Am Strand

3,70 Stern(e) 3 Bewertungen

LenoX

Mitglied
Die Sonne steht am Himmel, schickt ihre wärmenden Strahlen zur Erde. Langsam schlendern wir den langen Strand entlang. Bei jeder Welle, welche meine nackten Füße umspült, erschauere ich. Zehen, die sich in den Sand graben, Wärme auf der Haut, eine sanfte Brise, die durchs Haar weht.
Die Nordsee hat ihren eigenen Charme.
Die salzhaltige Luft, die in meine Lungen strömt, lässt den Mief der Großstadt bei jedem Atemzug verblassen. An einer beschaulichen Ecke des Strandabschnitts breite ich die Decke aus, die wir von zuhause mitgebracht haben.
Nur das Rauschen der Wellen, dazu die Schreie der Möwen sind zu hören. Wortlos wandert dein Blick hinaus aufs Meer. Wo bist du mit den Gedanken?
Minute um Minute verstreicht ohne ein Wort. Diese ebenmäßigen Konturen, zarte Haut, die vom Wind rosig gefärbten Wangen. Wie schön Du bist. Die braunen Augen, die ich, seit wir uns kennen, zu ergründen versuche. Die Strähne, die dir ständig ins Gesicht fällt.
Unvermittelt zieht sich meine Brust zusammen, Furcht keimt in mir auf. Wann habe ich dich zuletzt Lachen gesehen? Ich vermag es nicht zu sagen. In letzter Zeit erscheinst du mir oft kühl, abwesend. In Gedanken gehe ich die vergangenen Tage durch. Versuche, mich daran zu erinnern, ob ich irgendetwas gesagt, beziehungsweise angestellt habe, dass dich verletzt hat. Nach einer gefühlten Ewigkeit spüre ich eine sanfte Berührung. Deine schlanken Finger ergreifen meine Hand, legen sie in die deine.

Die Zeit scheint still zu stehen. Indes versuche ich, mir die lähmende Angst nicht anmerken zu lassen, drehe ich mich langsam zu dir um. Du schaust mir direkt in die Augen. Ich sehe, dass du geweint hast. Eine Träne rinnt über deine Wange. Ich unterdrücke den Impuls, sie fortzuwischen.
„Wir müssen reden“, sagst du mit leiser Stimme. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ein Kloß schnürt mir die Kehle zu. Ich sage nichts, nicke.
„Ich habe lange über uns und unsere Beziehung nachgedacht“, erklärst du weiter.
Ich verliere sie, schießt es mir durch den Kopf. „Du verdammter Idiot! Was hast du bloß angestellt?“, schnauze ich mich selber in Gedanken an.
„Ich kann so nicht weitermachen“. Die Zeit scheint still zu stehen.
„Also bin ich zu einer Entscheidung gekommen“.
Ist das der Moment, an dem ich sie zum letzten Mal sehen und ihre Hand halten werde? Ich versuche, jede Einzelheit ihres Gesichts bewusst aufzunehmen, ihr ganzes Wesen, wie ich es kannte, festzuhalten, für die Ewigkeit zu bewahren.
„Wie gesagt, habe ich für mich eine Entscheidung getroffen.“
Ich kämpfe gegen die Traurigkeit an, die mir das Herz einschnürt.
„Ich möchte den Rest meines Lebens an deiner Seite verbringen. Will mit dir gemeinsam alt werden“.
Habe ich mich verhört? Die Gedanken rasen, alles dreht sich.
Im nächsten Moment entdecke ich dieses charmante lächeln, das mich seinerzeit in den Bann gezogen hat. Die Angst fällt von mir ab.
Als die Sonne versinkt, den Himmel langsam in ein rötliches Licht taucht, sitzen wir einfach da, den Blick aufs Meer gerichtet.
 
Zuletzt bearbeitet:

Klaus K.

Mitglied
Eine Wohltat, ein Caspar David Friedrich mit einer kräftigen Prise Novalis! Wenn man unterstellt, dass hier auch viele jüngere Leute mitlesen, dann wird etwas sehr Erstrebenswertes vermittelt. Das, worum es in einer Beziehung eigentlich geht. Vereinzelt kann man es ja noch sehen, wenn ein älteres Paar "händchenhaltend" auf einer Bank sitzt. Das sind die wahren Werte. Daran muß man vielleicht arbeiten, aber - aus eigener Erfahrung - es lohnt sich. Und es ist absolut unbezahlbar. -
 

Hagen

Mitglied
Hallo LenoX,
eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe.
Irgendwie hat sie mmich berührt; - nicht nur weil wir auch ein 'älteres Paar' sind.

Nun denn, in diesem Sinne, wir sehen uns in der ScheinBAR!
Zudem lesen wir uns weiterhin!
... und bleib' schön fröhlich, gesund und munter!
Herzlichst
Yours Hagen

_____________________________________________________________________
Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Worte,
denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deinen Charakter,
denn er wird Dein Schicksal.


Asiatisches Sprichwort​
 
Hallo LenoX,

eine sehr schöne Geschichte als Einstieg. Habe mir aber schon gedacht, dass die ängstlichen Gedanken unnötig waren, dass etwas Positives am Ende stehen würde.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich anzustreichen (Textarbeit):

... Sand graben, Wärme auf der Haut, ...
Wo bist du mit den Gedanken Fragezeichen
... braunen Augen, die ich Komma seit wir uns kennen, ...
Ich sage ich nichts, nicke.
"Du verdammter Idiot Ausrufezeichen Was hast du bloß angestellt Fragezeichen", ...
... nicht weitermachen."
... Entscheidung kommen."
... gemeinsam alt werden." Absatz
... dieses charmante Lächeln, dass mich ...

Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

onivido

Mitglied
Hallo LenoX,
bin froh ueber das happy end, muss aber ein bisschen noergeln.
" Wortlos wandert dein Blick "
Kann ein Blick wortlos sein?
" Ich sage ich nichts "
Ist hier nicht ein "ich" zuviel?
Viele Gruesse///Onivido
 

LenoX

Mitglied
Hallo LenoX,
bin froh ueber das happy end, muss aber ein bisschen noergeln.
" Wortlos wandert dein Blick "
Kann ein Blick wortlos sein?
" Ich sage ich nichts "
Ist hier nicht ein "ich" zuviel?
Viele Gruesse///Onivido

Hallo Onivido,
danke für dein "Nörgeln" :D
Hast recht, da war wirklich einmal "ich" zu viel.
Der Blick an sich ist schon ohne Worte, denke ich.
Gemeint war hier aber, dass Sie in der Situation nur stillschweigend aufs Meer hinaus schaut.

LG
 

LenoX

Mitglied
Hallo LenoX,

eine sehr schöne Geschichte als Einstieg. Habe mir aber schon gedacht, dass die ängstlichen Gedanken unnötig waren, dass etwas Positives am Ende stehen würde.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich anzustreichen (Textarbeit):

... Sand graben, Wärme auf der Haut, ...
Wo bist du mit den Gedanken Fragezeichen
... braunen Augen, die ich Komma seit wir uns kennen, ...
Ich sage ich nichts, nicke.
"Du verdammter Idiot Ausrufezeichen Was hast du bloß angestellt Fragezeichen", ...
... nicht weitermachen."
... Entscheidung kommen."
... gemeinsam alt werden." Absatz
... dieses charmante Lächeln, dass mich ...

Schöne Grüße,
Rainer Zufall

Hallo Rainer Zufall,

danke für dein Feedback.
Habe den Text nach deinen Angaben überarbeitet.
LG
 

LenoX

Mitglied
Hallo LenoX,
eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe.
Irgendwie hat sie mmich berührt; - nicht nur weil wir auch ein 'älteres Paar' sind.

Nun denn, in diesem Sinne, wir sehen uns in der ScheinBAR!
Zudem lesen wir uns weiterhin!
... und bleib' schön fröhlich, gesund und munter!
Herzlichst
Yours Hagen

_____________________________________________________________________
Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Worte,
denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deinen Charakter,
denn er wird Dein Schicksal.


Asiatisches Sprichwort​

Hallo Hagen,

es freut mich, dass die Geschichte dich berührt hat.
Allerdings frage ich mich, was innerhalb der Story den Anschein erweckt, es könnte sich bei den Charakteren um ein älteres Pärchen handeln?
Sicher, die Charaktere sind ja nicht näher beschrieben.
Weder ihr Aussehen, noch wie alt sie sind somit bleibt es der Phantasie des geneigten Lesers überlassen in welche Phase ihres Lebens man sie einordnet.
Trotzdem bin ich etwas verwirrt.

Lieben Gruß
 

DocSchneider

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo LenoX,

eine Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein.

Sie muss nicht wahr sein, aber sie muss überzeugen.

Bei mir funktioniert das nicht.

Sie erinnert mich an den Witz mit den ewig Verlobten: Die Frau sagt: Sollen wir nicht heiraten? und er antwortet: Wer will uns denn jetzt noch?!

Deine Geschichte wirkt - zumindest auf mich - unglaubwürdig. Wieso verhält sich die Frau vor dem "Heiratsantrag" so abweisend? Das passt doch nicht zu einer positiven Entscheidung, die sie letztendlich fällt.

Außerdem - wieso weint sie? Vor Glück? Das kann ich aber nicht erkennen.

Und der Mann wirkt total verunsichert.

Also mich nimmt das Geschilderte nicht mit.

Formale Tipps hast du schon bekommen.

Der schlimmste Satz ist übrigens "Wir müssen reden!"

Er ist sehr abgedroschen und leitet meistens eine Trennung ein.

Mit Gruß

DS
 

Hagen

Mitglied
Hallo LenoX,
Du brauchst nicht verwirrt zu sein.
Die Art der Gespräche deutet darauf hin, dass es sich um ein 'älteres Paar' handelt.
Junge Leute beschäftigen sich meist mit was anderem, als sich über den Rest des Lebens zu unterhalten.

Nun denn, in diesem Sinne, wir sehen uns in der ScheinBAR!
Zudem lesen wir uns weiterhin!
... und bleib' schön fröhlich, gesund und munter!
Herzlichst
Yours Hagen
________________________________________________
Das Glück des Augenblicks lässt sich nicht für später aufheben.
Ernst Ferstl
 

LenoX

Mitglied
Hallo Doc Schneider,

danke für dein Feedback.
Es ist schade, dass meine Geschichte dich nicht erreichen konnte, aber die Geschmäcker sind nun mal verschieden.
Trotzdem habe ich über das nachgedacht, was du geschrieben hast.

Vielleicht trägt ein wenig Hintergrundinformation zum besseren Verständnis bei!

Bei den beiden Charaktere handelt es sich nicht, wie bisher angenommen, um ein Pärchen oder ein älteres Ehepaar.
Die beiden sind ungefähr Mitte 30 und seit frühester Kindheit sehr eng befreundet.
Als sie älter wurden, bemerkte der junge Mann das seine Gefühle zunehmend stärker wurden.
Sie bemerkte die Veränderung in seinem Verhalten und sprach ihn darauf hin an.
Aus Angst, die Freundschaft zu ihr zu verlieren, schwieg er zunächst.
Einige Zeit später wagte er es dann doch, nach reiflicher Überlegung ihr zu sagen was er für sie empfindet.
Leider führte das nicht zu dem von ihm erhofften Ergebnis. Sie sagte ihm, dass sie ihn zwar sehr gern habe, aber eben nur als guten Freund.

In diesem Zusammenhang fällt mir auf das der folgende Satz wohl dazu geführt hat, das bisher alle von einem Gespräch zwischen einem Pärchen ausgegangen sind.

„Ich habe lange über uns und unsere Beziehung nachgedacht“, erklärst du weiter.

Diesen Satz hätte ich vielleicht etwas anders formulieren sollen :rolleyes:
Erst in den kommenden Jahren musste sie sich eingestehen das sie sich in der ganzen Zeit etwas vorgemacht hatte.
Dies führte dann zu der Szene, die ich in meiner Kurzgeschichte beschrieben habe.

Lieben Gruß
LenoX
 

Oben Unten