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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Vergangenes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt
Eingestellt am 08. 11. 2017 20:46


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Mistralgitter
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Ja, er ist wieder da – gleich am unteren Ende der Straße hat er seinen Stand mit Indianerschmuck und bunter Wollkleidung aufgebaut. Seine Haare sind immer noch lang und voll, sein Gesicht glatt und rund. Nur einzelne HaarstrĂ€hnen sind grau geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er gelebt hat, seitdem wir ihn das letzte Mal gesehen haben.
„Mit zusĂ€tzlicher Schauspielerei und Pantomime“, erklĂ€rt meine Tochter. Sie verehrt ihn. Er ist so anders als all die anderen HĂ€ndler. Das gefĂ€llt ihr. Ich stehe abseits und warte, bis sie genug erzĂ€hlt und gehört und sich verabschiedet hat.

Wir waren jahrelang nicht in unserer Heimatstadt auf dem Weihnachtsmarkt. Dabei gibt es bestimmte Dinge nur hier: Die Straßenbeleuchtung aus Herrnhuter Sternen, die besonderen Kartoffelchips mit zweierlei Soßen, die Lachs- und Forellenbrote vom Fischerverein und dann den Kirsch-KĂ€sesahne-Kuchen im CafĂ©, den wir schon seit 30 Jahren essen. Und den sĂŒdamerikanischen Indianer mit den freundlichen dunklen Augen.

Und dann all die anderen, die wir gut oder nur flĂŒchtig kennen. Wie geht es dir? Was machen deine Kinder? Jeder hat eine Geschichte. Der Sohn ist verunglĂŒckt, die Tochter hat geheiratet und erwartet das erste Baby. Der Ehemann sitzt immer noch im Rollstuhl, die Schwiegertochter hat Krebs. Wir haben nicht viel Zeit zur Unterhaltung, jeder eilt weiter, will gucken, was man noch brauchen könnte. Man möchte gesehen werden, will andere Leute begrĂŒĂŸen.
Dann tragen sie ihre Geschenke nach Hause. Ihre Geschichten nehmen sie mit.
Und wir waren nur Gasthörer.
__________________
AST: "Ach, wissen Sie, in meinem Alter wird man bescheiden - man begnĂŒgt sich mit einem guten Anfang und macht dem Ende einen kurzen Prozess."

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