13:51 Uhr

LeoLoyala

Mitglied
Prolog

13:40 Uhr

»Klara, Essen!«, rief Jonas von der Terrasse. Aus seinem Erdhügelhaus hörte er undeutliche Rufe des siebenjährigen Mädchens.
Es war ein wolkenfreier Frühlingstag, weder zu warm noch zu kalt. Eine leichte Brise milderte die Hitze der prallen Sonne. Die Terrasse aus grauweißen Fliesen war für Barfüßler – wie Jonas – von der Sonne angenehm angewärmt.
Claudia deckte den Tisch. Ihr leicht gerundeter Bauch verriet die fortgeschrittene Schwangerschaft. Auch wenn Jonas darauf bestand, ihr die Arbeit abzunehmen, wollte Claudia davon nichts hören. Sie war schon immer stur; das hätte sie von ihrer Mutter, meinte sie.
Jonas wendete die Würstchen auf dem Kugelgrill. Er hatte ihn schon das zweite Mal in Betrieb und war immer noch erstaunt, wie viel schneller der Kohlegrill im Vergleich zum alten – oft benutzten, aber jetzt durchgerosteten – Elektrogrill war.
Im Haus polterte jemand die Treppe herunter. Kurz darauf kam Klara aus dem Wohnzimmer durch die Glasschiebetür getapst. Jonas wusste gar nicht, dass ein so kleines Geschöpf so viel Lärm erzeugen kann.
»Wann gibt's Essen?«, fragte sie mit gierigen Augen und schielte zu den Würstchen.
»Hilfst du deiner Mutter erstmal beim Tischdecken?«
»Ich sagte doch, ich brauch keine Hilfe!«, beschwerte sich Claudia.
Klara nahm dies als Anlass, Jonas zu belagern. »Papa, weißt du, dass man nicht drinnen grillen darf?«
»Ach wirklich? Warum denn nicht?«, fragte Jonas, obwohl er es natürlich wusste.
»Weil dann das Kohlenmono...« Klara pausierte kurz und runzelte die Stirn. »... Monogram über dem Boden fliegt. Und dann kommt es langsam zu hoch und dann schläft man ein.« Sie war erst letzte Woche am Tag der offenen Tür beim Rettungsdienst gewesen. Seitdem sprach sie von nichts anderem mehr.
»Also bei schlechtem Wetter nicht grillen«, stellte Jonas fest.
Klara lächelte ihn zufrieden an.
»Würstchen, Minutensteak oder Grillkäse?«, fragte Jonas seine Stieftochter.
Diese schaute ihm zu, wie er die Würstchen mit der Zange drehte. »Steak!«, forderte sie und rannte nach hinten in den Garten – zu ihrem Klettergerüst an der Kirsche. Jonas legte währenddessen das geforderte Minutensteak zu seinen Würstchen.
»Für mich Grillkäse«, meinte Claudia, die sich nun auf ihren Stuhl gesetzt hatte. Ihr Strohhut schenkte ihr Schatten.
»Weiß ich doch«, lächelte er sie an und legte den Grillkäse etwas entfernt vom Fleisch auf den Grillrost. »Und du willst sicher nicht mal das Fleisch probieren? Die Steaks sind auch echtes Rind, nicht gezüchtet.« Echtes Fleisch war mittlerweile Luxusgut.
Seit sie sich kannten, ernährte sich Claudia vegetarisch; sie vertrug kein Laborfleisch. »Ich habe seit fast einem Jahrzehnt kein Fleisch mehr gegessen, dann muss ich jetzt nicht wieder damit anfangen.«
»Dann bleibt mehr für uns«, erwiderte Jonas neckisch.
Er schaute zu Klara, die sich weiter hinten im Garten am Klettergerüst entlanghangelte und laut vor sich hin murmelte. Wahrscheinlich war sie wieder in einem ihrer Tagträume.
Jonas kannte sie schon, seit sie laufen lernte. Zuerst war es schwierig – der Gedanke –, ein Kind großzuziehen, welches nicht das eigene war. Wenige Wochen, nachdem er Klara kennenlernte – so stellte er fest –, waren seine Sorgen jedoch unbegründet. Mittlerweile liebte er sie wie seine eigene Tochter – auch wenn er es vor Claudia niemals zugegeben hätte.

***​

Klara hatte sich in ihre Tagträume zurückgezogen. Sie hangelte sich wie der Affe Cokus – aus ihrer Kindersendung – durch die Baumkronen des Dschungels. Eigentlich war es nur das Klettergerüst im Garten, aber für sie war es der dichte Dschungel im Amazonas. Da! Ein verletzter Affe. Er hatte die Liane nicht richtig erwischt und sich ein Bein gebrochen. Klara kletterte vorsichtig hinab. Seit dem Tag der offenen Tür wollte sie nun Ärztin oder Sanitäterin werden – Menschen und Tieren helfen, die sich nicht selber helfen können.
»Keine Sorge, ich mache dir eine Schiene«, flüsterte sie ihm zu. Sie suchte unter dem Kirschbaum nach einem geeigneten Ast, fand einen geraden Zweig und band ihn als Schiene fest.
»Essen ist fertig«, rief Claudia.
»Dein Steak wartet schon«, fügte Jonas hinzu.
Klara schaute auf ihre rot-weiße Uhr, die ihr vom Rettungsdienst geschenkt wurde.

13:50 Uhr

»Komme!«
Als sie sich von ihm umdrehte und zurück zur Terrasse lief, sah sie viele grelle Lichter am Horizont. Die Waldbewohner dankten ihr wohl mit einem riesigen Feuerwerk.

13:51 Uhr

Es war kein Feuerwerk.

---

Kapitel 1


Klara atmete gleichmäßig. Kontrolliert. Ihre Muskeln entspannten sich. Sie wartete auf eine passende Gelegenheit. Da! Das Ziel im Tunnelblick. Ihr Atem hielt an. Noch nicht! Noch nicht. Jetzt! Ihr Finger krümmte sich. Trotz Dämpfer erschütterte der Rückstoß all ihre Knochen. Der Knall wäre ohrenbetäubend gewesen, würde die Geräuschunterdrückung ihres Helms nicht das meiste herausfiltern.
Sie brauchte das Fernrohr nicht, um den Treffer zu bestätigen. Ein Meer aus Funken sprühte aus der Distanz. Typisches Merkmal für Durchschlag der Kohlenstoff-Nanoröhren-Beschichtung. Dennoch wollte sie sichergehen. Das Fernrohr, welches mit ihrer im Helm integrierten SBO-Brille verbunden war, hob die getroffene Stelle hervor. Ein glühendes Loch in der Brustregion seines Gefechtsmantels. Lunge, vielleicht.
Er lag dort wie ein fallengelassener Sack Kartoffeln. Die meisten wurden bei Treffern mit N6-Munition direkt bewusstlos.
Der befehligte Roboterschwarm des Soldaten ging nach Protokoll vor. Er bestand aus zwei HRB-Droiden – humanoide, leicht gepanzerte Roboter, die für Aufklärungsmissionen spezialisiert waren – und einem QC-Trägerdroiden – der Hunden ähnelte. Einer suchte die Umgebung ab, der andere schützte den Verletzten. Der QC konnte nicht viel machen. Er versuchte vergeblich, seinem humanoiden Gefährten zu helfen, den Soldaten in Deckung zu schieben. Eine FS-Sanitäterdrohne dürfte ihn bald einsammeln. Danach würde der Schwarm abziehen.
Klara kletterte gekonnt mit ihrem Scharfschützengewehr – das fast so groß war wie sie – aus der Baumkrone. Sie landete sicher auf ihren Füßen und zog sich zum Außenposten zurück, bevor der suchende HRB-Droide ihre Position aufspürte.
Die Kommunikation wurde seit diesem Morgen wieder durch Satelliten gestört. Hoffentlich braucht die Space Force nicht allzu lange, den herunterzuholen. Keine Kommunikation kann schnell tödlich enden. Damit hatte Klara schon Erfahrung.

***​

Sie erreichte den Außenposten und lugte auf ihr inneres Handgelenk. Zwei Uhren. Ein schwarzes Militärmodell und eine stehengebliebene weiß-rote Uhr. Beide zeigten dieselbe Uhrzeit: 13:51 Uhr. Sie schaute schnell wieder weg. Fünfzehn Jahre.
Der Außenposten war nicht unbedingt groß. Einige gepanzerte Fahrzeuge, Zelte und Gräben. Er war gut versteckt in einem Wald, irgendwo in dem Black Hills National Forest in Süddakota. Er soll die Frontgrenze und Route 44 sichern, obwohl sie schon seit Monaten unterbesetzt sind.
Es wurden immer mehr Spähtrupps in der Umgebung gesichtet. Da die Offensive von DC in Montana fehlschlug, suchen sie wohl eine geeignetere Lücke. So oder so wird es hier bald krachen.
Vor drei Wochen wollte HQ doch die Mexikaner zur Verstärkung schicken, aber immer noch keine Spur von denen.


Ihre Vorgesetzten, Collins und Bridgers, wurden immer nervöser.
»Die sind verdammt aufdringlich!«, regte sich Collins auf, als Klara vom Späher berichtete. »Wo zum Teufel bleiben die Amigos?!« Bridgers dagegen wirkte gefasster. Klara wusste, dass es ihm auch zusetzt. Seit der LA-Offensive dient sie unter ihm. Wenn er nervös wurde, blinzelte er immer schneller als gewohnt.
»Collins, wann haben wir wieder Funkkontakt zum HQ?«, fragte Bridger bestimmt und schnell blinzelnd.
»Der Satellit blockiert immer noch.« Bridger runzelte die Stirn. »Dann sollten wir sicherheitshalber QRs rausschicken, auch wenn wir nicht mehr viele haben.« Er schaute sich auf der SBO seines Helms die Lagerbestände des Außenpostens an. »Jensen, der wievielte bestätigte Abschuss war das von Ihnen?«, fragte er Klara nebenbei. Bridgers mag es, vor seinen Vorgesetzten mit seinem Trupp anzugeben.
»Der einhundertsiebzehnte menschliche Abschuss, Leutnant«, bestätigte Klara stumpf – den Blick zum Boden gesenkt.
»Nicht schlecht«, staunte Collins. Er war erst mit dem letzten Verstärkungstrupp angekommen. Klara mochte ihn nicht.

***​

Klara tauschte ihren Lauf – oder versuchte es zumindest. Durch die N6-Munition musste er regelmäßig gewechselt werden, sonst verschliss er zu stark. Diesmal wollte er aber einfach nicht herauskommen. Sie zerrte am Hebelmechanismus, stemmte ihr ganzes – nicht sehr hohes – Gewicht darauf. Frustriert warf sie das Scharfschützengewehr in die Ecke ihres Zeltes. Es landete auf der linken Seite, gegenüberliegend vom Hebel. Das Gewehr klackte und der Lauf löste sich heraus. Klara schaute es verdutzt an, hielt sich die Hände vors Gesicht und plumpste mit einem genervten Stöhnen auf ihr Feldbett.
Das Bett neben ihr wurde als Stauraum genutzt. Sie teilte sich das Zelt mit zwei weiteren Kameradinnen.
Die dritte, Helena, wurde vor zwei Wochen von drei HBs und einem QB umzingelt und erschossen. Fünf Kugeln hatte ihr Gefechtsmantel gestoppt. Zwei in die Beine, eine am Oberarm und zwei am Torso. Die sechste 6,5-mm-Kugel traf unglücklicherweise dieselbe Stelle an der Brust und ging durch. Sie versuchten noch, Helena zu evakuieren, aber es war zu spät. So erzählten es jedenfalls ihre Kameraden.
Klara gehörte zur Aufklärung und war in einer anderen Einheit.
Falls DC eine neue Offensive vorbereitete, würden sie ohne Verstärkung definitiv überrannt werden. Dann auch noch kein Funkkontakt. Sie stieß einen Seufzer aus. Alte Bilder aus Oregon flimmerten vor ihr auf.
»Alles in Ordnung, Soldatin?«, erklang eine metallische Stimme außerhalb des Zelts und riss Klara aus ihrem Flashback. Ein HB-Droide lugte hinein.
Er war besprenkelt mit einem Tarnmuster, sein Gewehr hing an einer Halterung um seinen menschenähnlichen, kantigen Torso. Der Kopf war gestaltet wie ein geschlossener Kampfhelm, kantig und angewinkelt – damit die Kugeln eher abprallen. Nur vier kleine Löcher für die Kameras waren frei, wo sonst die integrierte SBO-Brille saß. Er war etwas kleiner als Klara, obwohl sie schon unter ihren Kameradinnen nicht als die größte galt. Einer der neueren Einheiten. Model 7? Die waren mit Collins hinzugekommen.
Er duckte sich unter der Plane – in einer flüssigen Bewegung – hindurch und stand aufrecht im Zelt.
»Jup, alles gut«, bestätigte Klara.
Der Droide fixierte sie dennoch weiterhin mit seinen Linsen.
Langsam wurde es ihr unangenehm. »Sonst noch was?«, fragte sie.
»Oberleutnant Collins lässt die nordöstlichen Gräben erweitern, alle verfügbaren Soldaten sollen mithelfen.«
»Jaja, komme ja schon.« Sie stand auf und suchte ihren Klappspaten.
Zu graben war eine ihrer weniger freudebringenden Tätigkeiten im Außenposten. Gegen Dreck hatte sie keine Abneigung; wenn er in die Kleidung kam, schon. Da kletterte sie lieber in den Bäumen herum.
Der Droide bewegte sich immer noch nicht – verfolgte ihre Bewegungen mit seinem Blick.
»Sonst noch was?« Klara fragte diesmal in einem schärferen Ton.
»Du handelst nicht sehr kooperativ. Deshalb habe ich beschlossen, dich zu eskortieren.«
»Schön für dich«, grummelte Klara, während sie durch das Gepäck auf dem Feldbett wühlt. »Was ist deine Seriennummer?«
»Ich lernte, es sei höflich, sich zuerst vorzustellen, bevor man fragt.«
Bildete sie es sich ein oder wurden die Droiden immer frecher?
Der Spaten war weiterhin nicht in Sicht.
»Klara Jensen«, erwiderte sie trocken. »Also?«
»Schön, dich kennenzulernen, Klara Jensen. Meine vollständige Kennung lautet HB-M6A9, Seriennummer 35-5576.«
Klara riskierte schnell einen Blick auf ihn, als sie sich vom Feldbett abwandte und das Gepäck ihrer Kameradinnen zu durchsuchen. »M6? Ich dachte, Collins hat nur M7-Droiden mitgebracht. Sag nicht, die haben dich verwechselt.« Ihre Mundwinkel hoben sich kaum sichtbar.
»Deine Verwirrung ist verständlich. Alle Modell-6-Einheiten unter dem Befehl von General Miller haben ab Ausführung 8 ein Softwareupdate und verbesserte ballistische Panzerung erhalten. Auch aus Teilen der Modell-7-Reihe. Deshalb bin ich optisch meinem Nachfolgermodell ähnlich«, klärte A9 auf.
»Aha.« Ist wohl billiger.
Endlich fand sie einen Klappspaten. Sie wusste nicht, ob es ihrer war. Was solls.
Sie verließ das Zelt mit A9, streckte sich kurz.
Im Augenwinkel sah sie für einen Bruchteil einer Sekunde ein schwarzes Objekt mit einer unglaublichen Geschwindigkeit aufsteigen. Als sie genauer hinsah, wurde es immer kleiner und verschwand mitten im Himmel. Endlich.
Keine zwei Minuten später meldete sich Collins über Funk. »Funkverbindung wiederhergestellt, Soldaten! Die Space Force hat den verdammten Satelliten hochgejagt. Melden Sie sich bei Ihren Vorgesetzten, wir haben neue Befehle«, verkündete er gut gelaunt.
Er klang nicht mehr so angespannt. Vielleicht, weil er seine Vorgesetzten wieder erreichen kann und nicht selbst denken muss? Viele Soldaten wirkten auf Klara, als wären sie froh, Befehle zu erhalten, die sie nur ausführen müssen, ohne eigenständig nachzudenken. Sie konnte es ihnen aber auch nicht verübeln. Die meisten – wie sie selbst – wurden eingezogen und haben nur eine kurze Ausbildung erhalten. Selbst einige Hochrangige wurden nur aufgrund von Personalmangel hochbefördert.
Klara warf ihren Spaten zurück ins Zelt. Zumindest muss ich nicht graben, dachte sie sich und zog ihren Helm auf.

Sie kam als Erste bei Bridgers im Sammelzelt an.
Er war in die holographische Karte vertieft, die über sein SBO-Modul im Helm auch für Klara sichtbar war. Es waren Truppenmarkierungen. Er gestikulierte an der Karte herum, hat seine neuste Version aber noch nicht freigegeben.
Das Gelände war dreidimensional dargestellt, mit Berücksichtigung von Vegetation. Im Osten war der Außenposten markiert, in dem Klara sich gerade befand.
Rapid City, zehn Klicks weiter Östlich wurde von DC besetzt. Sie mussten sich vor zwei Monaten aus der Stadtruine zurückziehen.
Jetzt sicherten sie Route 44, die nördlich an ihrem Posten vorbeiführte.
Klara setzte sich auf einen der Klappstühle im Zelt, während weitere Kameraden eintrafen. Sie alle gehörten zum Aufklärungstrupp unter der Leitung von Leutnant Bridgers.
Ellie und Mark setzten sich neben sie. Mit ihnen war sie im Trupp am bekanntesten.
Bevor sie ein Wort austauschen konnten, gab Bridgers – mit einer wischenden Geste – die neue Version der Karte frei. Sie überlagerte die alte Kartenversion, welche langsam verblasste. Neue Veränderungen am Terrain wurden sichtbar. Neue Krater, verbrannte Bäume und Häuser, die zu Ruinen geworden waren.
Aber relevanter waren die Positionen der gegnerischen Truppen. Und das waren eine ganze Menge rote Rechtecke.
»Also meine Lieben«, setzte Bridgers an. Er blinzelte kaum. Sein Blick war auf die Karte fokussiert.
Er musste nicht laut reden. Jeder hörte ihn durch den Helm auf dem offenen Umgebungskanal. Die Stille war erdrückend.
»Wir starten eine Gegenoffensive.«
 
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jon

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13:51 Uhr
Es war kein Feuerwerk.
Das ergibt keinen Sinn. Es war auch 13:50 Uhr schon kein Feuerwerk und 13:52 Uhr ist es immer noch keins. Das schreibe ich mal vorab, da 13:51 Uhr auch der Titel des Gesamtwerkes zu sein scheint, was man unter diesen Umständen überdenken sollt. Das (offenbar) situationsverändernde Ereignis findet eben nicht 13:51 Uhr statt.

(Dateil-Anmerkungen folgen)
 

jon

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… Anmerkungen folgen nicht. Nachdem ich wegen der Werbeschwemme, die mitten beim Klicken zu falschen Klicks führt, das zweite Mal anfangen musste und diese Version jetzt auch wieder weg ist, habe ich keine Lust mehr, meine Zeit und Arbeit hier in die Tonne zu kloppen.

Nur so viel: Du solltest Leerzeilen löschen, Wortdopplungen entfernen, die Erzählperspektive sauber durchziehen, Füllwörter streichen, logische und semantische Fehler beheben.
 
Zuletzt bearbeitet:

Scal

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… Anmerkungen folgen nicht. Nachdem ich wegen der Werbeschwemme, die mitten beim Klicken zu falschen Klicks führt, das zweite Mal anfangen musste und diese Version jetzt auch wieder weg ist, habe ich keine Lust mehr, meine Zeit und Arbeit hier in die Tonne zu kloppen.
Das kann ich gut nachvollziehen. Auch ich habe mich schon gefragt, ob ich (nach den vielen Jahren ohne Werbung) mich an Anbetracht dieser gelsenartigen Werbeschwemme in diesen "Räumlichkeiten" weiterhin tummeln soll.
 

jon

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Generell:

Die Leerzeilen im ersten Teil sind inhaltlich nicht nachvollziehbar. Löschen!

Die Erzählperspektive ist nicht stringent. Da der größte Teil des Textes in personeller Erzählweise (Jonas als Point of View) verfasst ist, werde ich Änderungsvorschläge in diesem Sinne machen.



»Klara, Essen!«, rief Jonas von der Terrasse. Aus dem Haus hörte man nur undeutliche Rufe eines siebenjährigen Mädchens. Es war ein wolkenfreier Frühlingstag, weder zu warm noch zu kalt. Eine leichte Brise kühlte Jonas von der prallen Sonne ideal ab. Die Terrasse aus grauweißen Fliesen war für Barfüßler – wie Jonas – von der Sonne angenehm angewärmt. Claudia deckte den Tisch. Ihr leicht gerundeter Bauch verriet die fortgeschrittene Schwangerschaft. Auch wenn Jonas darauf bestand, ihr die Arbeit abzunehmen, wollte Claudia davon nichts hören. Sie war schon immer etwas stur; das hätte sie von ihrer Mutter, meinte sie immer. Jonas wendete die Würstchen auf dem Kugelgrill. Er hatte ihn schon das zweite Mal in Betrieb, war aber immer noch erstaunt, wie viel schneller der Kohlegrill im Vergleich zum alten – oft benutzten, aber jetzt durchgerosteten – Elektrogrill war.
  • Diesen Absatz würde ich unbedingt noch ein- oder zweimal teilen. Eventuell muss man die Formulierungen anpassen.




»Klara, Essen!«, rief Jonas von der Terrasse. Aus dem Haus hörte man nur undeutliche Rufe eines siebenjährigen Mädchens.
  • Warum „nur“? Was hätte man als Leser/als Jonas denn erwartet? Oder meinst du „nur undeutlich“? Dann ebenfalls: Warum sollte man erwarten, dass es klare Rufe sind? – Tipp: „nur“ löschen.
  • Das „man“ zeigt einen echten Beobachter an, der das hört. Tipp: Die Rufe erklangen – dann ist offen, wer es hört.
  • Der Erzähler weiß, dass es ein siebenjähriges Mädchen ist (auktoriale Erzählweise, denn zu sehen ist sie ja nicht). Er lässt offen, ob das Klara ist, suggeriert sogar, dass sie es nicht sein könnte (man nur das Mädchen statt Klara hört). Tipp: Mit „Rufe des siebenjährigen Mädchens“ stellt klar, dass es Klara ist.




Es war ein wolkenfreier Frühlingstag, weder zu warm noch zu kalt. Eine leichte Brise kühlte Jonas von der prallen Sonne ideal ab. Die Terrasse aus grauweißen Fliesen war für Barfüßler – wie Jonas – von der Sonne angenehm angewärmt.
  • Weder zu warm noch zu kalt wofür? Dieser Teil ist entbehrlich.
  • „Von etwas abkühlen“ ist semantisch falsch. Außerdem kühlt die Brise nicht nur Jonas. Ich würde es nach Streichung des in 1 genannten Teils so machen: Es war ein wolkenfreier Frühlingstag. Die Sonne brannte bereits merklich, zugleich ging eine leichte Brise, die Kühlung verschaffte.
  • Ideal in welchem Sinne? Am Rande: Eigentlich ist das nicht ideal – man fühlt zwar die Hitze nicht, aber bekommt trotzdem einen veritablen Sonnenbrand.


Auch wenn Jonas darauf bestand, ihr die Arbeit abzunehmen, wollte Claudia davon nichts hören. Sie war schon immer etwas stur; das hätte sie von ihrer Mutter, meinte sie immer.
  • Claudia würde auch nicht davon hören wollen, wenn Jonaas nicht darauf bestünde.
  • Unschöne Wortdopplung „immer“
  • Anmerkung: Die Weigerung vom Claudia hat nichts mit Sturheit zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand. Sie ist (offenbar komplikationslos) schwanger, nicht siech.


Jonas wendete die Würstchen auf dem Kugelgrill. Er hatte ihn schon das zweite Mal in Betrieb, war aber immer noch erstaunt, wie viel schneller der Kohlegrill im Vergleich zum alten – oft benutzten, aber jetzt durchgerosteten – Elektrogrill war.
  • Wieso „aber“? Ich würde „und“ verstehen, sozusagen als Ergebnis der häufigen Nutzung.


Im Haus polterte jemand die Treppe herunter und ein kleines Mädchen kam aus dem Wohnzimmer durch die Glasschiebetür getapst. Jonas wusste gar nicht, dass ein so kleines Geschöpf so viel Lärm erzeugen kann.
»

  • Oben wusste wer auch immer schon, dass das Mädchen sieben Jahre alt ist. Durch die „Wissensrücknahme“ und durch das „ein“ an dieser Stelle wird offengelassen, ob dieses Mädchen hier dasselbe wie das oben und/oder Klara ist.
  • Wenn das Mädchen durch die Tür geht, wer poltert dann?
  • Siebenjährige tapsen nicht mehr, sie laufen ganz normal.
  • Die Position des Jonas-Satzes bedeutet, dass das Mädchen beim Durch-die-Tür-Treten Lärm macht.
  • Zeitfehler. Richtig: „… erzeugen konnte.“


»Wann gibt's Essen?«, fragte sie mit gierigen Augen und schielte zu den Würstchen rüber.
  • Das „rüber“ ist zu umgangssprachlich.


»Hilfst du deiner Mutter erstmal Tischdecken?«
»Ich sagte doch, ich brauch keine Hilfe!«, beschwerte sich Claudia stur. ABSATZ Klara nahm dies wohl als Anlass, um Jonas auf die Pelle zu rücken. KEIN ABSATZ
»Papa, weißt du, dass man nicht drinnen grillen darf?«
  • Absätze sind falsch. Absatzwechsel bei Redner-/„Redner“-Wechsel, nicht bei neuer Rede.
  • Unschöne Dopplung von „stur“. Außerdem wissen wir schon, dass Jonas das als Stur empfindet. Zudem ist der Protest schon mit „beschwerte sich“ deutlich genug.
  • Das „wohl“ irritiert. Das passt, wenn die Erzähl-Kamera dichter am Point of View ist als hier.
  • „Auf die Pelle rücken“ ist zu umgangssprachlich und zudem negativ belegt, was hier nicht passt.
  • „Anlass, um dingens zu tun“ ist semantisch nicht korrekt, das „um“ muss weg.


»Weil dann das Kohlenmono...« Klara pausierte kurz und runzelte die Stirn: »Monogram,KEIN KOMMA über dem Boden fliegt. Und dann kommt es langsam zu hoch und dann schläft man ein.« Sie war erst letzte Woche am Tag der offenen Tür beim Rettungsdienst. Seitdem spricht sie von nichts anderem mehr.
  • Man kann keine Worte stirnrunzeln. Richtig: … und runzelte die Sirn. »… Monogram über dem Boden …
  • Hinter Rettungsdienst fehlt ein „gewesen“.
  • Zeitfehler. Richtig: „sprach“

Klara lächelte ihn an. Sie freute sich, ihrem Vater etwas beigebracht zu haben.
  • Vorhin stellte Jonas noch explizit eine Vermutung über Klaras Innenleben an (nahm wohl zum Anlass), hier weiß er plötzlich etwas, was er nicht wissen kann. Klar liegt die Deutung nahe, es kann aber auch sein, dass Klara ihn manipulieren wollte und sich nun über den Erfolg freut. Oder dass sie sich freut, dass sie das schwierige Wort wohl richtig aussprach, denn Jonas hat sie nicht korrigiert. Oder dass sie schon wieder bei einem ganz anderen Gedanken ist.


»Würstchen, Minutensteak oder Grillkäse?«, fragte Jonas seine Stieftochter. ASBATZ Diese schaute ihm enthusiastisch zu, wie er die Würstchen mit der Zange drehte.KEIN ABSATZ
»Steak!«, sagte sie frech und rannte nach hinten in den Garten, zu ihrem Klettergerüst an der Kirsche. Jonas legte währenddessen das geforderte Minutensteak zu seinen Würstchen.
  • Absätze anpassen!
  • Wie kann man jemanden enthusiastisch zu sehen?
  • Inwiefern sagt sie das frech? Ich würde „frech“ verstehen, wenn sie sich etwas wünscht, was Jonas gar nicht angeboten hat.
  • Anmerkung: Ich verstehe, dass du „Minutensteak“ schreibst. Ein normales Steak müsste quasi zeitgleich mit den Würstchen gegrillt werden. Aber: Minutensteaks sind eine kulinarische Katastrophe, auch und gerade aus Rindfleisch. Die sind viel zu schnell durch – lange bevor sie überhaupt den Anschein von Brat-Farbe annehmen, sind sie schon furztrocken und (bei Rindfleisch) hart.


»Weiß ich doch«, lächelte er sie an und legte den Grillkäse etwas entfernt vom Fleisch. »Und du willst sicher nicht mal das Fleisch probieren? Die Steaks sind sogar echtes Rind, nicht gezüchtet.«
Claudia ernährte sich, seit sie sich kennen, vegetarisch – sie vertrug kein Laborfleisch.
  • Hinter „vom Fleisch“ fehlt etwas. „auf den Rost“? („Wohin legen“, nicht „wo legen“.)
  • Zeitfehler. Richtig: seit sie sich kannten
  • Wenn sie Laborfleisch nicht verträgt, aß sie sicher schon ihrer Zeit mit Jonas keines. Abgesehen davon: Wichtig für den Sinn der Frage bzw. den Hinweis auf echtes Rind ist NICHT, dass sie vegetarisch isst, sondern dass sie Laborfleisch nicht verträgt. Man kann alles andere an diesem Satz also löschen.
  • Wenn der Grund die Unverträglichkeit ist, dann ist das „sogar“ eine Frechheit. Denn das heißt, er bietet ihr ganz allgemein Fleisch an, dass es echtes ist, ist nur ein Bonus. Also: „sogar“ streichen.


»Ich habe schon seit fast einem Jahrzehnt kein Fleisch mehr gehabt, dann muss ich jetzt nicht damit anfangen.« Sie wusste, dass er es nur gut meinte. Echtes Rind war mittlerweile Luxusgut.
  • „Kein Fleisch mehr gehabt“ heißt, sie hatte keins, hätte es aber (gern) gegessen, wenn sie welches gehabt hätte.
  • Wieso hat sie erst seit zehn Jahren kein Fleisch mehr gegessen? Wofür ist das wichtig? Das wirkt an dieser Stelle wie eine überflüssige Info, die den Satz unnötigerweise sperrig macht. Und wieso „muss“? Niemand sagt, dass sie muss.
  • Perspektivfehler. An dieser Stelle kann Jonas nur hoffen, dass sie es weiß bzw. im Moment gerade denkt, dass sie es weiß.


»Dann bleibt mehr für uns«, erwiderte Jonas neckisch und schaute zu Klara, die sich weiter hinten im Garten am Klettergerüst entlanghing und vor sich hin murmelte. Wahrscheinlich ist sie wieder in einem ihrer Tagträume.
  • Wieso neckisch? Das wäre sinnvoll, wenn er zu Klara sagen würde, während sie Blickkontakt haben.
  • Die sich „entlanghing“?? Meinst du „entlanghangelte“?
  • Klara ist weiter hinten im Garten – er kann nicht hören, dass sie vor sich hin murmelt.
  • Zeitfehler. Korrekt: Wahrscheinlich war …


Jonas kannte sie schon, seit sie lernte zu laufen.
  • Umständlich. Besser: laufen lernte


Zuerst war es schwierig – der Gedanke –, ein Kind großzuziehen, welches nicht das eigene war. Wenige Wochen, nachdem er Klara kennenlernte – so stellte er fest –, waren seine Sorgen unbegründet.
  • Hier ist einiges verquer. Was ist mit welchem Gedanken? Die Sorgen waren erst nach wenigen Wochen unbegründet? Warum waren sie in den ersten Wochen begründet und was hat sich geändert?


Mittlerweile liebte er sie wie seine eigene Tochter – auch wenn er es vor Claudia niemals zugeben würde. Das musste er auch gar nicht. Claudia sah es ihm sowieso schon an.
  • Zeitfehler. zugegeben hätte
  • Was gibt es denn da „zuzugeben“?
  • Perspektivfehler: Er kann nicht wissen, dass sie ihm das ansieht. (Wie immer sie das gemacht haben soll.)
  • Füllwörter: sowieso schon


Klara hangelte sich,KEIN KOMMA wie der Affe Cokus – aus ihrer Kindersendung – durch die Baumkronen des Dschungels. Eigentlich war es nur das Klettergerüst im Garten, aber für sie war es der dichte Dschungel im Amazonas. Da! Ein verletzter Affe. Er hatte die Liane nicht richtig erwischt und sich ein Bein gebrochen. Klara trat näher an ihn heran.
»Keine Sorge, ich mache dir eine Schiene«, flüsterte sie ihm zu. Sie holte einen Stock von unter dem Baum, an dem das Klettergerüst befestigt war, und legte sie dem Affen an. Von außen betrachtet sah es zwar etwas seltsam aus – wie ein kleines Mädchen, das versuchte, einem imaginären Affen eine Schiene anzubringen –, aber sie war in ihrer Fantasie komplett immersiert. Die Sozialtage haben ordentlich Eindruck bei ihr hinterlassen. Am liebsten wollte sie nun Ärztin oder Rettungssanitäterin nach der Schule werden. Sie legte erfolgreich dem Affen die Schiene an.
»Essen ist fertig«, rief Claudia.
»Dein Steak wartet schon«, fügte Jonas hinzu. Klara schaute auf ihre weiß-rote Uhr, die ihr vom Rettungsdienst geschenkt wurde.
»Komme!«
Dieser ganze Teil stinkt gegenüber dem Rest komplett ab, um es mal salopp auszudrücken. Da wechselt z. B. nicht nur der Point of View, auch die Erzählhaltung ist eine ganz andere. Dann gibt es sogar zwei Erzählperspektiven auf einmal. Außerdem: Wozu im ersten Satz der Einschub? Nach den vielen eher laxen Formulierungen brettert ein Fremdwort hier rein, das nicht mal ansatzweise nötig gewesen wäre. Was denn für Sozialtage? Und: Es gibt die üblichen Zeitfehler und am Ende stimmen die Absätze wieder nicht.



13:50 Uhr

Sie verabschiedete sich vom Affen. Als sie sich von ihm umdrehte und zurück zur Terrasse tapste, dankten ihr die anderen Waldbewohner mit einem riesigen Feuerwerk über dem Himmel.
  • Hier wird durch die Zeitangabe ein Zeitsprung suggeriert, den es im Text gar nicht gibt.
  • Wieder: Perspektive wechselt. „Von ihm umdrehen“ ist semantisch falsch. Siebenjährige tapsen nicht. Was für Waldbewohner? Feuerwerk ÜBER dem Himmel?


13:51 Uhr

Es war kein Feuerwerk.


Siehe ersten Kommentar.
 

LeoLoyala

Mitglied
Das ergibt keinen Sinn. Es war auch 13:50 Uhr schon kein Feuerwerk und 13:52 Uhr ist es immer noch keins. Das schreibe ich mal vorab, da 13:51 Uhr auch der Titel des Gesamtwerkes zu sein scheint, was man unter diesen Umständen überdenken sollt. Das (offenbar) situationsverändernde Ereignis findet eben nicht 13:51 Uhr statt.

(Dateil-Anmerkungen folgen)
Danke für die ganzen Anmerkungen, trotz der behindernden Werbung. Ich werde den Prolog wohl nochmal überarbeiten.
 



 
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