Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5538
Themen:   94776
Momentan online:
424 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Ruhelos
Eingestellt am 20. 02. 2018 20:25


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Laura Z
Hobbydichter
Registriert: Feb 2018

Werke: 1
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Laura Z eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ruhelos


„Herr Mattes, hören Sie? ... Sind Sie noch wach? Das ist es, was ich meine ... Ihre Ignoranz ...“

Er kann labern, so viel er will. Minutenlang schwafelt der mich zu und wundert sich, wenn ich abschalte. Meist zwei Minuten, dann schalte ich den Kopf aus, nach fĂŒnf höre ich auf, so zu tun, als wĂŒrde ich ihm zuhören. Er begann zu schreien. Ich hasse das. Viel zu laut ist seine Stimme, um sie zu ignorieren. Dabei möchte ich bloß meine Ruhe.

Zwei Minuten lÀnger ertrage ich sein Geschrei, danach reicht es mir. Ich ziehe das Jagdmesser aus dem Stiefel und schleudere es ihm entgegen. Die Klinge durchbohrt seinen Hals und er fÀllt röchelnd zu Boden. Dann war endlich Ruhe.
„Tut mir leid Chef“, flĂŒstere ich ihm zu, „ aber mein Messer brauch ich wieder.“
Ich zieh das Messer aus seinem Hals, wische das Blut ab und stecke es zurĂŒck in den Stiefel. Man merkt ihm an, dass er das von einem schwachen Jungen nahe der Zwanzig nicht erwartet hatte. „Ach ĂŒbrigens“, warf ich ihm zu, „ich kĂŒndige.“

Als ich das BĂŒro verlasse, verabschiede ich mich flĂŒchtig mit einem Nicken von den Kollegen. Alle standen in Reihen rechts und links in den TĂŒren und GĂ€ngen. Sie wollen mir scheinbar auch Lebewohl sagen. „Der kleine Tobias“, flĂŒstern Sie. „HĂ€tte ich nicht erwartet ... Er war doch immer so ruhig ...“ Ihre Blicke wirken geschockt von meiner plötzlichen KĂŒndigung. Ich hĂ€tte selbst nicht gedacht, so schnell hinzuwerfen, aber warum traurig sein? Hier ist es schon immer viel zu laut gewesen.

Eine Woche spĂ€ter saß ich im neuen BĂŒro. Bin noch erschöpft von der Fahrt, drei Tage lang durch das Land, diesmal gen Westen. Ist nicht leicht, neue Jobs zu finden, doch der hier kam schnell. Grund sei meine Ausstrahlung und das professionelle Auftreten, das hatte der Chef betont. Kaum nachgefragt, schon eingestellt. Kontakte will ich keine finden. Wer weiß, wie lange ich bleibe. Menschen sind mir auch zuwider. Nur Stress bringen sie, sehen meine SchwĂ€che, nutzen mich aus und behandeln mich wie Dreck. Hallo und TschĂŒss, mehr sind die mir nicht wert. Und niemand scheint mich hier zu beachten, ist auch besser fĂŒr sie.

FrĂŒher ignorierte ich die Menschen gerne und egal, wie laut sie waren, es war mir gleich. Ein paar jedoch ließen dies nicht zu. Sie beleidigten mich, ich ignorierte es, sie schrien, dann schlugen sie zu. Schreiende Menschen sind gefĂ€hrlich und so wurde ich es auch. Mein Vater schrie mich immer an, ich ignorierte ihn, letztlich schlug er zu. Unmöglich, dass ich mir das nach so vielen Jahren noch einen Tag lĂ€nger gefallen ließe, also wehrte ich mich. Ich musste es tun, sonst wĂŒrden es ihm andere gleich tun. Mein Vater hatte keine Chance mehr, es zu lernen. Gleich danach verließ ich die Stadt.

Der Chef kommt rein. Dieses Mal hat es nicht lange gedauert. Wenigstens fĂŒr einen Monat wurde ich bezahlt und ich holte es gleich in bar bei der Bank ab. Und schon wieder kam das Geschwafel. „Nie pĂŒnktlich
 zu viele Raucherpausen
 keine acht Stunden gearbeitet
 bla bla bla.“ Ich hĂ€tte es wortlos ertragen, doch dann fing er an zu schreien. Ich hasse das. Ruhe ist mir lieber. Zum GlĂŒck steht ein schwerer Locher auf dem Tisch, so brauche ich nicht mein Messer beschmutzen. Zweimal zugeschlagen und er war ruhig. „Übrigens, ich kĂŒndige“, danach verlasse ich mein BĂŒro.

Und wieder waren da die traurigen Blicke. Ich kenne keinen von ihnen, warum dann dieses Mitleid? „Der Arme“, hör ich sie flĂŒstern. „Warum nur?... Ich glaub‘s nicht
 Dieser kleine Junge ... Er hat ihn umgebracht.“ Das habe ich wohl und es ist keine Schande. Seine Stimme war viel zu laut.

Diesmal reise ich gen Norden. Geld genug habe ich ja. DĂ€nemark klingt vielversprechend. Ist sicher kalt da oben, aber vielleicht sind die Menschen angenehmer. Da ich nur Deutsch verstehe, stört mich ihr Geschnatter nicht. Oben angekommen war die Grenze zu. Unglaublich aber wahr, versperren die mir echt die Durchfahrt, gerade mir, der doch eh so schnell gereizt ist. Geschlagene zwanzig Minuten halten die mich auf, da kommt ein Polizist ans Fenster. Winzig sah er aus mit seiner Uniform, fast so winzig wie ich selbst. Wie ein zu groß geratener Gartenzwerg mit schwarzer Kleidung und gelber Weste. „Get out“, schrie er mich gleich an, nachdem er sah, wie schmĂ€chtig ich war, den Rest verstand ich nicht. Er war schon jetzt viel zu laut. Ich steige aus und hör ihm flĂŒchtig zu, ganze drei Minuten, vielleicht waren es vier, da verliere ich die Geduld mit ihm. Mein Messer steckt immer im Stiefel, ich zieh es, bohre es ihm durch sein Kinn. Stark war ich nie, dafĂŒr aber schnell. Sofort war wieder Ruhe, das Messer verschwand im Stiefel.

Ich wĂŒrde gern weiter fahren, kann es aber nicht. Vier Polizisten blockieren mir den Weg, vorne und hinten. Pech fĂŒr sie, meine Laune ist im Keller. Der eine hielt ein Bild von mir in der Hand. Trotz der Entfernung erkannte ich mich sofort. Ein anderer wedelt mit der Hand, zeigt auf die tote Quasselstrippe und schreit. WĂŒtend sieht er aus, aber warum? Der Tote ist jetzt ruhig und das ist gut so.

Sie nerven mich schon viel zu lange. Ich greife zum Stiefel und zieh mein schönes Messer. Von einem JÀger war es einst, handverziert, antik und wertvoll. Ich traf ihn im Wald, sah sein Messer und sprach ihn an. Verkaufen sollte er es mir und ich fragte ihn sehr nett. Der JÀger gab es mir nicht, schrie mich stattdessen an, also nahm ich es mir. Mit einem Stein auf den SchÀdel, er war dann ruhig und gab es mir.

Jetzt aber genug, ich gehe mit dem Messer auf den Schreihals zu. Gleich schreit er nicht mehr. Dann höre ich einen Knall, von einem zweiten gefolgt. Ich spĂŒre nicht viel, aber warmes Blut spĂŒre ich schon. Hat der mich etwa angegriffen? Warum sollte er das tun? DafĂŒr muss er sterben! Noch ein Knall und ein weiterer, dann war endlich wieder Ruhe.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


lapismont
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Jul 2001

Werke: 218
Kommentare: 7653
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um lapismont eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Laura Z, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den hÀufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele GrĂŒĂŸe von lapismont

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


Silbenstaub
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Oct 2017

Werke: 12
Kommentare: 78
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Silbenstaub eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Laura Z,
die Idee deiner Geschichte gefĂ€llt mir gut, aber ich kann die Figur nicht so richtig spĂŒren. Sie verursacht keine GĂ€nsehaut.
Zur Vaterproblematik hĂ€tte ich gerne noch mehr erfahren. Ansonsten liest es sich flĂŒssig. Ich denke, eine Möglichkeit wĂ€re, auf der sprachlichen Ebene diesen Gegenpol ‚Ruhe-Krach‘ deutlicher zu machen, mehr zu verdichten.
Vielleicht kannst du etwas damit anfangen.
LG Silbenstaub

Bearbeiten/Löschen    


Laura Z
Hobbydichter
Registriert: Feb 2018

Werke: 1
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Laura Z eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Silbenstaub,

mit deinen Hinweisen kann ich sehr viel anfangen. Mit dem Lesen deiner Worte entsteht schon das Bild der möglichen Umsetzung. Werde die Geschichte eventuell ausbauen.

UrsprĂŒnglich gedacht war, dass die Figur, so wie ihre Gedanken und Emotionen auch, gĂ€nzlich im Dunkeln bleibt. Es war ein Experiment, eine Geschichte ohne klare Charakterisierungen anzudeuten, damit sie umso mehr zum Nachdenken anregt.

LG

Laura

Bearbeiten/Löschen    


Choricillo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2017

Werke: 1
Kommentare: 75
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Choricillo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Habs genossen :)

Nur hin und wieder waren Textstellen, die nicht so ins "Sprachbild" vom kleinen Tobias Mattes passen. Ein Beispiel ganz am Anfang:

quote:
Viel zu laut ist seine Stimme, um sie zu ignorieren

Manchmal ist man stolz auf seine SĂ€tze, aber so schön sie auch klingen mögen, sie mĂŒssen auch zu der ErzĂ€hlerstimme passen

Ansonsten wĂŒrde ich den "finalen Satz" etwas deutlicher machen. Auch wenn klar sein sollte, dass er erschossen wurde...

In jedem Fall ein sehr schönes StĂŒck Text!!!
__________________
It always seems impossible until it's done (Nelson Mandela)

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung