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Leselupe.de > Humor und Satire
Wir Cineasten
Eingestellt am 22. 07. 2002 17:12


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birdy
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Vor einiger Zeit wurden im Radio nach der Premierengala von „Spiderman“ Prominente und solche die es werden wollen ├╝ber ihre Meinung zum Film befragt. Einer Nachwuchsactrice, die anscheinend unter verbaler Inkontinenz litt, entkam: „Ist sicherlich technisch sehr gut gemacht, aber nach einer haben Stunde hat man sofort gewu├čt – das kann┬┤s ja nicht geben, das ist nicht realistisch.“ ............???!!!!.............
Liebe junge Dame, deren Namen ich leider vergessen habe, Sie haben v├Âllig recht! Spiderman hat┬┤s nicht gegeben, gibt’s nicht, wird es auch nie geben. Ein Mann, der sich an einem Spinnennetz von H├Ąuserfront zu H├Ąuserfront hantelt ist in h├Âchstem Ma├če unrealistisch und da├č er W├Ąnde hochlaufen kann, mu├č irgendwie ein Trick gewesen sein. Und auch seinen Gegenspieler, „The green Goblin“ gibt es glaube ich nicht. Sie sind, wie ich und viele andere Menschen auch, Hollywood wieder einmal auf den Leim gegangen. Alle, die wir einen Dokumentarfilm ├╝ber das Leben der Spinnenm├Ąnnchen erwartet haben, wurden wieder einmal mit einem Unterhaltungsfilm erster G├╝te entt├Ąuscht. Was h├Ątte doch ein nurnichtamerikanischer Regisseur aus diesem Thema machen k├Ânnen.
Ich nehme an, da├č Sie wie ich den franz├Âsischen Autorenfilm bevorzugen. Keine Tricks, keine Klischees, keine bombastische Filmmusik in THX........nur Realit├Ąt. Ungeschminkt, echt, authentisch und – Untertitel.
Diese ganzen technischen Kinkerlitzchen sind in den Programmkinos, in denen diese Filme laufen, auch gar nicht notwendig. Das sind meistens widmungswidrig verwendete ehemalige Sexkinos, an deren Sitzpolsterung die Spuren ihrer lasterhaften Vergangenheit noch zu erkennen sind. Man wei├č jedenfalls nicht genau, ob es ein Limonadefleck ist, dem man den zutritt auf seinen Ellbogen verwehrt.
Vorspann....
Der vor Liebeskummer vor sich hin leidende wartet auf den Anruf seiner Geliebten, raucht eine Zigarette nach der anderen, man sieht wie der Aschenbecher immer voller wird. Der Schmerz in seinem Gesicht – authentisch. Das Brennen in seiner Lunge – real. Nach neunzig Minuten l├Ąutet endlich das Telefon.
......Abspann.
Ein offenes Ende, von uns Cineasten besonders beliebt, da man in Podiumsdiskussionen den Spannungsbogen intellektuell vervollst├Ąndigen ( hat sie angerufen, weil sie ihr Mann umbringen will; hat ihr Mann angerufen, weil er sie umgebracht hat; will sie die Beziehung beenden, weil sie jetzt was mit der Freundin ihres Mannes anfangen will; ist es doch nur sein Lungenfacharzt, der ihm die Diagnose Krebs mitteilen will etc.) und eventuell noch eine hei├če Studentin der Theaterwissenschaften abschleppen kann.
Falls dem Filmgourmet in diesem Genre das Wahre, das Reine des Filmschaffens noch zu verf├Ąlscht dargestellt wird, sind ihm die Filme nach Dogma 95-Prinzipien ans Herz gelegt. Handkamera, kein k├╝nstliches Licht, keine Kost├╝me, nur Privatkleidung ist erlaubt. Wenn Filmmusik, dann nur, wenn einer der Protagonisten ein Radio einschaltet. Als Darsteller maximal Schauspielsch├╝ler, besser noch Laien aus einem bolivianischen Andenhochplateau.
In Lars von Triers „Idioten“ schockiert eine Gruppe von jungen Leuten seine Umwelt, indem sie vorgeben, geistig Behindert zu sein, sobald sie in der ├ľffentlichkeit auftreten. In diesem Film wird viel geweint, geschrien, gestritten (schockierend). Da alles echt sein mu├č, wird auch „echt“ kopuliert (innovativ). Und sollte sich ihr Psychotherapeut schon dar├╝ber beschwert haben, da├č sie immer unregelm├Ą├čiger zu den Sitzungen kommen, da es ihnen nach ihrem subjektiven Empfinden immer besser geht – er wird nach diesem Film wieder viel Freude mit ihnen haben.
Wie will ein Hollywood Blockbuster, der einem nur mit dem trivialen Gef├╝hl, gut unterhalten worden zu sein, zur├╝ckl├Ą├čt, mit einem Lars von Trier Kammerspiel, das uns eine ordentliche Depression mit auf den Weg gibt, intellektuell mithalten k├Ânnen?
Selbst Produktionen, die vordergr├╝ndig anspruchsvoll erscheinen, sind bei genauerer Analyse einfach nur Gef├╝hlskino.
„Herr der Gezeiten“(mit N. Nolte, B. Streisand), bei dem noch kein Tempo das versprechen der Rei├čfestigkeit wirklich einl├Âsen konnte, entl├Ą├čt uns mit einem indifferenten „die Welt ist gut“.
„Zeit des Erwachens“ (mit R. de Niro, R. Williams), ein Grund f├╝r viele Kinogeher, sich die Tr├Ąnendr├╝sen operativ entfernen zu lassen, will uns Glauben machen, da├č nicht alle ├ärzte den hippokratischen Eid auf ihren Zweitferrari geleistet haben.
In „Glauben ist alles“ (mit B. Stiller, E. Norton) wurde ein spirituelles Thema zu einer Screwball Comedy deformiert, da├č selbst Misanthropen aufgrund des Gesichtsmuskelkrampfes tagelang zu lachen schienen. Geht man denn ins Kino, um andere Menschen lachen zu sehen? Das k├Ânnen wir sowieso jeden Tag erleben, wenn wir unseren Boss um eine Gehaltserh├Âhung fragen.
Die Liste solcher Filme, die grunds├Ątzlich das Potenzial h├Ątten, Meisterwerke sein zu k├Ânnen, lie├če sich beliebig lange fortsetzen. Ein wahrer Meister des Regiefachs l├Ą├čt in seinem Publikum keinen Zweifel aufkommen, da├č „nachdenklich aussehen“ die erstrebenswerteste Daseinsform menschlichen Lebens ist.
H├Ątte Steven Spielberg seinen E.T. nicht nach Hause telefonieren, sondern ihn seine Wirtsfamilie in langen Gespr├Ąchen von der Nutzlosigkeit ihres Lebens ├╝berzeugen lassen und sie so in den kollektiven Selbstmord durch ├╝berm├Ą├čiges Wassertrinken getrieben, nachdem er zuerst die kleine Tochter gesch├Ąndet h├Ątte, w├Ąre auch aus ihm ein wirklich gro├čer Regisseur geworden. H├Ątte er die Figur des E.T. angelegt als eine Parabel auf das ewig Fremde des Menschen in sich, die Sicherheit des Ich zur├╝ckgeworfen auf das Vielleicht des Universums, das konzentrisch um die Frage kreist: „Kann ich denn ├╝berhaupt und wenn nein warum?“, dann h├Ątte sich zwar keine Sau diesen Film angesehen, aber die Welt w├Ąre um einen Kultregisseur reicher gewesen.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
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Hallo birdy,

vielen lieben Dank f├╝r diesen Text


Gru├č
Gabi

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birdy
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Hallo Gabi !

Es war mir Freude und Bed├╝rfniss

Liebe Gr├╝├če
birdy

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Stoffel
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N'abend,
super geschrieben!

Ich freue mich schon auf "Spiderman",denn ich liebe gute Special Effects.
Ausserdem kann ein Film von Kritikern total verrissen werden,ich geh selbst stets rein und bilde mir ein Urteil dar├╝ber.

Stoffel

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber-/r Birdy,

ich liebe solche Texte, vor allem, wenn das Wort "authentisch" in der Weise benutzt wird, wie hier.
Du kriegst eine gute Bewertung.
Bitte noch diesen Patzer verbessern, der mir aufgefallen ist:
Einer Nachwuchsactirce
Nachwuchsactrice, Du hattest i und r vertauscht, weshalb ich die ganze Zeit versucht: Nachwuchssatire zu lesen

Lieben Gruss
Elsa

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birdy
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Bedanke mich f├╝r euer Lob !

@ Stoffel


Aber bitte mich nicht falsch zu verstehen. Ob special effects oder nicht ist f├╝r mich nicht so relevant. Wenn mich die Story ber├╝hrt, ob so oder so, ist ein Film f├╝r mich gut. Ich m├Âchte jedenfalls lachen oder weinen und kein gro├čes Fragezeichen ├╝ber meinem Kopf schweben haben.

@ Elsa

Ja, bl├Âder Fehler! Das liegt nur daran, da├č ich die Sachen nicht mehr lese, wenn ich sie geschrieben habe. Ist wie bei einer Geburt - rausgekommen, fertig, wie┬┤s ist so ist┬┤s.
Versuche mich zu bessern.

Liebe Gr├╝├če an alle
birdy

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