John Wein
Mitglied
Bis ans Ende der Welt
Unser Leben ist ein immerwährendes Kommen und Gehen, ein endloser Anfang und ein anfangloses Ende, zu ein und derselben Zeit. Der Augenblick nimmt nichts vorweg, er weiß nicht. Er ist!
Lyon, Flughafen, Sonntag, der 15. Juni 2008. Die Luft über der Auffahrt flimmert. Ich stehe am Ausgang, direkt an der Haltestelle, ein Platz, wo die Architektur ihren kühlen Schutz verliert und der Sommer seine ganze Kraft entfaltet. Ich greife nach meiner Wasserflasche, nehme einen Schluck, während mein Blick schweifend die Menschengruppe taxiert, die mit mir hier warten. Ich setze ab, wische mir die Feuchtigkeit von der Oberlippe und starre auf die Fahrbahn. Noch trennt uns das Schweigen, doch die gemeinsame Zeit hat an dieser Haltestelle, unter der gleißenden Sonne Lyons, längst ihren Anfang genommen.
„Hallo, ich bin Katrin!“ So stellt sich die junge Frau vor, die die Wartenden in den vorfahrenden Bus zu sich hineinruft und durchzählt. Sie ist Hamburgerin und nennt Frankreich seit zwei Jahrzehnten ihr Zuhause. Während sie uns routiniert in ihren Listen registriert und markiert, weicht unsere Unsicherheit einer ersten, vorsichtigen Struktur. „Schön, alle da!“, verkündet sie. Es klingt wie das offizielle Startsignal für alles, was nun folgen wird.
Sie startet den Bus für eine zweistündige Reise nach Le Puy-en-Velay, Département Haute-Loire, in der Auvergne. Die kurvenreiche Nationalstraße windet sich an den Hängen entlang. Besonders hinten links, auf meinem Platz, ist die Perspektive eine ganz eigene. In den Kurven ragt das Heck des Busses gefährlich weit über die Steilhänge hinaus.
„Ich schlage vor, wir sprechen uns mit Vornamen an, weil wir ja ab jetzt eine Familie sind; sozusagen!“
Katrins Vorschlag lässt wenig Raum für Einwände; sozusagen. In der Enge des Busses wird die Hierarchie des Alltags gegen die Intimität der Gruppe getauscht. Wer würde jetzt, gefangen in dem fliegenden Metallgehäuse, auch widersprechen? Die Warnung „Tüten auf Nachfrage“ hängt wie ein unausgesprochenes Versprechen in der Luft. Ein Blick in die Tiefe ist keine Option; man klammert sich lieber an das „Du“ und die Hoffnung auf einen stabilen Magen.
„Habt ihr alle gut eingelaufenes Schuhwerk?“ Das sei wichtig und Voraussetzung in diesem Gelände. „Mindestens 50 km“, gibt sie als Qualitätsmarke an, „ich denke von euch hat jeder ein bisschen Erfahrung im Pilgern oder Trecken, sonst hättet ihr wahrscheinlich diese Reise nicht gebucht, erzählt doch mal,“ versucht sie die schweigend dösige Truppe aufzumuntern.
Zäh entfaltet sich ein informeller Wettbewerb der Wanderstiefel-Erfahrungen, der mich aber immer tiefer in die Polster der hinteren Sitzreihe drückt. Draußen fliegt die Landschaft vorbei, drinnen werden die Legenden geschmiedet und während die anderen ihre Kilometer wie Medaillen polieren, trage ich mein Motiv stumm unter der Haut.
Ralf mit Partnerin Eva: Er, stämmiger Bariton aus Rosenheim, macht den Anfang. Seine Worte zu einer Alpenüberquerung trägt er vor, als wäre es ein kleine Almwanderung im Allgäu gewesen.
Wolfgang und Erika: Zwei rheinische Frohnaturen aus Bonn, deren Wallfahrt nach Trier, wie ein immerwährender, gläubiger Bußlauf im letzten Jahr, nachklingt.
Beat und Vera, die Schweizer Fraktion neben mir, deren Akzent so kantig ist, wie die Eiger Nordwand.
Annegret und Ursula: Die Stimmen aus der Schwaben Metropole und Mainfranken, die das bunte Mosaik meiner neuen „Familie“ vervollständigen.
Die Luft im Shuttle-Bus ist verbraucht, ein Gemisch aus Erwartung und der letzten kühlen Brise der Klimaanlage. Ich greife nach meiner Wasserflasche, als wäre sie ein Anker. Das Plastik ist warm, fast nachgiebig in meiner Hand. Ralf berichtet gerade von den Alpengipfeln. Ich nehme einen Schluck. Das Wasser rinnt meine Kehle hinunter, ein schmaler, kühler Strom, der versucht, die Trockenheit meiner Nervosität wegzuspülen. Während die anderen ihre Wander-Biografien wie schwere Steine aufeinanderstapeln: Alpen, Trier und Berner Oberland, fühle ich mich flüchtig, fast wie ein Rinnsal, das noch keinen festen Lauf gefunden hat.
Katrin steuert den Bus durch die Kurven des Zentralmassivs, als führen wir auf einer Achterbahn. Jedes Mal, wenn das Heck über den Abgrund ragt, klammere ich mich an die Flasche.
„Und Du?“ Sie dreht ihren Kopf zu mir, „John erzähl‘ mal, wo warst du?“
Ich versuche irgendwie gleichzuziehen und lenke ab: „Ich war schon einmal in Amerika.“
Wie lächerlich es klang. Da sitzen Menschen, die die Erde unter ihren Sohlen regelrecht gelesen hatten, Pässe bezwungen und Wallfahrtswege mit Schweiß und Gebet getränkt hatten. Und ich? Ich halte ihnen einen transatlantischen Langstreckenflug entgegen, als wäre ein Boardingpass dasselbe wie eine abgelaufene Wandersohle.
„Oh“, sagt Katrin, „wie interessant, ja wirklich!“ und nach einer kleinen Pause des Verdutztseins: „Wirklich interessant, wo denn genau?“
Das Schweigen der Gruppe fühlt sich plötzlich zentnerschwer an. In meiner Befangenheit komme ich mir vor wie der Klaustrophobiker in einem vollbesetzten Aufzug. Nach einer Weile des nochmal Überlegens trete ich die Flucht in die Ehrlichkeit an: „Wyoming, aber wahrscheinlich bin ich dort mehr im Mietwagen gesessen, als hier zum nächsten Bäcker gelaufen. Wenn ich höre, was ihr hinter euch habt, merke ich erst, wie sehr ich eigentlich noch am Anfang stehe.
Dann erkläre ich: „Nach meiner Bandscheiben Operation war für mich das Gehen zwingend Therapie gewesen und nun möchte ich mal eine längere Strecke ausprobieren. Weil ich aber noch keine Erfahrung in der Sache habe, habe ich diese geführte Wanderung gebucht. Frankreich macht mir natürlich auch großen Appetit.“
Die Stimmen im Bus werden leiser, während wir in engen Kehren die Höhen des Zentralmassivs erklimmen. Das rhythmische Schaukeln des Hecks über den Abgründen hat eine seltsame Vertraulichkeit geschaffen. Ich erzähle ihnen vom Neandertal, von den immergleichen Wegen unter den hohen Buchen, die für mich nach Reha weit mehr waren, als nur ein Waldspaziergang an der Düssel.
Einen Moment lang herrscht Stille im Bus. Die Schweizer neben mir halten inne, und selbst Ralf, der Alpenprofi, blickt auf. In seinen Augen sehe ich nicht länger nur seine Vergleiche über Höhenmeter und Weglängen, da sehe ich auch einen Ausdruck von Anerkennung. Vielleicht war ja meine tägliche Hausrunde die härteste Vorbereitung von allen gewesen, ein Pilgerweg vor dem eigentlichen Gang.
„Geradeaus also, statt im Kreis“, murmelt jemand leise. Und noch während der Bus weiter über die Kuppen des Zentralmassivs fliegt fühle ich, wie meine Geschichte wirkt. Ich bin bereit für Frankreich. Nicht, weil mein Rücken jetzt keine Sorgen mehr macht, sondern weil mein Ehrgeiz auf das Unbekannte größer ist, als der Respekt vor der Strecke.
„Le Puy en Velay, ist ein verschlafenes Städtchen im Velay, an der noch jungen Loire“ erzählt Kathrin. Wegen der Fahrgeräusche habe ich Mühe sie über die Sitzreihen hinweg zu verstehen, aber irgendwie setzte ich ihr Wortpuzzle mit meinen angelesenen Kenntnissen zu einem Bild zusammen.
Die Wallfahrtskirche Notre Dame markiert seit historischer Zeit den Beginn der Via Podiensis, einer Pilgerroute, die alle Pilger aus dem süddeutschen Raum und der Schweiz durch das Herz Frankreichs zum Fuß der Pyrenäen weiterführt. Beginnend durchquert die Route, gekennzeichnet als GR 65, in ihrem Lauf das Zentralmassiv über Berge und Täler, Wiesen und Felder, Weiden und Wälder. In dieser ursprünglichen Landschaft mit ihrem ländlichen Charme haben die Jahrhunderte in augenfälliger Weise den Charakter von Beharrlichkeit und Bodenständigkeit geprägt. Jeder Stein hat seine eigene Geschichte, jedes Leben folgt seinem jahreszeitlich angemessenen Lauf.
„Wartet ab“, beginnt sie, „bis wir um die nächste Kurve biegen. Das Städtchen ist ein Ort, den die Zeit vergessen hat. Wenn man das erste Mal diese riesigen Vulkannadeln sieht, die mitten aus der Stadt in den Himmel ragen, vergisst man beinahe, dass man noch in Frankreich ist.“
Als wir die letzte Anhöhe überwinden, bricht das Licht des späten Nachmittags durch die Wolken und taucht Le Puy in ein fast unwirkliches, warmes Leuchten. Die schroffen Vulkankegel werfen lange, dramatische Schatten über die roten Dächer der Stadt.
Über dem Eingangsportal steht in großen Buchstaben „BRISTOL“. Das Hotel steht da wie ein Ankerpunkt nach dieser Reise ins Ungewisse. Wir steigen aus, die Beine noch etwas steif von der Fahrt. Es ist ein altes, charmantes Gebäude mit knarrenden Dielen und schmalen Treppenaufgängen.
alles in Fluss
Unser Leben ist ein immerwährendes Kommen und Gehen, ein endloser Anfang und ein anfangloses Ende, zu ein und derselben Zeit. Der Augenblick nimmt nichts vorweg, er weiß nicht. Er ist!
Lyon, Flughafen, Sonntag, der 15. Juni 2008. Die Luft über der Auffahrt flimmert. Ich stehe am Ausgang, direkt an der Haltestelle, ein Platz, wo die Architektur ihren kühlen Schutz verliert und der Sommer seine ganze Kraft entfaltet. Ich greife nach meiner Wasserflasche, nehme einen Schluck, während mein Blick schweifend die Menschengruppe taxiert, die mit mir hier warten. Ich setze ab, wische mir die Feuchtigkeit von der Oberlippe und starre auf die Fahrbahn. Noch trennt uns das Schweigen, doch die gemeinsame Zeit hat an dieser Haltestelle, unter der gleißenden Sonne Lyons, längst ihren Anfang genommen.
„Hallo, ich bin Katrin!“ So stellt sich die junge Frau vor, die die Wartenden in den vorfahrenden Bus zu sich hineinruft und durchzählt. Sie ist Hamburgerin und nennt Frankreich seit zwei Jahrzehnten ihr Zuhause. Während sie uns routiniert in ihren Listen registriert und markiert, weicht unsere Unsicherheit einer ersten, vorsichtigen Struktur. „Schön, alle da!“, verkündet sie. Es klingt wie das offizielle Startsignal für alles, was nun folgen wird.
Sie startet den Bus für eine zweistündige Reise nach Le Puy-en-Velay, Département Haute-Loire, in der Auvergne. Die kurvenreiche Nationalstraße windet sich an den Hängen entlang. Besonders hinten links, auf meinem Platz, ist die Perspektive eine ganz eigene. In den Kurven ragt das Heck des Busses gefährlich weit über die Steilhänge hinaus.
„Ich schlage vor, wir sprechen uns mit Vornamen an, weil wir ja ab jetzt eine Familie sind; sozusagen!“
Katrins Vorschlag lässt wenig Raum für Einwände; sozusagen. In der Enge des Busses wird die Hierarchie des Alltags gegen die Intimität der Gruppe getauscht. Wer würde jetzt, gefangen in dem fliegenden Metallgehäuse, auch widersprechen? Die Warnung „Tüten auf Nachfrage“ hängt wie ein unausgesprochenes Versprechen in der Luft. Ein Blick in die Tiefe ist keine Option; man klammert sich lieber an das „Du“ und die Hoffnung auf einen stabilen Magen.
„Habt ihr alle gut eingelaufenes Schuhwerk?“ Das sei wichtig und Voraussetzung in diesem Gelände. „Mindestens 50 km“, gibt sie als Qualitätsmarke an, „ich denke von euch hat jeder ein bisschen Erfahrung im Pilgern oder Trecken, sonst hättet ihr wahrscheinlich diese Reise nicht gebucht, erzählt doch mal,“ versucht sie die schweigend dösige Truppe aufzumuntern.
Zäh entfaltet sich ein informeller Wettbewerb der Wanderstiefel-Erfahrungen, der mich aber immer tiefer in die Polster der hinteren Sitzreihe drückt. Draußen fliegt die Landschaft vorbei, drinnen werden die Legenden geschmiedet und während die anderen ihre Kilometer wie Medaillen polieren, trage ich mein Motiv stumm unter der Haut.
Ralf mit Partnerin Eva: Er, stämmiger Bariton aus Rosenheim, macht den Anfang. Seine Worte zu einer Alpenüberquerung trägt er vor, als wäre es ein kleine Almwanderung im Allgäu gewesen.
Wolfgang und Erika: Zwei rheinische Frohnaturen aus Bonn, deren Wallfahrt nach Trier, wie ein immerwährender, gläubiger Bußlauf im letzten Jahr, nachklingt.
Beat und Vera, die Schweizer Fraktion neben mir, deren Akzent so kantig ist, wie die Eiger Nordwand.
Annegret und Ursula: Die Stimmen aus der Schwaben Metropole und Mainfranken, die das bunte Mosaik meiner neuen „Familie“ vervollständigen.
Die Luft im Shuttle-Bus ist verbraucht, ein Gemisch aus Erwartung und der letzten kühlen Brise der Klimaanlage. Ich greife nach meiner Wasserflasche, als wäre sie ein Anker. Das Plastik ist warm, fast nachgiebig in meiner Hand. Ralf berichtet gerade von den Alpengipfeln. Ich nehme einen Schluck. Das Wasser rinnt meine Kehle hinunter, ein schmaler, kühler Strom, der versucht, die Trockenheit meiner Nervosität wegzuspülen. Während die anderen ihre Wander-Biografien wie schwere Steine aufeinanderstapeln: Alpen, Trier und Berner Oberland, fühle ich mich flüchtig, fast wie ein Rinnsal, das noch keinen festen Lauf gefunden hat.
Katrin steuert den Bus durch die Kurven des Zentralmassivs, als führen wir auf einer Achterbahn. Jedes Mal, wenn das Heck über den Abgrund ragt, klammere ich mich an die Flasche.
„Und Du?“ Sie dreht ihren Kopf zu mir, „John erzähl‘ mal, wo warst du?“
Ich versuche irgendwie gleichzuziehen und lenke ab: „Ich war schon einmal in Amerika.“
Wie lächerlich es klang. Da sitzen Menschen, die die Erde unter ihren Sohlen regelrecht gelesen hatten, Pässe bezwungen und Wallfahrtswege mit Schweiß und Gebet getränkt hatten. Und ich? Ich halte ihnen einen transatlantischen Langstreckenflug entgegen, als wäre ein Boardingpass dasselbe wie eine abgelaufene Wandersohle.
„Oh“, sagt Katrin, „wie interessant, ja wirklich!“ und nach einer kleinen Pause des Verdutztseins: „Wirklich interessant, wo denn genau?“
Das Schweigen der Gruppe fühlt sich plötzlich zentnerschwer an. In meiner Befangenheit komme ich mir vor wie der Klaustrophobiker in einem vollbesetzten Aufzug. Nach einer Weile des nochmal Überlegens trete ich die Flucht in die Ehrlichkeit an: „Wyoming, aber wahrscheinlich bin ich dort mehr im Mietwagen gesessen, als hier zum nächsten Bäcker gelaufen. Wenn ich höre, was ihr hinter euch habt, merke ich erst, wie sehr ich eigentlich noch am Anfang stehe.
Dann erkläre ich: „Nach meiner Bandscheiben Operation war für mich das Gehen zwingend Therapie gewesen und nun möchte ich mal eine längere Strecke ausprobieren. Weil ich aber noch keine Erfahrung in der Sache habe, habe ich diese geführte Wanderung gebucht. Frankreich macht mir natürlich auch großen Appetit.“
Die Stimmen im Bus werden leiser, während wir in engen Kehren die Höhen des Zentralmassivs erklimmen. Das rhythmische Schaukeln des Hecks über den Abgründen hat eine seltsame Vertraulichkeit geschaffen. Ich erzähle ihnen vom Neandertal, von den immergleichen Wegen unter den hohen Buchen, die für mich nach Reha weit mehr waren, als nur ein Waldspaziergang an der Düssel.
Einen Moment lang herrscht Stille im Bus. Die Schweizer neben mir halten inne, und selbst Ralf, der Alpenprofi, blickt auf. In seinen Augen sehe ich nicht länger nur seine Vergleiche über Höhenmeter und Weglängen, da sehe ich auch einen Ausdruck von Anerkennung. Vielleicht war ja meine tägliche Hausrunde die härteste Vorbereitung von allen gewesen, ein Pilgerweg vor dem eigentlichen Gang.
„Geradeaus also, statt im Kreis“, murmelt jemand leise. Und noch während der Bus weiter über die Kuppen des Zentralmassivs fliegt fühle ich, wie meine Geschichte wirkt. Ich bin bereit für Frankreich. Nicht, weil mein Rücken jetzt keine Sorgen mehr macht, sondern weil mein Ehrgeiz auf das Unbekannte größer ist, als der Respekt vor der Strecke.
„Le Puy en Velay, ist ein verschlafenes Städtchen im Velay, an der noch jungen Loire“ erzählt Kathrin. Wegen der Fahrgeräusche habe ich Mühe sie über die Sitzreihen hinweg zu verstehen, aber irgendwie setzte ich ihr Wortpuzzle mit meinen angelesenen Kenntnissen zu einem Bild zusammen.
Die Wallfahrtskirche Notre Dame markiert seit historischer Zeit den Beginn der Via Podiensis, einer Pilgerroute, die alle Pilger aus dem süddeutschen Raum und der Schweiz durch das Herz Frankreichs zum Fuß der Pyrenäen weiterführt. Beginnend durchquert die Route, gekennzeichnet als GR 65, in ihrem Lauf das Zentralmassiv über Berge und Täler, Wiesen und Felder, Weiden und Wälder. In dieser ursprünglichen Landschaft mit ihrem ländlichen Charme haben die Jahrhunderte in augenfälliger Weise den Charakter von Beharrlichkeit und Bodenständigkeit geprägt. Jeder Stein hat seine eigene Geschichte, jedes Leben folgt seinem jahreszeitlich angemessenen Lauf.
„Wartet ab“, beginnt sie, „bis wir um die nächste Kurve biegen. Das Städtchen ist ein Ort, den die Zeit vergessen hat. Wenn man das erste Mal diese riesigen Vulkannadeln sieht, die mitten aus der Stadt in den Himmel ragen, vergisst man beinahe, dass man noch in Frankreich ist.“
Als wir die letzte Anhöhe überwinden, bricht das Licht des späten Nachmittags durch die Wolken und taucht Le Puy in ein fast unwirkliches, warmes Leuchten. Die schroffen Vulkankegel werfen lange, dramatische Schatten über die roten Dächer der Stadt.
Über dem Eingangsportal steht in großen Buchstaben „BRISTOL“. Das Hotel steht da wie ein Ankerpunkt nach dieser Reise ins Ungewisse. Wir steigen aus, die Beine noch etwas steif von der Fahrt. Es ist ein altes, charmantes Gebäude mit knarrenden Dielen und schmalen Treppenaufgängen.
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