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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
ich schrieb ihr
Eingestellt am 25. 10. 2008 00:35


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OlafMietender
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ich schrieb ihr

ein liebesgedicht
. alle
gedichte sind männlich und deine
unterschwellige aggression
geht mir auf meine
eierstöcke. also verpiss
dich und vergiss
mich. sie zerriss
es (das gedicht): meine empfindsamkeit
trat sie als√ī mit f√ľ√üen. warum blo√ü?

lyrik ist schließlich
kein kino! schrie sie
mir, als ich schon dabei war,
mich still zu verpissen,
noch nach ...

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Version vom 25. 10. 2008 00:35

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penelope
Guest
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lieber olaf mietender,

bei olm hört sich das so lustig an, passt, wenn er als alte schrulle sagt: "das geht mir auf die eierstöcke"... aber in einem gedicht? ich weiß nicht, vielleicht bin ich auch zu altmodisch: doch: warum ich eigentlich schreibe: weil hier so großes potential da ist: surrealismus: realismus: neues, ideenreich: vor allem eine geniale alliterationsgabe: also vergiss/es und verpiss/dich. sie zerriss/es.
wow! mehr brauche ich dazu nicht sagen: oder vielleicht noch das: ein gedicht ist (manchmal) schnell geschrieben, aber dieses gef√ľhl entsteht nicht bei deinem gedicht... ich kenne das sehr gut: die qualen, wenn etwas entstehen soll: n√§mlich: w√§hrend man etwas schreibt, vergeht die zeit im flug, ich habe h√§ufig das gef√ľhl, beim arbeiten an gedichten sind nervenenden oder relais-stationen des gehirns miteinander verbunden, die im alltagsleben taub bleiben oder besser gesagt: nie aktiviert werden. ein funken setzt eine wortfolge in brand, beginnt man nicht sogleich daran zu arbeiten, zu notieren und zu montieren, ist die sache auf immer verloren. das m√∂gliche gedicht ist nicht zu rekonstruieren, denn die arbeit geschieht im vertrauen auf den impuls, in reaktion auf den impuls. was geschieht, wenn man die unmittelbarkeit des impulses nicht umsetzt? es ist, als ob das material verderben w√ľrde, als h√§tte es im ged√§chtnis einen haltbarkeitsstempel. tats√§chlich geht es ja nicht um die ged√§chtnisleistung, etwas eben gefundenes festzuhalten, es geht um eine strukturierte energie, eine strahlkraft, deren richtung und gewalt noch nicht feststeht, wenn sie eintritt. es geht rundheraus gesagt um eine mobilisierung. joseph brodsky hat in seiner nobelpreisrede ein spezifisches gl√ľcksgef√ľhl wahrhaft beschreiben k√∂nnen: dies setze ich hier als endpunkt, denn dein gedicht ist ein echtes gedicht: "jemand, der ein gedicht schreibt, tut dies vor allem, weil das schreiben von gedichten den geist, das denken und erfassen des universums auf au√üerordentliche weise beschleunigt. wer diese erfahrung einmal am eigenen leib erlebt hat, ist nicht l√§nger in der lage, auf die chance einer wiederholung dieses erlebnisses zu verzichten: er wird abh√§ngig von diesem schaffensproze√ü, so wie andere abh√§ngig werden von drogen und alkohol. wer in dieser weise abh√§ngig ist von der sprache, ist das, was man einen dichter zu nennen pflegt."

in diesem sinne

lg penelope

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OlafMietender
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nun, meine damen, vielen dank f√ľr die zuschriften.

@penelope - brodsky zu zitieren, kann nie ganz falsch sein (auch hilsenrath √ľbrigens ist ein autor, den man weitgehend ohne sorge um das eigene bildungsrenomme im munde f√ľhren kann), aber ich habe nicht wirklich begriffen, was du mir mitteilen wolltest.

@mirami - könntest du noch etwas genauer spezifizieren, WARUM dir die eine version besser gefällt als die andere?
(ich bin mit beiden nicht zufrieden.)

@Heidrun - hoffe, du bist auch ein wenig erfreut, mich inspiriert zu haben. ich freue mich jedenfalls immer, inspiriert zu werden.
(√ľbrigens bin ich mir nicht ganz sicher, ob dir klar ist, dass man in der lyrik grunds√§tzlich trennen sollte zwischen autor und lyrischem ich ... ein grundgesetz bei der ann√§herung an gedichte ... was ich damit sagen will: ich bin hier der autor, nur der autor. das lyrische ich ist "ein ganz anderer" ...)

mit sonnt√§glichen gr√ľ√üen an alle: OM.

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HerbertH
???
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mir gefällt die erste Version auch besser. Erlaube mir ein Urteil auch ohne Eierstöcke...

Ansonsten gefiele mir "die Eierst√∂cke" besser als "meine Eierst√∂cke", die √Ąnderung w√ľrde bei mir eher "wirkliche Sprache" assoziieren.

LG

Herbert
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Walther
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Guten Tag in die Runde,

den obigen Beitrag halte ich nicht f√ľr Lyrik und auch nicht f√ľr experimentell. So sieht er ohne Zeilenumbr√ľche und anderen Firlefanz aus:

quote:
Ich schrieb ihr ein Liebesgedicht. "Alle Gedichte sind männlich, und deine unterschwellige Aggression geht mir auf meine Eierstöcke. Also verpiss dich und vergiss mich."
Sie zerriss es (das gedicht): Meine empfindsamkeit trat sie also mit F√ľ√üen. Warum blo√ü?
"Lyrik ist schließlich kein Kino!" schrie sie mir, als ich schon dabei war, mich still zu verpissen, noch nach ...
Dieser Text sagt allerdings eine Menge √ľber den Autor aus, wenn man ihn in Verbindung zu dessen sonstigen Einlassungen bringt.

Und nat√ľrlich sind Gedichte Kino, und zwar Gedankenkino. Wenn sie gut sind, sogar gro√ües.

Dieser Text ist allerdings eine absolute k√ľnstlerische und inhaltliche Leermenge. Ich rate immer wieder, das Einfache zu tun, wenn man Texte analysiert, und das Naheliegende. Kritik soll "aufdecken". Hier hat sie decouvriert: Ein Berg kreiste und gebar eine Maus. Mehr war nicht in den "Eierst√∂cken".

Bester Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Vera-Lena
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Hallo Olaf,

Du hast Das Lyri und das Lyrdu verdeutlicht, indem Du das Lyri fettgedruckt hast, das Lyrdu normal. Auf diese Weise kann man die Beiden gut auseinanderhalten, obgleich sie inneralb des Textes verflochten sind.

Das Lyri, ein abgwiesener Liebhaber, versteht die Welt nicht mehr.

Das Lyrdu wei√ü ganz genau, warum es das Lyri zur√ľckweist.

Es mag die unterschwelligen Aggressionen nicht und auch nicht die Kinomäßige pathetische Annäherung per Liebesgedicht.

Ogbleich dem Lyri das gesagt wird, will es offenbar nicht verstehen. Es kann auch nicht verstehen, weil die verletzten Gef√ľhle derma√üen im Vordergrind stehen, dass der Verstand ausgeschaltet ist.

Du hast die Form des Theaterst√ľckes gew√§hlt. Teile Deines Textes sind Dialog (der Text des Lyrdu) andere Teile sind Regieanweisung (sie zerrei√üt den Brief, er geht) Und dann gibt es noch die Anleitung durch den Regisseur an den m√§nnlichen Akteur ( Du musst verstehen, schlie√ülich hat sie seine Gef√ľhle mit F√ľ√üen getreten).

So kommt eine kleine alltägliche Szene zum Vorschein, wie sie sich auf dem Globus, bevorzugt an Samstag-Abenden, sowohl in der Wirklichkeit als auch in Kino und Theater abspielt.

Hm...

Die Form ist ungewöhnlich, der Inhalt klischèehaft, was wahrscheinlich beabsichtigt ist.

Ich kann mich den Beifallsst√ľrmen nicht anschlie√üen. Es wirkt auf mich nicht authentisch sondern hat eher Nachahmer-Qualit√§ten.

[Ich beziehe mich ausschließlich auf die derzeitige Fassung.]

Soweit mein Eindruck.

Gr√ľ√üe
Vera-Lena


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Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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