frynstaden
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Capitulum V: Sanguis in Arena Rubra (Blut auf rotem Sand)
Sie verharrte noch zwei Tage auf Ganymed. Dann schien für die Reise ins Ungewisse alles geplant zu sein. Der Casta Mal stellte ihr durch Boten morgendliche Briefings bereit, die Weißwolf über die Fortschritte der Ablenkung informierten.
Die Nachricht von einem Attentäter hatte sich rasch durch die Gefilde des Imperiums verbreitet. Die Nachrichten brachten die Kunde von Ares' Tod und wurden nicht müde, den unbekannten einsamen Wolf als Attentäter zu brandmarken, für dessen Ergreifung oder entsprechende Hinweise ein hohes Kopfgeld ausgesetzt wurde.
Trotz aller kolportierten Einheit des Imperiums gab es derartige Terroristen immer wieder. Doch beschränkten diese sich meist auf Gewaltakte gegen Einrichtungen der Administration auf den Außenwelten oder gegen die Ecclesia Technologiae. In aller Regel handelte es sich um fruchtlose Unterfangen. Noch ehe jemand zu Schaden kommen konnte, wurden die Angreifer gestoppt. Dieser Fall hier, der das Imperium im Kern erschütterte, war demgegenüber ganz anders gelagert.
Entsprechend wurde eine monatliche Trauerzeit verhängt. Mehr war jedoch nicht zu hören. Kein Wort über einen Überlebenden, kein Wort, wie oder wobei Ares genau getötet wurde. Es wurde lediglich thematisiert, dass er zum Zeitpunkt seines Ablebens nicht auf Erden verharrte und die Quarantäne weiterhin ungebrochen bestand.
Der Casta hielt jedenfalls ein, was er versprach und wenngleich er nicht an einen Sieg für sie dachte, so tat er doch alles, um die solaren Kräfte von der Spur des Syndikats fernzuhalten.
Der innere Kreis der Welten, vor allem die imperiale Familie, schien den spärlichen Berichten nach in Aufruhr zu sein. Der Imperator hatte auf den erdnahen Welten die Sicherheitspräsenzen deutlich erhöht und vermutlich war der Ring um die Erde nun weitaus schärfer bewacht als vorher. Weißwolf schätzte, dass sich diese Anspannung im Laufe der Zeit geben würde. An eine Reise nach Erden war ohnehin nicht mehr zu denken, ihr jüngster Hoffnungsschimmer war mit Ares' Niedergang geplatzt. Nun musste sie sich erst einmal um sich selbst und das Reinwaschen ihres Namens kümmern.
Abseits der Nachrichten widmete sich Weißwolf dem Mars. Sie studierte die Pläne des Ministeriums aus den vorhandenen Aufzeichnungen und ihren Erinnerungen. Sie überlegte, wohin man Teressis verbracht haben konnte. Eine medizinische Einrichtung im der Umgebung der Stadt würde es aufgrund Teressis' besonderem Status nicht sein. So blieben lediglich die Notfalllabore der unteren Etagen.
Weißwolf betrachtete außerdem die nahe Umgebung um den ministeriellen Komplex. Er war im administrativen Viertel angesiedelt. Nur einen Wimpernschlag von militärischen Baracken sowie dem Tempel der Ecclesia Technologiae entfernt. Ein Reinkommen war schon unter normalen Bedingungen erschwert, ein Rauskommen mit Teressis so gut wie unmöglich. Doch begann sich in Weißwolf ein Plan zu formen. Einer, dessen Preis sie alleine auf ihren Schultern tragen musste und über dessen Gehalt sie noch einmal intensiv nachzudenken hatte.
Zum Mittag holte sie ein weiterer Bote mit der Nachricht ab, dass sie am Hangar erwartet werde. Sie besaßen ein Transportschiff und entsprechende Kennungen, um die höheren Sicherheitsabfragen zu überwinden.
Ihre Besatzung war klein. Pilot, Copilot, zwei Adjutanten des Syndikats und Taravon. Mehr waren neben Weißwolf nicht zugegen, als sie das Schiff bestieg. Sie würden nicht lange fliegen. Zwar konnten sie nicht die schnellste Route wählen, da sie sich von den zentralen Checkpoints um Phobos und Deimos fernhalten und den besten Weg dazwischen wählen mussten. Doch würde es dennoch ein paar Stunden dauern, bis ihr Antrieb sie in die entsprechende Umlaufbahn über das Brachistochrone und zwischen die Monde gebracht hatte.
Während der Fahrt wurde kein einziges Wort gewechselt. Weißwolf war in ihren Gedanken versunken. An den Mars, an die Strategie nach der Landung, an die Zukunft. Vor über vierhundert Jahren hatte der Mensch erstmals Fuß auf den roten Planeten gesetzt und schon damals waren es Psychopathen, die die Macht innehatten.
Weißwolf selbst war bereits zuvor auf dem Mars gewesen. Sie war immerhin im Ministerium für Intertemporale Strafverfolgung angestellt als ein sogenannter Schatten. Sie war ein Elitekämpfer, ausgebildet in Spionage, Infiltration, Kampfkunst, Strategie, Sprachen und anderen Künsten, um sie rundum bereit zu machen für die Jagd auf jegliche Ziele in den Zeitlinien. Ihre gesamte Identität wurde in jedem System gelöscht, woraufhin sie sich ihren noch immer genutzten Decknamen zulegte. Nur den Geschehnissen vor vier Jahren waren es zu verdanken, dass sie ihr Leben weiterleben konnte und nicht wie all die anderen Spezialkräfte endete, die man nach dem vollendeten Dienst unter strengste Kontrollauflagen stellte.
Vor vier Jahren, als der Wahnsinn begann. Als sie der roten und felsigen Ödnis und noch weitaus mehr in ihrem Leben den Rücken zukehrte. Im Nachhinein hatte sie es nicht bereit, zum Ministerium gegangen und die Ausbildung über sich ergehen zu lassen. Doch was danach geschah, was im Staub der Röte verloren ging, das bereute sie noch immer.
„Die Landungsschlüssel sind akzeptiert. Wir treten jetzt in die Umlaufbahn ein“, meldete sich Taravon, Weißwolfs Gedanken unterbrechend, zu Wort. „Halte dich an der Oberfläche an mich, sonst seid Ihr und im schlechtesten Fall auch ich bei den Soldaten mitten drin. Das Rauskommen wird dann schwerer als das Reinkommen und einen erneuten Versuch werden wir nicht unternehmen.“
„Geht in Ordnung.“
„Vom Landungsplatz dauert es ungefähr drei Stunden bis zu den Pforten des Ministeriums für Intertemporale Strafverfolgung. Was auch immer Ihr vorhabt, ich hoffe, Ihr habt es euch reiflich überlegt. Das Gelände wird eine Festung sein.“
„Deswegen gehen wir weder direkt auf das Gelände, noch überhaupt direkt dorthin. Ich habe mir einen Plan gemacht und werde Eure Hilfe nötig haben“, antwortete Weißwolf bedächtig.
„Sondern?“
„Ich habe vor, beim nahe gelegenen Tempel sowie an umliegenden Knotenpunkten eine Art Diversion zu starten. Eine, die die umliegenden Krankenhäuser zwingend überlasten und die Administration sowie das Ministerium zum Eingreifen zwingen wird.“
„Wenn Ihr von einer Ablenkung sprecht, die solche Ausmaße annehmen soll“, wunderte sich Taravon sichtlich schockiert, „dann werdet Ihr über hunderte Leichen gehen müssen, mindestens, damit Ihr bei Teressis stehen könnt. Sagt, ist Euer moralischer Kompass noch intakt oder habt Ihr diesen auf Ganymed gelassen?“
„Es muss nicht in Todesopfern enden“, gab Weißwolf zurück. „Die Tempel sind das Herzstück der Ecclesiae auf den Welten und die steht oben in der Nahrungskette. Einen Angriff auf einen Tempel hat es seit einigen Jahren nicht mehr gegeben und die letzten, die es gab, scheiterten. Doch jedes Mal rückten Truppen und Personal aus allen Lagern an, manchmal waren sogar die Lateiner vor Ort. Selbst wenn eine Bombe nur zündet und ansonsten ergebnislos bleibt, versetzt es alle in Alarm und alle werden anrücken.“
„Ihr entfacht Chaos. Das könnte gelingen, um ein Fahrzeug zu kapern“, bestätigte Taravon. „So mögt Ihr hinein gelangen, doch weiß ich nicht, wie Ihr es hinaus schaffen wollt. Ganz davon abgesehen, dass Ihr sicherlich auch ein paar Opfer einkalkulieren müsst.“
„Eines nach dem Anderen. Ich sah mir die Pläne vom Konvent an und die Listen der Messen. Es ist nichts geplant. Ja, ein paar Gläubige werden sicherlich vor Ort sein, mit Fanatikern ist immer zu rechnen. Hinzu treten die Geistlichen und die Arbeiter vor Ort. So sehr ich hoffe, dass es ohne Todesfälle gelingen wird und es nur Verletzte sein werden, die die medizinischen Einrichtungen aufnehmen, so wenig kann ich Todesfälle nicht ausschließen“, bestätigte Weißwolf sichtlich geknickt.
Für Sie war es ein Menschenhandel. Bei allem, was um Ares geschah und im Hintergrund am Wirken war, war das Leben von Teressis mehr Wert als das einiger Menschen, die für ihre Rettung möglicherweise mit dem Tod bezahlen würden. Sie würde dem einsamen Wolf, von dem die Nachrichten sprachen, alle Ehre machen und dies lastete schwer auf ihren Schultern.
„Warten wir es ab. Ihr zündet irgendwo ein Lichtlein und hofft, damit Dinge aus dem Dunkeln anzulocken“, gab Taravon zu bedenken. „Doch Ihr habt keine Ahnung, was durch dieses Licht noch alles zu lodern vermag.“
„Je größer die Kalamität, desto eher mag ich Erfolg in der Sache haben. Ich habe nichts dagegen, wenn es etwas mehr lodert als geplant und sich Eure Worte als Prophetie enthüllen“, sagte Weißwolf mit fester Stimme.
Sie war nun überzeugt, von dem, was sie tun würde. Sie tat es für den höheren Zweck.
„Landung in der zentralen Marskolonie“, ließ sich der Pilot über Funk vernehmen. „Bereitmachen für den Ausstieg.“
„Los geht's“, bestätigte Taravon und erhob sich, als das Rumpeln des Schiffes aufgehört hatte.
Sie brauchten keine Helme oder Schutzausrüstung. Die elektromagnetischen Felder der Kuppeln waren über mehrere Ebenen verteilt und erlaubten über bestimmte Routen Anflüge der Transportschiffe, ohne den Sauerstoffgehalt im Freien zu reduzieren oder eine Form des atmosphärischen Austausches nötig zu machen. Die zentrale Kolonie war eine auf mehreren hundert Quadratkilometern ausgebreitete Fläche verschiedenster Kuppeln an der Oberfläche. Unterhalb des Marsbodens verlief das Gelände über die gesamte Fläche hinweg und bohrte sich tief in den Fels hinein. Wohnungen im Freien waren nur wenigen vorbehalten. Die meisten lebten und arbeiteten unter der Oberfläche, wobei die Stadt selbst eine größere Bevölkerungsdichte und auch Bevölkerung aufwies als jene Megastädte des Titan, die im Sonnensystem ansonsten die größten menschlichen Siedlungen darstellten.
Doch der Mars, der erste von Menschen betretene Planet, hatte eine Art Sonderstatus. Er hatte Prestige und so zog es immer wieder Menschen hierher, die sich ihr Leben zu verdingen suchten. Die sich vermehrten und immer mehr Raum in Beschlag nahmen.
Einzelne Tunnel führten weiter zu anderen Städten des Mars, in denen es kaum anders aussah. Die gläsernen Kuppeln und die Türme der Wohlhabenden, die überall über den Bauten der ewigen Finsternis standen, verdeckten das Bild des Elends, in dem die allermeisten Menschen hausten. Tief darunter lagen die Fusionsreaktoren der Städte, welche die elektromagnetischen Schutzgitter antrieben, die die Bewohner vor der kosmischen Strahlung schützten, welche den täglichen Strom lieferten und selbst die Singularitäten der Zeitkapseln antrieben. Diejenigen, die das Glück hatten, sich nicht nur mit Physik, Ingenieurwissenschaft, Materialwissenschaft, Informatik und Quantengraviation zu beschäftigen, sondern diese Felder zu durchdringen, waren angesehene Menshen. Sie gehörten zu den Reichen nicht aufgrund ihrer Besitztümer, sondern aufgrund ihrer Ausbildung und Bedeutung. Wenigstens ein Teil ihres gesellschaftlichen Systems funktionierte im Sinne der Meritokratie außerordentlich gut.
Das Treiben auf dem Raumhafen, einem von insgesamt acht größeren zivilen Landebasen der gesamten zentralen Kolonie, war geschäftig, die Lautstärke ebenso. Landende sowie startende Raumgleiter trafen alle paar Minuten auf einer der Dutzenden Plattformen ein. Alleine in ihrem Areal dürften tausende Menschen damit beschäftigt sein, Fracht umzuladen, die Schiffe zu warten, die Prozesse zu organisieren und schließlich auch die eintreffenden wie gehenden Menschen zu registrieren.
Einzelne Gruppen von Soldaten des Imperiums fanden sich ebenfalls. Doch wie versprochen führte Taravon sie unbehelligt durch die Kontrollen im westlichen Teil des Landebereichs. Weißwolf hatte diesbezüglich noch die wenigsten Probleme, da ihr Ausweis von sich aus bei jedem Transfervorgang eine neue Person in den Systemen anlegte. Es waren die Vorzüge der einstigen Geheimtätigkeiten, die sie noch immer genießen konnte. Sie brauchte nur nicken und weitergehen.
Von dem Raumhafen nahmen sie eine der Vakuumbahnen, um bis zu einem Versteck innerhalb der Kolonie zu gelangen. Es waren kaum zwei Stunden vergangen seit ihrem Eintreffen auf dem Planeten und der Einkehr in den Bunker auf der dritten Ebene unterhalb der Oberfläche. Es war eine schlichte Unterkunft. Ein Aufenthaltsraum mit kleiner Küchenzeile, zwei gedrungenen Etagenbetten in einem Nebenzimmer sowie eine Duschkabine und ein Sanitärbereich. Alles in allem kaum fünfundzwanzig Quadratmeter groß.
Es war eine der standardmäßigen Unterkünfte für alleinstehende Arbeiter, die sich die Miete teilten. Familien kamen mitunter auch in derartiger Enge zurecht, zumeist mussten sie es, weil das Einkommen nicht für Besseres reichte. Trotz der gewaltigen Größe der Kolonie war auch der Raum unter Tage beschränkt und je die Kosten für eine Bleibe stiegen in einem größeren Maße als die Summe der Quadratmeter.
Weißwolf ließ sich auf einem der Stühle im Aufenthaltsbereich nieder. Sie war so nah an der Erde wie lange nicht und dabei war sie nun doch so fern von ihr. Die Mühsal, die sich um ihre Seele legte, gewahrte auch Taravon, der sich auf die andere Seite des Tisches setzte.
„Euer Blick sagt, dass Ihr leidet“, meinte er halb gleichgültig, aber auch halb gerührt.
Weißwolf schien in seinen Augen sonst niemand zu sein, der sich die Blöße von Emotionen nach außen gab. Doch an diesem Ort kamen für sie viele Erinnerungen zusammen und die Ruhe, die sie genoss, tat ihr Übriges, damit sie diese nicht abschalten konnte.
„Es ist viel passiert auf dieser Welt“, raffte sich Weißwolf zu einer Antwort auf, „und noch mehr in unserer Geschichte. Was hat man uns nicht alles versprochen, als wir ins All aufbrachen? Die Neugier ist verflogen, die meisten vegetieren irgendwie dahin in der Hoffnung, dass ihre Kinder es einmal besser haben werden. Was bleibt uns eigentlich noch, wenn wir nicht für Verbesserungen einstehen? Mir ist das Leid zuwider und ich bereue einiges, was ich damals hier angefangen, aber nicht zu Ende gebracht habe.“
„Ich für meinen Teil komme gut damit klar, in dem Luxus zu leben, den das Syndikat gewährt. Die sinnlichen Freuden reichen mir.“
„Ihr habt kein Kind“, widersprach Weißwolf, „vielleicht könnt Ihr es deswegen nicht verstehen.“
„Ich hegte auch nie den Wunsch danach. Kinder in dieser Welt“, meinte er abwertend, „als ob es nicht schon genug Menschen gibt und wie viele sind es denn, die den Aufstieg schaffen? Die sich in den Eliteprozessen als würdig erweisen, einen der begehrten Stipendienplätze zu bekommen? Es wird der Bruchteil eines Bruchteils sein.“
„Deswegen kann ich den Traum der Erde nicht aufgeben. Nicht einmal nur wegen meines Kindes, sondern auch wegen all der anderen. Irgendjemand muss irgendetwas tun.“
„Gute Vorsätze und der Weg zur Hölle“, parierte Taravon zynisch. „Ich komme gut klar und ich habe hier einen Auftrag mit Euch zu erledigen. Lasst uns also die Details durchgehen, um zu schauen, was Ihr für Euren Wahn, Eure höheren Ziele oder was auch immer benötigt.“
Weißwolf stellte auf dem Tisch eines der Geräte auf, die Taravon mitgebracht hatte und tätigte ein paar Einstellungen. Es projizierte die Umgebung des Ministeriums und des Tempels oberhalb der Tischfläche.
„Ihr kennt die Pläne des Innenbereichs?“, fragte sie auf den Tempel deutend.
„Ja.“
„Ich brauche einen gut platzierten Sprengsatz unter dem mittleren Altarplatz. Von dort dürfte sich die Detonation in alle Bereiche des Tempels ausbreiten und diesen fürs Erste unbegehbar machen“, führte sie aus und markierte die Stelle als roten Punkt auf der Karte. „Darüber hinaus“, meinte sie, weitere rote Punkte einstellend, „sollten an diesen Stellen ebenfalls Sprengsätze erfolgen. Es reichen kleinere, um Aufruhr zu erzeugen. Ich habe mir die Logistik und Umgebung eingehend angesehen. Es sind Knotenpunkte, wichtige Transitrouten und Einrichtungen der Administration sowie auch der Gilden. Treffer im Untergrund werden genug Wirkung entfalten, um sich auf die Oberfläche auszuwirken und alle von einem konzertierten Angriff ausgehen lassen.“
„Ihr wollt die Stadt also brennen sehen.“
„Wenn es hilft auch das. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass Opfer unumgänglich sein werden“, gestand Weißwolf trocken. Die Ablenkung muss groß genug sein, dass das medizinische Personal in Not gerät und ich in der Aufregung das Ministerium betreten kann. Davon abgesehen brauchen wir ebenfalls medizinisches Personal, um Teressis zu empfangen, wenn ich zurückkehre und die Möglichkeit einer Flucht.“
„Falls Ihr zurückkehrt“, bemerkte Taravon kühl, „dann werden entsprechende Kräfte bereitstehen. Das ist kein Problem. Auch die Bomben in der Peripherie sehe ich als unproblematisch an. Sie werden durch die Tunnelsysteme leicht zu platzieren sein, da sie auf öffentliche Bereiche abzielen. Der Tempel ist dann jedoch ein ganz anderes Kaliber“, überlegte er. „Uns sind Schmuggelrouten bekannt, die in der Nähe verlaufen. Doch wollt Ihr, dass wir in die inneren Bereiche eindringen. Wir müssen tief vorgehen und einen der wenigen Wartungszugänge nutzen, die von außen begehbar sind. Das wird dauern.“
„Kann die Sache binnen drei Tagen stehen?“, fragte Weißwolf direkt. „Jede verlorene Stunde bringt Teressis in Gefahr, von den Häschern des Ares' aufgespürt und beseitigt zu werden.“
„Ich tue mein Bestes“, antwortete Taravon. „Doch was tut Ihr in dieser Zeit? Bisher hörte ich nur Forderungen.“
„Ich werde alte Quellen bemühen“, erklärte Weißwolf. „Noch verfüge ich über Kontakte ins Ministerium und noch wird meine Identität in der Sache des Terroristen nicht geklärt sein. Ich werde mich genauer über Teressis und ihre Unterbringung informieren.“
„Nun gut“, gab Taravon beschwichtigt darüber, dass sich Weißwolf ebenfalls mühte und die Vorbereitung nicht nur in andere Hände legte, zurück. „So sehen wir uns hier erneut, wenn die Tage gezählt sind. Seid bereit.“
„Das werde ich sein.“
Wie besprochen trafen Sie sich am Morgen des dritten Tages erneut in der Unterkunft. Nach Erdstandardzeit, die im Sonnensystem nach wie vor Geltung hatte, war es morgens sechs Uhr.
Weißwolf hatte sowieso in der kleinen Bleibe übernachtet, nachdem ihre Geschäfte soweit verrichtet waren. Sie hatte genug über Teressis in Erfahrung bringen können, um sich zumindest einen groben Eindruck vom Interieur zu verschaffen, in das es sie hoffentlich bald verschlagen durfte. Geschlafen hatte sie nur einige Stunde und wach war Weißwolf auch bereits seit fünf Uhr. Sie ging wiederholt den Plan in ihrem Kopf durch und überlegte, was alles schief gehen konnte. Sie wusste, dass Pläne nur soweit Bestand hatten, bis der Kampf begann und es dann immer auf die Intuition sowie die zeitnahe Anpassung von Strategien ankam.
Taravon berichtete, dass die Sprengsätze platziert seien. Selbst im Tempel hatte man am Vorabend dieses Tages eine hinreichende Bombe platzieren können, die den gewünschten Schaden anrichten sollte.
Freilich war es ein Geheimnis von Taravon, wie dies geglückt war. Doch schätzte Weißwolf, dass das Syndikat die Finger nicht nur in Geschäften mit anderen Untergrundorganisationen hatte, sondern sicherlich auch die einen oder anderen Wartungsarbeiter bestechen konnte. Auch die Soldaten des Imperiums waren nicht überall und die Spezialtruppen, die Geheimdienste und Lateiner, hatten die größeren Bedrohungen für die imperiale Sicherheit im Blick und diese lagen dieses Mal sicherlich auf dem einsamen Wolf, dessen Bedrohung sie gegenüber Teressis sicherlich spüren mussten, aber auch gegenüber dem organisierten Verbrechen und den Häretikern.
„Gehen wir?“, fragte Taravon nach dem Bericht, um keine Zeit zu verlieren. „Die Aktion ist für elf Uhr geplant.“
„Gehen wir“, bestätigte Weißwolf.
Auf dem Weg zum Tempel hatte Taravon jedoch noch eine Offenbarung.
„Ihr solltet eine Sache wissen und die wird Euch nicht zur Freude gereichen“, setzte er an und sprach nach Weißwolfs fragendem Blick weiter: „Es ist eine Liturgie geplant.“
„Bitte?“, fuhr sie entsetzt hoch, „es war nichts angesetzt?“
„Richtig“, antwortete Taravon und erklärte sich. „Abseits der Geschehnisse um Ares hat es einen Präfekten gegeben, der sich einigen Verlockungen hingab und in Sünde exekutiert wurde. Nun gibt es einen Neuen und zusammen mit Athene, die ebenfalls auf dem Mars weilt, wird es eine große Messe zu Ehren von Ares' sowie auch des neuen Präfekten geben.“
„Athene ist hier? Wie viele Gäste werden heute wohl Einlass begehren?“
„Zehntausende dürften dem Ruf folgen. Nicht allein um Ares' oder des Präfekten willen, sondern vor allem auch wegen Athene. Es ist das erste Mal seit dem Tod des Thronfolgers, dass sich ein Gesicht der imperialen Familie offen zeigen wird.“
Weißwolf überschlug die Situation rasch. Die Krankenhäuser würden definitiv überlaufen, wenn der Sprengsatz im Tempel detonierten und im schlimmsten Fall klebte sogar Athenes Blut an ihren Händen.
Alles, was sie gerade am Tun war, entwickelte sich mehr und mehr zu einem Dilemma. Teressis' Leben war an ihre Handlungen geknüpft und auch ihr Wiedersehen mit ihrem Kind, so fern es noch sein mochte, hing an den heutigen Geschehnissen. Sie würde nicht nur ein paar Hausmeister auf ihrem Gewissen haben, sondern zahlreiche Tote als Kollateralschaden.
Sie schüttelte den Kopf. Es war der Preis, den sie für ihren Willen bezahlen würde. Sie würde bis zum Äußersten gehen, sie war die Radikale katexochen in dieser Sache und sie hatte gelernt, solche Entscheidungen bedingungslos zu treffen und mit diesen zu leben. Immerhin glaubte Weißwolf, dass das Schicksal des ganzen Sonnensystems an das Leben von Teressis geknüpft war und gemessen daran würden auch zehntausende Leichen, die ihren Weg pflastern würden, ein kleiner Preis sein. Irgendwann würde die Wehklage um den heutigen Tag, die es ob der Toten ohne Zweifel geben würde, verhallen.
„Wie viel Pech kann man nur haben. Dennoch, wir können nicht umkehren“, meinte sie streng. „Möge man mir diese Sünde irgendwann verzeihen, doch sind meine Gründe hinreichend und ich würde, wie auch immer der heutige Tag verläuft, die Entscheidung jederzeit wieder so treffen.“
„Dann gebe ich die finalen Kommandos aus. Elf Uhr“, wiederholte Taravon, während er Weißwolf aus der Vakuumbahn an die Oberfläche führte. „Mal sehen, was dieser Irrsinn bringt.“
Sie schritten zusammen zu einer Anhöhe hinauf, ein vergleichsweise großes Stück grüne Fläche, die man innerhalb des Geländes angelegt hatte. Sie befanden sich in etwa auf der Hälfte des Weges zwischen dem Tempel und dem Ministerium für intertemporale Strafverfolgung. Jenes Ministerium, welches in seinem Hauptgebäude etwa zweihundert Stockwerke in die Höhe reichte.
Dennoch verblasste dieses gegenüber dem Tempel, der in einer Senke gelegen war. Es handelte sich um ein Tetraeder von, im Vergleich zu den sonstigen Bauten, gigantischen Ausmaßen. Die Lage in der Senke liegen dies nicht erahnen, doch vom Boden bis zur höchsten Spitze war es das größte Marsgebäude insgesamt.
Der Tempel der Maschinen, dachte Weißwolf beim Blick über das Gelände. Man hatte lange aufgehört, den Göttern zu dienen, jedenfalls offiziell. Außerirdische hatte man bislang ebenso wenig finden können wie divine Aspekte einer höheren Macht. Alles hatte sich, ob es wollte oder nicht, der Technik unterordnen müssen.
Die wenigen Kulte, die es noch geben mochte, lebten in beständiger Angst. Sie waren Häretikern gleichgestellt und versuchten in aller Regel ihr Glück in den Weiten des Alls. Der Mensch verbreitete sich allmählich wie der Staub eines Kometen, doch hier, im Sonnensystem, waren diese wenigen Kolonisten und Glücksritter unbedeutend.
Der Platz des Tempels war ebenfalls präzise gewählt worden. An jener Stelle, an der sich der Tempel nun befand, hatten die Menschen zum ersten Mal den Mars betreten und an jener Stelle fand auch die letzte Schlacht gegen die Anhänger der Trinität statt. Die Religionskriege, die es gegeben hatte und die nicht nur zur Auslöschung sämtlicher Kulte führten und mehrere Milliarden Opfer forderten, fanden in der Senke ein Ende.
Aus der Asche der Schlachten erhob sich die Ecclesia Technologiae und mit ihr das Imperium. Ihre Diener, die Lateiner und die Armee, setzten in der Folge einen Frieden durch, der zum Preis einiger Freiheitsrechte seit zwei Jahrhunderten währte und jede Gegenbewegung erbarmungslos verfolgte. Heute würde dieser Frieden mit einem Knall an jenem Ort enden, an dem er einst begann.
Weißwolf blickte auf ihre Anzeigen am Arm. Es war gegen kurz vor acht Uhr und die Menschen versammelten sich allmählich und in immer größeren Gruppen. Es waren nicht nur die Wohlhabenden des Mars, die sich zusammenfanden, sondern Menschen aller sozialen Schichten. Die Ecclesia Technologiae war der einzige Kitt, der die unterschiedlichen Personen zusammenhielt und sie würde hier zum Fanal von etwas Neuem werden. Denn ganz egal, wie dies ausging, so wusste Weißwolf doch, dass ihre Taten eine Zeitenwende bedeuteten.
Capitulum VI: Profanatio Sacrarii (Entweihung des Heiligtums)
Fortsetzung kann folgen, sobald Kapitel 5 fertig ist. Wer ernstlich bis hierher gekommen ist und mehr lesen möchte, der möge das bitte hier als Antwort kommunizieren.
Sie verharrte noch zwei Tage auf Ganymed. Dann schien für die Reise ins Ungewisse alles geplant zu sein. Der Casta Mal stellte ihr durch Boten morgendliche Briefings bereit, die Weißwolf über die Fortschritte der Ablenkung informierten.
Die Nachricht von einem Attentäter hatte sich rasch durch die Gefilde des Imperiums verbreitet. Die Nachrichten brachten die Kunde von Ares' Tod und wurden nicht müde, den unbekannten einsamen Wolf als Attentäter zu brandmarken, für dessen Ergreifung oder entsprechende Hinweise ein hohes Kopfgeld ausgesetzt wurde.
Trotz aller kolportierten Einheit des Imperiums gab es derartige Terroristen immer wieder. Doch beschränkten diese sich meist auf Gewaltakte gegen Einrichtungen der Administration auf den Außenwelten oder gegen die Ecclesia Technologiae. In aller Regel handelte es sich um fruchtlose Unterfangen. Noch ehe jemand zu Schaden kommen konnte, wurden die Angreifer gestoppt. Dieser Fall hier, der das Imperium im Kern erschütterte, war demgegenüber ganz anders gelagert.
Entsprechend wurde eine monatliche Trauerzeit verhängt. Mehr war jedoch nicht zu hören. Kein Wort über einen Überlebenden, kein Wort, wie oder wobei Ares genau getötet wurde. Es wurde lediglich thematisiert, dass er zum Zeitpunkt seines Ablebens nicht auf Erden verharrte und die Quarantäne weiterhin ungebrochen bestand.
Der Casta hielt jedenfalls ein, was er versprach und wenngleich er nicht an einen Sieg für sie dachte, so tat er doch alles, um die solaren Kräfte von der Spur des Syndikats fernzuhalten.
Der innere Kreis der Welten, vor allem die imperiale Familie, schien den spärlichen Berichten nach in Aufruhr zu sein. Der Imperator hatte auf den erdnahen Welten die Sicherheitspräsenzen deutlich erhöht und vermutlich war der Ring um die Erde nun weitaus schärfer bewacht als vorher. Weißwolf schätzte, dass sich diese Anspannung im Laufe der Zeit geben würde. An eine Reise nach Erden war ohnehin nicht mehr zu denken, ihr jüngster Hoffnungsschimmer war mit Ares' Niedergang geplatzt. Nun musste sie sich erst einmal um sich selbst und das Reinwaschen ihres Namens kümmern.
Abseits der Nachrichten widmete sich Weißwolf dem Mars. Sie studierte die Pläne des Ministeriums aus den vorhandenen Aufzeichnungen und ihren Erinnerungen. Sie überlegte, wohin man Teressis verbracht haben konnte. Eine medizinische Einrichtung im der Umgebung der Stadt würde es aufgrund Teressis' besonderem Status nicht sein. So blieben lediglich die Notfalllabore der unteren Etagen.
Weißwolf betrachtete außerdem die nahe Umgebung um den ministeriellen Komplex. Er war im administrativen Viertel angesiedelt. Nur einen Wimpernschlag von militärischen Baracken sowie dem Tempel der Ecclesia Technologiae entfernt. Ein Reinkommen war schon unter normalen Bedingungen erschwert, ein Rauskommen mit Teressis so gut wie unmöglich. Doch begann sich in Weißwolf ein Plan zu formen. Einer, dessen Preis sie alleine auf ihren Schultern tragen musste und über dessen Gehalt sie noch einmal intensiv nachzudenken hatte.
Zum Mittag holte sie ein weiterer Bote mit der Nachricht ab, dass sie am Hangar erwartet werde. Sie besaßen ein Transportschiff und entsprechende Kennungen, um die höheren Sicherheitsabfragen zu überwinden.
Ihre Besatzung war klein. Pilot, Copilot, zwei Adjutanten des Syndikats und Taravon. Mehr waren neben Weißwolf nicht zugegen, als sie das Schiff bestieg. Sie würden nicht lange fliegen. Zwar konnten sie nicht die schnellste Route wählen, da sie sich von den zentralen Checkpoints um Phobos und Deimos fernhalten und den besten Weg dazwischen wählen mussten. Doch würde es dennoch ein paar Stunden dauern, bis ihr Antrieb sie in die entsprechende Umlaufbahn über das Brachistochrone und zwischen die Monde gebracht hatte.
Während der Fahrt wurde kein einziges Wort gewechselt. Weißwolf war in ihren Gedanken versunken. An den Mars, an die Strategie nach der Landung, an die Zukunft. Vor über vierhundert Jahren hatte der Mensch erstmals Fuß auf den roten Planeten gesetzt und schon damals waren es Psychopathen, die die Macht innehatten.
Weißwolf selbst war bereits zuvor auf dem Mars gewesen. Sie war immerhin im Ministerium für Intertemporale Strafverfolgung angestellt als ein sogenannter Schatten. Sie war ein Elitekämpfer, ausgebildet in Spionage, Infiltration, Kampfkunst, Strategie, Sprachen und anderen Künsten, um sie rundum bereit zu machen für die Jagd auf jegliche Ziele in den Zeitlinien. Ihre gesamte Identität wurde in jedem System gelöscht, woraufhin sie sich ihren noch immer genutzten Decknamen zulegte. Nur den Geschehnissen vor vier Jahren waren es zu verdanken, dass sie ihr Leben weiterleben konnte und nicht wie all die anderen Spezialkräfte endete, die man nach dem vollendeten Dienst unter strengste Kontrollauflagen stellte.
Vor vier Jahren, als der Wahnsinn begann. Als sie der roten und felsigen Ödnis und noch weitaus mehr in ihrem Leben den Rücken zukehrte. Im Nachhinein hatte sie es nicht bereit, zum Ministerium gegangen und die Ausbildung über sich ergehen zu lassen. Doch was danach geschah, was im Staub der Röte verloren ging, das bereute sie noch immer.
„Die Landungsschlüssel sind akzeptiert. Wir treten jetzt in die Umlaufbahn ein“, meldete sich Taravon, Weißwolfs Gedanken unterbrechend, zu Wort. „Halte dich an der Oberfläche an mich, sonst seid Ihr und im schlechtesten Fall auch ich bei den Soldaten mitten drin. Das Rauskommen wird dann schwerer als das Reinkommen und einen erneuten Versuch werden wir nicht unternehmen.“
„Geht in Ordnung.“
„Vom Landungsplatz dauert es ungefähr drei Stunden bis zu den Pforten des Ministeriums für Intertemporale Strafverfolgung. Was auch immer Ihr vorhabt, ich hoffe, Ihr habt es euch reiflich überlegt. Das Gelände wird eine Festung sein.“
„Deswegen gehen wir weder direkt auf das Gelände, noch überhaupt direkt dorthin. Ich habe mir einen Plan gemacht und werde Eure Hilfe nötig haben“, antwortete Weißwolf bedächtig.
„Sondern?“
„Ich habe vor, beim nahe gelegenen Tempel sowie an umliegenden Knotenpunkten eine Art Diversion zu starten. Eine, die die umliegenden Krankenhäuser zwingend überlasten und die Administration sowie das Ministerium zum Eingreifen zwingen wird.“
„Wenn Ihr von einer Ablenkung sprecht, die solche Ausmaße annehmen soll“, wunderte sich Taravon sichtlich schockiert, „dann werdet Ihr über hunderte Leichen gehen müssen, mindestens, damit Ihr bei Teressis stehen könnt. Sagt, ist Euer moralischer Kompass noch intakt oder habt Ihr diesen auf Ganymed gelassen?“
„Es muss nicht in Todesopfern enden“, gab Weißwolf zurück. „Die Tempel sind das Herzstück der Ecclesiae auf den Welten und die steht oben in der Nahrungskette. Einen Angriff auf einen Tempel hat es seit einigen Jahren nicht mehr gegeben und die letzten, die es gab, scheiterten. Doch jedes Mal rückten Truppen und Personal aus allen Lagern an, manchmal waren sogar die Lateiner vor Ort. Selbst wenn eine Bombe nur zündet und ansonsten ergebnislos bleibt, versetzt es alle in Alarm und alle werden anrücken.“
„Ihr entfacht Chaos. Das könnte gelingen, um ein Fahrzeug zu kapern“, bestätigte Taravon. „So mögt Ihr hinein gelangen, doch weiß ich nicht, wie Ihr es hinaus schaffen wollt. Ganz davon abgesehen, dass Ihr sicherlich auch ein paar Opfer einkalkulieren müsst.“
„Eines nach dem Anderen. Ich sah mir die Pläne vom Konvent an und die Listen der Messen. Es ist nichts geplant. Ja, ein paar Gläubige werden sicherlich vor Ort sein, mit Fanatikern ist immer zu rechnen. Hinzu treten die Geistlichen und die Arbeiter vor Ort. So sehr ich hoffe, dass es ohne Todesfälle gelingen wird und es nur Verletzte sein werden, die die medizinischen Einrichtungen aufnehmen, so wenig kann ich Todesfälle nicht ausschließen“, bestätigte Weißwolf sichtlich geknickt.
Für Sie war es ein Menschenhandel. Bei allem, was um Ares geschah und im Hintergrund am Wirken war, war das Leben von Teressis mehr Wert als das einiger Menschen, die für ihre Rettung möglicherweise mit dem Tod bezahlen würden. Sie würde dem einsamen Wolf, von dem die Nachrichten sprachen, alle Ehre machen und dies lastete schwer auf ihren Schultern.
„Warten wir es ab. Ihr zündet irgendwo ein Lichtlein und hofft, damit Dinge aus dem Dunkeln anzulocken“, gab Taravon zu bedenken. „Doch Ihr habt keine Ahnung, was durch dieses Licht noch alles zu lodern vermag.“
„Je größer die Kalamität, desto eher mag ich Erfolg in der Sache haben. Ich habe nichts dagegen, wenn es etwas mehr lodert als geplant und sich Eure Worte als Prophetie enthüllen“, sagte Weißwolf mit fester Stimme.
Sie war nun überzeugt, von dem, was sie tun würde. Sie tat es für den höheren Zweck.
„Landung in der zentralen Marskolonie“, ließ sich der Pilot über Funk vernehmen. „Bereitmachen für den Ausstieg.“
„Los geht's“, bestätigte Taravon und erhob sich, als das Rumpeln des Schiffes aufgehört hatte.
Sie brauchten keine Helme oder Schutzausrüstung. Die elektromagnetischen Felder der Kuppeln waren über mehrere Ebenen verteilt und erlaubten über bestimmte Routen Anflüge der Transportschiffe, ohne den Sauerstoffgehalt im Freien zu reduzieren oder eine Form des atmosphärischen Austausches nötig zu machen. Die zentrale Kolonie war eine auf mehreren hundert Quadratkilometern ausgebreitete Fläche verschiedenster Kuppeln an der Oberfläche. Unterhalb des Marsbodens verlief das Gelände über die gesamte Fläche hinweg und bohrte sich tief in den Fels hinein. Wohnungen im Freien waren nur wenigen vorbehalten. Die meisten lebten und arbeiteten unter der Oberfläche, wobei die Stadt selbst eine größere Bevölkerungsdichte und auch Bevölkerung aufwies als jene Megastädte des Titan, die im Sonnensystem ansonsten die größten menschlichen Siedlungen darstellten.
Doch der Mars, der erste von Menschen betretene Planet, hatte eine Art Sonderstatus. Er hatte Prestige und so zog es immer wieder Menschen hierher, die sich ihr Leben zu verdingen suchten. Die sich vermehrten und immer mehr Raum in Beschlag nahmen.
Einzelne Tunnel führten weiter zu anderen Städten des Mars, in denen es kaum anders aussah. Die gläsernen Kuppeln und die Türme der Wohlhabenden, die überall über den Bauten der ewigen Finsternis standen, verdeckten das Bild des Elends, in dem die allermeisten Menschen hausten. Tief darunter lagen die Fusionsreaktoren der Städte, welche die elektromagnetischen Schutzgitter antrieben, die die Bewohner vor der kosmischen Strahlung schützten, welche den täglichen Strom lieferten und selbst die Singularitäten der Zeitkapseln antrieben. Diejenigen, die das Glück hatten, sich nicht nur mit Physik, Ingenieurwissenschaft, Materialwissenschaft, Informatik und Quantengraviation zu beschäftigen, sondern diese Felder zu durchdringen, waren angesehene Menshen. Sie gehörten zu den Reichen nicht aufgrund ihrer Besitztümer, sondern aufgrund ihrer Ausbildung und Bedeutung. Wenigstens ein Teil ihres gesellschaftlichen Systems funktionierte im Sinne der Meritokratie außerordentlich gut.
Das Treiben auf dem Raumhafen, einem von insgesamt acht größeren zivilen Landebasen der gesamten zentralen Kolonie, war geschäftig, die Lautstärke ebenso. Landende sowie startende Raumgleiter trafen alle paar Minuten auf einer der Dutzenden Plattformen ein. Alleine in ihrem Areal dürften tausende Menschen damit beschäftigt sein, Fracht umzuladen, die Schiffe zu warten, die Prozesse zu organisieren und schließlich auch die eintreffenden wie gehenden Menschen zu registrieren.
Einzelne Gruppen von Soldaten des Imperiums fanden sich ebenfalls. Doch wie versprochen führte Taravon sie unbehelligt durch die Kontrollen im westlichen Teil des Landebereichs. Weißwolf hatte diesbezüglich noch die wenigsten Probleme, da ihr Ausweis von sich aus bei jedem Transfervorgang eine neue Person in den Systemen anlegte. Es waren die Vorzüge der einstigen Geheimtätigkeiten, die sie noch immer genießen konnte. Sie brauchte nur nicken und weitergehen.
Von dem Raumhafen nahmen sie eine der Vakuumbahnen, um bis zu einem Versteck innerhalb der Kolonie zu gelangen. Es waren kaum zwei Stunden vergangen seit ihrem Eintreffen auf dem Planeten und der Einkehr in den Bunker auf der dritten Ebene unterhalb der Oberfläche. Es war eine schlichte Unterkunft. Ein Aufenthaltsraum mit kleiner Küchenzeile, zwei gedrungenen Etagenbetten in einem Nebenzimmer sowie eine Duschkabine und ein Sanitärbereich. Alles in allem kaum fünfundzwanzig Quadratmeter groß.
Es war eine der standardmäßigen Unterkünfte für alleinstehende Arbeiter, die sich die Miete teilten. Familien kamen mitunter auch in derartiger Enge zurecht, zumeist mussten sie es, weil das Einkommen nicht für Besseres reichte. Trotz der gewaltigen Größe der Kolonie war auch der Raum unter Tage beschränkt und je die Kosten für eine Bleibe stiegen in einem größeren Maße als die Summe der Quadratmeter.
Weißwolf ließ sich auf einem der Stühle im Aufenthaltsbereich nieder. Sie war so nah an der Erde wie lange nicht und dabei war sie nun doch so fern von ihr. Die Mühsal, die sich um ihre Seele legte, gewahrte auch Taravon, der sich auf die andere Seite des Tisches setzte.
„Euer Blick sagt, dass Ihr leidet“, meinte er halb gleichgültig, aber auch halb gerührt.
Weißwolf schien in seinen Augen sonst niemand zu sein, der sich die Blöße von Emotionen nach außen gab. Doch an diesem Ort kamen für sie viele Erinnerungen zusammen und die Ruhe, die sie genoss, tat ihr Übriges, damit sie diese nicht abschalten konnte.
„Es ist viel passiert auf dieser Welt“, raffte sich Weißwolf zu einer Antwort auf, „und noch mehr in unserer Geschichte. Was hat man uns nicht alles versprochen, als wir ins All aufbrachen? Die Neugier ist verflogen, die meisten vegetieren irgendwie dahin in der Hoffnung, dass ihre Kinder es einmal besser haben werden. Was bleibt uns eigentlich noch, wenn wir nicht für Verbesserungen einstehen? Mir ist das Leid zuwider und ich bereue einiges, was ich damals hier angefangen, aber nicht zu Ende gebracht habe.“
„Ich für meinen Teil komme gut damit klar, in dem Luxus zu leben, den das Syndikat gewährt. Die sinnlichen Freuden reichen mir.“
„Ihr habt kein Kind“, widersprach Weißwolf, „vielleicht könnt Ihr es deswegen nicht verstehen.“
„Ich hegte auch nie den Wunsch danach. Kinder in dieser Welt“, meinte er abwertend, „als ob es nicht schon genug Menschen gibt und wie viele sind es denn, die den Aufstieg schaffen? Die sich in den Eliteprozessen als würdig erweisen, einen der begehrten Stipendienplätze zu bekommen? Es wird der Bruchteil eines Bruchteils sein.“
„Deswegen kann ich den Traum der Erde nicht aufgeben. Nicht einmal nur wegen meines Kindes, sondern auch wegen all der anderen. Irgendjemand muss irgendetwas tun.“
„Gute Vorsätze und der Weg zur Hölle“, parierte Taravon zynisch. „Ich komme gut klar und ich habe hier einen Auftrag mit Euch zu erledigen. Lasst uns also die Details durchgehen, um zu schauen, was Ihr für Euren Wahn, Eure höheren Ziele oder was auch immer benötigt.“
Weißwolf stellte auf dem Tisch eines der Geräte auf, die Taravon mitgebracht hatte und tätigte ein paar Einstellungen. Es projizierte die Umgebung des Ministeriums und des Tempels oberhalb der Tischfläche.
„Ihr kennt die Pläne des Innenbereichs?“, fragte sie auf den Tempel deutend.
„Ja.“
„Ich brauche einen gut platzierten Sprengsatz unter dem mittleren Altarplatz. Von dort dürfte sich die Detonation in alle Bereiche des Tempels ausbreiten und diesen fürs Erste unbegehbar machen“, führte sie aus und markierte die Stelle als roten Punkt auf der Karte. „Darüber hinaus“, meinte sie, weitere rote Punkte einstellend, „sollten an diesen Stellen ebenfalls Sprengsätze erfolgen. Es reichen kleinere, um Aufruhr zu erzeugen. Ich habe mir die Logistik und Umgebung eingehend angesehen. Es sind Knotenpunkte, wichtige Transitrouten und Einrichtungen der Administration sowie auch der Gilden. Treffer im Untergrund werden genug Wirkung entfalten, um sich auf die Oberfläche auszuwirken und alle von einem konzertierten Angriff ausgehen lassen.“
„Ihr wollt die Stadt also brennen sehen.“
„Wenn es hilft auch das. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass Opfer unumgänglich sein werden“, gestand Weißwolf trocken. Die Ablenkung muss groß genug sein, dass das medizinische Personal in Not gerät und ich in der Aufregung das Ministerium betreten kann. Davon abgesehen brauchen wir ebenfalls medizinisches Personal, um Teressis zu empfangen, wenn ich zurückkehre und die Möglichkeit einer Flucht.“
„Falls Ihr zurückkehrt“, bemerkte Taravon kühl, „dann werden entsprechende Kräfte bereitstehen. Das ist kein Problem. Auch die Bomben in der Peripherie sehe ich als unproblematisch an. Sie werden durch die Tunnelsysteme leicht zu platzieren sein, da sie auf öffentliche Bereiche abzielen. Der Tempel ist dann jedoch ein ganz anderes Kaliber“, überlegte er. „Uns sind Schmuggelrouten bekannt, die in der Nähe verlaufen. Doch wollt Ihr, dass wir in die inneren Bereiche eindringen. Wir müssen tief vorgehen und einen der wenigen Wartungszugänge nutzen, die von außen begehbar sind. Das wird dauern.“
„Kann die Sache binnen drei Tagen stehen?“, fragte Weißwolf direkt. „Jede verlorene Stunde bringt Teressis in Gefahr, von den Häschern des Ares' aufgespürt und beseitigt zu werden.“
„Ich tue mein Bestes“, antwortete Taravon. „Doch was tut Ihr in dieser Zeit? Bisher hörte ich nur Forderungen.“
„Ich werde alte Quellen bemühen“, erklärte Weißwolf. „Noch verfüge ich über Kontakte ins Ministerium und noch wird meine Identität in der Sache des Terroristen nicht geklärt sein. Ich werde mich genauer über Teressis und ihre Unterbringung informieren.“
„Nun gut“, gab Taravon beschwichtigt darüber, dass sich Weißwolf ebenfalls mühte und die Vorbereitung nicht nur in andere Hände legte, zurück. „So sehen wir uns hier erneut, wenn die Tage gezählt sind. Seid bereit.“
„Das werde ich sein.“
Wie besprochen trafen Sie sich am Morgen des dritten Tages erneut in der Unterkunft. Nach Erdstandardzeit, die im Sonnensystem nach wie vor Geltung hatte, war es morgens sechs Uhr.
Weißwolf hatte sowieso in der kleinen Bleibe übernachtet, nachdem ihre Geschäfte soweit verrichtet waren. Sie hatte genug über Teressis in Erfahrung bringen können, um sich zumindest einen groben Eindruck vom Interieur zu verschaffen, in das es sie hoffentlich bald verschlagen durfte. Geschlafen hatte sie nur einige Stunde und wach war Weißwolf auch bereits seit fünf Uhr. Sie ging wiederholt den Plan in ihrem Kopf durch und überlegte, was alles schief gehen konnte. Sie wusste, dass Pläne nur soweit Bestand hatten, bis der Kampf begann und es dann immer auf die Intuition sowie die zeitnahe Anpassung von Strategien ankam.
Taravon berichtete, dass die Sprengsätze platziert seien. Selbst im Tempel hatte man am Vorabend dieses Tages eine hinreichende Bombe platzieren können, die den gewünschten Schaden anrichten sollte.
Freilich war es ein Geheimnis von Taravon, wie dies geglückt war. Doch schätzte Weißwolf, dass das Syndikat die Finger nicht nur in Geschäften mit anderen Untergrundorganisationen hatte, sondern sicherlich auch die einen oder anderen Wartungsarbeiter bestechen konnte. Auch die Soldaten des Imperiums waren nicht überall und die Spezialtruppen, die Geheimdienste und Lateiner, hatten die größeren Bedrohungen für die imperiale Sicherheit im Blick und diese lagen dieses Mal sicherlich auf dem einsamen Wolf, dessen Bedrohung sie gegenüber Teressis sicherlich spüren mussten, aber auch gegenüber dem organisierten Verbrechen und den Häretikern.
„Gehen wir?“, fragte Taravon nach dem Bericht, um keine Zeit zu verlieren. „Die Aktion ist für elf Uhr geplant.“
„Gehen wir“, bestätigte Weißwolf.
Auf dem Weg zum Tempel hatte Taravon jedoch noch eine Offenbarung.
„Ihr solltet eine Sache wissen und die wird Euch nicht zur Freude gereichen“, setzte er an und sprach nach Weißwolfs fragendem Blick weiter: „Es ist eine Liturgie geplant.“
„Bitte?“, fuhr sie entsetzt hoch, „es war nichts angesetzt?“
„Richtig“, antwortete Taravon und erklärte sich. „Abseits der Geschehnisse um Ares hat es einen Präfekten gegeben, der sich einigen Verlockungen hingab und in Sünde exekutiert wurde. Nun gibt es einen Neuen und zusammen mit Athene, die ebenfalls auf dem Mars weilt, wird es eine große Messe zu Ehren von Ares' sowie auch des neuen Präfekten geben.“
„Athene ist hier? Wie viele Gäste werden heute wohl Einlass begehren?“
„Zehntausende dürften dem Ruf folgen. Nicht allein um Ares' oder des Präfekten willen, sondern vor allem auch wegen Athene. Es ist das erste Mal seit dem Tod des Thronfolgers, dass sich ein Gesicht der imperialen Familie offen zeigen wird.“
Weißwolf überschlug die Situation rasch. Die Krankenhäuser würden definitiv überlaufen, wenn der Sprengsatz im Tempel detonierten und im schlimmsten Fall klebte sogar Athenes Blut an ihren Händen.
Alles, was sie gerade am Tun war, entwickelte sich mehr und mehr zu einem Dilemma. Teressis' Leben war an ihre Handlungen geknüpft und auch ihr Wiedersehen mit ihrem Kind, so fern es noch sein mochte, hing an den heutigen Geschehnissen. Sie würde nicht nur ein paar Hausmeister auf ihrem Gewissen haben, sondern zahlreiche Tote als Kollateralschaden.
Sie schüttelte den Kopf. Es war der Preis, den sie für ihren Willen bezahlen würde. Sie würde bis zum Äußersten gehen, sie war die Radikale katexochen in dieser Sache und sie hatte gelernt, solche Entscheidungen bedingungslos zu treffen und mit diesen zu leben. Immerhin glaubte Weißwolf, dass das Schicksal des ganzen Sonnensystems an das Leben von Teressis geknüpft war und gemessen daran würden auch zehntausende Leichen, die ihren Weg pflastern würden, ein kleiner Preis sein. Irgendwann würde die Wehklage um den heutigen Tag, die es ob der Toten ohne Zweifel geben würde, verhallen.
„Wie viel Pech kann man nur haben. Dennoch, wir können nicht umkehren“, meinte sie streng. „Möge man mir diese Sünde irgendwann verzeihen, doch sind meine Gründe hinreichend und ich würde, wie auch immer der heutige Tag verläuft, die Entscheidung jederzeit wieder so treffen.“
„Dann gebe ich die finalen Kommandos aus. Elf Uhr“, wiederholte Taravon, während er Weißwolf aus der Vakuumbahn an die Oberfläche führte. „Mal sehen, was dieser Irrsinn bringt.“
Sie schritten zusammen zu einer Anhöhe hinauf, ein vergleichsweise großes Stück grüne Fläche, die man innerhalb des Geländes angelegt hatte. Sie befanden sich in etwa auf der Hälfte des Weges zwischen dem Tempel und dem Ministerium für intertemporale Strafverfolgung. Jenes Ministerium, welches in seinem Hauptgebäude etwa zweihundert Stockwerke in die Höhe reichte.
Dennoch verblasste dieses gegenüber dem Tempel, der in einer Senke gelegen war. Es handelte sich um ein Tetraeder von, im Vergleich zu den sonstigen Bauten, gigantischen Ausmaßen. Die Lage in der Senke liegen dies nicht erahnen, doch vom Boden bis zur höchsten Spitze war es das größte Marsgebäude insgesamt.
Der Tempel der Maschinen, dachte Weißwolf beim Blick über das Gelände. Man hatte lange aufgehört, den Göttern zu dienen, jedenfalls offiziell. Außerirdische hatte man bislang ebenso wenig finden können wie divine Aspekte einer höheren Macht. Alles hatte sich, ob es wollte oder nicht, der Technik unterordnen müssen.
Die wenigen Kulte, die es noch geben mochte, lebten in beständiger Angst. Sie waren Häretikern gleichgestellt und versuchten in aller Regel ihr Glück in den Weiten des Alls. Der Mensch verbreitete sich allmählich wie der Staub eines Kometen, doch hier, im Sonnensystem, waren diese wenigen Kolonisten und Glücksritter unbedeutend.
Der Platz des Tempels war ebenfalls präzise gewählt worden. An jener Stelle, an der sich der Tempel nun befand, hatten die Menschen zum ersten Mal den Mars betreten und an jener Stelle fand auch die letzte Schlacht gegen die Anhänger der Trinität statt. Die Religionskriege, die es gegeben hatte und die nicht nur zur Auslöschung sämtlicher Kulte führten und mehrere Milliarden Opfer forderten, fanden in der Senke ein Ende.
Aus der Asche der Schlachten erhob sich die Ecclesia Technologiae und mit ihr das Imperium. Ihre Diener, die Lateiner und die Armee, setzten in der Folge einen Frieden durch, der zum Preis einiger Freiheitsrechte seit zwei Jahrhunderten währte und jede Gegenbewegung erbarmungslos verfolgte. Heute würde dieser Frieden mit einem Knall an jenem Ort enden, an dem er einst begann.
Weißwolf blickte auf ihre Anzeigen am Arm. Es war gegen kurz vor acht Uhr und die Menschen versammelten sich allmählich und in immer größeren Gruppen. Es waren nicht nur die Wohlhabenden des Mars, die sich zusammenfanden, sondern Menschen aller sozialen Schichten. Die Ecclesia Technologiae war der einzige Kitt, der die unterschiedlichen Personen zusammenhielt und sie würde hier zum Fanal von etwas Neuem werden. Denn ganz egal, wie dies ausging, so wusste Weißwolf doch, dass ihre Taten eine Zeitenwende bedeuteten.
Capitulum VI: Profanatio Sacrarii (Entweihung des Heiligtums)
Fortsetzung kann folgen, sobald Kapitel 5 fertig ist. Wer ernstlich bis hierher gekommen ist und mehr lesen möchte, der möge das bitte hier als Antwort kommunizieren.