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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Zeig mal
Eingestellt am 01. 12. 2002 09:02


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ariane ├╝berall
???
Registriert: Nov 2002

Werke: 2
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Zeig mal

Durch die B├╝sche hindurch konnte er sie sehen: drei K├Âpfe. Einer blond, einer braun, der andere beinahe schwarz. Mehr oder weniger langes Haar, hier gelockt, dort glatt, mal mit Spangen, mal ohne... Sie bewegten sich – nickten, drehten sich hin und her. Zuzeiten tauchte ein Kopf nach unten ab, dann wieder auf. Die Sonne gl├Ąnzte abwechselnd auf dem braunen und dem schwarzbraunen Haar, der Blondschopf erinnerte ein wenig an sonnengebleichtes Stroh.

Wissend, dass sie ihn nicht h├Âren konnten, ging er weiter. Innerlich pries er den Regen der letzten Wochen der daf├╝r gesorgt hatte, dass in diesem Fr├╝hsommer alles ├╝ppig spross. Eine gr├╝ne Explosion, die ihm willkommene Deckung verschaffte. Sein Blickfeld erweiterte sich: Schmale Schultern, d├╝nne kindliche Arme waren zu sehen, hin und wieder eine rosige Wange, wenn ein Kopf sich drehte. Sie kehrten ihm weiterhin den R├╝cken zu, vermittelten den Eindruck emsiger Versunkenheit. Die drei schienen nichts wahrzunehmen au├čer den Gegenst├Ąnden die sie in H├Ąnden drehten, verglichen, weglegten, wieder aufnahmen und erneut verglichen.
Aber was sie taten interessierte ihn nicht. Er verschwendete keinen Gedanken daran. Seine Erregung wuchs als er sich n├Ąher heran schob, vorsichtig pirschend – ein J├Ąger, der das Wild ersp├Ąht hat und nun auf den richtigen Moment zum Schuss lauert.

Er f├╝hlte sich ├╝berrannt von Bildern die auf ihn einst├╝rmten w├Ąhrend er wartete: Wie es sein w├╝rde, zwischen sie zu treten, ihr Erschrecken zu genie├čen, wenn sie ihn sahen. IHN sahen. Aufgerissene Augen und M├╝nder, spitze Schreie, der Ausdruck von Schock und Ekel auf Gesichtern, die eben noch ruhig und unber├╝hrt gewesen waren - ER w├╝rde sie ber├╝hren!

Er bemerkte sein zunehmendes Zittern, roch seinen eigenen s├Ąuerlichen Schwei├č und fragte sich vage, ob sie ihn wohl ebenfalls riechen konnten. Aber er war noch zu weit entfernt, h├Ârte nur hin und wieder ihr Murmeln oder ein einzelnes zusammenhangloses Wort, wenn eine der drei f├╝r einen Moment die Stimme erhob.

Vorsichtig, nur langsam, ermahnte er sich; riss sich zusammen, ballte die F├Ąuste um das Beben zu unterdr├╝cken und setzte sachte einen Fu├č vor den anderen. Das Blattwerk w├╝rde ihm weiter problemlos Schutz bieten bis er dicht an sie herangekommen war. Er durfte nur kein Ger├Ąusch verursachen – leise, nur leise… Erschrocken zuckte er zur├╝ck. Beinahe w├Ąre er auf einen trockenen Ast getreten. Nur knapp hatte er die Bewegung noch stoppen k├Ânnen, als er die Rundung des Holzes unter seiner Sohle sp├╝rte. Sein Herz schlug bis zum Hals, Schwei├č lief ihm von der Stirn herab und brannte in den Augen. Er wischte ihn mit dem ├ärmel weg, vorsichtig bem├╝ht, nur ja keinen Zweig zu streifen.

Es musste einfach klappen. Beinahe ein Monat war vergangen, seit seinem letzten Coup (so nannte er es, wenn alles zu seiner Zufriedenheit gelaufen und die Anspannung verflogen war; wenn ihn dieses ganz bestimmte, wohlige Gef├╝hl erf├╝llte, das einige Zeit anhalten w├╝rde – wenn auch nicht f├╝r lange). Schon zweimal war er losgezogen. Aber trotz vielversprechender Gelegenheiten hatte er die Aktionen unverrichteter Dinge abbrechen m├╝ssen. Der Druck in ihm war in den letzten Tagen aufs beinahe unertr├Ągliche angestiegen.

Nun fehlte nicht mehr viel und er war bei ihnen – ganz nahe.
Weil sie abgewandt sa├čen konnte er noch immer nicht verstehen, wor├╝ber sie sprachen. Aber er h├Ârte ohnehin nicht zu, war gefangen von der sich verdichtenden Atmosph├Ąre, hatte das Gef├╝hl, die Luft um ihn herum k├Ânnte jeden Moment in Flammen aufgehen.
Eines der M├Ądchen hob pl├Âtzlich die Schultern, als w├╝rde sie ein Fr├Âsteln unterdr├╝cken. Doch sie drehte sich nicht um.

Angesichts der Konzentration der drei, bereitete ihm die Vorstellung diese zu sprengen, machtvoll hineinzuplatzen, ein angenehmes Prickeln, das im R├╝ckgrat begonnen hatte und ihn nun beinahe ganz erf├╝llte. Er leckte sich ├╝ber die ausgetrockneten Lippen, atmete zitternd durch, vorsichtig, um kein Ger├Ąusch zu verursachen. Erst musste er noch ein wenig n├Ąher herankommen, nur noch ein wenig…

Und dann war es soweit. Alle seine Muskeln spannten sich. Nur mit M├╝he konnte er die Finger bewegen um den mittleren Knopf des Mantels zu ├Âffnen, den er trotz der Hitze trug. Steifbeinig trat er hinter dem Strauch hervor und r├Ąusperte sich, beide H├Ąnde tief in den Manteltaschen vergraben.

Die M├Ądchen hoben die K├Âpfe, wandten sich im zu, sahen ihn an. Der gro├če Moment war gekommen.
"Seht nur her, meine Kleinen", kr├Ąchzte er beinahe stimmlos und riss den Mantel auf, gl├╝hend in Erwartung dessen was nun kommen musste.

Und sie sahen ihn an – sahen IHN an. Schweigen. Erstarrung.

Der Moment, wo die drei Augenpaare - ein blaues, ein graugr├╝nes und ein dunkelbraunes - sich ├╝berrascht geweitet hatten ging vor├╝ber. Ein anderer Ausdruck trat in ihre Gesichter: eine Art fachkundiges Interesse breitete sich dort aus. Kleine H├Ąnde griffen unisono in Schachteln, bunte kleine P├Ąckchen wurden herausgenommen. Eine durchdringend glockenhelle Stimme fragte "hat er 52 oder 54 mm im Umfang?" Eine andere, tiefere mit leicht s├╝dl├Ąndischem Akzent sagte "diesen hier hab ich doppelt, es steht leider kein Ma├č drauf – k├Ânnten Sie ihn bitte mal probieren?" setzte sie in h├Âflichem Ton hinzu.

Das Gef├╝hl war unbeschreiblich. Einfach nicht zu fassen. Der Ausdruck 'eine Welt bricht zusammen' mochte es noch am ehesten treffen. Doch das dachte er nicht. Er konnte nicht denken. Der Exibitionist raffte seinen Mantel um sich und entfloh ohne ein Wort in das sch├╝tzende Gr├╝n.

"Wie doof", lies sich eine dritte Stimme vernehmen. "Ich hab auch noch so viele wo die Gr├Â├če nicht draufsteht und mein Bruder hat gesagt, er probiert sie nur noch an wenn ich ihm welche von denen abgebe, die im Dunkeln leuchten." Einen Moment lang blickten die M├Ądchen noch auf die Stelle im Geb├╝sch, wo zitternde Bl├Ątter vom eiligen Verschwinden des Mannes zeugten. Dann wandten sie sich wieder ihrer Sammlung zu.

__________________
a├╝

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
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hallo ariane ├╝berall,

sag mir mal, warum deine geschichte so eine komische wirkung auf mich hat: ich finde sie gut formuliert, spannungsaufbau okay, auch wenn man schon fr├╝h wei├č, welche passion dein protagonist hat, ins auge stechende fehler habe ich auf die schnelle nicht gefunden. aaaaber: meine hand z├Âgert, sobald ich bewerten will. vielleicht bin ich auch nur ein verklemmtes arschloch, aber ich finde das thema und die erfolgte umsetzung "komisch"; ich bin sehr gespannt, was andere dazu schreiben. m├Âglicherweise ist es auch, f├╝r mich, kein kurzgeschichtenthema.
ansonsten gef├Ąllt mir dein schreibstil, vor allem die intensive auseinandersetzung mit dem innenleben deiner hauptfigur.

gru├č

rainer

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Ich habe nichts dagegen, eine Mi├čbrauchs- oder "Bel├Ąstigungs"-Geschichte aus der T├Ątersicht zu lesen - das hatten wir hier ja schon mal -, aber der Dreh zum Slapstick am Ende st├Ârt mich. Wohlgemerkt, die kondomsammelnden M├Ądchen finde ich wirklich lustig, aber mir gef├Ąllt die Verkn├╝pfung dieser beiden Motive nicht, daf├╝r ist mir das Hauptthema zu ernst.

Tja, Rainer, da sind wir schon zwei Verklemmte hier...

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Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Keine Sorge, ich bin nicht so verklemmt, ich verwende gerne Tabu-Themen... Tja Rainer, Zefira, es steht jetzt 1:2

Zuerst wunderte ich mich ein bisschen, warum der Typ es gleich bei drei M├Ądchen versucht... war das nicht viel zu gef├Ąhrlich? Aber da er Exibitionist ist, z├Ąhlt ja, je mehr desto besser, oder? Dein Stil gefiel mir ausgesprochen gut, w├Ąr mal sch├Ân einen Krimi von dir zu lesen...
Ansonsten, dass mit dem Slapstick, da mu├č ich Zeder recht geben.

Gru├č Phantom

PS: Apropos, ich war der, der auch mal so eine Story geliefert hat, hat nat├╝rlich viel Aufregung hervorgerufen. Wenn du willst kannst du sie dir ja mal anschauen, klick einfach unten auf den Link, wenn du Lust hast...

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
Kommentare: 289
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.....

Ganz ordentlich geschrieben, finde ich auch. Die Wendung aber ist zu krass. Exhibitionisten gelten als vergleichsweise harmlose Bel├Ąstiger, weil sie so gut wie nie handgreiflich werden (bei ihren Opfern); ein Gef├╝hl des Widerwillens und der Abwehr erzeugen sie doch.

Ich w├╝rde die Wendung abmildern und die kessen M├Ądels ein energisches "verpiss dich" ausrufen lassen und sie, nach seinem Abzug, dar├╝ber diskutieren lassen, ob es nun 52 oder 54 Millimeter waren.


Gr├╝├člinge
itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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Zeder
Administrator
Fast-Bestseller-Autor

Registriert: Nov 2001

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quote:
Und sie sahen ihn an ÔÇô sahen IHN an. Schweigen. Erstarrung.

Der Moment, wo die drei Augenpaare - ein blaues, ein graugr├╝nes und ein dunkelbraunes - sich ├╝berrascht geweitet hatten ging vor├╝ber. Ein anderer Ausdruck trat in ihre Gesichter: eine Art fachkundiges Interesse breitete sich dort aus. Kleine H├Ąnde griffen unisono in Schachteln, bunte kleine P├Ąckchen wurden herausgenommen. Eine durchdringend glockenhelle Stimme fragte "hat er 52 oder 54 mm im Umfang?" Eine andere, tiefere mit leicht s├╝dl├Ąndischem Akzent sagte "diesen hier hab ich doppelt, es steht leider kein Ma├č drauf ÔÇô k├Ânnten Sie ihn bitte mal probieren?" setzte sie in h├Âflichem Ton hinzu.

Hallo ariane ├╝berall,

(und hallo phantom, ich bin Zeder, es war Zefira mit dem Slapstick),

mir kommt es so vor, als h├Ątten die drei bereits auf den Mann gewartet. Eher noch, als sei dies nicht ihre erste Begegnung mit einem Exhibitionisten gewesen. Umso eher: Slapstick. Das "fachkundige Interesse" spricht unbedingt daf├╝r.

Somit finde ich, dass der Text, so wie er geschrieben ist, "passt". Nichts anderes w├╝rde ich in einem Film dieses Genres erwarten.

Gut gemacht!

Gru├č,
__________________
"Die Ceder ist ein hoher Baum, oft schmeckt man die Citrone kaum" (Wilhelm Busch)

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