Brodgar

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Dimpfelmoser

Mitglied
Brodgar

Du erklingst in Versen, Schattenkind.
Singst zu mir die wolkenschweren Weiten,
flüsterst mir die knöchernen Gezeiten.
Hauchst du einen Zauber in den Wind,

sind es Echos deiner Schöpfung Meister.
Manchmal, wenn sie in der Jetztwelt branden,
fallen Tränen ihrer klaren Geister
dort, wo jene wohl am Urgrund standen.

Schenkten ihre Weisheit kaltem Stein,
spröde Riesen, die mich sanft umkreisen.
Dieser Erde stille, stolze Waisen
laden mich in deine Träume ein.

Sternenperlen schmücken deine Lieder,
schmeicheln deinem Lichterfädenkleid.
Sinkt mein Sehnen schließlich zu dir nieder,
lächelst du nur Unergründlichkeit.
 

Tula

Mitglied
Hallo Dimpfelmoser
Für jeden, der sowohl Poesie als auch Geschichte liebt - Wunderbar! der stille Dialog des Besuchers mit dem "Geist" des Steinkreises und gewissermaßen mit den im Nebel der Geschichte verloren gegangenen Ahnen. Mit einem Abschluss, den selbst ein Rilke nicht besser hingelegt hätte :cool:

LG Tula
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Dimpfelmoser,
irgendwo im Steinkreis, in diesem unendlichen Kreis aus Jetzt und Jenseitswelt, da steht er und er blickt wieder auf Urgrund, Zungen umkreisend, so als hielte er Stäbe und Stein. Und er trägt die Spindel zum Lichterfädenkleid. Mit demselben unergründlichen Lächeln, dem ihm dieses Kleid vorerst schenkt.
Und ich stimme Tula zu:cool:

Ein WAHNSINNSGEDICHT.
Lieben Gruß,
ubertas
 

Dimpfelmoser

Mitglied
Lieber @Tula, liebe @Ubertas,

ich danke euch sehr für eure Kommentare und die wunderbare Bewertung dieses kleinen Stückes. Deine Würdigung, Tula, freut mich riesig, denn ich hatte das Bedürfnis, die Wirkung dieses ganz besonderen Ortes irgendwie in Worte zu fassen. Vor wenigen Wochen war ich einige Tage auf Orkney Mainland und (natürlich) auch am Ring of Brodgar, der, erst recht menschenleer und unter einem großartigen Himmel – so durfte ich ihn erleben - ein faszinierender Ort ist. Und so schön, Ubertas, wie du dich in die Empfindungen hineinbegibst, ihr gewissermaßen von innen nachspürst.

Für mich ist es irgendwie so: Der Wunsch, mehr zu wissen, mehr zu verstehen, was Menschen bewogen hat, einen solchen Ort zu schaffen und zu begreifen, was zwischen den Steinen passiert sein mag, konkurriert mit dem Bedürfnis schlichter Wahrnehmung, die eben (und vielleicht auch glücklicherweise?) nicht durchsetzt ist mit irgendeiner Art von Gewissheit über seinen Daseinszweck. Und gerade dadurch mögen sich Räume eines inneren Erlebens eröffnen, die ebenso weit und in gewisser Weise unbestimmt sind wie die orkadische Landschaft, die den Ring of Brodgar umgibt ...

Liebe Grüße
Dimpfelmoser
 



 
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