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Leselupe.de > Feste Formen
serberuß (hexameter in reimstrophen)
Eingestellt am 17. 02. 2017 09:18


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Mondnein
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    serberuß


jene welten so manche schon hab ich durchwandert – erfahren
einige ja – gleich unterhalb derer die ich dir verschwiegen
himmel in die ich ein lied hinein schrieb von geschlossenen augen
nie wollte mir die blutige tinte der tränen versiegen

mikro spiegel versprühn sie gelächter im winkel der falten
jene vergeblichkeits höllen – von einer will ich dir berichten
neugierig machte das markt geplänkel von käufer und bieter
mich: ich stand an dem stand mit den blut wein tinte gedichten

bist du so fragte er mich von den eigenen tränen betrunken?
komm: ich zeige dir küsten und buchten da singen sirenen
dich um den letzten verstand und die männer erzählen sich witze
an deinem lachen sieht jeder: du siehst wie nach sinn sie sich sehnen

erster kontakt so fand ich mich ein kam zum ersten kontakt hof
sang so mein erster kontakt lied da sprang mir der hofhund entgegen
serberuß biß sich fest im kontakt bis der strom die sandalen
löste da er gen himmel fuhr durch den feuerwerks regen

klebte noch kurz an der decke fest die den aufstieg verhindert
klatschte dann platt wieder vor mir auf er sah aus wie die kreiden
die uns die jungs von der spurensicherung um diese leichen
zeichnen wenn sie hier landen im lande der schmerzlosen leiden

gern sing ich ihm ein lied das beruhigt die nerven und zeigt ihm
daß auch ich schon weiß wie man beißt aber nie die kontakte
selbst wenn der erste kontakt mit nem anderen toten hier ansteht
der aber biß mich weg und ich fiel in die nil katarakte

sieben stufen hinab und hinab von strophe zu strophe
sieben lieder die sang ich die ältesten die ich gefunden
als ich sprechen gelernt und davor noch im schoße der liebe
lethe trank ich die heilte mich von jenen bissen und wunden



mein "erster kontakt lied" siehe im Gereimten Hier klicken
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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James Blond
???
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Serpentinen-Septimen in Hexametern?
Ja, was gib's denn da zu zetern?

Nur weil so'n Höllenwauwi ein wenig geknurrt hat, brauchst du doch nicht gleich in die Wasser der Lethe zu hopsen. Mensch, hast du keine Eier? Kontakthöfe sind nun mal keine Freudenhäuser: Das Angebot ist riesig und für keinen etwas dabei. Da taucht auch schon mal Stimmung ab.
Zeig doch, dass du kein Warmduscher bist und dich von den Platzmumien nicht beeindrucken lässt! Hier wird auch nur mit Blut gewischt sobald die Sirenen schlafen. Nur mit deinen Hexamschüssen wirst du hier nichts erlegen. Verlegen steigst du die sieben Stufen hinab, durchwandelst uncool die Toten und mogelst dich - an Kerberos vorbei - zurück ans Tageslicht. Grausiger Anblick: Die Welt.

Grüße
JB

P.S.
Punkte werden grundsätzlich nicht vergeben.

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Mondnein
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Ich habe mich nicht selber gesperrt, sondern wurde. Für immer.

Wie sagt man so schön? "Forget it!". Ist sonst nicht mein Spruch, auch hier nicht. Ich wurde.

Hier schreibe ich weiter, auch wenn ich neuerdings von gestandenen Deutscheforumschriftstellern von der Wand gewischt werde. Schließlich ist schon die Aufzählung von "Frauen" und "ein Bewunderer" in einem Liedvers "sexistisch", da heulen die lupae auf und blecken ihr Gebiß. Oder auch nur eine.

Forget it. I love Lethe.


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shoshin
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Lieber Mondnein,

An Texten, wo Hexameter drüber steht, kann ich natürlich nicht vorbeigehen.

Allerhand! Köstlich deine Fantasie und Audrucksweise, mit der du diese irren Markt/Kontakthof /Szenarien zeichnest; ausgesprochen treffend wie ich finde

Ich habe einige Lieblingsstellen gefunden, zB das hier

quote:
die uns die jungs von der spurensicherung um diese leichen
(X)x xX xxXxXxx //? xXxXx
zeichnen wenn sie hier landen im lande der schmerzlosen leiden
Xx xXxXx // xXx xXxxXx


Den Hexa hast du teilweise eher frei ausgelegt (vor allem bei einzelnen "Senkungsfüllungen", ein paar schwächlichen Hebungen - siehe zB oben als (X) gekennzeichnet - und fragliche/praktisch nicht vorhandenen Zäsuren (oben zB als //? gekennzeichnet), was mich persönlich aber bei einzelnen Verse nicht so stört, wobei ich aber das Gefühl habe, du weißt schon genau, wies "richtig" ginge.

Die Zeichensetzung sollte mE in diesen langen Versen nicht fehlen, das hindert nur das flüssige Lesen, sodass man sowohl von Rhythmus als auch Inhalt abgelenkt ist.

Auch die Reime stören mich - nämlich richtig!

Also nicht die Reime an sich, die sind gut, mir ist kein einziger "reimgeschuldetes" Wort aufgefallen. Aber ich finde, es stört den Bewegungsvers auf unangenehme Weise, wenn ihm hinten diese Klangversfracht aufgebürdet wird, dass er so "abganglastig" wird.

Noch eine Kleinigkeit: Ich würde als Abwechslung im Hexa für mehr schwere Silben am Ende plädieren, wie ich nur eines gefunden habe: "ansteht". Ich denke aber, es ist als Text ein kompaktes Ganzes, sodass du kaum nocht daran herumdoktern wirst.

Deshalb ein freundliches "Wufff!!"

Es grüßt Dich
shoshin

aus dem Lande der schmerzlosen Leiden

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Mondnein
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Liebe Shoshin,

ich bin begeistert, daß da jemand von Hexametern eher angezogen als abgestoßen wird.
Du beobachtest gut:

quote:
die uns die jungs von der spurensicherung um diese leichen
dieser Vers hat in der Tat zwei etwas schwächliche Betonungen.
Auch, daß ich die "Zäsuren"-Pflichten bzw. Möglichkeiten eher vernachlässige - so auch beim Durcharbeiten klassischer lateinischer Hexameter: Mich interessiert da eher der klangliche Sprachfluß, und da bekomme ich bei Vergil schon mal Schwierigkeiten, während bei Ovid alles so glatt fließt, mit den schönen Binnensymmetrien - der ist mein lieber Meister.

Gerne widerspreche ich Dir bei der "Abgangslastigkeit":

Du hast natürlich recht, die Verse werden - gereimt oder nicht gereimt - abgerundet, von einander abgesetzt, also sie haben ein richtiges Ende, auch dann, wenn ein Enjambement die Lesung in den Folgevers hinüberfließen läßt.

Doch eben diese Klauselwirkung haben gerade die klassischen Hexameter immer.
Denn zum einen enden sie (mit wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen) üblicherweise auf einen Adoneus, und zum zweiten ist die letzte Silbe eben deshalb "anceps" (d.h. in Wirklichkeit immer lang, vergleichbar den Positionslängen nach kurzen Vokalen), weil eine Pause den Vers vom folgenden absetzt.

Es gibt einen dritten, aber nicht weniger wichtigen, Grund: Klassische Verse wurden nicht schlicht gelesen, sondern rezitiert, auf einer Art von Vortragsmelodie, einer durchgehenden Tonhöhe, die am Ende des Verses (wohl weniger im Wechsel von Betonungen zu Unbetonten) in einer Klausel abgesenkt wurde, um vielleicht drei Höhenstufen (Töne), wie es heute noch in der orthodoxen und in der katholischen Kirche (Hochamt) beim Vortrag der Evangelien üblich ist, und natürlich in den Synagogen bei hebräischer Bibellesung.

Ich kenne es so auch aus Indien (bin Indologe), wo das dortige epische Versmaß, der Shloka, genau so rezitiert wird (z.B. alles auf der Terz über dem Grundton, und in der Klausel dann auf den Grundton hinab, z.B. eeee eeee ee cde dc c, was beim Shloka damit zu tun hat, daß er in der ersten Hälfte eher trochäisch "geht", am Ende aber ins Iambische umschlägt, so daß dieses "edcc" des letzten Versviertels xXxX "abgangslastet".
Und das ist immerhin auch eine Längen-Kürzen-Metrik, ja die alten Texte haben sogar die Akzente (Akut, Gravis, Circumflex) so wie die Homerischen: als "chinesische" Tonhöhen (abwärts, aufwärts, geschlenkert), nicht als "deutschen" Iktus.

Ein interessantes Auseinandersetzungs-Feld, nicht wahr?

grusz, hansz


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shoshin
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Haha! Ich hätte vorher nachsehen sollen, was für ein Kaliber ich mir da für meine Kritik ausgesucht habe: Latein, Griechisch, Hebräisch, Indologie und erfahrener Dichter! Ich bin beeindruckt. Ich freu mich, da kann ich noch viel lernen. Das muss ich ausnützen: Darf ich dich gleich mit mit vielen Fragen löchern?:

Das ist alles sehr interessant, beim indischen Versmaß bin ich dann endgültig ausgestiegen - da kann ich mir gar nichts mehr darunter vorstellen - im Grunde hat das aber nichts mit dem "Reimproblem" zu tun, das ich angesprochen habe.

Vermutlich habe ich mich da auch falsch ausgedrückt mit "abgangslastig".

quote:
Denn zum einen enden sie (mit wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen) üblicherweise auf einen Adoneus, und zum zweiten ist die letzte Silbe eben deshalb "anceps" (d.h. in Wirklichkeit immer lang, vergleichbar den Positionslängen nach kurzen Vokalen), weil eine Pause den Vers vom folgenden absetzt.

Ja, das mag schon sein und wird beim deutschen "Nachbau" von Voß & Co vermutlich eben mit Spondeen am Versende nachgebaut, wie eben dein "ansteht"

Aber soweit ich weiß ist auch der griechische Hexameter nicht gereimt (ist der lateinische nicht eigentlich auch nur ein "Nachbau" des griechischen?) oder irre ich mich da?

Beim deutschen "Nachbau" nach Voß & Klopstock wird jedenfalls nicht gereimt.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was der Grund dafür ist, ich vermute vielleicht einfach weil es ein Erzählvers ist (?) und daher nicht auf einen Reim hinarbeiten soll, der die Aufmerksamkeit bindet, die eher der Geschichte und dem Rhythmus (Bewegung) gelten soll (?). Mir scheint jedenfalls, dass durch die Kombination von Reim und Adoneus die "Klauselwirkung" noch verstärkt wird - sprich es leiert (mehr).


LG
shoshin




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