Christa Paulsen - Der letzte Fall 39. Rolle rückwärts - Gruß aus Hamburg Teil 1

ahorn

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Rolle rückwärts
Gruß aus Hamburg - Teil 1

Christa stopfte das Beweisstück in ihre Handtasche, schwang sich auf ihr Rad und brauste davon. Der Kopf brummte ihr. Die ganze Zeit hatte man sie an der Nase herumgeführt. Wie einen Bullen am Nasenring durch Dorf getrieben. Wer alles an der Verschwörung beteiligt war, war ihr wurscht. Nur, dass sie dieses Spiel mit ihr getrieben hatten, ließ ihr die Galle überlaufen. Nicht allein sie waren es, dieser Dünnbier, sogar ihr Frank waren mit vom Spiel. Dünnbiers Worte kreisten ihr im Gehirn, unter anderem: Wanja Ivanowa Petrova, Wanja Dimitrow Wladimirow.

Außer Atem erreichte sie ihr Revier. Einer von diesen Milchbärten, jener von diesen Möchtegernpolizisten aus Brunos Saal, stand, als warte er bereits Stunden, vor der Tür. Einen Wäschekorb hielt er auf seinen Händen. Christa warf ihr Rad gegen die Hausmauer und eilte auf ihn zu.
„Frau Kriminaldirektorin Paulsen, Herr Polizeihauptkommisar Dünnbier hat mich beauftragt, Ihnen die Unterlagen bezüglich des Falls Wanja Ivanowa Petrova auszuhändigen“, stotterte er sich ab, als ginge sie ihm zugleich an die Kehle. Mit ausgestreckten Armen hielt dieser ihr den Korb entgegen. „Bitte quittieren.“
Sie quittierte die Annahme und übernahm den Korb, woraufhin der Jüngling eilends verschwand. Den Korb unter den Arm geklemmt, fischte Christa nach ihrem Schlüssel. Zumindest hätte er warten können, bis sie die Tür geöffnete hätte, dachte sie sich, nachdem sie das Schloss aufgesperrt und das Türblatt über die Bodenkante gestoßen hatte.
Schnaufend, mit hochrotem Kopf, marschierte sie zu ihrem Schreibtisch, stellte den Korb ab und warf ihre Handtasche auf den Schreibtischstuhl. Sie hatte kein Verlangen den Inhalt zu studieren, denn ihr Plan ging in eine andere Richtung. Das Dorf im Saal zusammentrommeln und wie Eric Ode ihre Erkenntnis der Schandtaten jedem einzeln, an den Kopf zu werfen.

Schandtaten. Sie atmete tief durch. Dabei war alles nur Liebe. Die innige Liebe zweier Menschen. Die Liebe zu einer Frau, die Liebe zu einem Vater. Die Scham diesem zu beichten, wen er verehrte. Kalina war keine Nymphomanin.
Eine normale Frau war sie. Eine Frau, die es nicht aushielt, verleugnet zu werden. Klar, dass sie sich nach einem anderen umsah. Weshalb diese Theo auserkoren hatte, war Christa schleierhaft.
Der Streit im Hotel war weder ein Streit der Farbe eines Kinderzimmers, noch eine Auseinandersetzung, weil sie einen anderen hatte. Lutz hatte herausbekommen, dass sie die Kaninchenentführerin war, um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie liebte Tiere. Sie war die Hardcoretierschützerin.

Eins stand für Christa fest. Lutz verließ, nachdem er mit Theo gesprochen hatte die Kaschemme, da traf er sie. Wanja. Inwieweit er sie oder sie ihn angemacht hatte, war unwichtig. Er kannte sie nicht, woher auch. Möglicherweise hatte er ihr hinterherspioniert. Dieses hatte Tim beobachtet. Sie waren Freunde. Tim ging davon aus, dass Lutz mit ihr Verkehr hatte. Er nahm die Schuld auf sich, um Lutz die Flucht zu ermöglichen. Er war ein Dösbaddel.
Vielleicht hatte Lutz sogar, dass Gespräch von Max mit Günter verfolgt, vielleicht dabei erfahren, dass Günter mit ihr, Christa die Wildkameras montiert hatte.
Er macht sich auf den Weg nach Hause, um reinen Tisch zu machen. Ihr seine Liebe zu erklären, seinem Vater an den Kopf zu werfen, wer sie war. Der Akt, den er vernahm, brachte ihn zur Verzweiflung. Der Alkohol beim Darten sowie Helene Fischer brachten ihn auf die Idee und die Perücke Christa auf ihre Spur.
Max verstaute für Auftritte in der Kaschemme mehrere Kostüme, darunter gleichsam Perücken. Zum Hengst, zum Vollidioten wollte sich Lutz machen. Es lag im Rahmen des Möglichen, dass Lutz Max das Etuikleid geschenkt hatte. Es war wahrlich kein Hinkucken. Max sammelte allmöglichen Tinnef für seine Performances. Da spielte das Geschlecht des vorherigen Besitzers eine untergeordnete Rolle, schrill sowie ausgefallen genügte ihm.
Lutz schnappte sich die Sachen aus Günters Wohnwagen mit der Intension zum Stall seines Vaters zu fahren. Zu seiner Verwunderung sah er, wie Tim Benno in seinen Toyota bugsierte und abfuhr. Zu Fuß zu den Kaninchen, um dann unentdeckt zurück, die Zeit zu knapp, der Weg zu weit. Außerdem und davon ging Christa aus, befand sich mindestens eine Farbsprühdose in seinem Wagen. Denn Lutz berichte ihr, dass er, bevor er Günter aufsuchte, bei den Kaninchen war. Dann war es nicht unwahrscheinlich, dass er seinem Vater bei den Kühen zur Hand ging.
Einen fahrbaren Untersatz auf dem Campingplatz zu finden, war kein unmögliches Unterfangen. Vielleicht nahm er Günters Fahrrad, welches dieser hinter seinen Bürowagen verwarte, aber nie damit fuhr.
Lutz verfolgte Tim bis zu Bennos Revier. Mit einem Fahrrad war man kaum langsamer als ein Kraftwagen. Tim lud sein Bonanzarad aus und begleitete Benno nach Hause, welcher bestimmt kaum allein sein Haus traf. Der Schlüssel steckte, sodass Lutz sein Wagen enterte und zum Stall fuhr. Angekommen zog er sich um und machte sich ans Werk.

Er wurde gestört, sinnierte Christa. Ein Scheinwerferlicht reichte, um ihn aufzuschrecken. Die Pein, dass jemand unter Umständen sein Vater ihn in einem Kleid betrachte, erfasste ihn. Deshalb prangte die unvollendete Nachricht auf der Stallwand. Ich liebe Tiere war eine Nachricht, die der Logik seines Plans entsprach.
Er sprang in seinen Wagen, brauste ab. In jenem Moment, nicht auf dem Campingplatz, erblickte er die Limousine von Jantzen. Sitzend in dieser oder stehend an dieser, sah er Wanja und kombinierte später, dass sein Erzfeind die Frau erschlagen hatte. Bei seiner Flucht vergaß er, das Tor zu schließen. Er fuhr zum Campingplatz, da er davon ausging, dass Tim verwundert des Verschwindens des Toyota unter jedem Gullydeckel jenen suchte. Lutz ahnte nicht, inwieweit er in eine Falle fuhr. Auf dem Platz angekommen, sieht er, wie Max und Ben die Kaschemme verließen. Er hatte sicherlich kein Verlangen, diesen beiden in die Arme zu laufen. Seinen Toyota außerhalb ihrer Sichtweite abgestellt, pirschte er nach Hause und schlich sich von hinten, einsteigend durchs Fenster in sein Zimmer. Dabei verlor er die Perücke.
Erst nachdem sie, Christa ihn auf das Kleid ansprach, erkannte er, dass er einen Fehler gemacht hatte. Anstatt das Kleid, die Schuhe zu entsorgen, hatte er diese Sachen in seinem Zimmer behalten. Deshalb erfand er die Geschichte. Kalina hatte ihn in dieser Nacht nicht mehr aufgesucht.

Tim! Tim war nicht von dieser Welt. Ob er das Verschwinden von Lutz Karre sofort oder es später, nachdem er zu Hause war, realisierte, spielte eine untergeordnete Rolle. In seiner Naivität ging er davon aus, dass Benno gleich eines Geistes sich an ihm vorbeigeschlichen hatte, um den Abend mit seinen Freunden auszuklinken. Jener zugedröhnt den Rückweg zur Kaschemme eingeschlagen hatte. Dabei hatte Tim den Auftrag bekommen Benno nachhause zu bringen. Tim fuhr erneut mit seinem Rad zum Campingplatz. Dieser war bereits verwaist und der Toyota nicht vor Ort. Denn Max verbrachte Ben.
Christa kratzte sich am Genick. Tina hatte sich von Tim getrennt. Wenn dieser gehört hatte, dass Max noch eine Verabredung wahrnehmen wollte und ihm bewusst war, davon ging Christa aus, inwiefern Max und Tina verbandelt waren, dann war sein nächster Schritt einleuchtend. Er enterte Bens SUV. Entgegen seinem Vermuten entdeckte er nicht Max in inniger Zweisamkeit mit Tina, sondern Theo sowie Kalina, welche zusammen mit Tina in einem Elefantenturnschuh, wie Tim diesen nannte, das Anwesen verließen. Weshalb und wohin sie fuhren, war Christa egal, ging ihr nichts an, dafür lag für sie auf der Hand, warum die drei in Kalinas Auto saßen. Theos Kupplungsproblem war der Grund. Irgendwann in der Nacht sind Kalina und Theo zurück auf Werners Hof. Seinen BMW holen. Werner verließ in jenem Moment sein Haus. Um nicht vom Hausherren entdeckt zu werden, verkrochen sie sich an die Hausecke und vergaßen in ihrer Zügellosigkeit in Windeseile ihr Ansinnen nicht aufzufallen. Theo stieg danach in seinem BMW und Kalina bestieg ihren Wagen. Ihr Ziel für Christa klar vor Augen. Das Hotel indem sie nächtigten.
Durfte Tim ihr, Christa seine Entdeckung erzählen? Nein! Denn er ahnte nicht, dass Lutz wusste, was Theo und Kalina trieben.

Günters Rolle in diesem Spiel kränkte sie. War er wirklich der Ansicht, sie würde ihm den Kopf abreißen. Er kannte Wanja, dies stand für sie fest, aber nicht aus Bulgarien oder als Gast, eher als Dienstleisterin seiner Gäste.


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