Christa Paulsen - Der letzte Fall 33. Morbus Kobold - Wanja in geheimer Mission

ahorn

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Wanja in geheimer Mission

Was Christa von Lutz erfuhr, schlug ihr fast die Hacken weg. Wanja war kein Mauerblümchen, sondern eine vernarrte Tierschützerin. Er kannte die Geschichte vom Hörensagen, wenn die Hälfte zutreffend war, dann ging sie weit.
Bei einer Befreiung von Versuchstieren lenkte sie den Pförtner ab. Nicht mit guten Worten oder zureden, sondern mit dem Einsatz ihres Körpers. Während sie ihre Beine spreizte, dem Pförtner Einlass gewährte, verhalfen ihre Kumpane den Tieren zur Flucht. Dass der Pförtner nie über sein Verfehlen sprach, lag auf der Hand.
Lutz berichtete ihr von den abscheulichen Tiertransporten. Rinder, die von Norddeutschland in den Balkan verfrachtet würden, dort undeklariert, als Gerippe im Nahen Osten anlandeten, um diese dort zu schächten.
Der Mann, welchen Christa für Wanjas Verlobten hielt, war einer der Drahtzieher. Wanja hatte sich an diesen, wie Lutz vermutete herangemacht, ihn bezirzte. Mit der Macht einer Frau hatte sie ihm seine Geheimnisse entlockt.

»Lutz okay. Gehen wir davon aus, dass Wanja irgendwie an irgendwelche Information gekommen war und diese in irgendeiner Weise ans Tageslicht befördern wollte. Warum sollte er ihr etwas antun?«
»Weil es ein Schwein ist. Der wäre fertig.«
»Glaubst du dieses wirklich?«
»Nein! Es gibt Kurzschlusshandlungen.«
»Weißt du, wie er aussieht? Hast du ihn gestern gesehen?«
»Ersten habe ich Wanja mit ihm gesehen. Zweitens ist sein Foto in jeder Managerzeitung und drittens nicht direkt.«
»Wie nicht direkt?«
»Seine Bonzenkarre habe ich gesehen.«
»Die du kennst?«
»Nein. Eine dicke, fette schwarze Limo mit Hamburger Kennzeichen auf Günters Campingplatz. Wer soll das sein. Außerdem stand diese neben Wanjas Zelt.«
»Warst du in ihrem Zelt?«
»Nein. Bin nach dem Streit hinter ihr her. Wanja ist in ihr Zelt und hat mir einen Stinkefinger zugeworfen.«
»Wo ist ihr Zelt?«
»Neben dem Eingang vom Männerclo.«
»Parkte die Limousine vor oder nachdem du an ihrem Zelt warst an der Stelle?«
»Definitiv danach. Ich war mit Sabine ein Karnickel holen. Sonntagsbraten weißt. Als wir zurückkamen, stand die Kiste da.«


Christa zupfte an ihrem Kinn. »Wo war Kalina gestern?«
»Was hat meine Kalina damit zu schaffen?« Er lehnte sich vor. »Ich verstehe, du verdächtigst mich, wegen Alibi und so.« Er stützte sich auf dem Bett auf. »Wir waren zusammen.«
»Den ganzen Tag?«
Lutz klopfte auf den Deckel seines Laptops. »Wann ist - na ja – du weißt schon Wanja?«
»Darf ich dir nicht sagen.«
»Wird abends passiert sein, sonst wären die Bullen gestern hier aufgeschlagen.«
»Deine Vermutung. Also wann? Den ganzen Tag kann es nicht gewesen sein, denn du warst mit Werner in Holland.«
»Okay, aber weder Kalina noch ich haben irgendetwas mit dem Tod von Wanja zu tun. Kalina und ich trafen uns am Nachmittag in Uetze.«
»Wo?«
»Im Hotel.«
»Weshalb?«
»Das fragst du!«
»Was hat sie vorher gemacht?«
»Ich habe sie vom Bahnhof abgeholt. Sie war drei Wochen in der Heimat ihrer Eltern.«
»Strandurlaub!«
»Quatsch! Verwandtenbesuch.«
»Warum?«
»Christa du fragst einen Bullshit. Warum wohl?«
Lutz strich über seinen Bauch.
Christa plusterte sich auf. »Alle wissen es, einzig dein Vater nicht.«
»Sind auch nicht solche Stinkstiefel wie er.«
»Was habt ihr gemacht? Wie lange wart ihr zusammen?«, fragte sie und klatschte in die Hände.
Lutz schüttelte den Kopf. »Hey wir haben uns drei Wochen nicht gesehen. Gefickt haben wir, was sonst.«
»Wie lange?«
»Du wirst intim.«
»Wie lange wart ihr zusammen?«

Lutz blickte gen Zimmerdecke. »Bis wir uns gestritten haben.«
»Gestritten?«
»Kinderkacke! Sie will das Kinderzimmer in Rosa und ich in Weiß. Kalina ist raus und ich bin hinterher. Ich habe sie nicht eingeholt. Dann musste ich zu den Kaninchen. Wir haben uns wieder vertragen. Heute Morgen habe ich sie auf der Arbeit angerufen.«
Christa grinste. »Wer hat gewonnen?«
»Wer wohl?«
»Wenn es ein Junge wird?«
»Meinst den interessiert die Farbe des Kinderzimmers.«

Christa strich über ihr Genick. »Wie haben eine Lücke, zwischen eurem Streit und dem Telefonat.«
»Hätten wir uns nicht gestritten, wäre sie sowieso gleich zu ihrer Freundin gefahren.«
»Mit dem Zug.«
»Nein! Mit ihrem Wagen.«
»Lutz?«
»Ihr Wagen hatte sie in Uetze geparkt, bevor sie nach Bulgarien gefahren ist.«
»Name?«
»Blümchen«
Sie verdrehte ihre Augen. »Von ihrer Freundin?«
»Kenne ich nicht. Ich weiß nur, dass sie sich einmal im Monat mit ihr trifft. Wir vertrauen uns.«
»Das freut mich. Was machst du, wenn sie mit ihrer Freundin unterwegs ist?«
»Habe ich dir gesagt. Ich treffe mich mit Theo.«
Christa stand auf. »Dann lasse ich dich in Ruhe arbeiten.«

Sie schritt zur Zimmertür, umfasste die Türklinke und wandte ihr Gesicht Lutz zu. »Eine Frage habe ich noch.«
»Bitte!«
»Kannten sich Wanja und Kalina?«
»Ja!«
»Waren sie Freundin?«
»Nee!«
Christa schlug sich an ihrer Stirn. »Du und Wanja. Klar.«
»Hey! Ich habe dir erzählt, ich hatte nichts mit ihr.«
»Hatte. Du hast, hatte, gesagt.«
Lutz Stirn kräuselte sich. »Sie ist Tod.«
»Stimmt.« Christa schritt auf Lutz zu. »Woher kannten sie sich?«
»Ich lernte Kalina durch oder mit Wanja kennen oder so ähnlich.«
»Klare Sätze helfen weiter.«
»Es war bei einem Kongress in Holland.«
»Immer Holland.«
»Der Hauptsitz meiner Organisation ist in Amsterdam.«
»Ach so!«
»Wanja und Kalina hatten ein gemeinsames Zimmer.«
»Somit kannten sie sich.«
»Nein! War Zufall. Kalina war Gastrednerin. Ich habe sie zuvor nie gesehen und Wanja? Keine Ahnung, weshalb sie da war. Am Abend sind ein Kumpel und ich mit einer Flasche Wein auf das Zimmer der Mädels.«
Christa tippte sich an ihre Schläfe. »Du Holland und Wein.«
»Okay! Ein paar Joints. Ich habe mich an Wanja und mein Kumpel an Kalina herangemacht.«
»Langsam für eine alte Frau. Du hast mir erzählt, dass du Kalina bei der Arbeit kennengelernt hast.«
»Stimmt! Ist ein Kongress ein Vergnügen. Ich verstehe. Kalina arbeitet in der Uni Bremen.«

»Einverstanden. Kommen wir wieder zu deinem Vergnügen. Ihr habt euch unterhalten.«
»Jetzt spinnst du. Ich gehe nicht auf ein Zimmer mit zwei Mädels für einen Smalltalk. Ich habe Wanja vernascht und mein Kumpel Kalina.«
»Ich dachte, du hast nie mit Wanja.«
»Habe ich nicht. Wir haben uns geküsst und ich habe an ihren Titten herumgespielt. Wir brauchten Nachschub. Ich habe den Kürzen«, Lutz grinste, »besser gesagt, den Längeren gezogen. Ich bin zum nächsten Coffeeshop. Als ich zurückkam, war Wanja besetzt.«
»Besetzt?«
»Bist du bieder! Wanja lag die Beine gespreizt auf dem Bett. Mein Kumpel klemmte zwischen ihren Schenkeln, hob und senkte sein Becken. Was haben die wohl gemacht?«
»Du bist dann raus und hast Kalina gesucht?«
»Warum sie saß im Sessel?«
Christa kniff ihr linkes Auge zu. »Hat sie zugeschaut?«
Lutz zuckte mit den Achseln. »Ob sie den beiden beim Vögeln zugesehen hat, kann ich die nicht sagen, jedenfalls hat sie nicht ihre Fußnägel lackiert. Jedenfalls habe ich ihr ausgeholfen.« Er schloss seine Augenlider. »Hat gleich Wum gemacht. Seitdem sind wir ein Paar.«

»Dein Damenbesuch gestern. War die Dame Kalina?«
»Gehe davon aus.«
»Bitte!«
»Ich war knülle. Jedenfalls«, er deute auf das Etuikleid, »ist das ihr Fummel oder glaubst du, ich schleppe sternhagelvoll irgendwelche Weiber an. Dann in Schnuckeheide.«
»Das ist ihr Kleid?«
»Hundertpro! Auf der Brust ist das Symbol meiner Organisation.«
Christa zog ihre Augenbrauen zusammen und dachte an ihren Bankberater. »Dann ist es dein Kleid.«
»Nimmst du Drogen? Versteh!« Er lachte. »Kalina hat ein paar Mal bei Spendensammlungen ausgeholfen.«
»Wann war sie bei dir?«
»Ich war dicht.« Er leckte über seine Oberlippe. »Warte ich überlege. Nachts bin ich raus. Pinkeln! Dabei bin ich auf meine Uhr getreten. Mein Alter schnarchte vorm Fernseher.«
»Wie spät war es?«
»Warte, das haben wir gleich.« Er zog seine Beine auf Bett, robbte zum Kopfende, lehnte sich über die Bettkante und wühlte durch seine Ordnung. »Ich habe sie vorhin gesehen. Das muss hier gewesen sein. Ja! Da ist sie.« Er kroch zurück zu seinem angestammten Platz und überreichte Christa seine Armbanduhr. »Ich muss das Glas kaputt getreten haben.
»Zehn vor zwölf«, murmelte Christa.
»Plus minus einer Viertelstunde so genau nehme ich es nicht.«
»Kann ich sie mitnehmen?«
»Von mir aus, die ist eh hin.«

Christa verlies den Raum. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Lutz war glücklich. Hauptsache er bekam es nicht raus, dass Kalinas Freundin Theo hieß - von ihr auf keinen Fall.

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