00101010

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Scal

Mitglied
Oh ... eine philosophische Diagnose der Gegenwart (ohne Gegenwart). Gefällt mir.
Denkbar nur, wenn das Denken, das soeben denkt, versteht was es denkt.
Der Gedanke "gen" ist ein Hinweis auf die Anwesenheit des Denkens, das sich entschließt, 00100001 zu zitieren.
Gefällt mir.

Gruß
Scal = 00000000 = Gegenwart
 

Tula

Mitglied
Moin
Ich überlegte gestern ebenso, warum 33? War die große Antwort nicht 42?

sind meine gene
ein zitat der vielen wesen
vor mir


Gut beobachtet. Obwohl andererseits der genetische Bezug dem ersten Teil irgendwie zuwiderläuft. Wir sind ja nicht 'programmiert', uns zu wiederholen, die Prägung ist kultureller Natur. Wir können kreativ Neues formulieren, dennoch basiert auch jeder neue Gedanke auf der Verarbeitung bereits gewesener, nicht nur eigene Erfahrungen, sondern ebenso die Aufnahme des Gedankengutes anderer.

Man könnte demnach 'Gene' durch 'Ideen' ersetzen.

LG
Tula
 

L'étranger

Mitglied
Hallo Tula,

die Idee mit der "42" finde ich pfiffig, weil es noch einmal ein Zitat wäre ;-).
Das wäre dann: 00101010

Wer kann denn einen Titel ändern?

Was die Gene angeht, da sehe ich die Situation schon ähnlich. Sie sind Zitat, aber auch noch offen für Neuerungen - durch Kopierfehler / Mutation.
Mir gefällt es auch, wenn hier etwas physisches steht, und das Gedicht nicht auf dem Feld von Sprache und Idee bleibt.

Gruß Lé.
 

Mondnein

Mitglied
Nun ja, nun nein, Lé,

nicht die Mutationsfehler in den Genen machen den Menschen "neu", sondern sein Arbeiten, seine Wirklichkeit, sein Esprit, seine nischengeile Neugier im originellen Denken, Erfinden und in seiner liebetrunkenen Opferbereitschaft.

Mein Ich entstammt nicht meinen Eltern, es besteht substantiell aus reiner Selbstsetzung.

Trotzdem ist diese Reflexion oder Frage (?) toll formuliert, überaus fruchtbar, bedenkenswert:
sind meine gene
ein zitat der vielen wesen
vor mir
grusz, hansz
 

Tula

Mitglied
Hallo Lé

Ginge nicht

sind selbst meine gene
nur ein zitat ...

Dann hinkt der Vergleich nicht mehr

LG
Tula
 

L'étranger

Mitglied
Hi Tula,

als Vergleich hätte ich das gar nicht gesehen, sondern nur als ergänzende Aussage. Deshalb schriebe ich, wenn das unklar ist, lieber:

sind auch/ebenso meine gene
ein zitat der vielen wesen
vor mir

Kannst du den Titel ändern?

Den Rest könnte ich tun ;-).

Gruß Lé.
 

Frodomir

Mitglied
Hallo L'étranger,

mir sagt dein Gedicht zu. Vielleicht begründet es eine neue lyrische Stilrichtung, den digitalen Fatalismus? Ich würde es begrüßen.

Reale Grüße
Frodomir
 

Tenebrula

Mitglied
Hallo L'étranger,

Gut erfasst, das ist deprimierend in unserem Zeitalter: dass fast alle Gedanken schon einmal gedacht wurden und auch dank digitaler Autobahnen jederzeit verfügbar. Schlüssig ist dann auch dein Vergleich mit den Genen!

Trotzdem ist jeder Mensch genetisch einzigartig, denn die Gene werden ja immer neu miteinander kombiniert (und auch im Rahmen der Entwicklung mitunter unterdrückt oder verstärkt). Das macht dann wiederum Hoffnung, dass es immer neue Zusammenhänge für unsere Worte und Sätze gibt. Bestehen sie auch nur aus molekülgleichen Zitaten.

Daher würde ich den Titel, bzw. die Schlusszeile nicht als Zitat belassen, sondern gerade hier, nach dem
, die gute alte (dezimal) 6*7 = 42 ändern nach 7*8, also 00111000, denn das ist noch eine leichte Steigerung: 7*8 ist die schwierigste Aufgabe im Einmaleins (so berichten es die Grundschulkinder) und damit noch eine leichte Steigerung der 00101010.
Dann wäre das im übertragenen Sinne ein Zitat (weil auch eine 1*1-Aufgabe), aber noch eine zusätzliche Pointe, denn die Lesenden erwarten womöglich bereits 42, sehen dann aber: "und jetzt das: 56", und das ist dann doch was Neues mit Anklang an 42.

Ist aber für das ansprechende und zeitsensible Gedicht nicht wirklich von Bedeutung!

Liebe Grüße,
Tenebrula
 

Mondnein

Mitglied
sieben mal acht gehört zu den schon gedachten Gedanken, da stimme ich Dir zu, siehe Cicero, Somnium Scipionis 2,2:
nam cum aetas tua septenos octies solis amfractus reditusque converterit
duoque hi numeri quorum uterque plenus, alter altera de causa habetur,
circuitu naturali summam tibi fatalem confecerint,
in te unum atque in tuum nomen se tota convertet civitas
 

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