Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5636
Themen:   97484
Momentan online:
284 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Und wenn er recht hat?
Eingestellt am 07. 07. 2019 23:03


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Wipfel
Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 62
Kommentare: 772
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wipfel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Später Abend. Zu Gast bei einem alten Mann in der Nähe von KA. Auf seinem Stock gestützt sitzt er aufrecht auf der Bank vor seinem Haus. Er schaut mich unentwegt an, beobachtet mich. Ich versuche dem Blick standzuhalten.
„Was?“, frage ich gedehnt.
„Haste jetzt auch so ein Daddelding?“
„Opa, alle haben heute ein Handy. Ohne dem geht es nicht.“
„Geht es nicht, so so.“
„Hat sich halt geändert, das Leben. Alle Nachrichten kannst du zeitgleich auf der ganzen Welt verfügbar machen.“
„Alle?“
„Ja klar. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, kannst du live dabei zuschauen. Irgendeiner streamt das, garantiert.“
Ich versinke wieder in meinem Daddelding, da hebt der Alte plötzlich seinen Stock und zeigt zum Himmel.
„Dann halt dein Teil doch mal zum Himmel. Live.“
„Hä? Warum das denn? Himmel bei Nacht ist doch ohne Sinn. Nicht mal Sterne sind zu sehen.“
„Es wird Krieg geben. Und die ganze Welt kann es hören. Oder hörst du das nicht?“
Für einen Augenblick schaue ich tatsächlich hoch.
„Hörst du es?“
„Ein Flugzeug höre ich, mehr nicht. Was willst du?“
Wieder auf dem Stock gestützt sagt er: „Nicht ein Flugzeug. Eines nach dem anderen. Alle ohne Positionslichter. Sie fliegen von Ramstein nach Süden, die ganze Nacht. Jede Nacht. Seit Wochen schon.“
„Woher willst du das wissen?“
„Sie fliegen ihr Zeugs zum nächsten Stützpunkt. So nah wie möglich an die Grenzen des Irans. Von Ramstein aus, verstehst du? Und wir dachten immer, von deutschem Boden darf nie wieder so was ausgehen.“
„Das hast du dir ausgedacht, komm hör auf…“
„Das war beim ersten Irak-Krieg so, beim zweiten auch. Ich saß hier draußen und hörte den Krieg kommen.“

Still bin ich, höre das unaufhörliche Brummen. Denke, und wenn er recht hat?

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Lukas Westphal
Hobbydichter
Registriert: Jul 2019

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lukas Westphal eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Autor setzt in erstaunlicher Knappheit eine sehr ansprechende Idee um, die neben der Erinnerung an einen groĂźen Grundsatz unserer Nachkriegspolitik die Lebenserfahrung des Alters wĂĽrdigt.

Auch gefällt mir der differenzierte Sprachgebrauch sehr gut. Hier wird sogar das eher seltsame Wort "Daddelding" sinngerecht verwendet. Der Grundgedanke wird in einer angemessenen Geschichte transportiert, ist dabei jedoch angenehm verdichte. Der Autor widersteht der Versuchung, das Thema zu sehr aufzublasen.

Für etwas problematisch und auch unnötig halte ich die Verwendung unvollständiger Sätze außerhalb der wörtlichen Rede, die den Text zu hastig und zu effekthaschend wirken lassen ("Später Abend. Zu Gast bei einem alten Mann in der Nähe von KA"). Jedenfalls ist das meine persönliche Ansicht.

Bearbeiten/Löschen    


hein
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2018

Werke: 8
Kommentare: 38
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um hein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich finde den schnörkellosen Einstieg gut. Man ist sofort in der Situation drin und muss weiterlesen.

LG
hein

Bearbeiten/Löschen    


Lukas Westphal
Hobbydichter
Registriert: Jul 2019

Werke: 1
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lukas Westphal eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Um die kleine Frage zu beantworten: Selbstverständlich kann man unvollständige Sätze als Stilmittel verwenden. Sie passen jedoch besser in die direkte Rede als in den Einstieg einer Geschichte, die schließlich sehr ernsthaft ist, nachdenklich endet und schon deshalb den hastigen, abgehackt wirkenden Einstieg gar nicht braucht. Schnörkellos bliebe der Text auch dann, wenn man die beiden Einstiegssätze vervollständigen würde. Schnörkellos muss es auch sein, sonst würde das Ziel aus den Augen verloren. Die in Ihrem Kurzkommentar erwähnten klischeehaften Schnörkelchen habe ich weder angesprochen noch gemeint. Ich bitte nicht zu vergessen, dass ich die Geschichte in Idee und Aufbau überzeugend finde. Big Smile.

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung