Christa Paulsen - Der letzte Fall 2. Überstunden-Preußischer Beamter

ahorn

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Überstunden
Preußischer Beamter

Christa öffnete ihren Dutt, schüttelte ihr rotbraunes Haar aus, bis ihre gelockten Haarspitzen unterhalb ihrer Schulterblättern wie auspendelnde Klöppel einer Kirchenglocke zur Ruhe kamen. Sie schritt an ein küchenschrankbreites Regal, drückte ihre Hüfte an die Kante der darauf befindlichen Arbeitsfläche.
Mit einem kräftigen Ruck hob sie das Brett, welches den Dienst- vom Kundenbereich trennte, an und befestigte es an der Wand. Das Licht im hinteren Teil löschend, ging sie durch den Durchgang und touchierte den Blumenstrauß, den die Gratulanten ihr zur Feier des Tages überreicht hatten.
Obwohl der Besuch ein Tag zu früh sich angekündigt hatte, schmiss sie sich in Schale. In Rock und Bluse hatte sie ihren vorletzten Tag angetreten. Die weiße Dienstbluse dekoriert mit den Schulterabzeichen, auf denen die vier goldenen Sterne prangten.
Im Dienst verzichte sie auf derlei Prunk, jeder kannte sie.
Sie zupfte an den Seitennähten des tiefschwarzen Kostümrocks, in den sie zuletzt bei Sörens Abschiedsakt geschlüpfte war. Nicht, dass sie keine Röcke trug, im Gegenteil. Ihre Beine konnte sie zeigen, manch eine Dreißigjährige hatte nicht derart knackige Stelzen. Alleinig der Saum ihrer Röcke wanderte von Jahr zu Jahr den Knien entgegen und die paar Besenreiser kaschierte eine Strumpfhose perfekt.

Christa gehörte zu der Generation Frauen für jene ein gepflegtes Äußeres unverzichtbar und dieses war feminin. Sie erinnerte sich daran, wie sie ihre erste Hose getragen hatte. Fünfzehn war sie. Sie kratzte sich am Genick. ein komisches Gefühl.
Das frostige Bad in der Wanne ließ den Jeansstoff eng an ihre Haut schnurren. Sie hätte es nicht tun sollen. Christa rieb über ihr Gesäß. Die Schläge des Vaters mit seinem Rohrstock schmerzten mehr als sonst. Für ihren alten Herren war es peinlich, wenn Frauen derartig herumscharwenzelten - wie er es bezeichnete. Für ihn als preußischen Beamten ein Affront, obwohl er nie in königlichen Diensten stand.
Einer der ersten Landesbeamten in Niedersachsen war er gewesen, jedoch aus einer alten preußischen Beamtendynastie. Ihre Mutter begnügte sich mit dem Haushalt und dem Dienstmädchen.
Aus Erkenntnis wird man clever. Christa deponierte ihre Jeans bei einer Freundin und probierte erst gar nicht die anschließende Minirockmode ihrem Vater näher zu bringen.

Christa überlegte, ob sie den Blumenstrauß mit nach Hause nehmen sollte, entschied sich dagegen und pfefferte die Grußkarten neben ihre Brotdose in ihren Weidenkorb.
Die eine war vom Ministerpräsidenten. Mit warmen Worten bedankte er sich für ihre langjährige aufopferungsvolle Dienste. Ein Gutschein für ein Wellnesswochenende in Butjadingen war beigelegt.
Die andere vom Innenminister, der es nicht einmal fertiggebracht, Höchstselbst zu erscheinen. Schier einen Lakaien hatte er ihr geschickt. Ein nichtssagendes Gedicht eines unbekannten Schreiberlings bildete seinen Gruß.
Christa kratze sich unterhalb der Brust, stellte ihre Handtasche in den Korb und fischte ihr Schlüsselbund aus denselben. Sie ging zum unweit der Klappe an der Wand befestigten Kleiderhaken, schnappte sich ihre Uniformjacke und schlüpfte hinein. Nach einem Rundumblick ergriff sie ihren Weidenkorb, hing ihn über ihre linke Armbeuge, schritt sodann zur Ausgangstür.
Mit einem kräftigen Ruck zerrte sie das Türblatt über Delle am Boden, steckte den Schlüssel ins Schloss, betätigte den Lichtschalter und zog zu.

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Hallo ahorn,

ein paar Anmerkungen zum Text.
Dieser Satz hier fiel mir direkt auf:

bis ihre Locken unter ihren Schulterblättern zur Ruhe kamen.
Locken unter den Schulterblättern? Klingt ein wenig seltsam - als würde Christa ihre Haare unter den Achselhöhlen festzurren. Direkt unter den Schulterblättern geht ja sowieso nicht, da müsste man die Haare schon reinoperieren....


Obwohl die Ankündigung des Besuches ein Tag zu früh, hatte sie sich in Schale geschmissen
Der Satz ist nicht fertig bzw. die erste Hälfte des Satzes ergibt keinen Sinn. Die Ankündigung des Besuches kam einen Tag zu früh? Ich denke, du meinst, "obwohl es für den angekündigten Besuch einen Tag zu früh war, hatte sie sich in Schale geschmissen". "Geschmissen" klingt übrigens auch nicht sehr elegant.

Es sind noch einige Flüchtigkeitsfehler drin.
. stellte ihre Handtasche in den Korb und fischte ihr Schlüsselbund aus derselben.
aus demselben

Trotzdem finde ich die Geschichte interessant. Immerhin erfährt man einiges über Christa, ihre Kindheit und ihre Eltern.

LG SilberneDelfine
 

ahorn

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Hallo SilberneDelfine,
dank für deine Hinweise.
Korrektur eingestellt.

Wenn du weitere Ungereimtheiten findest immer her damit.

Liebe Grüße
Ahorn
 

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