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Leselupe.de > Kurzprosa
Und wenn er recht hat?
Eingestellt am 07. 07. 2019 23:03


Autor
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Wipfel
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Registriert: Feb 2008

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SpĂ€ter Abend. Zu Gast bei einem alten Mann in der NĂ€he von Karlsruhe. Aufrecht sitzt er auf der Bank vor seinem Haus, gestĂŒtzt auf seinem Stock. Er schaut mich unentwegt an, beobachtet mich im Laternenlicht. Ich versuche dem Blick standzuhalten.
„Was?“, frage ich gedehnt.
„Haste jetzt auch so ein Daddelding?“
„Opa, alle haben heute ein Handy. Ohne dem geht es nicht.“
„Geht es nicht, so so.“
„Hat sich halt geĂ€ndert, das Leben. Alle Nachrichten kannst du zeitgleich auf der ganzen Welt verfĂŒgbar machen.“
„Alle?“
„Ja klar. Wenn in China ein Sack Reis umfĂ€llt, kannste live dabei zuschauen. Irgendeiner streamt das, garantiert.“
Ich versinke wieder in meinem Daddelding, da hebt der Alte plötzlich seinen Stock und zeigt zum Himmel und sagt zugleich:
„Dann halt dein Teil doch mal zum Himmel. Live.“
„HĂ€? Warum das denn? Himmel bei Nacht ist doch ohne Sinn. Nicht mal Sterne sind zu sehen.“
„Es wird Krieg geben. Und die ganze Welt kann es hören. Oder hörst du das nicht?“
FĂŒr einen Augenblick schaue ich tatsĂ€chlich hoch.
„Hörst du es?“
„Ein Flugzeug höre ich, mehr nicht. Was willst du?“
Wieder auf dem Stock gestĂŒtzt sagt er: „Nicht ein Flugzeug. Eines nach dem anderen. Alle ohne Positionslichter. Sie fliegen von Ramstein nach SĂŒden, die ganze Nacht. Jede Nacht. Seit Wochen schon.“
„Woher willst du das wissen?“
„Sie fliegen ihr Zeugs zum nĂ€chsten StĂŒtzpunkt. So nah wie möglich an die Grenzen des Irans. Von Ramstein aus, verstehst du? Und wir dachten immer, von deutschem Boden darf nie wieder so was ausgehen.“
„Das hast du dir ausgedacht, komm hör auf
“
„Das war beim ersten Irak-Krieg so, beim zweiten auch. Ich saß hier draußen und hörte den Krieg kommen.“

Still bin ich, höre das unaufhörliche Brummen. Denke, und wenn er recht hat?


Version vom 07. 07. 2019 23:03
Version vom 30. 07. 2019 16:06

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Lukas Westphal
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2019

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Der Autor setzt in erstaunlicher Knappheit eine sehr ansprechende Idee um, die neben der Erinnerung an einen großen Grundsatz unserer Nachkriegspolitik die Lebenserfahrung des Alters wĂŒrdigt.

Auch gefÀllt mir der differenzierte Sprachgebrauch sehr gut. Hier wird sogar das eher seltsame Wort "Daddelding" sinngerecht verwendet. Der Grundgedanke wird in einer angemessenen Geschichte transportiert, ist dabei jedoch angenehm verdichte. Der Autor widersteht der Versuchung, das Thema zu sehr aufzublasen.

FĂŒr etwas problematisch und auch unnötig halte ich die Verwendung unvollstĂ€ndiger SĂ€tze außerhalb der wörtlichen Rede, die den Text zu hastig und zu effekthaschend wirken lassen ("SpĂ€ter Abend. Zu Gast bei einem alten Mann in der NĂ€he von KA"). Jedenfalls ist das meine persönliche Ansicht.

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hein
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2018

Werke: 8
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Ich finde den schnörkellosen Einstieg gut. Man ist sofort in der Situation drin und muss weiterlesen.

LG
hein

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Lukas Westphal
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2019

Werke: 3
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Um die kleine Frage zu beantworten: SelbstverstĂ€ndlich kann man unvollstĂ€ndige SĂ€tze als Stilmittel verwenden. Sie passen jedoch besser in die direkte Rede als in den Einstieg einer Geschichte, die schließlich sehr ernsthaft ist, nachdenklich endet und schon deshalb den hastigen, abgehackt wirkenden Einstieg gar nicht braucht. Schnörkellos bliebe der Text auch dann, wenn man die beiden EinstiegssĂ€tze vervollstĂ€ndigen wĂŒrde. Schnörkellos muss es auch sein, sonst wĂŒrde das Ziel aus den Augen verloren. Die in Ihrem Kurzkommentar erwĂ€hnten klischeehaften Schnörkelchen habe ich weder angesprochen noch gemeint. Ich bitte nicht zu vergessen, dass ich die Geschichte in Idee und Aufbau ĂŒberzeugend finde. Big Smile.

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fion
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2012

Werke: 4
Kommentare: 35
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Hi Wipfel,

von wegen - kurz und knapp, ist top.
KA, war fĂŒr mich - Kassel.
Und so gegen Ende des Textes fragte ich mich, wieso er, von Kassel aus, hören sollte, was in Ramstein und sĂŒdlich davon passiert. In so einem Fall bricht die GlaubwĂŒrdigkeit zusammen. (Ja, auch wenn es ein fiktiver Text ist.)
Na bitte, da haste den Salat.
Man muss nicht alle Autokennzeichen kennen.
Und schmerzt es dich denn so sehr, einfach mal Kaiserslautern oder Karlsruhe zu schreiben. (Ich habe schon wieder vergessen, welche Stadt es war. Und kann es auch in deinem Text nicht lesen.)
So etwas ist doch doof fĂŒr den Leser. (Gönne ihm doch nen Lerneffekt.)

quote:
SpÀter Abend

Schon mit den beiden ersten Worten, war das Bild in meinem Kopf undeutlich. SpĂ€ter Abend, heißt doch nicht unbedingt - stockdunkel, nicht wenn die beiden draußen sitzen. Aber, es ist fĂŒr die Geschichte sehr wichtig, dass die beiden unter dunklem Himmel sitzen, sodass ich spĂ€ter im Text meine Vorstellung korrigieren musste.
Stell dir mal vor, du suchst dir in einem GeschĂ€ft ein Shirt aus, welches, laut des darĂŒberhĂ€ngenden Schilds, zwanzig Euro kostet. Aber der Kassierer verlangt dann dreißig von dir, und beteuert wahrscheinlich auch noch, dass es korrekt ist. Kaum bist du aus dem Laden raus, ist das Shirt auch nicht mehr blau - sondern rot. Ich möchte dich dann mal sehen. (Grins, sorry, aber, das musste sein.)

quote:
Zu Gast bei einem alten Mann in der NĂ€he von KA

Warum so abstrakt? Es ist doch aus der Perspektive des Jungen geschrieben, oder? Es böte sich eventuell an: Zu besuch bei meinem Großvater.
Aber nein, die Info kommt erst spÀter. Und ich frage mich: Warum?
Es nimmt doch der Story nix weg. Sie blieb doch, wie sie ist. (Naja, so ein oder zwei Dingelchen will ich noch anmerken.)

quote:
Auf seinem Stock gestĂŒtzt sitzt er aufrecht auf der Bank

FĂŒr einen winzigen Moment war ich von der Akrobatik des Alten beeindruckt.
Die kleine Irritation wĂ€re aber erst gar nicht aufgekommen, wenn du den Alten erst auf die Bank und ihn sich dabei/oder dann auf den Stock stĂŒtzen ließest.

quote:
Ich versinke wieder in meinem Daddelding, da hebt der Alte plötzlich seinen Stock

Wenn du doch versunken bist, kannst du das doch gar nicht sehen. Perspektive!

Wipfel, ich mag die Geschichte, sonst hÀtte ich ja nix dazu geschrieben.

LG
Fion




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