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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Trauer...
Eingestellt am 07. 04. 2019 22:14


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timilu
Autorenanwärter
Registriert: Apr 2019

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Ich fühle mich wie auf einem Schiff, das einsam auf dem Ozean treibt. Ständig bedroht von hohen Wellen hinab in die nasse und kalte Dunkelheit gezogen zu werden. Zuerst kommt nur ein ungebetener Gast an Bord; die Verzweiflung! Aber sie bringt rasch die Trauer mit und mit der Trauer folgen der Schmerz und die Erkenntnis. Die Erkenntnis macht mir klar, dass alles kein Traum ist. Alle feiern auf meinem Rücken eine Party. Ohne Rücksicht auf Verluste trampeln sie auf mir herum - nehmen sich was sie brauchen und stillen ihr Ego an mir. Ich drohe dabei kaputt zu gehen.

Als wäre das noch nicht genug, hat sich ein weiterer ungebetener Gast an Bord geschmuggelt. Die Wut! Sie ist ein ganz besonders unberechenbarerer Kandidat. Ich gehe ihr lieber aus dem Weg. Nur manchmal gelingt es ihr doch mich abzufangen, um dann auch auf meine Kosten eine Party zu feiern. Wie gemein!
Wir alle treiben hilflos auf den Weiten der Meere und alle sind bereit mit mir unterzugehen. Am liebsten würde ich das Schiff verlassen. Wer weiß wer als nächstes an Bord kommt.

Selten blitzt mal die Sonne zwischen den schweren und dunklen Wolken hindurch. Dann streift ein warmer Lichtstrahl das Schiff, in dem winzigste Tröpfchen der aufbrausenden Gischt glitzern. Das sieht zauberhaft aus. Wie gerne möchte ich diesen Lichtstrahl festhalten und nie mehr loslassen. Aber leider schieben sich die dunklen Wolken wieder bedrohlich vor die Sonne. Manchmal kommt ein Sturm auf, der dass Schiff packt und wie eine leere Nussschale die Wellen hinauf und hinunter schleudert. Mit ihm spielt, als sei es eine leblose Puppe, die niemand vermissen würde, wenn sie auf den dunklen Meeresgrund hinabsinken würde. Begraben unter Massen von schlickrigen Boden. Verschluckt in der Ewigkeit.

Doch dieses Schiff hat Schutzengel. Es taucht aus jedem Sturm wieder auf. Manchmal ein wenig ramponiert, aber es ist immer noch da. Wir kommen an vielen Häfen vorbei. Manchmal bekomme ich Lust den Anker zu werfen, um anzulegen. Möchte jemanden einladen uns auf unsere Reise zu begleiten. Doch dann gewinnt die Angst. Am Ende kommen noch mehr dunkle Gestalten an Bord. Die Guten sind doch viel zu selten und versteckt. Auch sehen Sie uns oft nicht.

Also fahren wir weiter, immer weiter. Vorbei an vielen wunderbaren Ländern. Ich höre an manchen Stränden Musik zu uns herüber schallen. Lachende Menschen, fröhliche Menschen, tanzende Menschen. Sie winken uns zu, aber wir stehen nur still an Deck. Schauen zu ihnen herüber. Die Wut dreht sich als erstes um. Sie kann den Anblick von glücklichen Menschen nicht ertragen. Die Trauer zuckt mit den Schultern. Sie kann warten. Sie weiß, für jeden kommt einmal die Zeit, wo sie sich ganz lange bei jemanden aufhalten darf. Sie hat es nicht eilig. Im Moment hat sie mich. Das findet sie gut. Die Verzweiflung ist immer auf der Suche nach passender Begleitung, aber die lärmenden Leute am Strand sind nichts für sie. Sie ekeln sie geradezu an. Wie kann jemand nur so gut gelaunt sein. So eine gute Stimmung haben. Für sie unbegreiflich. Mit dem Kopf schüttelnd wendet sie sich ab.

Am längsten bleibt die Erkenntnis an meiner Seite. Wir schauen gemeinsam zu den Menschen am Strand, die immer noch ausgelassen feiern. Die Erkenntnis nimmt meine Hand ganz fest in ihre und ich spüre, dass doch alles einen Sinn hat. Und das alles seine Zeit hat. Es gibt eine Zeit um zu lachen, eine Zeit um glücklich zu sein und eine Zeit um zu trauern. Aber nichts bleibt im Leben still auf einer Stelle stehen. Was wir brauchen ist die Zuversicht. Da sind wir uns beide einig und wir wissen in diesem Moment: sobald wir wieder an einem Hafen vorbeikommen, werden wir den Mut haben um dort anzulegen. In der Hoffnung, dass die Zuversicht den Weg zu unserem Schiff findet und uns gerne ein Stück des Weges begleiten wird. Und irgendwann trifft auch die Hoffnung auf unser Schiff, genauso wie der Glaube und natürlich auch die Liebe!

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ENachtigall
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