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Leselupe.de > Ungereimtes
kleines gebet zum sonntag
Eingestellt am 09. 11. 2008 18:46


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unica
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Oct 2008

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lieber gott du
schaust
doch alles

eins und eins ist
entzwei

drum

schenk mir schnell
nen alten saab
immer genug

kernseife

einen dichtenden geliebten fĂŒrs innige einen ungewaschenen arbeiter fĂŒrs intime
einen verschrobenen aufschneider fĂŒrs kĂŒnstlerische eine einĂ€ugige katze fĂŒrs zwiesprachliche eine runde welt fĂŒrs kindliche

eine blinkende madonna
fĂŒr du weisst schon

ach gott
mit ordentlich gewetzten
messern

bitte noch

einen koch

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
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Hallo unica,

inhaltlich voll toll, ansprechend auch die formale Darstellung fehlt mir jedoch etwas am sprachliche Schwung, den die Anlehnung an den Joplin Song oh lord wonÂŽt you buy me a mercedes benz insgeheim verspricht. Darum ĂŒberschlafe ich meine Punktabgabe zunĂ€chst.

Liebe GrĂŒĂŸe,

Elke

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

wo man bei janis' song "mercedes benz" den sprachlichen (sic!) schwung ausgemacht haben will, der ihm angeblich innewohnt, blieb mir immer verborgen - die innig geliebte, großartige, einmalige, wunderbare janis war eine ebenso coole wie verletzliche musikerin und hatte eine wahnsinnsröhre, aber ihre texte waren verheerend.

unica singt nicht, sondern schreibt. jedenfalls hier drin, und sie kann mit worten das ausdrĂŒcken, was janis "nur" singen konnte: eins und eins ist entwei (dass es korrekt eigentich "sind" heißen mĂŒĂŸte, sei ihr verziehen - nennen wir's "blue note").

drum sei so gut, liebe nachtigall: lass dem papst, was des papstes ist, und gott...*smile*...

die kandidatin bekommt 10 punkte.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
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Hallo unica,

also ich hab den springenden Punkt, die Stelle, wo mir der Schwung fehlte, mal genauer lokalisiert: es ist der etwas abrupte klangliche Übergang vom Saab zur Kernseife.
Nun finde ich nach mehrmaligem Lesen aber die formale Isolation der Kernseife einen gelungenen "Schachzug", um das abzufedern. Kurz und gut: ich hab nix mehr zu meckern.

Liebe GrĂŒĂŸe,

Elke

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
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Öhm... Wie lief die Diskussion denn dann weiter? Ist man inzwischen zu der "Werk-des-Monats"-Richtlinie gelangt, wonach dieses nur noch von Autoren stammen darf, die mindestens drei Jahre nichts Neues mehr veröffentlicht haben?

Zum Text an sich:
Find ihn voll gut.

"Lieber Gott, du schaust" muss allerdings ziemlich österreichisch-bayerisch sein, ansonsten hieße es eher "Lieber Gott, du siehst".

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Die Dohle
Guest
Registriert: Not Yet

nelson mandela ist friedennobelpreistrÀger
und
barak obama ist friedensnobelpreistrÀger.

so ist das mit auszeichnungen. es ist die in die welt getragene subjektivitÀt einer wie auch immer installierten deutungshoheit.
ich meine das keineswegs abfÀllig.
es ist legitim, den bezogenen text hier gut zu finden. soweit ich die kriterien fĂŒr das WdM kapiert habe, ist es legitim, dem dieses zu verleihen. dramatisch und gefĂ€hrlich wird es, wenn der text exemplarisch zu dem kriterium erhoben wird, was lyrik sei und wie lyrik ausschließlich daherzukommen habe.

also, sehr subjektiv:
mir gefĂ€llt der hier besprochene text, wortgefĂŒge, bilder, usw. erreichen meine vorstellung von humor. und mein name ist nicht allmĂ€cht. es ist nicht notwendig, sich zu zwingen, meiner sicht hinterherzudackeln. falls aber noch wer diesen text Ă€hnlich wie ich betrachtet, dann wird mich das nicht in eine tiefe depression stĂŒrzen, sowenig, wie die möglichkeit, dass dieser text jemand ĂŒberhaupt nicht anspricht.

er ist gesund, schön und in ordnung, dieser umstand. weil wir alle dann so viele unterschiedliche sichten in die welt kennen lernen werden, wie es autoren gibt. jedenfalls wĂŒnsch ich mir das. ĂŒber die qualitĂ€ten der dargebrachten form, ĂŒber die streiten wir dann bei einem guten glas wein. respektvoll und wennÂŽs irgend geht mit humor ...

lg
die dohle

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 40
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WdM Februar: „kleines gebet zum sonntag“ von unica, letzte Neuerscheinung Februar 2014
Entschuldigung, ich hatte ĂŒbersehen, dass es auch einen neuen Text von ihr gab, der sonst letzte kam von November 2011.

Außerdem sieht es so aus:
WdM Januar: „MĂŒtterlich“ von Herbstblatt, letzte Neuerscheinung Januar 2010
WdM Dezember: „Julia“ von DarkskiesOne, letzte Neuerscheinung Oktober 2004
WdM November: „RĂŒckblick“ von achras, bisher nur dieses Werk, Oktober 2013
WdM Oktober: „Schatten“ von presque_rien, letzte Neuerscheinung Februar 2012
WdM September: „Der Weg zum Friedhof“ von Hagen, letzte Neuerscheinung Februar 2014
WdM August: „das flĂŒstern ist ein leises“ von Walther, letzte Neuerscheinung Februar 2014
WdM Juli: „Olga Kurylenko“ von Tammuz, letzte Neuerscheinung September 2013
WdM Juni: „Am Klavier“ von Andere Dimensionen, letzte Neuerscheinung Januar 2014
WdM Mai: „Die Tulpe“ von Claudianne, letzte Neuerscheinung November 2013
WdM April: „DIN“ von R. Herder, letzte Neuerscheinung Oktober 2010
WdM MĂ€rz: „Ypsilons Schwester“ von Dr. Time, letzte Neuerscheinung April 2013
WdM Februar: „Haushaltshilfen“ von huwawa, letzte Neuerscheinung Februar 2013
WdM Januar: „Die Stringtheorie“ von Ironbiber, letzte Neuerscheinung Januar 2014

Auch hier also muss ich meinen Eindruck revidieren und relativieren. Es ist keine Wahrheit, es ist eher „gefĂŒhlte“ Wahrheit gewesen. Mehrfach ist man bei WdM auf Mitglieder gestoßen, von denen man noch nie was gehört hatte. Dann das Profil nachgeschaut und öfter stellte sich raus, dass die Leute seit Jahren schon nicht mehr mit von der Partie waren.
Allerdings habe ich grundsĂ€tzlich gar nichts gegen eine gewisse Quote solcher WdMs, ich finde das (auch) eine Aufgabe von WdM, an in Vergessenheit geratene Autoren und Texte zu erinnern. Und, wenn man es wie in den FĂ€llen Tammuz oder achras, Autoren nominiert, die noch nicht besonders lange dabei sind und nicht gerade viele Texte vorzuweisen haben, finde ich das auch okay, zeugt es doch von einem gewissen Mut, sich sichtbar und unabgesichert auf die Seite einer „neuen Hoffnung“ zu stellen.
Allerdings ist schon auch eine leichte Tendenz zum Kartelleichen-PrĂ€mieren nicht zu ĂŒbersehen. Über die HĂ€lfte hat nichts mehr eingestellt im letzten Vierteljahr.


Wenn ich sagen sollte, warum mich der Unica-Text anspricht: Wegen seiner Schnoddrigkeit, Hingeworfenheit, Unernste. (Womit er ganz anders ist als das Meiste, was es von ihr sonst hier zu lesen gibt.) Es kommt etwas Leichtes, Schaumiges daher - und ist doch auch mit einem gewissen Gewicht versehen.

Es ist ein klassischer Topos, diese verschmitzten kleinen Zwiesprachen mit dem Herrgott. Der immer ein Lieber ist in diesem Fall, welcher einen lieb hat, darum kann man sich was wĂŒnschen von ihm.

quote:
Der liebe Gott sieht alles“. Vielleicht kennen Sie diesen Satz aus Ihrer Kindheit. „Sei brav, denn der liebe Gott sieht alles“. Jesus selbst spricht vom Vater, der das Verborgene sieht.
Hier klicken

Gelegentlich stiehlt, wie auch in dieses Gedicht, sich ein wenig Erschöpfung ins WĂŒnschen ein:
quote:
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los. Befiehl den letzten FrĂŒchten voll zu sein; gib ihnen noch zwei sĂŒdlichere Tage
Hier klicken

Es ist sowohl komisch wie bedenkenswert, wenn man sich fĂŒr die Zwiesprache eine Katze, keinen Mann, wĂŒnscht, einĂ€ugig, ein Spiel mit Zwiesprache, wĂ€hrend man „fĂŒrs Intime“ einen ungewaschenen Arbeiter möchte. An der Stelle unterbrach ich die LektĂŒre und klickte ins Dichterprofil, wer ist die denn, stand aber nicht dort. Kann den ungewaschenen Arbeiter jedenfalls einigermaßen nachvollziehen. Aber, typischer Zweispalt jeder Schriftstellerexistenz, das platt Vitale reicht nicht hin, es muss auch „das Innige“ sein - daher die Dichter auch noch. Und „das KĂŒnstlerische“ besorgen uns die verschrobenen Aufschneider. Das ist keine Fragmentierung von Menschen nach ihrer VerwendungsfĂ€higkeit, das ist einfach so, da schaue man sich einen Jonathan Meese, Joseph Beuys oder Anselm Kiefer an!

Die blinkende Madonna.
Klasse Bild! Muss man erst mal finden. An was es ursprĂŒnglich gemahnte, weiß nur, die es geschrieben hat, bestimmt was ganz anderes, aber ich biete an:
quote:
As human gods aim for their mark
Made everything from toy guns that spark
To flesh-colored christs that glow in the dark
It's easy to see without looking too far
That not much
Is really sacred.
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Was die Vorteile eines alten Saabs sind, kann ich als Nicht-Autofahrer nicht erahnen, aber, wie ja auch gesehen wurde, man kann es nicht lesen, ohne an Janis Joplin zu denken. Das ist doch auch was: Spiel zwischen lyrischen Texten, Spiel mit Zitaten und Anspielungen. Es gibt einen Unterschied zwischen Klauen und RĂŒberwinken.
quote:
Oh lord won't you buy me a Mercedes Benz.
My friends all drive Porsches, I must make amends.
Worked hard all my lifetime, no help from my friends.
So oh lord won't you buy me a Mercedes Benz.
Hier klicken
Schlechte Lyrik ist das durchaus nicht gewesen, da wiederspreche ich entschieden.

Einfallsreich ist der Satzanfang mit den gewetzten Messer. Wen will sie massakrieren, fragt man sich, dann stellt sich raus, dass sie einen guten Koch braucht, der es besser kann als sie selbst.

Es gibt natĂŒrlich schon mindestens ein Gedicht, das mit „Lieber Gott“ anfĂ€ngt:
quote:
Lieber Gott, gib doch zu,
dass ich klĂŒger bin als Du.
Und nun nimm doch endlich hin,
dass ich was besondres bin.
So, und nun preise meinen Namen,
denn sonst setzt es was. Amen!
Das wurde von Otto Waalkes vorgetragen bekannt, ausgedacht hatte es sich Robert Gernhardt.
Hier klicken

Und es gibt, wie ja immer, ein passendes Goethegedicht, nĂ€mlich eines mit „Eins und Alles“ im Titel, das uns erzĂ€hlt, dass es nicht gut ist, Forderungen zu stellen:
quote:
Eins und Alles

Im Grenzenlosen sich zu finden,
Wird gern der Einzelne verschwinden,
Da löst sich aller Überdruß;
Statt heißem WĂŒnschen, wildem Wollen,
Statt lÀst'gem Fordern, strengem Sollen
Sich aufzugeben ist Genuß.

Weltseele, komm' uns zu durchdringen!
Dann mit dem Weltgeist selbst zu ringen
Wird unsrer KrÀfte Hochberuf.
Teilnehmend fĂŒhren gute Geister,
Gelinde leitend, höchste Meister,
Zu dem, der alles schafft und schuf.

Und umzuschaffen das Geschaffne,
Damit sich's nicht zum Starren waffne,
Wirkt ewiges lebend'ges Tun.
Und was nicht war, nun will es werden
Zu reinen Sonnen, farbigen Erden,
In keinem Falle darf es ruhn.

Es soll sich regen, schaffend handeln,
Erst sich gestalten, dann verwandeln;
Nur scheinbar steht's Momente still.
Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.

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