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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vielleicht laufen die Dinge in einer anderen Stadt ja besser
Eingestellt am 25. 03. 2016 18:31


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Vagant
???
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Vielleicht laufen die Dinge in einer anderen Stadt ja besser

Ich pickte sie vor einem der Clubs in der Innenstadt auf. Sie schwankte, und es sah so aus, als hÀtte sie ein Bett nötig.
– Geht‘s denn, Madam, fragte ich.
– Keine Angst, sagte sie, ich werde ihnen schon nicht auf die Polster brechen. Hab‘ nur einen kleinen ĂŒber den Durst getrunken, ein paar Wodka-Lemon, mehr nicht.
– Wo soll es denn hingehen?
– Heim.
– Na dann, sagte ich und hielt die WagentĂŒr auf.
Sie sagte mir die Adresse und setzte sich auf die RĂŒckbank. Ich startete den Taxameter, setzte den Blinker und fĂ€delte mich wieder in den Verkehr ein.
– Ist ja noch eine Menge los, heute Nacht, sagte ich und warf einen kurzen Blick in den Innenspiegel.
– Ist halt Freitag.
– Ja ja, der Freitag ist der neue Sonntag, sag ich ja immer, und an solchen Abenden mache ich ja gut fĂŒnfzig Prozent meines Umsatzes. Sie waren im U-Boot? Soll ein klasse Laden geworden sein, was man so hört.
– Mag sein.
– Ist denn der alte Koslowsky da noch hinterm Tresen?
– Weiß nicht.
– Der soll ja seit einer Ewigkeit die...
– ... hören Sie, ich wĂ€re ihnen dankbar, wenn Sie einfach den Mund halten wĂŒrden. Machen Sie einfach nur ihren Job, bitte!
– Kein Ding, sagte ich, sah nochmal kurz durch den Innenspiegel nach hinten und konzentrierte mich dann auf den Verkehr.

Es dauerte ein paar Ecken entlang der neonhellen Fassaden der Bars und Kneipen, bis ich den Wagen auf der Nordspange hinaus in die Vorstadt rollen lassen konnte. Kurz darauf hörte ich sie leise schluchzen. Ich sah nach hinten und bemerkte, dass ihr Kajalstrich verschmiert war. Die Farbe lief wie ein kleiner Rinnsal die Wange hinunter und der Anblick erinnerte mich irgendwie an feuchten Waldboden. Dann sah ich, dass sie etwas in ihrer Handtasche suchte; fahrig, ohne erkennbares System. Kurz darauf gab sie die Suche auf.
– Geht‘s denn, Madam, fragte ich, ist alles in Ordnung?
– Danke, es geht schon, aber hĂ€tten Sie vielleicht mal ein Tempo fĂŒr mich?
– Wenn‘s nicht mehr ist.
Ich reichte ihr ein PĂ€ckchen nach hinten und konzentrierte mich wieder aufs Fahren.
– Entschuldigung, sagte sie, aber das war wohl alles ein bisschen viel fĂŒr mich, heute.
– Kein Ding. Ich denke, Sie mĂŒssen sich einfach mal richtig ausschlafen, morgen sieht die Welt schon ganz anders aus, bestimmt.
– Sie sind eher ein Mann fĂŒr die einfachen Botschaften?, sagte sie und lachte ein kurzes Lachen.
– Ach, kompliziert wird es doch von ganz allein, irgendwann.
– Ja, irgendwann wird's das wohl.
– Mein Reden.
– Ja.

Ich fuhr weiter, hielt mich an unsere Abmachung und sagte kein weiteres Wort. Nach ein paar Metern begann sie mit leiser, brĂŒchiger Stimme zu reden.
Ich dĂŒrfe das nun nicht so auf die Goldwaage legen, sagte sie, und dass sie ja sonst nicht so sei, also nicht so, wie ich sie gerade kennengelernt hĂ€tte, sagte sie noch, und dass ER sie nicht einfach so hĂ€tte anrufen dĂŒrfen; Nein, das hĂ€tte ER nicht tun dĂŒrfen, nicht heute morgen, nicht jetzt schon.
Ob ich mir das vorstellen könne, fragte sie mich, ob ich mir vorstellen könne, wie sie sich in diesem Augenblick gefĂŒhlt habe? Und es ginge es mich ja eigentlich nichts an, aber ob ich mir denn vorstellen könne, wie sich sich in diesem Moment gefĂŒhlt habe?, fragte sie noch mal.
Also ER ruft an, so sie, und sagt, dass er die Stadt verlassen werde. Sie könne erst mal gar nicht reagieren, erzĂ€hlte sie, hĂ€tte das Telefon einfach nur gegen die Brust gedrĂŒckt und sich auf die Lippe gebissen, bis sie den Schmerz spĂŒren konnte.
Ob sie noch dran sei, hatte er gerufen: Hallo! Bist Du noch dran! Sag doch auch mal was dazu, so er, und er wolle doch nur, dass sie Bescheid wisse, dass sie wisse, wie die Dinge laufen.
Und sie: Ja, aber es geht da um zwanzig Jahre Ehe, und nicht um DIE DINGE, wie Du sie nennst, und er könne ihr ruhig sagen, dass er mit IHR geht. Du gehst mit IHR, stimmt's? Du gehst mit IHR?
Sie solle es sich doch nicht so schwer machen, habe er dann gesagt: Gabi, bitte, wir haben da schon hundert mal drĂŒber geredet, hat er gesagt, hundert mal. Und dann hĂ€tte er aufgelegt, erzĂ€hlte sie, einfach so aufgelegt.

Ich musste abbiegen. Ich setzte den Blinker, achtete auf den Verkehr, bog ab und schaute noch einmal im Innenspiegel nach hinten. Sie weinte nun nicht mehr; aber ehrlich, es gefiel mir nicht, in diese Verwirrung einbezogen zu werden.
Zweiunddreißig sei seine Neue, erzĂ€hlte sie weiter, Zwei-und-drei-ßig, wobei sie jede Silbe einzeln ausgesprochen hatte, zwanzig Jahre jĂŒnger als er. Und dann seine Scheißehrlichkeit, so sie, seine verdammte Scheiß-ehr-lich-keit; immer so ehrlich, immer alles sagen mĂŒssen, immer alles brĂŒhwarm raus und immer so ein VerstĂ€ndnis fĂŒr alles; sie seinen doch erwachsene Leute, man mĂŒsse doch ĂŒber alles reden können. Scheiß auf erwachsene Leute! Aber das liege nun auch alles schon Monate zurĂŒck, Schnee von gestern, so sie, und kurze Zeit spĂ€ter sei er dann ohnehin ausgezogen.
Ich hörte sie nochmal schniefen.
Und ob ich mir vorstellen könne, wie still und ruhig die große Wohnung seitdem sei, fragte sie mich dann. Still und ruhig, so still und ruhig; und hier machte sie eine Pause und ich ĂŒberlegte, wie ich auf die Frage antworten sollte.
Und sie sei doch eigentlich so ein richtiger Familienmensch, fuhr sie fort, noch bevor ich eine Antwort parat hatte, und dass sie den Trubel um sich doch irgendwie brauche, dass ihr das Essen so allein in dieser großen Wohnung gar nicht richtig schmecke, gar nicht richtig schmecke.
Sie schniefte noch einmal ins Taschentuch.
– Können sie das verstehen?, fragte sie.
– Mh, sagte ich, und schmeißen sie das Tuch dann einfach auf den Boden, sagte ich noch.
– Danke.
– Nicht dafĂŒr.
– Und wissen sie, sagte sie dann, wir sind vor sechs Jahren extra wegen ihm in diese Stadt gekommen. Er hĂ€tte dann bessere Chancen in seinem Job, sagte er damals. Als wenn wir‘s nicht gut gehabt hĂ€tten, zu hause auf dem Land; und nun ruft er an und sagt, dass er von hier wegzieht.
– Ich denke, wir sind gleich da, sagte ich.
– Ja, da vorn um die Ecke, dann das Vierte rechts, sagte sie.
Der Klang ihrer Stimme war nun anders; nicht mehr wie Kellerlicht, eher knisternd und ein wenig nach Zellophan und Trotz und Neuertag.

Ich fuhr an den Bordstein.
– Macht Vierzehnsechzig, Madam.
Sie reichte mir einen Schein nach vorn.
– Stimmt so, sagte sie, denke, es ist besser, wenn Sie das alles gleich wieder vergessen, versprochen?
Ich nickte.
– Und sonst?, fragte ich.
– Was sonst?
– Na ja, Sie kommen zurecht?
– Womit?
– SchlĂŒssel, Treppe?
– Ich denke schon, aber danke, sagte sie, schwankte zur HaustĂŒr, suchte nach dem SchlĂŒssel und ging ins Haus.
Ich wartete bis das Treppenlicht erloschen war.
Ich startete den Motor.
Ich machte den Motor wieder aus.
Ich schaltete das Radio an.
Ich machte das Radio wieder aus.
Und nun?
Weiß nicht genau.
Vielleicht laufen die Dinge in einer anderen Stadt ja anders.
Weiß man erst, wenn man‘s tut, dachte ich, ließ das Fenster runter, zĂŒndete mir eine Zigarette an und schaute die Straße hinunter.

Vom andere Ende der Straße, dort wo ein paar Hecken den Übergang zum Flussufer markieren, kam ein junges PĂ€rchen. Sie schwankten leicht und das MĂ€dchen trug noch eine Flasche in der Hand. Es sah aus, als unterhielten sie sich und manchmal trug der Wind ein helles Lachen zu mir herĂŒber. Plötzlich begann der Junge leichtfĂŒĂŸig von einem Fuß auf den anderen zu tĂ€nzeln, ballte die FĂ€uste, hob sie zum Kinn und schob seinen rechten Fuß nach vorn. Die FĂŒhrhand schnellte ein paar mal in die Nachtluft.
Ich schaute ihm gebannt zu; Rechtsausleger, hatte richtig was los, das BĂŒrschchen.
Er duckte sich ab, flink, scheinbar mĂŒhelos, zeigte noch zweimal die FĂŒhrhand und versetzte der Nacht einen linken Haken, der sich gewaschen hatte.
Das MĂ€dchen zuckte keinen Deut, kicherte los, hob die Hand zum highfiven und umarmte ihren Helden.
Ich schnippte die Kippe aus dem Fenster, startete den Motor und fuhr langsam an ihnen vorbei. Er legte seine Arme um das MĂ€dchen, drĂŒckte sie gegen die Hauswand und kĂŒsste sie; und als ich am Ende der Straße abbog, da konnte ich sehen, dass er sie immer noch kĂŒsste.


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Version vom 26. 03. 2016 08:46
Version vom 26. 03. 2016 10:13
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Version vom 26. 03. 2016 11:29
Version vom 27. 03. 2016 13:56
Version vom 29. 03. 2016 17:00

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Vagant
???
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Werter Hagen,

Vielen Dank fĂŒr Deine Aufmerksamkeit, fĂŒrs Lesen, Kommentieren, fĂŒr die Anregungen.

Ich denke, Du kennst das auch. Da ist so ein verregneter Karfreitag, man öffnet ein neues Dokument, und schon meint man, man könne alles sein; Geburtshelfer, Pilot, Gigolo oder halt ein nĂ€chtlicher Taxler. Schon nach wenigen SĂ€tzen habe ich mir gesagt: Nun mĂŒsste man den Hagen fragen können, der kennt sich wenigstens mit der Materie aus.
Also, ich habe den Anfang nun im Sinne deiner EinwĂ€nde geĂ€ndert; er pickt nun sie auf, wobei ich nun aber leider gleich in der ersten Zeile den Fokus von ER aus SIE verschieben musste, das gefĂ€llt mir erzĂ€hlerisch nicht – aber wenn es denn nun plausibler ist, dann soll es halt so sein.

Andere Sachen möchte ich dann, auch wenn sie nicht plausibel sind, doch aber einfach mal so stehen lassen.
Also der Fahrer wartet halt noch eine ZigarettenlĂ€nge vor der TĂŒr. Es sind ja nur 4 oder 5 Minuten. Er startet den Motor, macht ihn wieder aus, versucht es mit dem Radio, klappt aber auch nicht; irgendwas hat ihn kurzzeitig aus der Verfassung gebracht, etwas, das jedenfalls mit der Geschichte des Fahrgastes in Verbindung zu bringen ist, soviel ist ihm klar, mehr weiß er dann allerdings auch nicht. Vielleicht gleicht er das Gehörte mit seiner RealitĂ€t ab? Vielleicht hatte er auch schon vor, die Stadt zu verlassen? Es könnte auch mit seiner Beziehung zusammenhĂ€ngen, wobei wir aus der Geschichte heraus nichts weiter ĂŒber diesen Taxler erfahren. Wie lebt es? Lebt er allein? Ist er verheiratet? Was treibt ihn so um? – dies bleibt alles in der Schwebe.
Ich hatte da wohl auch immer ein bisschen Jim Jarmuschs Episodenfim 'Night on Earth', sowie die schwebende Offenheit von Raymond Carvers Gechichten im Hinterkopf, habe halt versucht, diesen losen Faden mal mit meinen bescheidenen Mitteln aufzugreifen.
Das mit der PlausibilitĂ€t ist ja auch so eine Sache. Eigentlich beginnt jede Kriminalgeschichte mit einem völlig unplausiblen Vorfall; Mord, Totschlag, EntfĂŒhrung, Erpressung, Familiendrama, usw. – es sind aber genau diese anfangs nicht erklĂ€rbaren VorfĂ€lle, welche zur Geschichte werden. Ich meine damit, dass nicht immer jede Reaktion den RealitĂ€tscheck ĂŒberstehen muss. Erst im Verhalten gegen die Norm zeigt sich ja, dass hier irgendwas nicht so lĂ€uft, wie es laufen sollte.

Die letzte Szene gehört eigentlich auch schon nicht mehr zur erzĂ€hlten Episode, sie dient eigentlich nur dazu, alles wieder in offene Fahrwasser zu steuern. Bleiben wir mal bei Jarmuschs 'night on earth', also da wĂ€ren das vielleicht ein höchsten 20sekĂŒndiges Draufhalten auf das junge Paar, noch 2 oder 3 Schnitte – er fahrt los, Schnitt, biegt ab, Schnitt, schaut nochmal durch Fenster, Schnitt, Kuss, Fade out und die Nacht hat ihn wieder.
Mit der Schattenboxszene wollte ich so ein bisschen diese breitbeinige Was-kostet-die-Welt-AttitĂŒde junger verliebter Vorstadtpaare beschreiben, wollte sagen, dass es das alles gibt, alles zur gleichen Zeit, in der selben Stadt, alles in dieser Nacht – das Scheitern von Beziehungen, den Beginn neuer Beziehungen. Die Welt dreht sich weiter, hat eigentlich nie damit aufgehört, auch wenn es sich fĂŒr manch Einen so anfĂŒhlt, als wĂŒrde sie es hin und wieder tun.
Ich mag die Szene eigentlich ganz gern.

Letztendlich hast Du aber auch ein bisschen Lob versteckt, danke dafĂŒr.

Lg Vagant.


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Hagen
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Tja, mein lieber Vagant,
zunĂ€chst mal vielen, lieben Dank fĂŒr Deine ausfĂŒhrliche Antwort. So was findet man in der LL absolut selten!
Bei Jarmuschs 'night on earth' muss ich leider passen. Im Gegensatz zu Dir lese ich viel zu wenig.
Möglicherweise kommt daher auch das Ding, dass sich mir nicht so recht erschließt, dass der Taxler in der HauptgeschĂ€ftszeit stehen bleibt, an seinem Radio und dem Motor rummacht und raucht. (In Anlehnung des Dirnenspruches: Aus dem Bette aus dem Sinn!, denkt der Taxler normalerweise: Aus dem Taxi, aus dem Sinn!)
Er könnte ebenso gut denken: 'Das war ja mal wieder eine interessante Story! Mal sehen, ob ich bei meiner nĂ€chsten Fahrt wieder mal so was zu hören kriege! Vielleicht schreibe ich mal ein Buch darĂŒber! Aber Scheiß drauf, das macht ja jeder!'
Oder einfach: 'Habe ich meine Herdplatte zuhause eigentlich ausgemacht?'
Oder: 'Wie war das noch gleich? E=MC2? Wenn ich den ollen Einstein nur richtig verstehen wĂŒrde!'
Ich wende in diesen Fall immer den 'Kniff' an, dass sein Boss ihn anfunkt und ihm eine neue Fahrt gibt, Goethestr. sowieso.
Dann kann der Taxler denken: 'Ach Goethe! Ja, das war doch der, der den 'Faust' geschrieben hat! Ein Machwerk, welches total ĂŒberbewertet wird!'
Usw.
Du siehst also; - Wer sich keine Gedanken macht mutiert zum Dumpfmeiser; - wer sich ĂŒber alles Gedanken macht, wird verrĂŒckt.
Ich versuche jedenfalls immer den goldenen Mittelweg zu finden; - und dabei bin ich leider nicht auf Deine GedankengÀnge gekommen.
Sorry!
Aber ansonsten, wie bereits gesagt, nicht nur ein verstecktes Lob fĂŒr diese Geschichte, sondern ein dickes Solches!

Ich hoffe, wir lesen uns weiterhin!

Liebe GrĂŒĂŸe
yours Hagen

______________________________________________
Je dringender man ein Detail fĂŒr eine gute Geschichte braucht, desto schwieriger ist es zu recherchieren; - es sei denn, man hat die Geschichte selbst erlebt.

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Ji Rina
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Guten morgen Vagant!
Ich mag solche Geschichte, die leise vor sich hin plÀtschern und finde, dass Du das sehr gut hinkriegen könntest.

quote:
Ich hatte da wohl auch immer ein bisschen Jim Jarmuschs Episodenfim 'Night on Earth', sowie die schwebende Offenheit von Raymond Carvers Gechichten im Hinterkopf, habe halt versucht, diesen losen Faden mal mit meinen bescheidenen Mitteln aufzugreifen.

Um der Geschichte einen Carvschen Touch zu geben, mĂŒsste man vielleicht ein bisschen mehr ĂŒber den Taxifahrer erfahren. Viel liegt hier auch an der Sprache: Der Taxifahrer ist kein zurĂŒckhaltender, kein in sich gekehrter, sondern ergreift sofort die Initiative, sucht ein nettes GesprĂ€ch, und seiner Wortwahl nach, erscheint er mir ein “gemĂŒtlicher”, ein “netter" zu sein.

quote:
– Ja ja, der Freitag ist der neue Sonntag, sag ich ja immer, und an solchen Abenden mache ich ja gut fĂŒnfzig Prozent meines Umsatzes. Sie waren im U-Boot? Soll ein klasse Laden geworden sein, was man so hört.

quote:
– Kein Ding. Ich denke, Sie mĂŒssen sich einfach mal richtig ausschlafen, morgen sieht die Welt schon ganz anders aus, bestimmt.

quote:
-Ach, kompliziert wird es doch von ganz allein, irgendwann.

Diese Wortwahl (Sprache) ds Taxifahrers lĂ€sst ihn mir als ein extrovertierter, völlig sorgenloser Mann erscheinen. Somit wendet sich meine Aufmerksamkeit von ihm ab und geht hinĂŒber zur Frau. Über sie erfahre ich aber nur, dass ihr Freund sie verlassen hat. Und dann ist sie aus dem Taxi auch schon wieder raus.

ZurĂŒck bleibt der Taxifahrer; noch immer als ein netter, gemĂŒtlicher Kerl. Deshalb kann die Geschichte, mit dem Sinn den Du ihr geben wolltest, fĂŒr mich nicht funktionieren.

quote:
Ich wartete bis das Treppenlicht erloschen war.
Ich startete den Motor.
Ich machte den Motor wieder aus.
Ich schaltete das Radio an.
Ich machte das Radio wieder aus.
Und nun?
Weiß nicht genau.
Vielleicht laufen die Dinge in einer anderen Stadt ja anders.

Warum?
Warum macht er sich diese Gedanken? Und holt nicht einfach sein Butterbrot heraus?
(verstehst Du was ich meine?)

Da ich ĂŒber den Taxi fahrer nichts weiss (es gibt keinerlei Konflikt) können mich diese Endszenen emotional auch nicht mittnehmen.

Ich weiss nicht ob Du etwas damit anfangen kannst, aber dies ist meine ehrliche Meinung. Dein Art zu Schreiben hingegen gefÀllt mir sehr gut!
Mit Sonntagsgruss,
Ji

P.S.: FĂŒr Korrekturen bin ich (leider) nicht zu haben. Aber diese ist mir aufgefallen. Ganz oben: Sie schwankte.

__________________
Der Leser hatÂŽs gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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Lupine
Guest
Registriert: Not Yet

@Vagant, deine Geschichte habe ich sehr gerne gelesen.
Ein Vorschlag, wie man sie hier und so enden lassen könnte:

Ich wartete bis das Treppenlicht erloschen war.
Ich schaltete das Radio an.
Vielleicht laufen die Dinge in einer anderen Stadt ja anders.
Weiß man erst, wenn man‘s tut, dachte ich, ließ das Fenster runter, zĂŒndete mir eine Zigarette an und startete den Motor.

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Vagant
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Erstmal das Einfache.

Werter Hagen.
Ich bin niemand der meint, dass man nun unbedingt dieses oder jenes gelesen oder gesehen haben muss, möchte Dir (als alten Taxler) aber trotzdem mal 'night on earth' ans Herz legen.
Eine Nacht, fĂŒnf StĂ€dte, fĂŒnf Fahrten New York, Paris, Helsinki, Rom, LA. Sountrack: Tom Waits.
Ich hoffe, dass der YouTube-Link hier funktioniert. Ansonsten findest Du ihn sicher auch allein;-)

Hier klicken
Episode Rom, mit einem fantastisch speilfreudigen Roberto Benigni.

viel Spass, wĂŒnscht Vagant.

Hallo Lupine,
wir hatten noch nicht das VergnĂŒgen – deshalb; willkommen auf meinem kleinen, privaten Kanal.
Danke fĂŒrs Lesen und die netten Worte.
Wenn jemand sagt, er hĂ€tte es gern gelesen, dann ist man als Autor!? (sagen wir besser; Verursacher) erst mal erfreut. Wer anders behauptet, der lĂŒgt.
Eins vornweg; Dein Vorschlag fĂŒr ein mögliches Ende ist sicher so denkbar, vielleicht sogar die bessere Lösung.
Ich weiß, dass die Schlussszene nicht der ĂŒblichen Dramatik entspricht. Es fehlt ihr einfach der Bezug zum Text, sie ist dann am Ende vielleicht auch einfach zu eigenstĂ€ndig.
Aber ich möchte mich hier mal selbst zitieren und auf meine Antwort zu Hagen verweisen. FĂŒr mich liegt halt in dieser Szene der eigentliche kathartische Moment.
Allerdings muss ich eingestehen, dass er einfach nicht funktioniert (jedenfalls nicht so, nicht in meiner Intention).
Am Ende ist es ganz einfach; wenn man ES erklÀren muss, taugt ES nichts. Wenn man ES erklÀren muss, dann ist ES einfach schlecht geschrieben. Aber hier nehme ich ja fast schon die Antwort an Ji vorweg (sorry - die kommt dann etwas spÀter).

Lg Vagant



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