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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Vorurteile
Eingestellt am 10. 03. 2015 12:24


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Oleolegua
Hobbydichter
Registriert: Mar 2015

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Man sieht es den Leuten doch an

Sieben Uhr zehn beim BĂ€cker M. in der O-Straße in Ramersdorf. Eine Schlange von Leuten wartet an der Theke. Ein ca. 14-jĂ€hriger, etwas dicklicher Junge mit glĂ€nzenden schwarzen Locken ist dran.

Sicher kein Deutscher, denkt die Schlange. Er zahlt mit einem grĂ¶ĂŸeren Geldschein. Die BĂ€ckersfrau nörgelt, ob er es nicht kleiner habe. Nein, habe er nicht. Er schaut auf die Straße, wo ein großer Mercedes mit laufendem Motor steht. Am Steuer ein korpulenter Mann, ebenfalls mit öligen schwarzen Haaren. Kann der nicht seinen Motor ausmachen? Das machen wir hier in Deutschland so.

Der Junge nimmt sein Wechselgeld und die große BrötchentĂŒte und geht. Ja, so sind sie, diese AuslĂ€nder, von der Sozialhilfe leben und mit dicken Autos rumfahren. Die Ă€ltere Dame vor mir in der Schlange erwartet meine Zustimmung. Ich sage nichts, weil meine eigenen Gedanken schon ein bisschen in die gleiche Richtung gedriftet waren, aber das will ich nicht zugeben.

Der Junge kommt wieder herein, die Geldscheine noch so in der Hand, wie er sie entgegengenommen hatte. Er drĂ€ngelt sich zur Theke vor, hĂ€lt der BĂ€ckersfrau die Scheine hin und sagt: „Sie haben mir falsch rausgegeben.“ Aha, denkt die ganze Schlange, der gute alte Wechselgeldtrick! Zigeuner oder was? Aber nicht mit uns, wir stehen der BĂ€ckersfrau bei, und wenn wir den LĂŒmmel eigenhĂ€ndig verprĂŒgeln mĂŒssen. Und den unsympathischen, fetten Vater draußen in seinem stinkenden Auto gleich mit. Die sollen mal sehen, dass so was bei uns hier nicht lĂ€uft.

„Was soll falsch sein?“ fragt die BĂ€ckersfrau.

Jetzt sind wir gespannt, wie er das anstellt. Er wird sagen, er habe mit einem Hunderter bezahlt aber nur auf einen FĂŒnfziger Wechselgeld herausbekommen.

„Es war alles korrekt“, behauptet ein großer Mann in weißem Overall, „ich hab’s gesehen“. Er bekommt einen dankbaren Blick von der BĂ€ckersfrau.

Die Ă€ltere Dame vor mir schimpft: „Hab ich mir doch gleich gedacht, dass das hier eine BetrĂŒgerbande ist. Geben Sie ihm ja nichts, das ist ein abgekartetes Spiel, hab ich schon mal im Kino gesehen.“

„Papermoon hieß der Film“, denke ich, aber sage es nicht. Ich ĂŒberlege, ob ich den Betrug irgendwie verhindern kann. Die Polizei rufen? Den Burschen einfach festhalten.

„Sieh zu, dass Du Land gewinnst!“ brĂŒllt ein weiterer Mann aus der Schlange. Zustimmendes Gemurmel. Der Junge hĂ€lt seine Hand mit dem Geld unbeirrt der BĂ€ckersfrau entgegen.
„Hast du nicht gehört? Verschwinde!“ Das war wieder der Mann mit dem Overall. „Das könnt ihr in RumĂ€nien machen oder in Albanien, oder wo ihr herkommt, aber nicht hier bei uns, verstanden?“

Der Junge ignoriert ihn. Ziemlich abgebrĂŒht, der Kleine, denke ich noch, dann sagt er:

„Sie haben auf 100 Euro rausgegeben, ich habe aber nur mit einem 50er bezahlt. Nehmen Sie bitte zurĂŒck.“

(Die Geschichte beruht auf einer selbst erlebten Begebenheit)

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DocSchneider
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Hallo Oleolegua, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Deine Geschichte spielt geschickt mit der Erwartungshaltung des Lesers. Man ahnt den Ausgang, aber dass er so krass ist, nicht. GefÀllt mir gut.


Viele GrĂŒĂŸe von DocSchneider

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