26.07.2018

Ich küsste die Hand, die mich schlug

Einzelne Sonnenstrahlen schleichen sich durch die Spalten meiner Rollläden, malen weiße Punkte an meine Wand und kitzeln meine Augen wach. Ein leiser, tiefer Atemzug entweicht meiner Lunge und eine warme Hand, legt sich auf meinen Bauch. Ich blinzle verschlafen zur anderen Seite des Bettes und werde von einem liebevollen Lächeln begrüßt. Seine Augen glänzen in dem Licht der Sonne bernsteinfarben, jedes Mal könnte ich mich in Ihnen verlieren.

„Guten Morgen, mein Engel.“, flüstert er schlaftrunken, „Wie hast du geschlafen?“, „Gut, aber leider zu kurz.“, antworte ich und lächle ihm entgegen. Er zieht mich in seine Arme und seine Muskeln spannen sich an. Ich schließe meine Augen und vergesse für einen ganz kurzen Moment alles um mich herum. Fühlt sich so Liebe an? Seine Hand streichelt meine Wange, ich öffne meine Augen und unsere Blicke treffen sich erneut. Ich muss unwillkürlich wieder Lächeln. Ja, ich glaube so fühlt sich Liebe an. Ich greife nach seiner Hand und küsse seine Handfläche. Wie groß sie ist im Gegensatz zu meiner.

„Deine Hände sind so groß.“, sage ich und grinse. Er drückt mich ein wenig fester, „Irgendwie muss ich dich doch festhalten, sonst läufst du mir noch weg.“ Ich lege meine Arme um ihn und sage: „Niemals.“. Und er flüstert „Ich weiß.“. Ich wünschte ich könnte für immer hier liegen. In seinen Armen. Und nie wieder in die Realität zurückkehren müssen. Aber mein Magen fängt an zu knurren. Der Spielverderber. „Lass uns frühstücken.“, sagt er und löst sich aus meiner Umarmung, um aufzustehen. „Ja, geh ruhig schon mal in die Küche,“ erwidere ich „ich muss noch schnell die Bettwäsche abziehen und in die Waschmaschine werfen. „Können wir das nicht nach dem Frühstück machen?“, fragt er genervt. Ich blinzle ihm verwundert und leicht nervös entgegen. „Natürlich könnten wir das, aber ich könnte auch die Waschmaschine während dem Frühstück anschmeißen und dann kann ich die Wäsche danach direkt aufhängen.“.

Er seufzt und verlässt das Schlafzimmer. Kehrt jedoch um, als er hört, dass ich die Schranktüren öffne um den Staubsauger herauszuholen. „Was soll das jetzt werden?“ fragt er wütend, „Warum musst du morgens immer so einen Zirkus veranstalten? Pack den Scheiß jetzt weg. Staubsaugen kannst du später.“. „Nein,“ sage ich „ich will nur kurz hier durchsaugen.“ Ich wende ihm den Rücken zu und greife nach dem Griff des Staubsaugers. Plötzlich schnellt mein Kopf zur Seite, meine Wange brennt und in meinem Ohr nehme ich ein schrilles Piepen wahr. Schock, Unglauben und Adrenalin vermischen sich in meinem Körper zu einem schrecklichen Gefühl der Angst und meine Beine werden schwach. Ich versuche nach etwas zu greifen, an dem ich mich festhalten kann, jedoch fasst meine Hand ins Leere und ich falle ungebremst gegen die ungeöffnete Schranktür. „Du Fotze, was stresst du mich morgens so? Wenn ich sage, dass wir die Hausarbeit später machen, dann meine ich das so.“. Er geht an mir vorbei, um sein Handy vom Nachttisch zu holen und tippt etwas ein, „Ey, lass mal frühstücken gehen, hole dich in fünf Minuten ab.“, sagt er ins Telefon, packt seine Klamotten, die er am Vorabend auf dem Boden hat liegen lassen und verlässt das Zimmer.

Mein Blick ist verschwommen, Blut fließt aus meiner Nase und mein Kopf dröhnt. Leise Tränen über meine Wangen. Fühlt sich so Liebe an?
 

Otto Lenk

Foren-Redakteur
Teammitglied
Willkommen in der Lupe, Kate Astrophal.

Eigentlich hoffe ich, dass es sich um einen fiktiven Tagebucheintrag handelt. Leider spricht das genaue Datum dagegen.
Man wünscht sich, dass du die Trennung von diesem Menschen geschafft hast. Vielleicht magst du davon berichten, wie es weiter ging.

LG Otto

Bleib gesund!
 
Zuletzt bearbeitet:
06.01.2018

Ich spüre das leichte Vibrieren in meiner Jackentasche. Es ist kalt draußen, aber es schneit zum Glück nicht. Ich ziehe an meiner Zigarette, puste den Rauch langsam aus und greife nach meinem Handy.
„Ich hole dich heute Abend ab. Etwa gegen 18:00 Uhr. Ich habe eine Überraschung für dich.“
Heute ist es genau ein Jahr. Wie schnell die Zeit doch vergeht. „Ich freue mich so sehr.“, schreibe ich zurück. Das stimmt. Wann war ich das letzte Mal so aufgeregt?
„Mach dich hübsch, ok?“, kommt zurück. Das klingt gut. Wir unternehmen nicht oft was zusammen, meistens sind wir nur bei mir, deswegen freue ich mich umso mehr.

Ich ziehe mein schwarzes Kleid an habe ich entschieden. Es liegt sehr eng an. Wirken dadurch meine Hüften zu breit? Sicherheitshalber ziehe ich noch einen schwarzen Wollkardigan drüber, dann fällt das nicht so auf. Dazu noch schwarze Nylonstrümpfe und schwarze Pumps. Ein schwarzer Cateye Eyliner, Wimperntusche und dunkelroten Lippenstift. Perfekt. Es ist Punkt 18:00 Uhr. Aber er ist nicht da.
„Wo bist du?“, schreibe ich und bin schon genervt.
„Unterwegs, brauche noch ein bisschen. Bin in einer Stunde da.“.
Eine Stunde? Nicht mal an diesem Tag kann er pünktlich sein.
19:40 Uhr: „Ich bin da, komm raus.“. Endlich. Ich ziehe mir meinen Mantel schnell über und beeile mich zu seinem Auto. Ohne vernünftige Hose ist es noch kälter. Er lächelt mich aus dem Auto an und seine Augen glänzen. „Du bist wunderschön.“, sagt er. „Du siehst auch nicht schlecht aus“, necke ich ihn. Weißes Hemd, dunkle Hose. Schlicht aber schick.
Er begutachtet mich eindringlich. „Was ist das für ein Lippenstift?“. „Meiner.“, antworte ich.
„Sieht nicht gut aus, irgendwie billig.“ sagt er „aber sonst ist alles top.“. Er lächelt wieder, als hätte er mich gerade nicht beleidigt. Das Lächeln in meinem Gesicht ist jedoch verschwunden. „Jetzt sei nicht abgefuckt. Das war nicht böse gemeint. Freu dich lieber auf deine Überraschung.“.

Wir kommen im „Paris Club“ in Düsseldorf an. Oh mein Gott, wie schön es hier ist. Es ist das erste Mal, dass ich so schick essen gehe.
Der Kellner geleitet uns an den Tisch und nimmt unsere Bestellung auf. Wir machen noch schnell ein paar Fotos bevor das Essen kommt. Er hat ein Steak bestellt und ich Tagliatelle mit einer Pfifferlingsauce.
„Wow, es ist so schön hier. Ich habe irgendwie geahnt, dass du mich mit hierher nimmst.“, sage ich und lächle ihn an.
„Wieso? Wie hättest du das ahnen können?“, fragt er und sein Gesicht wirkt fast angewidert.
„Du hast mir doch mal gesagt ‚Irgendwann gehen wir in einem Restaurant essen, das in einem hohen Stockwerk liegt und von wo man eine wunderschöne Aussicht hat.“.
„Nein, hab ich nicht,“ sagt er mit einem aggressiven Unterton, „ich habe selbst erst heute von diesem Restaurant erfahren. Du verwechselst mich mit einem von deinen Typen, die du hattest.“. Ich merke wie meine Wangen heiß werden und mein Herz anfängt zu pochen. „Ich weiß, dass du mir das gesagt hast, Schatz.“ versuche ich ihn zu besänftigen.
Er presst seine Lippen zusammen und ich sehe ihm an, wie Wut in ihm aufsteigt „Du bist eine Schlampe, woher willst du wissen, wer von deinen Exen das gesagt hat? ...Scheiß jetzt einfach drauf und mach den Abend damit nicht kaputt“. Bitte nicht. Nicht hier. „Ich schwöre dir niemand hat mir das gesagt. Du warst das.“ flüstere ich und versuche ihn damit zu beruhigen. Er greift nach dem Messer auf dem Tisch und hält es drohend in seiner Faust, „Halt deine Fresse, bevor ich hier ausraste.“. Ich merke, wie die Menschen um uns herum uns anstarren. „Denkst du, dass du hier sicher vor mir bist, nur weil hier Menschen sind? Ich bringe hier alle um, wenn es sein muss.“ Tränen steigen mir in die Augen und mein Blick verschwimmt. Nicht weinen. Nicht hier. Mein Herz rast und meine Beine und Arme fangen an zu kribbeln.
„Ist alles in Ordnung?“. Plötzlich steht der Oberkellner neben unserem Tisch und rettet mich mit seiner Stimme vor einer Panikattacke. Ich schaue auf meinen Teller, damit er meine Augen nicht sieht.
„Ja, alles prima. Wir hätten gerne die Rechnung.“.

Wir sitzen wieder im Auto und begeben uns auf den Heimweg. Ich schaue aus dem Fenster. Er legt seine Hand auf mein Bein und ich zucke unwillkürlich zusammen. „Ich meinte mal zu dir, dass ich ein Restaurant in Köln kenne, Osman 30. Ich wollte da mal mit dir hin. Von dort hat man eine gute Aussicht... aber egal jetzt. Ist nicht so schlimm.“, sagt er und streichelt über mein Knie.
 

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