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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Willkommen am Flughafen
Eingestellt am 01. 01. 2016 22:04


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onivido
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Sie waren sich mehrmals begegnet. Als Passagiere des Transatlantikflugs, im Museo Naval in Madrid und danach auch im Flugzeug nach MĂĽnchen. Vor dem Einsteigen hatten sie sich ĂĽberrascht flĂĽchtig gegrĂĽsst und ein paar Belanglosigkeiten ausgetauscht. Der Mann war aus Chile, Alexander hiess er.
Martin hasste es in Warteschlangen zu stehen. Nach der Landung des Fliegers in München ging er zunächst auf die Toilette, putzte sich die Zähne, wusch sich das Gesicht, bürstete sein kuzgeschorenes Haar und ging dann im Schneckentempo zur Passkontrolle. Dort traf er Alexander wieder. Er war der einzige Fluggast, der noch am Schalter der Einreisekontrolle stand.
“¿Hablas alemán - sprichst du deutsch?” fragte ihn Alexander.
“Ja! Was gibts?”
“Frag ihn mal was er will.” Er meinte den Beamten hinter dem Schalter, der ihren kuzen Wortwechsel mit gerunzelter Stirn verfolgt hatte.
“Kann ich irgendwie behilflich sein”, fragte Martin, so freudlich es ihm möglich war im Umgang mit einem Polizeibeamten.
“Sprechen Sie chilenisch,” wollte dieser wissen.
“Nein.”
“Aber Sie haben doch gerade mit ihm gesprochen”
“Ja, das schon, aber auf spanisch.”
Mit dieser belehrenden Auskunft hatte Martin das Autoritätsgefühl des Beamten empfindlich gestört.
“Ihren Pass!” Er nahm Martins Pass in Empfang und war offensichtlich entäuscht, als er sah, dass es ein Pass der Europäischen Union war.
“Fragen Sie ihn mal, ob er hier arbeiten will,” sagte er dann.
Martin wiederholte, diese Frage komentarlos auf spanisch
NatĂĽrlich wunderte er sich darĂĽber, wozu der Mann hinter dem Schalter eine derartig unnĂĽtze Frage stellte. Wenn jemand eine Arbeitsgenehmigung hatte, war die Frage belanglos und wenn nicht, wĂĽrde der Befragte sie kaum bejahend beantworten. Daraus folgerte er, dass der Intelligenzquotient des Beamten nicht hoch sein konnte und fragte sich, ob dies nicht Vorausetzung fĂĽr die AusĂĽbung des Berufs eines Polizeibeamten sei.
“Nein”, antwortete der Chilene. “Ich will meine Schwester besuchen.”
Martin ĂĽbersetzte die Antwort. Der Beamte nickte.
“Sagen Sie ihm er soll sein Gepäck abholen.”
Noch mal gut gegangen, dachte Martin, jedoch hatte er sich getäuscht. Der Polizist verliess den Schalter und folgte ihnen zur Gepäckausgabe.
Die Koffer Martins und Alexanders waren die einzigen am Rand des Bands, das schon nicht mehr lief. Die beiden fassten ihr Gepäck und wollten zur Zollkontrolle..
“Halt!”stopte ihr amtlicher Begleiter den Chilenen.”Mitkommen!”
Zu Martin gewandt befahl er.
“Sagen Sie ihm, er soll mitkommen!”
Befremdet ĂĽbersetzte Martin. Als er sich anschickte die beiden zu begleiten, fuhr ihn der Polizist an;
“Sind Sie verwandt mit ihm?”
“Nein”
“Dann können Sie nicht mitkommen!”
“Er lässt mich nicht mitkommen”, erklärte Martin seinem neuen Freund.
“Meine Schwester wartet auf mich. Sie ist nicht besonders gross, sieht mir ähnlich. Sie heisst Elena. Wenn du sie sehen solltest, sage ihr was hier passiert.”
“Darauf kannst du dich verlassen”.
Martin glaubte nicht, dass er die Frau in der Menschenmenge am Ausgang mit dieser kümmerlichen Beschreibung ausfindig machen könnte, aber er wollte Alexander nicht die Hoffnung nehmen.
Doch kaum war er durch die automatische Glastür des Ausgangs gekommen, als er auch schon eine Frau sah, auf die diese Beschreibung zu passen schien, eine lateinamerikanische Schönheit. Sie stand an der Seite eines Hünen in bayrischer Trachtenjoppe, der ein Kind auf dem Arm trug.
“Señora, está esperando a su hermano - warten Sie vielleicht auf ihren Bruder”, fragte Martin.
“Ja! Was ist los?” kam die besorgte Antwort.
Martin wandte sich an ihren Begleiter.
“Die Polizei lässt Ihren Schwager nicht raus”, erklärte er ihm.
Der Mann runzelte die Stirn. Dann legte er das Kind wortlos in die Arme seiner Frau, ging mit Riesenschritten auf die Tür mit der Aufschrift Ausgang zu, krallte seine Finger zwischen die Kanten der Glastür, die gerade einen Reisenden durchgelassen hatte. Mit schierer Muskelkraft hielt er sie offen und steuerte in Richtung eines der Glaskästen in denen sich die Beamten ihren aufopferden Tätigkeiten widmeten.
Martin hielt es fĂĽr besser nicht mit den Ergebnissen dieser Aktion in Verbindung gebracht zu werden, Er verabschiedete sich von Elena und verliess den Ort an dem ein uriger Bayer einen Aufstand gegen die Obrigkeit begonnen hatte.


Version vom 01. 01. 2016 22:04

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aligaga
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Sorry, @onivido,

aber bei dem G'schichterl sind gleich mehr als nur ein paar WĂĽrmchen drin.

Schon die Einleitung kränkelt an der ebenso umständlichen wie unklaren Beschreibung, ob sich der Chilene und das spanischkundige Lytrich nun "kennen" oder nicht.

Nach dreimaligem Lesen und heftigem Grübweln kommt man zu dem Schluss, sie "kennten" sich nicht, sondern seien sich erst während zweier Flüge anonym über den Weg gelaufen.

Damit wird die Frage "Sprichst du Deutsch" zwar plausibel, Unplausibel aber die Duzerei von Beginn an - es handelt sich ja um "Männer", nicht um Buberln, und sie kennen sich ja gar nicht wirklich. Wenn jetzt kommt, dass es in Chile üblich wäre, sich zu duzen, dann sei darauf verwiesen, dass es sich um einen deutschen Text handelt, der von Deutschen gelesen wird. Er muss also für den deutschen Leser die Duzerei plausibel sein, sonst kommt der ins Grübeln.

Dass das Lyrich auf die unhöfliche Aufforderung “Frag ihn mal was er will” so bemüht anspringt, obwohl er später sofort das Weite sucht, als es Komplikationen gibt, ist wenig glaubhaft, und das plumpe Klischee, das danach von dem Polizisten gezeichnet wird, zieht den Text weiter herunter. Dass es eine "Chilenische Sprache" nicht gibt, muss doch gar nicht erklärt werden. Aus seiner Situation hat der Beamte die richtige Frage gestellt, und der Befragte ist ihm klar erkennbar arrogant gekommen. Das verstimmt jeden Fragesteller, ganz unabhängig davon, ob er verbeamtet ist oder nicht.

Dann weiter: “Fragen Sie ihn mal, ob er hier arbeiten will” würde ein deutscher Beamter an dieser Stelle niemals über die Lippen bringen, denn er würde und dürfte sich bei einer Amtshandlung nie eines fremden, nicht akkreditierten Übersetzers bedienen - der könnte ja sonstwas behaupten oder falsch übersetzen. Die Frage nach dem Zweck des Aufenthaltes ist eine vorgeschriebene, die nach der ggf. angestrebten Arbeitserlaubnis ebenfalls.

Die Frage “Sind Sie verwandt mit ihm?” stimmt heiter. Bei der Kontrolle oder der Vernehmnung einer einreisenden Person, von der man ja wegen der vorangegangenen Passkontrollen bereits weiß, dass sie nicht direkt mit dem "Dolmetscher" verwandt sein kann, holt man sich nie fremde Dritte ins "Behandlungszimmer". Das weiß doch eigentlich jeder.

Vollkommen im "Fantasy-Bereich sind wir dann, wo der krachlederne Himbeer-Toni vom Besucherbereich her ungehindert die automatische Auslass-TĂĽr zum Passagierbereich aufstemmt.

Zumindest am Münchner Flughafen ist das nicht möglich. Zum einen müsste er dazu ja zwei Sperren überwinden, zum anderen ist der Auslass immer mit zwei bewaffneten Beamten bewacht, die ihn bereits im Vorfeld plattmachen würden.

Bitte jetzt nicht mit "das habe ich alles aber selbst so erlebt, es ist so und nicht anders gewesen" kommen, @onivido.

Mag ja sein, dass an einem Ort dieser Welt so viele kuriose Zufälle auf einmal zusammengekommen sind und ein "Schriftsteller" gleich mit dabei gewesen wäre. Dann solllte die Geschichte aber nicht in der "So blöd und fremdenfeindlich sind sie nun mal, die Münchner Beamten, und so gescheit und weltoffen ist das Lyrich, das dabei stand"-Rubrik gespeichert, sondern im "Stellt euch mal vor, was alles in MUC möglich sein kann"-Bereich, also in "Fantasy und Märchen".

Oder im "Tagebuch".

Da kämen dann keine solchen Kommentare wie dieser.

Heiter

aligaga



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onivido
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Auch sorry @aligaga. Da habe ich also den Scharfsinn der Leser ueberschaetzt. Sorry, auch weil ich sogar den Schwager Alexanders gedutzt habe. Das ist zuviel des Guten. Dass sich aber zwei latainamerikanische Twens auf einer Reise siezen ist nicht sehr wahrscheinlich. Da soll sich ein deutscher Leser daran gewoehnen.
Die Sache mit dem Tueraufhalten ist gar nicht so schwer. Der Toni stemmt die Tuer nicht auf sondern er haelt sie offen. Sobald ein Sensor beim Schliessen der Tuer eine Gegenstand feststellt, muss der Vorgang eingestellt werden. Die Tuer koennte ja eine aeltere Dame einklemmen. Und zu der Tuer selbst: Das Gschichterl ist aus der Zeit des Riemer Flughafens.
Bezueglich des Verhaltens des Beamten wirst du wahrscheinlich erwarten, dass ich deinen Einwaenden das so verrufene “genauso wars” entgegenhalte. Aber nein, das goenne ich dir nicht. Ich halte mich im Zaun. Statt dessen stelle ich eine Geschichte ein, die es nie ins Forum geschafft haette, wenn ich deine Belehrungen zu Gunsten des Beamten nicht gelesen haette. Aber jetzt muss es sein. In dieser Geschichte ist das Verhalten des Beamten am Einreiseschalter noch grotesker. Unglaublich aber wahr.
Gruesse///Onivido

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