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Leselupe.de > Gereimtes
Verwässerte Liebe
Eingestellt am 22. 03. 2004 20:06


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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Liebe!
Geboren im Tobel
sprudelnder Quelle.
Wildwasser
Unverbraucht,
von glitzernder Reinheit
Liebe! Ihr Atem - ist Frische.

Liebe!
Strömen der Lust
im klarem Fluss
mäandrierender Gefühle.
Knabbernd am Deich,
des Alltäglichen.
Liebe! Ihr Atem - ist Libido

Liebe!
Kraftvoller Strom.
Breitbettige Geborgenheit
trotz rätselhafter Tiefen.
Nicht achtend
gefesselter Ufer,
die gepflastert bereits
mit dem Granit
des Belanglosen.
Liebe! Ihr Atem ist Glück.

Liebe!
Tagtrüber See
unter Bleiglockenhimmel.
Des Strömens beraubt,
umklammert von
tristen Gestaden.
Blickhemmendes Röhricht
gedüngt vom Erinnern
betäubt es das Hoffen.
Liebe! Ihr Atem ist Sehnsucht.


Liebe!
Dümpelnder Altarm,
der Versumpfung geweiht.
Erlebtes sedimentiert
zu Nostalgie.
Blasiges Ersticken
im Schlamm der Erfahrung.
Liebe! Ihr Atem ist – Schwefelwasserstoff


__________________
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lapismont
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Registriert: Jul 2001

Werke: 223
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Hallo Ralph,

also Tobel musste ich nachschauen, hab ich nie gehört das Wort.
Für alle, die es auch nicht kannten:

Wahrig Deutsches Wörterbuch

'To|bel <m. 5 od. n. 13; oberdt.> Schlucht im Wald, Senke [<mhd. tobel <ahd. *tobal „Wald, Bergschlucht“, Grundbedeutung „Senke“ <lat. tubus „Röhre“]

Wer inmitten von Wasser lebt, kann offensichtlich sehr präzise Liebe mit den unterschiedlichsten Gewässerformen vergleichen.

Mir scheint, das gerade die letzten beiden Strophen, da sie eher selten Beschriebenes enthalten, Dein Gedicht so gut machen.

Allerdings bringt der starre Aufbau auch eine starke Kühle mit sich. Der Text ist unpersönlich, fast wie eine philosophische These, ein Monolog, gehalten an der Mündung ins Meer.

cu
lap



__________________
Kunst passiert.

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Venus
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Registriert: Oct 2003

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Hier ist für mich Ausgleich.
Die "starre" Form entgegnet dem überschwänglichen Gefühl.
Und andersrum.
Hier ist beides offensichtlich dargestellt. Wie im wahren Leben eben auch.
Das eine
geht nicht
ohne das andere -

Ausgezeichnet!

(nur über das langsilbige "Schwefelwasserstoff" stolper ich einfach zu atmig)

Lieben Gruß,
Venus
__________________
den wind im rücken, sterb ich mich ein
in den großpassat -
und lebe erst recht

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Mirko Kussin
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Registriert: Jun 2002

Werke: 8
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hallo ralph,
also so richtig vom hocker haut mich dein text auch nach mehrfachem lesen nicht. ich weiß leider nur noch nicht so ganz genau, woran es liegt.
ich geb dir jetzt einfach mal meine leseeindrücke (logischerweise subjektiv und mit keinerlei anspruch auf allgemeingültigkeit) wieder.
also... mein erster eindruck war: zu hochtrabend, hier will jemand zeigen, dass er mit sprache umgehen kann und schießt dabei übers ziel hinaus...
ohne zweifel ist der text bis ins letzte durchdacht und durchgestylt, aber dadurch verliert er in meinen augen auch etwas an charme...
gestolpert bin ich zum beispiel über die sich wiederholende liebe... klar, es ist eine schöne klammer, die sowohl die einzelnen strophen umfasst, als auch den ganzen text, in dieser häufigkeit aber auch grenzwertig ist. speziell beim übergang zwischen den strophen, fiel es mir auf.
dann der gebrauch der fremdwörter (mäandrierend, sedimentiert, tobel)... ich bin echt nicht unbelesen, aber auf ein fremdwörterlexikon möchte ich beim lesen von lyrik eigentlich verzichten ;-)
die substantivierungen geben dem text eine fast wissenschaftliche kühle, die mit dem inhalt so gar nicht übereinkommt.
eigentlich mag ich dieses mittel sogar... einen "heißen" gegenstand eiskalt distanziert zu beschreiben (houellebecq ist da der meister), aber dafür ist es mir nicht kalt genug...
du siehst... ich tappe im dunkeln.. irgendetwas "hakt" an dem text und ich weiß nicht so richtig was es ist...
aber vielleicht kannst du trotzdem etwas mit meinen ausführungen anfangen...
liebe grüße, mirko
__________________
"I am only what you made me - I am a reflection of you"
Charles Manson

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Daniel Mylow
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Ralf,
jetzt weiß ich endlich, was ein Tobel ist... Nein, im Ernst, da ist dir ein bemerkenswertes Gedicht gelungen, die Evulotion als Beischlaf der Gewässer, die Liebe und das Wasser... Es sind sehr schöne Sätze da, die das Wasser als vielschichtiges Bild entstehen lassen, es könnte das alles auch die Geschichte einer Nacht, die Geschichte der Liebe überhaupt sein. Hat mir sehr gefallen.
Herzliche Grüße, Daniel

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Holger
Guest
Registriert: Not Yet

Ich suche gerade die Stelle in Deinem Gedicht, an der ich mich in meiner Liebe befinde. Ich merke dabei, dass meine
Gefühle da nicht hineinpassen wollen. Vom hohen sprachlichen Vermögen wurde schon geredet. Du hast Dir das Lyrische Deiner Liebe sachlich organisiert.
Strukturell fiel mir anfänglich Fried ein. Aber das ist es auch nicht. Du versuchst es wie ein Naturgesetz zu behandeln und dabei bleibt es dort, wo es sich auch um Leidenschaft handelt, unpersönlich und blutleer.
Mich interessiert der Autor im Kontext. Die Ausrede vom
Impressionismus hatte ich heute schon.

Die Idee, Liebe in Phasen zu besprechen, ist interessant.
Aber die Bilder füllen sie nicht aus.

Beste Grüße
Holger

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