Christa Paulsen - Der letzte Fall 40. Rolle rückwärts - Gruß aus Hamburg Teil 2 oder dann ist erst mal Schluss

ahorn

Mitglied
Zurück zum Klappentext
Zurück zu Gruß aus Hamburg Teil 1


Rolle rückwärts
Gruß aus Hamburg Teil 2 oder dann ist erst mal Schluss


In Günters Herz schlugen zwei Seelen, die des Mildtätigen und die des Kaufmanns. Die erste liebte Christa an ihm. Er drückte seine Augen zu, wenn Prostituierte auf seinem Campingplatz ihrem Gewerbe nachgingen, soweit sie dieses nicht allzu offensichtlich trieben. Allemal besser als in einem Kraftfahrzeug ohne Sanitären Anlagen.
Obgleich er im Prinzip wie Christa dieses Gewerbe verabscheute. Sie rechnete es ihm hoch an, aber dass er von den Damen Provision kassierte, tolerierte sie nicht. Klar, dass er ihr es nicht erzählt hatte, welch Gewerbe Wanja nachgegangen war.
Christa kratzte sich am Genick. Günter hatte sie gesehen, als er Kurts Pritsche bestiegen hatte. Was ein regulärer Camper trieb, ging ihm und erst recht ihr, Christa nichts an. Für Günter war es eine Kleinigkeit, ein Zelt aufzustellen und Wanjas Habe, welche sie entweder bei ihm oder im Sanitärbereich zurückgelassen hatte, im Selbigen zu verwahren.
Die Geschichte mit seinem bulgarischen Lover sollte sie ablenken und die Wunde an seinem Leib war mit Sicherheit nicht von ihr, sondern vom Baum, aus dem er die Wildkamera geborgen hatte.

„Günter, Günter“, seufzte Christa, fasste in den Wäschekorb und fischt Wanja Handtasche heraus.
Sie öffnete die Tasche und zerrte das Geldbündel heraus.
Dann sehe ich sie vor einem Jahr aufgetakelt mit so einem Bonzen in Hamburg, klangen Lutz Worte in ihr nach. Diese Aussage war von ihm nicht erfunden, sondern entsprachen der Wahrheit. Er hatte Wanja auf dem Foto wiedererkannt.
Lutz Äußerungen hatten Jantzen in ein Licht gesetzt, welches ihm nicht zutat. Er handelte, quälte Tiere, dies mit Sicherheit. Aber war er deswegen parse ein schlechter Mensch. Geschäftsmann wie Günter war er. Kaufmann mit Herz.
Christa drehte das Geldbündel. Für Schuckelheider war es ein Vermögen, aber für Jantzen eher ein Trinkgeld. Er war nicht ihr Freier, sondern ihr Erlöser. Sie aus ihrem Elend befreien. Ihr die Freiheit schenken, war sein Ansinnen.

Glasklar, als wäre sie dabei gewesen, sah sie alle Bilder. Nachdem Wanja ihrem Geschäft nachgegangen war, zog sie sich um und verwahrte ihre Sachen bei Günter. Ihr Zuhälter brachte sie auf den Parkplatz.
Bei der Übergabe des Geldes kam es zu einem Handgemenge. Wanja stürzte und kam zu Tode. Wogegen stieß sie? Gegen die Kante einer geöffneten Wagentür. Jantzen fing sie auf. Der Zuhälter verlässt den Ort. Jantzen steckt das Geld in Wanja Handtasche und legt sie …
„Stopp“, murmelte Christa.
Jantzen besaß eine Limousine keinen Kombi.
Christa spulte zurück. Er kam zu einem Streit, aber nicht mit Wanja. Der Zuhälter und Jantzen stritten. Vielleicht verlangte jener mehr für sie. War gierig geworden.
Jantzen und Wanjas Zuhälter zogen sich auf Werners Grundstück zurück. Wanja folgte ihnen, deswegen die Erdspuren an ihren Absätzen. Sie erschreckt, läuft weg. Floh. Mit ihren Schuhen kein einfaches Unterfangen.
Weshalb floh sie? Eine Frau, welche in ihrem Leben mehr als einmal in die tiefen Abgründe des Schreckens geblickt hatte. Totschlag. Mord! Jantzen hatte ihn erschlagen.
Seiner Tat bewusst erblickt er Wanja, die von ihm wegläuft; er hinterher. An Jantzens Limousine strauchelt sie, stürzt und schlägt mit dem Genick gegen eine Wagentür. Ihm gelingt es, sie aufzufangen, dabei ist sie bereits Tod. Ihr Körper wippte nach, sodass ihr Hinterkopf gegen einen Stein schlug.

Demnach existierten zwei Leichen soweit ein weiter Wagen. Es entsprach zwar nicht Christa Erfahrung, aber weshalb sollte ein Zuhälter keinen Kombi fahren.
Jantzen hatte zweifellos keine Skrupel Wanjas Luden irgendwo herauszuwerfen und seinen Leichnam den Wildschweinen zu überlassen. Mit Wanja sah dies anders aus. Offenbar hatte sie ihm erzählt, dass sie auf Günters Campingplatz anschaffen ging.
Christa schürzte ihre Lippen. Warum legte er sie auf die Straße? Keine zweite Leiche! Der Zuhälter war nicht Tod. Jantzen bemerkt auf der Fahrt, dass jener am Leben war.
In Panik warf er Wanja in den Straßengraben, ließ den Ort hinter sich und entschwand zu Fuß. Der Zuhälter kam endgültig zu sich, leckt seine Wunden und überlegte in welch einer Lage er steckt.
Wanja war Tod und die Verbindung zu ihm stand fest. Er war nicht ihr Mörder, würde gleichwohl als dergleichen gelten. Wieder bei klarem Verstand nimmt er sich vor, Wanja zu bergen, um sie zu verscharren. Dies würde zumindest Christa machen, wenn sie sich vorstellte in seiner Lage zu sein.
Dummerweise stellte er fest, dass Wanja bereits aufgefunden war. Christas Kreidestrich verriet dieses. Zu seinem Glück fand er nicht Wanjas Handtasche, denn diese hatte sie, Christa in Obhut genommen. Keine Papiere verrieten ihre Herkunft.

In Gedanken versunken, kramte Christa in Wanjas Tasche und zerrte ein Schlüsselbund hervor. Für was die Schlüssel waren, war ihr egal. Der Anblick als solches, zeigte Christa ihr Unvermögen. Sie hatte als Frau gedacht, nicht wie ein Mann. Günters erschließende Hosentaschen kreisten ihr durchs Gehirn.
Männer trugen keine Handtaschen. Weshalb sollte Jantzen auf die Idee gekommen sein das Geld in Wanjas Tasche zu stecken. Männer verwahrten alles in ihre Hosentaschen.
Er hatte keinerlei. Nicht einmal eine Hose trug er. Denn es war nicht Jantzen.

Jantzen hatte ein wasserdichtes Alibi. Seine Frau wusste von seinem Verhältnis. Weshalb sollte sie lügen, weswegen sollte er ihr es einreden. Wenn er der Täter war, dann hätte seine Sekretärin ihm gleichfalls ein Alibi schenken können.
Eifersucht! Hatte Christa mit ihrem Experiment nicht bewiesen, dass eine Frau Wanja aus dem Kombi geworfen hatte. Es war kein geplanter Mord, dies nicht. Was unternahm eine Prostituierte, wenn sie aus den Fängen ihres Luden befreit wurde?
»Sie verschwindet«, flüsterte Christa.

Blieb für Christa noch eins zu klären. Weshalb erzählte ihr Dünnbier diese abstruse Geschichte.
Wanja Ivanowa Petrova - Wanja Dimitrow Wladimirow.
Hatte er es wahrhaftig von Mechthild erfahren. Weswegen war Frank abgereist? Frank saß in ihrem Revier. Wie ist er hineingekommen. Günter!
„Männer“, zischte Christa.
Sie flechte ihre Zähne. Gebuhlt wie zwei Hähne haben sie. Frank hatte gewonnen und als Preis hatte er nicht allein sie, Christa bekommen, sondern sollte den Sachverhalt in Günters Interesse verdrehen.
Ob sie sauer auf Frank war, wollte, konnte sie nicht sagen, aber, dass er seine Pension aufs Spiel setzte, um wieder mit ihr vereint zu sein, imponierte sie.
Dünnbier! Obgleich seine Version dilettantisch war, steckte gewiss ein Stück Wahrheit in dieser. Die Inbrunst, mit der er jene erzählt hatte, bewiesen dies ihr.

Sie hatte kein Team, keine Technik, dafür Erfahrung und Verstand. Dieser war zwar in Dünnbier Welt mickrig, dennoch reichte ihr dieser Verstand, zu schlussfolgern, dass Wladimirow ihre Kollegen an der Nase herumführte. Wie blöde wäre er anderenfalls.
Wie Dünnbier bekräftigte, war die Idee, sich nicht allein eine neue Identität zu erschaffen, sondern gleichsam das Geschlecht zu wechseln, brillant. Sodann einen Fehler zu begehen, welchen sogar Gesine in ihrer Naivität roch, mehr als dilettantisch.
Der Pate, der Ganoven der Ganoven seinen Vornamen und seine Nationalität aufrechterhält, wobei er in der Lage war zu jedem zu werden. Christa kannte das LKA zu gut, um zu wissen, dass dieser Fauxpas bei Dünnbiers Recherchen nach einem Maulwurf stank. Einen Allerweltsnamen wie Meike Müller oder Marlies Meier hätte Wladimirow gewählt, oder …
Der Schlag des Türflügels gegen die Bodendelle riss Christa aus ihren Spekulationen. Sie wandte sich um und starrte auf den Lauf einer Pistole.
„Antje Bluhm“, murmelte Christa.

E N D E
 

Oben Unten