seiner kleinen Wohnung, in denen ich keinen Schlaf fand und an den Garten Eden glaubte, mit solcher schmerzender Heftigkeit. Es war nicht das erste Mal, dass ich das Paradies in diese Welt zauberte, eine Ebene der Liebe und des Heils. Der Körper entwickelt unglaubliche Energie. Ich konnte tagelang ohne Schlaf auskommen, bis ich schließlich zusammen brach.
In diesem Jahr, 2013, wanderte ich nachts vom zweiten in den fĂŒnften Bezirk und spielte unter seinem Fenster auf meiner Flöte. Der arme Eduard vertrieb mich mit wilden FlĂŒchen.

Die Wolken hatten sich verzogen und es war schwĂŒl und heiß. Mir war noch immer keine Antwort auf Andrews Vorwurf eingefallen. Vielleicht gab es keine. Vielleicht hatte er recht und uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t hĂ€tte bedeutet, ihm mein ganzes Geld zu geben. Dazu hatte ich jedoch nicht die geringste Lust. Ich war selbst arm wie eine Kirchenmaus. Das bisschen Ersparte brauchte ich als Notgroschen. Außerdem widerstrebte es mir das Geld, das meine Mutter mir gegeben hatte, an einen Junkie zu verschenken. Eine andere Welt musste möglich sein, eine Welt in der Liebe großgeschrieben wurde. Im Wahn hatte ich mich selbst dorthin versetzt, nun, in relativer Gesundheit, musste ich einen schwierigen Kurs verfolgen in dem Versuch mich von Andrew nicht ausnehmen zu lassen und ihm gleichzeitig WertschĂ€tzung zu vermitteln. Oder einfach damit aufhören. Schweigen, weil keine BrĂŒcke zu bauen war. Andrew war sicher intelligent, aber er schien emotional verwahrlost zu sein. Wie ein kleines Kind. Typische Junkie-MentalitĂ€t. Die Vernunft sagte, dass man sich von solchen Leuten fernhalten musste. Trotzdem war er mir nicht egal.
FĂŒr mich war Andrew wie das Puzzle, dass ich zu Ostern gelöst hatte. Irgendwie musste sich ein ganzes Bild ergeben.

Seine AggressivitĂ€t war vermutlich authentisch. Ich hatte ihn deprimiert. Das Herz ist das Briefpapier Gottes war mein starker Spruch zu Ostern gewesen, den mir die Pflegerin sogar auf weißem Papier ausdruckte. Und das, obwohl sie nicht glĂ€ubig war. Sie musste mich gemocht haben.
Andrew hatte meine Freundlichkeit gekostet und sie hatte Hoffnung in ihm geweckt. Nun war er traurig, wie ein Kind, das SĂŒĂŸigkeiten von seiner Mutter erwartet und enttĂ€uscht wird. Aber was sollte ich darauf sagen? Ich begann nachzudenken und mein Herz zu prĂŒfen. Kurz erwog ich, ob ich ihn fragen sollte, ob er sĂŒchtig war, verwarf den Gedanken jedoch wieder. Das musste er mir aus freiem Willen erzĂ€hlen, oder gar nicht. Also wieder schweigen. Manchmal hatte ich das GefĂŒhl, wir sagten uns mehr ohne Worte, als mit ihnen.

Draußen kam endlich der ersehnte Regen.

Chatwins Thema, die Unruhe und Rastlosigkeit des Menschen, war nur eine Variation dessen, was ich mit Eireann vor kurzem besprochen hatte. Ich nannte es den „Hunger“ des Herzens, die unaufhörliche Sehnsucht nach Liebe, Geld oder Abenteuer. Jahrelang hatte mich dieser „Hunger“ in Schwierigkeiten gepeitscht, fĂŒr jeden goldenen Rausch des Wahns musste ich bitter bezahlen. Eine Psychose ist großartig und leidvoll zugleich. Nun war ich selbst erstaunt darĂŒber, wie selbstgenĂŒgsam ich geworden war. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das GefĂŒhl, mein Leben im Griff zu haben. Ich wollte eigentlich nicht mehr, als meine Arbeit zu machen und mein Leben in grĂ¶ĂŸtmöglichem Anstand in seine zweite HĂ€lfte fĂŒhren. Die Beziehung zu Andrew war eigentlich nur eine Art Katalysator, weil er mir bewusst machte, wie stark ich war und dass ich ihn nicht brauchte. Nein, ich brauchte Andrew nicht, ich ließ mich von ihm nicht die AbhĂ€ngigkeit fĂŒhren. Aber ich mochte ihn.
In unserer Prinz Harry-Phase versuchte er mich vergeblich dazu ĂŒberreden, ihm ein Nacktfoto zu senden, wĂ€hrend ich davon faselte eine Lady zu sein. Meine Scheu vor einem Video-Chat nĂŒtzte er geschickt, um die Illusion noch zu verstĂ€rken, mir mit einer Spende an seine Charity diese Angst nehmen zu wollen. Sieben Monate in diesem Wahn und zwei Krankenhausaufenthalte sind keine Kleinigkeit. Wobei ich vermute, dass auch andere BetrĂŒger mit mir in Kontakt waren. Andrew war nur der letzte in dieser unglĂŒcklichen Geschichte. Trotzdem waren die BetrĂ€ge, die ich von Dezember bis Mai ĂŒberwies eigentlich lĂ€cherlich gering, da ich kaum Geld besaß. Ich hatte ja nicht einmal Zugriff auf mein eigenes Konto. Mein Sachwalter hatte die Zeichnungshoheit. Die paar Kröten die ich durch Western Union nach Nigeria schickte waren den BetrĂŒgern tagelange GesprĂ€che und ĂŒber Wochen gehende Beeinflussung wert. Sich als Prinz Harry-DoppelgĂ€nger auszugeben ist ein hartes GeschĂ€ft und ich glaube, es war nicht sehr ertragreich.
Sie setzten sogar seinen DoppelgĂ€nger ein, um mir Fotos und Videos zu schicken. Ich entkam meinem Wahn eigentlich nur deswegen, weil ich in allem Ernst beschloss, Prinz Harry einen Korb zu geben. Das Leben im Scheinwerferlicht der Medien, so erkannte ich, wĂ€re nichts fĂŒr mich.
Harry Windsor gab unlĂ€ngst ein Interview in dem er offen ĂŒber die Schwierigkeiten seiner Rolle sprach und seinem Entschluss, diese dennoch anzunehmen. Er hatte auch eine Freundin, die er wahrscheinlich heiraten wĂŒrde. Ich gab der Ehe keine fĂŒnf Jahre und ich wusste instinktiv, dass er nur eine Chance hĂ€tte, wenn er dem ganzen Wahnsinn abschwören wĂŒrde, wenn er dem Königshaus den RĂŒcken kehrte. Aber diese Reife besaß er nicht. Ich nannte Harry einen Idioten aber Andrew antwortete trotzig, er wĂŒrde nicht verstehen.

Mein Sachwalter war jedenfalls großmĂŒtig der Meinung, man könnte der ZahnĂ€rztin die neunzig Euro in den Rachen stopfen, weil die Gesundheit das wichtigste wĂ€re. Es war zu erwarten, dass ich durch meinen Nebenjob, dem Transkribieren von soziologischen Interviews, das Geld wieder hereinholen könnte. Ich war nicht besonders begeistert. Wahrscheinlich wollte er nur nett sein. WĂ€hrend der letzten Krise hatte er sich gemeinsam mit seiner Frau sehr um mich bemĂŒht. Ich hatte mich dafĂŒr bedankt, da ich sehr wohl erkannte, wie sich unsere Beziehung gewandelt hatte, die am Anfang noch ganz im Zeichen von seinem Zynismus stand. Immerhin war er sich nicht zu gut dafĂŒr gewesen, selbst bei mir in der Wohnung vorbei zu schauen und mit einem Gummihandschuh meinen verstopften Duschabfluss zu reparieren, weil ich das Geld fĂŒr einen Installateur nicht besaß. Das tat er bestimmt nicht fĂŒr jeden seiner Klienten. Irgendwann wĂ€hrend meiner Eskapaden hatte er mich zu schĂ€tzen gelernt. Sein Geldverdienst an mir war jedenfalls nicht sehr groß.
Ich hatte freiwillig um die Hilfe eines Sachwalters angesucht als ich 2013 meine dauerhaft verwirrte und schwere Phase hatte und mit dem Geld einfach nicht mehr zurecht kam. Im Vorjahr hatte ich bei Gericht beantragt ihn wieder abzusetzen, da kurz darauf die nĂ€chste schwere Krise einsetzte, hatte dieser Versuch jedoch nur Unkosten verursacht. Inzwischen war ich froh ĂŒber seine UnterstĂŒtzung und die Sicherheit, die er verkörperte. Ich hatte es mir angewöhnt, seinem Rat zu folgen.

Mein Sachwalter war Anwalt, eine schlanke Gestalt, nicht mehr der JĂŒngste. Sein Sarkasmus und seine HĂ€rte hatte mir schon so manches Mal TrĂ€nen der Wut in die Augen getrieben. Trotz allem hatte er sich gut um mich gekĂŒmmert und den Großteil der BezĂŒge, die ich erhielt, als Alimente an die Kinder weitergegeben. Obwohl mein Ex-Partner, bei dem die Buben lebten, das Geld fĂŒr Reisen und Urlaube ausgab, konnte ich diese Entscheidung billigen. Es war nicht leicht, von fĂŒnfzig Euro in der Woche zu leben und noch dazu von einem BetrĂŒger ausgepresst zu werden, aber ich machte mir nicht besonders viel aus weltlichen GĂŒtern. BĂŒcher gab es ĂŒberall kostenlos, sie wurden auf der Straße weitergegeben und in der Bibliothek verliehen. Lesen, was in der Manie nicht möglich war, blieb in besseren Zeiten mein liebster Zeitvertreib neben dem Hören von Musik. 2013, in dem schlimmen Jahr, erlebten Edi und ich solche Geldknappheit, dass wir im MĂŒll nach Essen suchten und Zigaretten aus Hustentee rauchten. Edi entwickelte im Bezug auf das Rauchen erstaunliche KreativitĂ€t. Er bröselte Baumrinde, BuchsbaumblĂ€tter und KrĂ€uter in seine Zigaretten. Aus einem BrĂŒhwĂŒrfel und etwas billigem Brot bereitete er unsere Mahlzeiten. Ich rasierte mir eine Glatze und trug die Hosen mit HosentrĂ€gern, die er mir gab. Stundenlang gingen wir in der Stadt spazieren. Das ersparte Geld, das ich noch besessen hatte, gab er fĂŒr teure Gitarren aus, die er nach einer Weile zerstörte und zerschlug. Wir waren ein seltsames Paar.
Letztendlich war er der StĂ€rkere von uns beiden und beendete unsere Beziehung. Ich war zu krank, um konstruktiv zu sein. Ein Medikamentenwechsel von meinem damaligen Psychiater verstĂ€rkte die Symptome noch. Monatelang litt ich allein zuhause. Es war nicht das erste und das letzte Mal. Bei dem darauffolgenden Krankenhausaufenthalt lernte ich Manuel kennen. Unkompliziert, wie das nur in der Geisteskrankheit funktioniert, kĂŒssten wir uns im Raucherraum von Station 57. Es war der schönste Kuss, den ich je erhalten hatte. Wahrscheinlich, weil wir ihn beide wollten und uns von Anfang an voneinander angezogen gefĂŒhlt hatten. Dieser eine Kuss war wohl das Romantischte, was ich je erlebt habe. Nur ein Kuss, aber sĂŒĂŸ. Sehr sĂŒĂŸ. „Schön, oder?“ sagte Manuel danach und war ebenso wie ich verblĂŒfft.
SpĂ€ter hatten wir Sex zusammen wĂ€hrend der Zimmerkollege schlief – oder sich nur schlafend stellte. Ich glaube, die Überwachungskameras vom StĂŒtzpunkt liefen ebenfalls. Es war uns egal. Der Sex war nicht mehr so schön. Ich ging aus dem Zimmer und als ich wiederkehrte, hatte sich Manuel die Arme vom Handgelenk bis zur Schulter mit einer Rasierklinge aufgeritzt. Seine dunklen Augen sahen mich mit der ihm eigentĂŒmlichen Melancholie an.
Ich denke gerne an Manuel, er ist mir ein Freund geworden, mit dem ich manchmal im Geist rede. Ich kann seine Gegenwart direkt spĂŒren. Er starb nur drei Monate spĂ€ter, einen Tag nach Weihnachten in der Psychiatrie an einer Überdosis Drogen.

In den GesprĂ€chen, die wir fĂŒhrten, gab er zu, als Kind vergewaltigt worden zu sein. SpĂ€ter wuchs er bei seiner Oma auf. Er lebte in einer Wohngemeinschaft fĂŒr Jugendliche. Er war erst zwanzig Jahre alt und unsere Beziehung ĂŒberlebte meine anfĂ€ngliche Psychose nicht. Ich wollte zu Edi zurĂŒck, der kein Interesse mehr zeigte. Manuel und ich bekamen dann zur selben Zeit, rund um Weihnachten eine Krise und schrieben merkwĂŒrdige SMS. Ich erzĂ€hlte Manuel, das Gott mich bĂ€te, ihm auszurichten, dass er ihn liebte. Manuel schrieb, er wĂŒrde im Garten Eden auf mich warten.
An dem Tag, als er starb, wachte ich frĂŒh auf und ging hinaus in die Stadt. Ich hatte ein merkwĂŒrdiges GefĂŒhl, eine Art von Rausch. Ich schrieb an Manuel, ob er auch diese seltsamen GefĂŒhle hĂ€tte. SpĂ€ter erfuhr ich, das er ungefĂ€hr um diese Zeit verstorben war. Er antwortete nicht mehr, nie wieder, und als ich im Krankenhaus anrief, gab man mir seinen Tod bekannt.
Ich glaube, außer mir hat niemand so bitterlich um ihn geweint.
Vielleicht wartet er wirklich auf mich, irgendwo in einer besseren Welt.

Verletzlichkeit. Jugend und Verletzlichkeit. Ich hatte immer Mitleid mit den jungen Leuten auf der Psychiatrie. Sie mussten durch eine harte Schule gehen. Es wunderte mich nicht, dass manche das nicht ĂŒberlebten. Ich war immerhin schon 29 als die Krankheit ausbrach. Das gab mir einen gewissen Schutz. Es war trotzdem nicht leicht, Weihnachten allein zu verbringen und kaum Freunde zu haben. Trotz aller Strapazen, die 2013 ĂŒber mich hinein brachen, von ZusammenbrĂŒchen ĂŒber Dauerkrisen bis zu Manuels Tod, verĂ€nderte dieses Jahr etwas Entscheidendes in mir. Davor hatte ich ernstlich mit Selbstmordgedanken gekĂ€mpft, danach war dieser Drang völlig verschwunden. Es war inzwischen zu viel geschehen als dass ich mich noch fĂŒr irgendetwas schĂ€mte. Das Leben war schrecklich, aber es war real. Ich konnte es besser annehmen. Die erworbene Robustheit half mir bei meinem Arbeitsantritt bei Reintegra. Es war nicht immer leicht, ĂŒber sechs Stunden hinweg den selben Handgriff auszufĂŒhren aber ich hielt einige Monate durch. Bis mich Matthias in die nĂ€chste Krise trieb.

Manuel hatte dunkles Haar und dunkle Augen. Wenn er sprach, lispelte er leicht. Ich glaube, er wollte sterben und ich kann ihn verstehen. FĂŒr sein Alter hatte er zu viel durchgemacht, zu wenig Illusionen. Jemand wie der Junkie Tommy klammerte sich mit erstaunlicher VirilitĂ€t an sein Leben, aber Manuel flatterte davon wie ein Schmetterling. Manchmal beneidete ich ihn. „Kennst du mein wahres Gesicht?“ fragte er mich zornig kurz vor seinem Tod. Das erinnerte mich an den Traum, den ich von meiner Oma gehabt hatte, in der Nacht als sie verstorben war. Sie war mir als leuchtende Gestalt von großer Schönheit erschienen. Wenn alle Narben und die Verzerrtheit des irdischen Daseins von uns abfallen, kommt große Schönheit zutage. Jeder Mensch trĂ€gt dieses Licht in sich. Wir sind uns dessen im Alltag nur nicht bewusst.
Da meine Psychosen auch immer zutiefst spirituelle Ereignisse waren, wuchs von RĂŒckfall zu RĂŒckfall die Gewissheit in mir, dass es einen Gott gab – und etwas danach. Das half mir sehr dabei, mein Leben zu akzeptieren. Dennoch hatte ich meine Phasen der Religiösigkeit ĂŒberwunden. Die katholische Kirche war wieder zu dem Platz in meinem Leben zurĂŒck gekehrt, den ihr meine Erziehung ursprĂŒnglich zugedacht hatte. Ein Ort der BeschrĂ€nktheit und der Dogmen, die der Freiheit des Geistes nicht gut taten. Ich mochte meine Visionen vom Garten Eden haben, aber an eine Bestrafung nach dem Tod oder eine Hölle konnte ich einfach nicht glauben. Das Böse, dessen Existenz Isabella vehement verteidigte, war fĂŒr mich nur ein Zeichen fĂŒr die Verirrtheit einer Seele. Menschen mussten unterstĂŒtzt werden, ihnen musste geholfen werden, aber mit Strafen erreichte man meiner Ansicht nach nichts. Ich war durch und durch Humanist geworden.

WĂ€hrend der Jahre meiner Krankheit gab ich mir große MĂŒhe, regelmĂ€ĂŸigen Kontakt zu den Kindern zu unterhalten und meinen Ex-Partner und Vater der Buben durch VerlĂ€sslichkeit zu unterstĂŒtzen. Ich besuchte Abschlusskonzerte, begleitete die Kinder zum Arzt und hĂŒtete sie, wenn sie krank waren. WĂ€hrend meiner akuten Phasen zog ich mich völlig zurĂŒck. Aber es gab auch Monate der StabilitĂ€t, in denen ich zu Besuch kam, kochte oder mit ihnen spielte. Ich liebte die Beiden aus ganzem Herzen und wĂŒnschte mir das Beste fĂŒr sie. Dennoch wĂŒrde ich in der selben Situation keine Kinder mehr in die Welt setzen. Die offene Unschuld eines kleinen Gesichtes machte mich melancholisch. Es ist schön, wenn es einen neuen Menschen gibt, aber es ist auch schmerzhaft, wenn man daran denkt, was er noch vor sich hat. Manchmal wollte ich meinem Älteren, der Probleme in der Schule hatte, einfach nur sagen: Sieh zu, dass du mit so wenig Schwierigkeiten wie möglich durch dein Leben kommst. Sieh zu, dass du dich irgendwie durch kĂ€mpfst. Du wirst Niederlagen, Verluste und EnttĂ€uschungen erleben, aber wenn du klug bist, findest du einen Weg, der dich nicht so viel kostet wie mich. Ich hatte viel Leid erfahren, aber der innere Friede, den ich nun erlebte, entschĂ€digte mich wieder. Dennoch wĂŒnschte ich mir fĂŒr die Kinder etwas Besseres. Ich glaube, das sind normale Gedanken fĂŒr eine Mutter. Sieh einfach nur zu, dass du irgendwie durchkommst. Halte dich von Ärger fern. BegnĂŒge dich mit dem Einfachen und du wirst GlĂŒck erfahren. Das war die Botschaft, die ich insgeheim weitergeben wollte.
Das war die Botschaft, die ich seit der letzten Krise fĂŒr mich in meinem Leben verwirklichte.

Zigarettenrauch und stickige Hitze in der Wohnung. Ich hatte Andrew mit einem Zitat aus dem Lied von Lee Marvin – I was born under a wandering star – beglĂŒckt. Snow can burn your eyes but only people make you cry. Bis jetzt hatte er sich eine Antwort verkniffen. Es war Zeit zu schlafen. Der Tag war trĂ€ge und leer gewesen. Im Grunde ganz nach meinem Geschmack. Das HungergefĂŒhl bohrte sich in meine Körpermitte aber es war mir nicht unangenehm. Ein anderes Zitat aus einem Lied von den Talking Heads fiel mir ein: Stay hungry. Ich betrachtete meine Arme, rieb meine HĂ€nde und lauschte auf den Ton einer Sirene, die von der Straße vor meinem Haus langsam verklang. Wie schon am Vortag dachte ich: Das ist die Schöpfung. Warum dagegen rebellieren?

2.
Ein windiger Tag. Der Baum im Innenhof rauschte mit den BlĂ€ttern. Die Musik vom Wind in den BĂ€umen war mir immer schicksalhaft vorgekommen, als wĂŒrde dadurch eine besondere Bedeutung zum Ausdruck kommen. Auf meine Bemerkung, dass ich allein sein konnte, hatte Andrew nicht geantwortet und ich fĂŒhlte so etwas wie Erleichterung. Vielleicht war unsere merkwĂŒrdige Freundschaft jetzt beendet und ich konnte in Ruhe meinen Weg gehen.
WÀhrend des Schreibens war mir selbst bewusst geworden, dass es manche Menschen unter UmstÀnden interessieren könnte, was ich zu berichten hatte. Der Gedanke erschreckte mich. Auch wenn ich viel zu erzÀhlen hatte und ungewöhnliche Dinge erlebt hatte, war ich doch eine normale Frau in mittlerem Alter, die darauf wartete, ihre Arbeit zu beginnen. Ich hatte mein ganzes Leben hindurch gerne geschrieben und Geschichten erfunden, aber autobiographische ErzÀhlungen hatten sich mir noch nicht erschlossen. Dennoch war es interessant, mein Leben aufzurollen.
Geboren war ich in Kufstein, Tirol. Eine hĂŒbsche kleine Stadt, ĂŒberschattet von Bergen. Ich war erst vier Jahre alt, als wir von dort wegzogen, aber ich glaube, der Anblick von Stein und Himmel, Wolken, die sich an dem Gebirge stauen, hat sich in diesen ersten Jahren in meine Seele eingegraben. Die Berge lassen niemanden unberĂŒhrt.
FrĂŒher hatte ich noch Verwandte in Kufstein, nun war nur eine Cousine ĂŒber geblieben, die ich seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. Aber ich erinnerte mich an die Mischung von saftigen GrĂŒn und nebeligem Grau. Eine Stadt, in der die Tomaten nicht reif werden, sagte meine Mutter verĂ€chtlich. Eine Stadt der GerĂŒchte und der Rechtslastigkeit. Trotzdem waren dort meine Wurzeln und ich kann bis heute nicht eine felsige Landschaft betrachten, ohne nachdenklich zu werden.
Meine Eltern zog es in wĂ€rmeres Klima, erst ein Bauernhaus in der SĂŒdsteiermark, dann die Großstadt. Ein Jahr vor dem Tod meiner Schwester kauften sie sich ein freundliches kleines Haus in Niederösterreich.
Vom Dorf in die Stadt zu kommen war nicht ganz einfach fĂŒr mich. Anfangs wollte ich mit allen Passanten sprechen und ich fĂŒrchtete mich vor der Rolltreppe in der U-Bahn. Ich bekam einen Platz in einer Alternativschule, die von einer sehr kompetenten und freundlichen Frau geleitet wurde. Wir spielten viel, spielten frei und relativ glĂŒcklich.
Lange, lange Jahre lang sehnte ich mich nach dem Landleben zurĂŒck, inzwischen habe ich die Stadt akzeptiert.

Schon wieder Werbung fĂŒr Kinder-Sonnencreme auf Youtube. Ich hatte meine Söhne auch dick mit pappiger Creme eingeschmiert, wenn wir nach draußen gingen. Mit den Ängsten der Eltern lassen sich gute GeschĂ€fte machen. Meine Mutter und mein Vater hatten relativ wenig Ängste. Sie erklĂ€rten mir, was ich wissen musste und ĂŒberließen es mir, zurecht zu kommen.
Ich lernte frĂŒh, selbststĂ€ndig zu sein.
Im Laufe meiner Krankheit konfrontierte ich meine Eltern mit vielen VorwĂŒrfen. Die mangelnde Geborgenheit, der unkonventionelle Lebensstil. Die Ursache fĂŒr die Konflikte lag in meinem Scheitern, meiner Verlorenheit. Ich wollte sein wie alle anderen und nahm es ihnen ĂŒbel, vom Weg abgewichen zu sein.
Dabei trifft meine Eltern keine Schuld. Was sie fĂŒr das Beste hielten, funktionierte in meinem Fall nicht. Und meine große Schwester, die im Leben gut zurecht kam, verstarb kurz nach ihrer Hochzeit an einer Gehirnblutung.

Ich war begabt, lernte schon mit vier Jahren anhand eines Lesespiels die Buchstaben und kritzelte Geschichten in Schulhefte. Ich malte schöne Bilder, Portraits Landschaften und Tiere. SpÀter brach ich das Gymnasium ab, schlitzte meinen Arm auf und schaffte die Matura erst im zweiten Bildungsweg in einer Abendschule. Abendschule war mehr nach meinem Geschmack, weil dort ein ernsteres, erwachseneres Klima herrschte. Die PubertÀt war die Hölle.

Was mir an Chatwins Roman gefiel, war die Schilderung von Eremiten. MĂ€nnern, meist waren es MĂ€nner, die allein in einem StĂŒck Land lebten und dennoch zufrieden waren. Der Gedanke der SelbstgenĂŒgsamkeit war ein wichtiges Thema. Inklusive der Raubtiere, die außerhalb des sicheren Gebietes lauerten, so wie Andrew. Mit etwas Geschick und Mut konnte man sie jedoch umgehen. Es war ein merkwĂŒrdiger Effekt, dass die Liebe zum Leben von der Kargheit eher angeheizt wurde, dass die GenĂŒgsamkeit und Bescheidenheit den Wert eines Tages ungleich verstĂ€rkten, obwohl auf jede konventionelle Art der Zerstreuung verzichtet wurde. Vielleicht kam nun nach vierzig schwierigen Lebensjahren eine Phase des GlĂŒcks auf mich zu.
Vor meiner Erkrankung hatte ich mich eine Weile mit dem Zen-Buddhismus beschĂ€ftigt und auch an Meditationen teilgenommen. Ein Mönch, der „Satori“ erringt, kennt jene Art des GlĂŒcks. Die Überlegung, ob meine Psychosen die Wirkung von Übungen der Zen Mönche erfĂŒllt hatten, war vielleicht anmaßend aber interessant. Das AbschĂŒtteln von weltlichen MaßstĂ€ben wurde in einer Krise durchaus erreicht. „Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht“, hatte ich zu Edi wĂ€hrend unseres Intermezzos gesagt, worauf er mir mit einem LĂ€cheln die Hand drĂŒckte. Auch meine Mutter hatte einmal umschrieben, ich wĂ€re wie der Esel, der einer Karotte hinterher lĂ€uft. Ist er lange genug gelaufen, stirbt er – im Angesicht seines Versagens – oder findet Frieden. Mir war durchaus bewusst, dass manche Menschen an den SchicksalsschlĂ€gen zerbrochen wĂ€ren, die ich durchgemacht hatte. Der Verlust der Kinder, die RĂŒckfĂ€lle, die vergeblichen Beziehungen, die Opferrolle gegenĂŒber eines BetrĂŒgers. Aber ich hatte in dieser Hinsicht eine gute Kinderstube genossen. Meine Eltern hatten mir ihre ZĂ€higkeit vererbt, meine Mutter den ungeheuren Abscheu gegenĂŒber weiblichem MĂ€rtyrertum. „Gott hat einen harten linken Haken“ sagte Peter Fox in einem seiner Lieder. Wie ein Boxer muss man lernen, SchlĂ€ge wegzustecken um sich weiter entwickeln zu können. Aber so lange das Leben weitergeht, so lange hat man neue Chancen. Ich war froh, es bis hierher geschafft zu haben.
Noch immer wĂŒhlte der Wind im Laub unseres Hofbaumes. Mein geliebtes Youtube spulte Songs hinunter, die ich mochte. Ich betrachtete die Gesichter von SĂ€ngern, die in der Hingabe an ihren Gesang merkwĂŒrdig bewegte, weiche Mienen bekamen. Ich war nicht völlig zufrieden, ich hatte den Eindruck, dass auch mein Weg noch verschiedene Stationen beinhaltete.

WĂ€hrend des ersten von zwei Krankenhausaufenthalten in diesem Jahr war ich erstaunlich musikalisch geworden. Ich sang und pfiff Lieder ohne mich im Ton zu irren. Manchmal hatte ich fĂŒr jeden auf der Station ein eigenes Lied, das ich ihm vorsang, obwohl ich damit nicht nur auf Gegenliebe stieß. Alexander, ein pummeliger blonder AchtzehnjĂ€hrige, nervte jeden Patient mit seinen endlosen Frage- und Antwortspielen. „Wenn ich meine Mutter schlage, wenn ich meine Schwester schlage, was passiert dann? Kommt dann die Polizei? Und wenn die Polizei kommt, was passiert dann? Verhaften sie mich?“ So und so Ă€hnlich ging es unaufhörlich. Viele reagierten gereizt auf seinen stĂ€ndigen Sermon. Ich verspĂŒrte keine Aggressionen und hörte ihm geduldig zu. Als ich jedoch „AinÂŽt she sweet“ fĂŒr ihn pfiff, wurde er wĂŒtend und befahl mir, damit aufzuhören. SpĂ€ter, als er wir gemeinsam auf Station 28 waren, erzĂ€hlte er von den SchlĂ€gen, die sein Stiefvater ihm verabreicht hatte. Dennoch stimmte es, dass seine jugendliche Verletzlichkeit ihm etwas Aufreizendes gab, wie ein Kind, das geknuddelt werden möchte. Ich war natĂŒrlich unempfindlich gegenĂŒber seinem Charme, da ich mich fest in Prinz Harrys liebenden HĂ€nden sah. Abgesehen davon hatte ich eher mĂŒtterliche GefĂŒhle.
„Wenn ich meinen Stiefvater ermorde, was passiert dann? Kommt dann die Polizei? Legt mir die Polizei dann Handschellen an?“ plapperte er auf mich los. Dann brach plötzlich ein GelĂ€chter aus ihm heraus, ein seltsam weises, erwachsenes Lachen. Am nĂ€chsten Tag hatte sich sein Thema geĂ€ndert und er stellte unvermittelt eine andere Art von Fragen: „Wenn ich alt bin, muss ich dann sterben? Wenn ich Ă€lter werde, wenn ich Ă€lter werde“, fuhr er in dem BemĂŒhen fort, jede verfrĂŒhte Antwort abzuwĂŒrgen, „komme ich dann in den Himmel? Wenn ich Ă€lter werde?“
„Ich weiß es nicht, Alexander“, gab ich zurĂŒck. Abermals lachte er verschmitzt, als hĂ€tte er einen Witz erzĂ€hlt, den nur er verstand.
Bald kehrte er zu seinen ursprĂŒnglichen Gedanken zurĂŒck und beschĂ€ftigte sich mit dem ewigen Zusammenhang von Schuld und SĂŒhne.
Und dann gab es natĂŒrlich noch Luki.

Luki zeichnete sich durch Unversöhnlichkeit gegenĂŒber seiner Eltern aus, die er meistens nur mit „Stiefvater“ und „Stiefmutter“ betitelte. Jedem, der es hören wollte und den meisten, die es nicht hören wollten, erzĂ€hlte er beharrlich von seinen „Erektionsstörungen“ aufgrund der Tabletten, die man ihm gab. Er war dicklich und unattraktiv, hatte jedoch eine Freundin. Jahre zuvor, 2011, waren wir gemeinsam aus der Psychiatrie ausgebrochen und durch die Stadt geirrt, bis ich Unterschlupf bei einer wenig begeisterten Freundin fand. Unsere beidseitige Art von Verwirrung ergĂ€nzte sich ganz gut. Luki glaubte, hellsehen zu können und sprach tatsĂ€chlich manchmal genau die selben Worte wie sein GegenĂŒber. Ich steckte in einer besonders bösartigen Art meines Wahns fest, in der ich Gott fĂŒr meinen „Mann“ hielt und meinen jeweiligen Freund fĂŒr „Gott“.
Im Grunde hat es einen komischen Aspekt.
Luki genoss es jedenfalls fĂŒr „Gott“ gehalten zu werden und ich erklĂ€rte die ganze Welt zum Garten Eden. Die Art, wie wir durch die Stadt irrten, erinnert mich im nach hinein an HĂ€nsel und Gretel im Wald. Ich hatte nicht einmal Schuhe und trug ein paar Baumwollpantoffel.

Luki hielt mit großer Sturheit daran fest, welche Verbrechen seine „Stiefeltern“ an ihm ausgeĂŒbt hatten. Als ich lĂ€ngst entlassen war, rief er mich an und beklagte sich wehleidig darĂŒber, dass das Hellsehen immer schlechter funktionierte. Als ich ihn darauf hinwies, dass normale Menschen nicht hellsehen, antwortete er wĂŒtend: „Blödsinn.“
„Blödsinn“ war seine Erwiderung auf alle Aussagen, die er nicht hören wollte und die ihm nicht passten. Ich hatte den Eindruck, dass der einzige Weg zu einer Besserung seiner Krankheit darĂŒber fĂŒhrte, sich wieder mit seinen Eltern zu versöhnen. Viele psychisch Kranke suchen die Schuld an ihrer Erkrankung in der Kindheit und bei den Eltern. Ich war dabei keine Ausnahme gewesen. Inzwischen hatte ich jedoch gelernt, dass die Dinge nicht so einfach waren. Die Frage nach der Schuld hat viele Aspekte. Das sich manche UmstĂ€nde als unglĂŒckselig erweisen, lĂ€sst sich ebenso ĂŒber Dogmen unserer Gesellschaft wie ĂŒber Geschehnisse in der Kindheit aussagen. Ich glaube nicht, dass Eltern bewusst und absichtlich eine spĂ€tere Erkrankung ihres Kindes hervorrufen.
Ich halte es jedoch aus meiner eigenen Erfahrung heraus fĂŒr ausgesprochen wichtig, Frieden mit den Eltern zu finden. Aus dem Grund, dass sie ein wichtiger Teil der eigenen Geschichte sind ebenso, wie zur Aufarbeitung und Differenzierung.
Luki sah sich als Opfer. Er war das Opfer seiner lieblosen Eltern und das Opfer liebloser Betreuer in der WG, in der er lebte. Ich wies ihn darauf hin, dass es nicht so einfach war.
„Blödsinn.“

Auf Facebook war eine neue Antwort eingetrudelt, diesmal vom Social Media Team des BundesprĂ€sidenten und ich musste sehr peinlich berĂŒhrt feststellen, dass ich wĂ€hrend meiner Psychose offenbar eine Nachricht an Van der Bellen geschickt hatte. Nun, mit einigen Wochen VerspĂ€tung, hatte man meine völlig konfuse Anfrage bearbeitet. Oh ja, die Krankheit hatte auch komische Aspekte.

Wenn man sich in der Psychose in den intensiven Dialog mit Gott begibt, bekommt man eine Menge Komplimente. Gott wird nicht mĂŒde, seine Liebe auszudrĂŒcken. In meiner manischen Phase hatte ich mir eine Folge von den Teletubbies angesehen, in der das gelbe Exemplar namens „Lala“ von der Stimme aus dem Off gelobt wird. WĂ€hrend der folgenden Monate sagte ich mir immer wieder: IsÂŽegal, Lala. Ich war selbst zu Lala geworden, die fĂŒr ihre GĂŒte, ihre inneren Werte und Gehorsamkeit gegenĂŒber Gott stĂ€ndig gelobt wird. Es gab einige Konstante, die wĂ€hrend jeder Psychose von Wichtigkeit fĂŒr mich waren. Selbst wĂ€hrend meiner ganz schlimmen Phasen auf Station achtete ich darauf, mich tĂ€glich zu duschen. Und nach der Dusche war es wichtig, sich mit den Anstaltskleidern bestmöglich zu verhĂŒllen. Das war gar nicht so einfach. Man hatte nur eine sehr begrenzte Anzahl an Pyjamas zur VerfĂŒgung und das nicht unbedingt in der richtigen GrĂ¶ĂŸe. Es wurde fĂŒr mich zum tĂ€glichen Ritual einen Pfleger oder die Stationshilfe um passendes Gewand anzubetteln. Die Reinlichkeit und das VerhĂŒllen der verletzlichen Nacktheit waren oft der letzte Rest an MenschenwĂŒrde, um den ich kĂ€mpfte. Meine Straßenkleidung war eingesperrt, aber man konnte sich mit einem verblichenen Pyjama und einem darĂŒber gestreiften Nachthemd vor den teilweise aufdringlichen Blicken schĂŒtzen. Vielleicht war es auch der Versuch, sich eine Struktur zu verschaffen, obwohl es oft bis an die Grenze meiner KrĂ€fte ging, Körperhygiene zu betreiben und irgendwo Kleidung aufzutreiben. Hatte ich es geschafft, mich fĂŒr einen weiteren Tag zu kleiden, sagte Gott mir, wie zufrieden er war. Und wurde ich einer Gemeinheit ausgesetzt, kam ein lakonisches Achselzucken und die Bemerkung: Is egal, Lala.
Ebenso schwierig war es, wĂ€hrend der oft wochenlangen Aufenthalte an ein GerĂ€t fĂŒr die Nagelpflege zu kommen. Entweder es war keines vorhanden oder der betreffende Pfleger hatte keine Lust, es herzugeben. Ein Teufelskreis. Die Verwahrlosung war ein weiterer Grund, den Aufenthalt zu verlĂ€ngern und der Aufenthalt machte es unmöglich, sich ausreichend zu pflegen.

WĂ€hrend meiner frĂŒhen Jahre begegnete ich auf 57 einer sehr unheimlichen Gestalt. Es war ein zaundĂŒrrer Mann mit völlig wild wucherndem Bart und wirren Haaren. Den ganzen Tag tat er nichts anderes als auf dem langen Flur der Station auf und ab zu gehen und war dabei völlig unansprechbar. Er wurde bereits seit Jahren eingesperrt. Als ich zufĂ€llig gemeinsam mit einem selbstmordgefĂ€hrdeten Mann namens Markus dort war, beschloss dieser, sich dem armen Kerl anzunehmen. Gemeinsam mit ein paar anderen Insassen zerrten sie ihn unter die Dusche, rasierten seinen Bart ab und wuschen sein Haar. Die Verwandlung hĂ€tte grĂ¶ĂŸer nicht sein können. Plötzlich nahm er wieder Kontakt zu den anderen auf, setzte sich in den Raucherraum und fĂŒhrte GesprĂ€che. Sein Gesicht wirkte ohne Bart direkt angenehm und er konnte sogar lĂ€cheln. Bei meinem nĂ€chsten Aufenthalt war er entlassen worden
Markus war ein faszinierender Mitpatient gewesen. Er war ein ausgesprochen attraktiver Mann, der frĂŒher eine Menge Geld verdient hatte. Schulden und Streit mit seiner Frau hatten ihn zu einem Selbstmordversuch getrieben. Trotzdem war er unvermindert freundlich zu seinen Leidensgenossen und hinter jedem Rock her, der sich ihm annĂ€herte.

Andrew meldete sich und ich plauderte ein bisschen mit ihm. Versuchte amĂŒsant zu sein. Er war vorsichtig wie immer. Wollte einen Video Call. Ich war vorsichtig und lehnte ab.
Danach wurde es interessant, denn er warf mir vor, harte Drogen zu nehmen. Er sagte, ich wĂ€re kompliziert und er verstĂŒnde nicht, was zwischen uns vorging. Ich nahm das insgeheim als Kompliment und versuchte ihm zu erklĂ€ren, dass wir erwachsene Leute waren und ich seine Probleme nicht lösen konnte. Er fragte, warum wir Freunde sein sollten, wenn ich ihm nicht helfen konnte und ich sagte, das wĂ€re traurig, weil er es wert war und er alles oder nichts forderte. Er wollte mir nicht glauben, dass ich arm war und nannte mich geizig und behauptete, ich hĂ€tte 200,- Euro.
Meine Antwort war schlicht, dass ich nicht wusste, was ich darauf sagen sollte und besser schwieg.

Als ich den Dialog etwas in mir setzen ließ, meldete sich wieder meine Genervtheit. Er hatte bereits 70,- Euro von mir erhalten als ich ihn noch fĂŒr Prinz Harry gehalten hatte. 70,- Euro, die ich eigentlich nicht hatte und fĂŒr die ich Schulden bei meinem eigenen Sohn machen musste. Niemand wusste, in welche dreckigen und illegalen GeschĂ€fte er verwickelt war. Trotzdem machte er mir VorwĂŒrfe. Er war wie ein kleines Kind. Ich fragte mich, ob er jemals erwachsen werden wĂŒrde. Er verstand mich offensichtlich nicht. Ich hatte es nicht nötig, meine Zeit mit ihm zu verschwenden.

Auf Youtube wurde ich nun einer Art Dauer-Bombardement ausgesetzt, in dem die Komplettausstattung fĂŒr ein Nagelstudio beworben wurde. Fasziniert betrachtete ich die Utensilien fĂŒr kĂŒnstliche NĂ€gel, Schablonen, Feilen und UV-GerĂ€te. Manche Frauen waren offenbar bereit, viel Geld und MĂŒhe zu investieren, um sich kĂŒnstliche Krallen anzulegen. Vermutlich war das genau Andrews WellenlĂ€nge. Er sollte sich eine Nageldesignerin anlachen und einen Job suchen. Ich war nicht mehr bereit, Spiele zu spielen. Es war ein Fehler gewesen, sich ĂŒberhaupt darauf einzulassen. Aber irgendwie waren unsere Wege verwoben gewesen, so wie die Linien der Songlines in Chatwins Buch.

Es war schon spĂ€t. Mein Tabak war aufgebraucht. Draußen ging der angenehme, kĂŒhle Wind. Morgen hatte ich zwei wichtige Termine, ich sollte fit sein. Irgendwie fĂŒhlte ich mich verwahrlost, weil ich tagsĂŒber so viel geschwitzt und meine Wohnung nicht verlassen hatte. Vielleicht sollte ich Nachtluft trinken gehen, so wie ich es frĂŒher oft gemacht hatte. Selbst zum Teil der Nacht werden. Statt dessen nahm ich die Medikamente und ging zu Bett.

Es gab Schwierigkeiten mit den Kindern. Nichts, was ich niederschreiben will, weil es die IntimsphĂ€re der Kinder betrifft, aber es waren Schwierigkeiten. Ernste Schwierigkeiten. Als ich spĂ€tabends die Wohnung der Kinder verließ, schĂŒttelte ich mich wie ein nasser Hund. Aber die Sorgen waren keine Wassertropfen sondern Bleigewichte. Ich freute mich darauf am nĂ€chsten Tag ein Interview zu transkribieren, fĂŒr das ich den Auftrag bekommen hatte und fiel todmĂŒde auf mein Bett. Manchmal war die Flucht in die Arbeit die beste Flucht.
Andrew hatte mich einige Male angerufen, offenbar wollte er mich vor die Kamera bekommen. Ich hatte immer noch keine Lust dazu. Ich fĂŒhlte mich unter Druck gesetzt. Warum sollte ich mit jemanden sprechen, dem ich nicht vertraute und der mir nicht vertraute? Was wollte Andrew erreichen, außer ein neues Druckmittel dafĂŒr zu bekommen, mir Geld abzuknöpfen?
Ich hatte ohnehin das GefĂŒhl, ich mĂŒsste meine ganze Kraft fĂŒr die Kinder einsetzen.

Am Freitag vertiefte ich mich in meine Musik, ein Antikriegslied. Was einen jungen Mann dazu bewegt, sein Leben hinzugeben ist das selbe, was Jugendliche deprimiert, die sich anpassen und funktionieren mĂŒssen. Immer gab es einen höheren Zweck, eine Kraft von außerhalb, die Kontrolle ĂŒbernahm. Was man verliert ist nicht nur das Leben. Die Freude am Anblick einer Blumenwiese, der Duft an einem Sommerabend, das Wissen um die eigene Einzigartigkeit, all das verblutete am Altar der Gier der MĂ€chtigen.
Am Ende wird auch das Leben vernichtet. Der Tod jedes jungen Menschen ist eine Niederlage fĂŒr die Menschlichkeit.
Ich wollte Leben fĂŒr meine Kinder, eigentlich fĂŒr alle Kinder. Jede Generation hat das Recht zu rebellieren.
Der Soldat, der mit neunzehn stirbt, beschĂ€ftigte mich. Genauso wie der SĂ€nger in dem Lied fragte ich mich, was er geglaubt und sich gewĂŒnscht hatte. Ob er nach Liebe gesucht hatte, genauso wie meine Kinder, und nur Zerstörung fand.
Das Interview hatte schlechte TonqualitĂ€t und war auf Englisch, dabei benötigte ich soviel Zeit um die komplexen Worte einer Schwedin zu ĂŒbersetzen, dass ich die Transkription ablehnte. Normaler Weise mochte ich die TĂ€tigkeit Interviews von einer Audiodatei niederzuschreiben, aber dieses Mal war ich ĂŒberfordert. Ich hatte in dieser Woche keine GlĂŒcksstrĂ€hne.

Es gibt viele Geschichten, die einen Traum wert sind. Nicht nur das Lied vom jungen Soldaten, auch Reisen und ferne LĂ€nder wecken die Fantasie. Als junges MĂ€dchen dachte ich mir viele ErzĂ€hlungen aus, wenn ich lange SpaziergĂ€nge macht, wohnten im Wald die Elfen und ein Prinz wartete am Wasserloch. Ich schrieb ĂŒber tapfere Ritter und humorvolle Zauberlehrlinge. Wenn Chatwin mich auf seine Reisen mitnahm, wurde mir bewusst, wie sehr mein eigenes Leben einer Reise glich.
2009 stieg ich einfach ohne Fahrkarte in den Zug, was schließlich in der Psychiatrie von Tulln endete. Das Krankenhaus war relativ neu und hatte schöne RĂ€umlichkeiten. Ich stand staunend vor einem abstrakten GemĂ€lde in verschiedenen Rottönen. Die Farbe faszinierte mich, weil sie an Blut erinnerte.
„Blut ist gut“, sagte ich mir in der typisch psychotischen Vorliebe fĂŒr gereimte Worte. In diesem Sommer hatte ich mir eine Scherbe in den Fuß getreten und Blutspuren am Fußboden hinterlassen. Vielleicht tat Blut mir gut, weil es so dramatisch war. Nichts symbolisiert so die VergĂ€nglichkeit des Lebens. Irgendwo im Internet lauerte Andrew, er hatte mich zum Bluten gebracht und war nun hinter der Beute her wie ein Wolf. Junge Leute bluten all ihre Hoffnungen TrĂ€ume in ihr Leben. Die Gesellschaft reagiert darauf nur mit SchlĂ€gen. Und der kaum volljĂ€hrige Soldat blutete auf das ausgedörrte Gras eines Schlachtfeldes. Wir kommen in Blut zur Welt und bezahlen unsere Existenz mit immer neuen Wunden.
In Tulln blieb ich nicht lange, weil meine Eltern mich abholten. Ich erinnere mich noch gut an die Fahrt durch die hochsommerliche Landschaft. Alles wirkte so intensiv.
Ein junges MĂ€dchen, das ich dort kennen gelernt hatte, schmĂŒckte sich mit dem billigen Unfug, der als Beilage fĂŒr Kinderzeitungen herhĂ€lt. PlastikarmbĂ€nder mit Hello Kitty Motiven, Strass-Ringe und Halsketten. Sie weckte die regressive Phase in mir, in der ich mir ebenfalls diese Zeitschriften kaufte und Gefallen an dem kindlichen Schmuck fand. Es war die Sehnsucht nach Spielzeug. Psychisch Kranke werden oft zu Kindern in ihrer Einfachheit und Unschuld. Vor allem jedoch liebten wir Zigaretten.

Jeder auf Station rauchte. Wir wurden mit Zigaretten erzogen, wenn der StĂŒtzpunkt uns nur einmal in der Stunde einen Glimmstengel ausgab, wir wurden mit Zigaretten ruhig gestellt, wenn der Raucherraum uns offen stand, wir wurden mit Zigaretten gezwungen, aus dem Zimmer zu kommen und unsere Finanzen im Griff zu behalten. Zigaretten wurden getauscht, geschenkt und eifersĂŒchtig bewacht. Sie trösteten, lenkten ab und halfen die Langweile zu ertragen.
Die Versuche, das Rauchen aus dem Krankenhaus zu verbannen, scheiterten an der Psychiatrie. Station 28 hatte einen Raucherraum, die vor allem jĂŒngeren Leuten vorbehaltene subakute Station 58 zwang ihre Insassen einen Stock tiefer eine raumschiffĂ€hnliche Kabine aufzusuchen. Das war hart, aber es war immer noch möglich zu qualmen. Da es im Zeichen der Zeit stand, das Rauchen zu erschweren, waren wĂ€hrend der zehn Jahre meiner Krankheit die Sitzmöbel aus dem Raucherraum verbannt worden. Die Gesundheitsministerin, die durchsetzt, dass in Lokalen und CafĂ©s nicht mehr geraucht werden durfte, verstarb ironischer Weise an Krebs.
Rauchen war trotzdem immer noch gesĂŒnder, als sich mit einer Rasierklinge zu schneiden. Das GefĂŒhl, wenn man das eigene Fleisch mit einem Schnitt öffnet, ist besonders fĂŒr jĂŒngere Leute oft unwiderstehlich. Abermals kommt Blut und was vorher unsichtbar war, wird sichtbar. Der Druck. Der Schmerz. Die Hilflosigkeit.
Eine Leistungsgesellschaft, in der junge Menschen sich in ihrer Verzweiflung selbst verletzen, war immer noch gesĂŒnder, als der Krieg.
FĂŒr den im Lied besungenen Soldaten gab es keine Hoffnung mehr. Und ich war ein gutes Beispiel dafĂŒr, dass es sich lohnt weiter zu gehen, weil sich irgendwann neue Perspektiven eröffnen. Als Teenager war ich selbstmordgefĂ€hrdet und depressiv, aber die Liebe zum Leben ist zĂ€h und setzte sich durch. Ich freue mich ĂŒber jeden neuen Tag.
Es gab Fortschritte im Lauf der Geschichte.
In Tulln war ich das bisher einzige Mal im Sommer stationĂ€r. Ich trug ein paar Sachen, die meine Schwester mir vererbt hatte. Auch mein Oberteil war rot, mit einem runden Ausschnitt. Weil in jedem Krankenhaus irgendwo BĂŒcher aufzutreiben sind, las ich einen schlechten Krimi. In meinem Zimmer lag eine Ă€ltere Frau, die herzzerreißend mit ihrer Tochter stritt und unglĂŒcklich und einsam wirkte. Mit den anderen Insassen war ich im Streit, obwohl ich nicht wusste warum. Sie waren aus irgendeinem Grund wĂŒtend auf mich. Wahrscheinlich war ich zu verwirrt.
In der heißen Nacht erwachte ich, weil vor dem Krankenhaus einige laute Stimmen zu hören waren. Junge MĂ€nner brĂŒllten „Hallo!“. Und immer wieder: „Hal-lo!“
Ich nahm diese Aufforderung persönlich. Wie schon so oft in der Vergangenheit verstĂ€rkte sich die Illusion, alles auf mich zu beziehen. Und das Versprechen, irgendetwas Wundervolles wĂŒrde kurz bevor stehen, eine Art Garten Eden, berauschte und beseelte mich.
Es war teilweise unwiderstehlich an eine bessere Welt zu glauben. In meinem etwas mĂ€dchenhaften roten Oberteil saß ich im Raucherraum ĂŒber meinem Krimi, als mein Vater kam, um mich abzuholen.
Abermals bietet sich ein MÀrchenvergleich an. Wie RotkÀppchen wurde ich aus dem Zauberwald geholt. Die Tomaten im Garten meiner Eltern waren reif. Rote Tomaten.

Die Kinderzeitschrift „Supermodel“ hatte als Beilage BĂŒgelapplikationen, mit denen ich meine T-Shirts verzierte. Im Stickeralbum „Mia und ich“ verwirklichte ich meine Visionen vom Garten Eden in einer von Einhörnern bevölkerten Fantasy-Welt. Den BalletttĂ€nzerinnen im Aufkleberbuch setzte ich Blumenvasen auf den Kopf. Zu diesem Zeitpunkt kam ich mit meinem Geld nicht mehr aus, weil meine Vorliebe fĂŒr diese schönen Dinge zu groß war. Ich lief Amok im Internet und veröffentlichte verstörende Geschichten von Verlorenheit und Gottesverlust im DĂ€monenforum. Vielleicht waren diese Short-Stories der ewigen Verdammtheit sogar richtig platziert. Auf positive Resonanz stieß ich bei den Liebhabern des Gruseligen jedenfalls nicht.
Das Internet als Kontakt zur Außenwelt bot eine passende BĂŒhne fĂŒr meine wirren Ansichten. In seiner ganzen Gefahr offenbarte es sich mir jedoch erst, als ich auf Prinz Harry stieß. Teilweise umschwirrten mich ein halbes Dutzend Harry-BetrĂŒger wie hungrige Wespen und versuchten sich gegenseitig zu vertreiben. FĂŒr mich war es alles nur eine einzige IdentitĂ€t, der Prince of Wales und seine charmanten AnnĂ€herungsversuche.
Ich war ein sehr dankbares Opfer.

Das Krankhafte definiere ich im nach hinein immer als Verzerrung der RealitĂ€t. Gesund ist es, sich anzupassen und Möglichkeiten zu finden, in der Wirklichkeit etwas zu erreichen. Daran scheitern Menschen in allen LĂ€ndern und Gesellschaftsschichten. Immer ist die Suche nach GlĂŒck der Motor fĂŒr das UnglĂŒck. Das GlĂŒck, das mir eine Liaison mit Harry versprach, schmeckte mir jedoch irgendwann nicht mehr. Mit zunehmender ErnĂŒchterung fand ich heraus, dass meine LebensrealitĂ€t andere Vorteile bot. Einsamkeit, Armut, aber auch Stille und Friede.
Nicht umsonst ist Jesus in die WĂŒste gezogen.

Es ist allerdings schwierig, genĂŒgsam zu sein, oder sogar selbstgenĂŒgsam, wenn man AnsprĂŒche an das Leben hat, die ĂŒber die einfache Freude am Dasein hinaus gehen. Sehnsucht hatte mein Herz ĂŒber viele Jahre hinweg rastlos gemacht. Es ist der alte Fluch, nach etwas zu suchen, das die Leere fĂŒllt. In seiner einfachsten Form Essen, aber auch Unterhaltung, Urlaub, Abwechslung, Liebe. Der Tod ist das unausweichliche Ende, davor will man glĂŒcklich sein. Das Recht auf ein bisschen GlĂŒck wird von Jugend an voraus getragen wie eine Fahne fĂŒr unsere Armee an höchst persönlichen AnsprĂŒchen. Ich lebe, also darf ich auch etwas erreichen. Manchmal nur das nĂ€chste StĂŒck Brot. Meistens Geld, Spaß und Erfolg.
Wenn man sich aus diesem Drang befreit, wird man oft nicht ernst genommen. Andrew hatte mir Drogenmissbrauch vorgeworfen, weil er nicht begriff, dass ich gelernt hatte, allein zu sein. Aber was unausweichlich mit dieser Entwicklung verbunden war, stellte meine SpiritualitÀt dar, meine Beziehung zu Gott.
Je weniger jemand an einen Gott glauben kann, desto wichtiger sind weltliche Dinge. An einen Gott zu glauben, bedeutet auch das Leben als eine Art PrĂŒfung zu betrachten, welche die wesentlichen BedĂŒrfnisse nicht befriedigt. Die umfassende Liebe Gottes nimmt die Angst vor dem Tod. Worauf es ankommt, erfĂ€hrt man nicht im Spielfeld irdischer Erfahrungen.
Aber was hatte mich so sicher werden lassen? Was hatte von Psychose zu Psychose die VerÀnderungen bewirkt, die mir nun solchen Frieden gaben?
Kann man das erklÀren, oder kann man es nur erfahren?

Setze dich in einen ruhigen Raum und meditiere eine Stunde. Die Triebfeder dahinter ist die selbe, die mich wĂ€hrend der Krankheit bewegt hatte: irgendeine vage Hoffnung darauf, dass alles gut wird. Dass es einen tieferen Sinn gibt. Erfahre die Kargheit eines einfachen Lebens oder untersuche die Lebenswelten anderer Völker, wie Chatwin das tat. BeschĂ€ftige dich mit Nahtoderfahrungen. Sicher ist nur eines: Gott antwortet. Ich glaube, er tut das bei jedem Menschen auf andere Weise. Ich will nicht ĂŒber meine eigenen Gotteserfahrungen erzĂ€hlen, weil sie aufgrund meiner Krankheit unglaubhaft erscheinen. FĂŒr mich sind sie kristallklar und unwiderlegbar.
Dieser Text ist nur ein Versuch, die Entwicklung zu begleiten, in der mich nun mit vierzig Jahren befand.
SpiritualitĂ€t ist ein sehr persönliches Thema. Da ich selbst aus einer sehr liberalen, linksgewandten Familie stamme, mischen sich bei mir zwei Prinzipien. Das eine ist die Liebe zum Menschen und der Wunsch, dass das Individuum einen höheren Wert besitzt. Das andere Prinzip jedoch will auf die klassische Weise nicht dazu passen. Denn ich suche nicht nach der ErfĂŒllung im Leben, den besonders bequemen und lustvollen Erfahrungen eines Lebens im Zeichen des modernen Liberalismus. Sicher mĂŒssen wir besser miteinander umgehen und uns höher wertschĂ€tzen, aber nicht, um die Illusion eines glĂŒcklichen Daseins zu bedienen. GlĂŒck kommt nur aus dem eigenen Inneren. Wir brauchen ein Dach ĂŒber dem Kopf, Friede und Nahrung, aber der Rest ist nichts anderes als die eigene Seele auf ihrer Reise durch das Leben.

An diesem Punkt werde ich das Schreiben wahrscheinlich unterbrechen. Denn ich glaube, um meine Worte zu unterlegen, kann nur die Zeit als Zeuge genommen werden. Meine Geschichte schreibt das Leben, in einem Jahr wird man wissen, wie Gott den Text weiter gestaltet.













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Ralph Ronneberger
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Hallo sollbruchstellen,

es ist ein wirklich sehr langer Text und ich habe ihn nur mit Unterbrechungen geschafft. Deine Art zu Schreiben hat mir aber gefallen und ich bin in deine Geschichte einfach so hineingerutscht.
Du beschreibst die zehnjĂ€hrige Leidenszeit einer psychisch kranken Frau, und das mit einer Nonchalance, die beim Lesen keine Langweile aufkommen lĂ€sst. Dein Ton erzeugt gerademal Melancholie in mir, obwohl eigentlich tiefstes Mitleid angebracht wĂ€re. Mitleidheischend ist dein Text aber in keiner Zeile. Im Gegenteil, ich bewundere deine Ich-ErzĂ€hlerin, mit welcher Gleichmut und Gelassenheit sie ihre Krankheit und ihre LebensumstĂ€nde ertrĂ€gt und bewĂ€ltigt. Dass du in deinem Textaufbau immer wieder nebensĂ€chliche Alltagssituationen einflechtest, lockert die Geschichte auf und interessant finde ich deine Beschreibungen der Krankheitsbilder ihrer Freunde, Bekannten und Liebhaber. Bei den philosophischen Gedanken deiner Protagonistin sehe ich allerdings noch genĂŒgend KĂŒrzungspotential.
Ich hoffe, deine Geschichte ist nicht allzu autobiographisch.

Viele GrĂŒĂŸe,

Thomas

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