aufzunehmen

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lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das mit den Paragraphenzeichen verstehe ich nicht, aber der Rest ist ein treffendes Bild für die innaktive Anteilnahme, für Konsum und den innewohnenden Verlust an Leben.
Anteil nehmen ist nicht Dabeisein.

cu
lap
 

HerbertH

Mitglied
§§1 aufzunehmen sind ...

Hi Lap,

die Paragraphenzeichen sind ein Hinweis, dass man den Titel rechtlich (aufnehmen ins Land ja, ausschlachten in medien ?!?) lesen kann bzw. auch so etwas assoziieren sollte.

aufzunehmen ist also bewusst mehrdeutig gewählt.

Liebe Grüße

Herbert
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
ah! Ich hatte überlegt welche Formatierung das maskieren soll oder welcher Tag das sein könnte.
:D
 

Hyazinthe

Mitglied
Hallo HerbertH!

Mir ist beim Lesen deines Gedichts eine Gänsehaut über den Körper gelaufen. Es war mir sofort klar, was du meinst. Du bringst die verzweifelte Situation der Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken, während laufend in den Nachrichten davon berichtet wird, mit ein paar Worten auf den Punkt. Auch die Paragraphenzeichen, die das Wort "aufzunehmen" einrahmen, sind völlig klar; sie deuten das völlige Versagen der sog. rechtsstaatlichen Ordnung an.
Besonders erschüttert hat mich das Wort "küssten".
Normalerweise ein Ausdruck der Zärtlichkeit, oder der Begrüßung. Hier umschreibt es den Tod des Ertrinkens.
Wahrlich erschütternd.

Danke für dieses lyrische Erlebnis!

Gruß, Hyazinthe
 

HerbertH

Mitglied
Hi Lap,

das ganze entstand auf einem eBook-Reader. Da ich im Editor den Titel nicht markieren konnte, versuchte ich "< b >... < /b >" (ohne Leerzeichen), um den Titel fett zu machen. Komischerweise wurden diese Tags nicht aufgelöst.

Da fiel mir ein, wie ich aus dieser Not eine Tugend machen konnte, indem ich "b" durch "§" ersetzte.

Das Ganze ist zwar etwas verkopft, aber bringt auf einer Meta-Ebene die Paragraphen ins Spiel.

;)

Ohne die Tags könnte man auch "§§ aufzunehmen" schreiben, aber das ist fast schon zu direkt, oder? ;)

Das Thema des Gedichts ist natürlich keineswegs humorvoll...

LG Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Hyazinthe,

ja, es ist erschütternd. Zu der Berichterstattung habe ich ein gemischtes Gefühl: Einerseits würde ohne sie das Bewusstsein für das Elend gar nicht vorhanden sein. Andererseits ist manche Berichterstattung so reißerisch, dass man beim Zuschauen/Lesen langsam aber sicher abstumpft.

Das Gedicht wurde durch einen eigentlich recht guten Bericht im Fernsehen ausgelöst, bei dem das Schicksal eines Überlebenden dargestellt wurde. Die Bilder wurden gemacht von Bord eines Schiffes, das die Flüchtlinge aufnehmen wollte, wobei das Boot mit den Flüchtlingen kenterte. Ein furchtbares Bild, vor allem als danach im Kommentar von mehreren hundert Toten berichtet wurde, die so nah vor der Rettung scheiterten.

Das "küssten" spielt natürlich mit dem klangnahen "küsten".
Damit geht es nicht nur um andere, die starben, sondern auch um Leute in anderen Regionen...

Der Tod ist leider nicht zärtlich.

Danke für Deinen Kommentar, der mir zeigt, dass dieses Gedicht die nötige Wirkung hat.

Liebe Grüße

Herbert
 

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