Cineres Dei Futuri (VI)

frynstaden

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Capitulum VI: Profanatio Sacrarii (Entweihung des Heiligtums)


Die soldatische Präsenz im Tempelbezirk, die aufgrund von Athene hier sein mochte, hatte sich immer weiter ausgebreitet. Zusammen mit den Menschenmassen, die um das zentrale Gebäude warteten, war kaum mehr zu überblicken, wie viele tausende Personen bereits das Gelände aufgesucht hatten. Absperrungen wurden angelegt und Schneisen eröffnet, um die Zugänge zu sichern und auch ein sicheres Geleit für Athene zu ermöglichen. Sie war ein weiteres Kind des Imperators und sie war aufgrund ihres Standesdünkels nicht minder verkommen als Ares, wenngleich sie sich definitiv klüger anstellte. Sie kam besser bei den Menschen an als ihr Bruder.
Gegen halb zehn war es, als schließlich die Prozession um Athene eintraf. Das Militär kannte keine Gnade, um eine entsprechende Schneise in die Menschen zu pflügen und diese rüde auseinanderzutreiben. Tränengas wurde versprüht, leichte Geschosskugeln angewandt und sofortige Barrieren gesetzt, um einen hinreichenden Korridor für die hohen Gäste bereitzustellen.
Hinzu kamen eine Vielzahl von bewaffneten Drohnen, die über dem Gebiet patrouillierten. Ein Mann, den man nur als Wahnsinnigen bezeichnen konnte, überquerte eine der Absperrungen. Er schwang sich darüber und an den Armen eines Soldaten vorbei auf die offene Strecke.
„Stehen bleiben“, rief die Soldat mit der Waffe im Anschlag, zögerte jedoch noch.
Eine unmittelbare Gefahr schien von dem Verrückten noch nicht auszugehen.
„Das Ende ist nahe!“, rief der Irre zurück, ehe er wild mit den Armen rudernd der Prozession von Athene entgegen lief.
Sein Ende folgte schnell. Ein Präzisionsschuss aus einer der Drohnen streckte ihn nieder, noch bevor er ein paar Schritte setzen konnte. Diese kannten die moralischen Skrupel eines Soldaten nicht, sondern waren darauf programmiert, Bedrohungen direkt auszuschalten. Normalerweise wussten die Menschen dies und hielten sich in Anbetracht solcher Ereignisse daher eher zurück.
Athene war gut zu erkennen. Sie war in einen schützenden, strahlend weißen Skaphander gekleidet. Auch ein Mann, der neben ihr ging, trug eine solche Rüstung, wenngleich seine Farbe in einem olivgrün gehalten war. Hinter ihnen marschierten die Leibgarde Athenes, einige Bedienstete, Soldaten und auch ein Teil der Priesterschaft sowie der Wohlhabenden.. Sie alle sonnten sich gewissermaßen im Glanz des imperialen Throns.
Die Skaphander beider waren verschlossen, niemand würde ihnen ein Haar krümmen können, wusste Weißwolf, der aus der Ferne mit Taravon beobachtete.
Es sei denn, überlegte sie spontan, es würde hier einen weiteren Angriff geben. Doch vor aller Welt Augen schätzte sie nicht, dass die Feinde von Ares' gerade hier zuschlagen sollten. Was hätten sie davon, außer ihre Präsenz im ganzen Sonnensystem herauszustellen. Sie verwarf diesen Gedanken wieder und doch fürchtete sie, zu was diese Unbekannten wohl noch in der Lage waren.
Athene und ihr Beschützer, Kaleon, kamen an dem Erschossenen vorbei. Niemand hatte seinen Leichnam weggeräumt. Lediglich die Wachen an den Seiten waren verstärkt worden, um neuerliche Sicherheitsverstöße zu verhindern.
„Was war das für ein Tor?“, fragte Athene über die Kommunikation an Kaleon gewandt.
„Er wird einer der Abgehängten sein“, erklärte dieser. „Viele legen keine Energie mehr in ihr Leben, haben keinen Ehrgeiz, etwas zu tun. Ich schätze, er war den Incredulorum zugehörig, die für ihre Verweigerungshaltung bekannt sind. Es sind gescheiterte Seelen, für die wir nichts tun können. Sie alle wird letztlich der Hammer treffen, so wie auch bei diesem Fall.“
„Ein Jammer“, reagierte Athene verträumt, „dass man sich heutzutage so verirren kann. Sie haben alle Möglichkeiten, alle Freuden der Zeit, alle Annehmlichkeiten, die sie sich verdienen können. Was wollen sie denn noch?“
„Es kann die Besten von uns treffen. Wir alle haben schwache Momente, meine Hohheit. Letzten Endes sind wir immer noch Menschen und die Menschen sind nie frei von Fehlern.“
„Ihr spielt auf den Praefectum an?“, fragte Athene.
„Er mag als Mahnmal taugen, ja“, bestätigte Kaleon. „Wir tun, was wir tun können und die Dinge, die wir tun, tätigen wir aus dem Gefühl heraus, dass sie richtig sind. Manchmal sind sie es nicht und nicht jeder, der den Boden unter den Füßen verliert, ist dann mächtig oder willens genug, wieder aufzustehen. Doch soll dies nicht unsere Sorge sein“, brach er ab, da sie eines der drei Portale, die zu den Eckpunkten des Tetraeders lagen, erreichten und wandte sich über einen anderen Kanal an die umstehenden Personenschützer: „Ihr, die ihr uns begleitet habt, tragt nun Sorge dafür, die Menge im Auge zu behalten. Ich möchte keine neue Inkursion irgendeines Fehlgeleiteten haben. Ansonsten wird eure ganze Kompanie daneben liegen.“
„Jawohl, Herr“, bestätigte der Anführer. „Wir werden uns hier abspalten und den Eingang bewachen.“
Athene und Kaleon waren nun direkt unterhalb des hohen Torbogens. Es war ein von mehreren Bögen überspanntes Portal, dessen doppelseitige Pforten nach außen offen standen. Sie waren bereit zum Eintreten, wobei Athene bemerkte, dass Kaleon zu zögern schien.
„Was ist los?“, hinterfragte sie.
„Die letzten Tage haben den Tod von Eurem Bruder gesehen, den Fall das Praefectii und einige Umwälzungen innerhalb des Geheimdiensts. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl für diesen Tag. Es erscheint mir nach wie vor unklug, die Öffentlichkeit aufzusuchen, wo Ihr besser nach Erden, in des Palasts Sicherheit hättet zurückkehren sollen.“
„Mag sein, wenn mir dieser denn Sicherheit versprechen könnte“, widersprach Athene. „War es nicht Ares selbst, der innerhalb der Palastmauern starb? Innerhalb seiner eigenen privaten Kapsel und dessen Transponder man nur noch aus der Hälfte seines Körpers bergen konnte? Welche Sicherheit könnte mir mein Vater schon versprechen, die ich nicht auch hier draußen mein Eigen nennen kann?“
„Ihr habt recht und dies bereitet mir Sorge. Wer auch immer für diesen Akt der Barbarei verantwortlich war, kann jederzeit und an jedem Ort erneut zuschlagen und wir sind hier an einem vulnerablen Ort. Deswegen solltet Ihr Vorsicht walten lassen.“
„Ihr und Eure deprimierenden Gedanken“, befand Athene knapp. „Gehen wir“, sprach sie schließlich, ohne weiter auf die Worte ihres Beschützers einzugehen.
Sie betrat den Tempel als erste, Kaleon folgte unmittelbar danach. Die Soldaten hinter ihnen ließen schließlich nur noch die ausgewählten Mitglieder der Prozession passieren, ehe die Pforte für die Allgemeinheit verschlossen wurde. Sie würden die Andacht auf den äußeren holografischen Oberflächen verfolgen, die das Tetraeder an seinen Seiten bot und die auch überall in der Parkanlage verteilt waren. Letzten Endes dürfte nahezu der ganze Mars die Kundgebung ansehen.
Es war ein kurzer, hell erleuchteter Gang mit einzelnen Türen an den Seiten, der sich rasch zur großen Halle des Tetraeders erweiterte. So strahlend, wie das Bauwerk von außen war, so war es ebenso von innen. Die Ränge glichen einem Theater, reichten jedoch in drei Abschnitten rund herum um eine Empore in der Mitte. Die Empore wies zu jeder Seite einen Altar auf, der außer einem stattlich verzierten Äußeren jedoch keine Aufbauten bot. Lediglich ein Buch lag auf jeder der gräulich marmorierten Flächen. Außerdem trennte ein Spalt diesen inneren Bereich von den Rängen ab, um mehr Sicherheit für die Redner zu gewährleisten, falls sich doch jemand widerrechtlichen Zutritt verschaffen sollte. Es waren unterschiedlichste Sicherheitsvorkehrungen, die im Laufe der Zeit entwickelt wurden und sich bewährt hatten. Von diesem Spalt drang ein kühles, blaues Leuchten die Wände hinauf.
Zehntausende warteten bereits im Inneren, lauschten mit Bedacht dem harmonischen Glockenspiel, welches seine Klänge durch den Saal schickte. Banner wehten an einzelnen Bögen über ihnen, knapp unterhalb der Decke. Diese war zu einer Kuppel geformt, von einigen Säulen getragen, die die Ränge durchsetzten und mit einer Vielzahl von Kreuzrippen durchzogen. An diesen hingen Dutzende Banner der Ecclesia Technologiae: ein grünes Triquetra auf einem silbernen Grund. Parallel zu den Säulen waren überall an den Rängen die holografischen Systeme angebracht. Diejenigen, die auf der zentralen Fläche sprachen, waren selbst aus den hintersten Winkeln der Ränge gut zu sehen und zu hören.
Zu den Seiten befanden sich Fresken, durchsetzt von hellen Lichtstreifen, die die Halle in einen leichten goldenen Schimmer tauchten. Die Bilder zeigten natürlich Propaganda. Die imperiale Familie wurde präsentiert. An jeder Seite fand sich zentral gelegen ein Abbild von Zeus, jedes Mal mit einem anderen seiner Kinder. Ares war zu sehen, Athene und selbst Artemis. Hinzu kamen Geschehnisse aus der Vergangenheit wie der endgültige Sieg in den Religionskriegen, die Besiedlung des Sonnensystems, die Banner auf den entferntesten Monden und Planetoiden und da waren auch die Darstellungen der Macht des Militärs sowie der Lateiner. Es war die reine einschüchternde Ehrfurcht, die in den schlichten Gemütern der Besucher beim Betreten dieser Halle geweckt wurde.
„Ein Glanz, der abseits der Erde seinesgleichen sucht. Der Zauber des hohen Altars, der Banner Macht, es jagt mir einen Schauer über den Rücken“, meinte Athene entzückt bei diesem Anblick und fragte direkt weiter: „Wo müssen wir hin?“
„Wie es einem Spross des Imperators gebührt, sitzt Ihr ganz vorn im Areal“, sprach Kaleon und führte Athene zu ihrem Platz.
Sie waren nun der Blickfang aller. Ein jeder ihrer Schritte wurde von den Gästen beobachtet. Selten kam es vor, dass sich die imperiale Familie außerhalb der Erde aufhielt. Zeus hatte ohnehin niemand mehr gesehen. Er verließ die Erde längst nicht mehr, nachdem er seine Macht konsolidiert hatte.
An ihren Plätzen angekommen öffneten beide die Helme ihrer Skaphander. „Die umliegenden Plätze sind mit Getreuen der Ecclesiae besetzt. Danach kommen Menschen unterschiedlichster Herkünfte. Sie alle haben die Sicherheitsprüfungen ohne Bedenken bestanden und wurden handverlesen vom Geheimdienst unter Millionen von Bewerbern ausgesucht.“
„Wann geht es los?“, drängte Athene, nachdem sie saßen. Sie ignorierte die Worte Kaleons, die er zu ihrer Sicherheit sprach, völlig.
„Der Beginn ist für zehn Uhr dreißig geplant. Wir kommen also gerade richtig“, antwortete Kaleon geduldig, als die Pforten der inneren Halle geschlossen wurden. Gleich würde die Messe beginnen.
Innerhalb des mittleren Bereichs öffnete sich eine runde Fläche. Der Sacerdos erschien mit einer Hand voll anderer Geweihter und auch dem neuen Praefectus aus den Katakomben und wurde von einem Lift nach oben gebracht. Ihre Kleidung war in den Tönen der Triquetra gehalten: silbrige Gewänder mit grünlichen Verzierungen. Auf dem Umhang, den ein jeder von ihnen trug, war das Symbol der Ecclesiae abgebildet. Sie unterschieden sich lediglich in den Kopfbedeckungen, die sie trugen. Die Geweihten besaßen kleine Kappen und der Praefectus, der bald der zentralen Stadt des Mars vorstehen sollte, trug eine schmale Tiara. Der Saceredos, der für den ganzen Mars verantwortlich war, wurde von so etwas wie einer kleinen Krone gesäumt. In der Hierarchie des Imperiums gab es nur wenige, die über ihm standen.
Als der Sacerdos und die Seinen erschienen, war der Moment gekommen, indem die Menge nicht mehr still hielt. Sie alle erhoben sich, sie alle klatschten – manche pfiffen. Die Lautstärke nahm ein ohrenbetäubendes Maß an, das erst abebbte, als der Sacerdos seine Hände hob und stumm zur Stille gemahnte. Er schien sich im Glanz dieses Beifalls zu sonnen und diesen länger als nötig toleriert zu haben.
Seine Bewegungen wurden über die Holografie projiziert. Die Menge kam fast augenblicklich zur Ruhe und setzte sich wieder. Der Sacerdos begann mit seinem Ritus und trat an einen der Altare heran. Nach und nach würde er in Richtung der Menschen zu jeder der drei Seiten direkt sprechen. So war es üblich während der Messen.
Der Sacerdos begann.
„Ihr lieben Leute, hört den Ruf. Schweigt und staunt ob der Wunder, die uns die Technik schuf“, rief er inbrünstig, ehe er einen tieferen Tonfall einschlug. „Freilich, dunkle Zeiten durchleiden wir im Moment, da ein jedes unserer Herzen brennt ob der Geschehnisse um den hohen Herrn, um unseren zweithöchsten Stern“, er pausierte einen Moment, eine Art tiefer Seufzer durchzog die Halle. „Hinzu tritt der Fall unseres alten geschätzten Praefecti, der uns kostete Kraft, Energie und der unseren Glauben erschütterte. Geschehnisse, die uns ließen haltlos zurück, orientierungslos, verloren in unseren tieftrüben Gedanken und doch“, setzte er wieder lauter werdend an, „haben wir alles hier. Hier vor mir“, er legte die Hand auch das Buch, welches sich auf dem Altar vor ihm befand, „der Malleus Incredulorum, den ein jeder von Euch sein Eigen nennt, bietet uns allen den einzigen Leuchtturm, den wir brauchen, um uns neu zu besinnen. Die leeren Gefilde, die Kälte des Alls und die tiefen der Zeit sind nur Abgründe, die uns versuchen. Abgründe, in die wir nicht zu lange blicken sollten, wenn wir nicht wie die Wilden enden wollen, die sich davon angezogen fühlen und ihrerseits zum Advokaten des Abgrunds werden. Jene, die ihren Halt verloren haben, ihre Ehrfurcht vor dem Imperium, die flüchten in die Vorstellung von Welten, die es letztlich nicht gibt, verdienen zuvorderst unser Mitleid und dann auch unsere Hand.
Denn es mag Zeiten geben, da wir ihnen die Hand reichen können, sie zurück in den Schoß unseres Leuchtturms führen. Achtet auf eure Mitmenschen, achtet auf euer aller Tun und bleibt aufrecht, selbst dann, wenn die Nacht mit ihren furchtbarsten Träumen hereinbricht und der Abgrund so nahe scheinen sollte wie die Person, die neben euch sitzt.“
Während er weiter sprach, wechselte er zu einem anderen Altar. Er stand nun direkt vor Athene und Kaleon, denen er ein anerkennendes Nicken gab, ehe er zu sprechen fortfuhr.
„Denn im Gegensatz zu jenen Wilden, die ihre Orientierung verloren und zwischen Fall und Aufprall im Abgrund verweilen, wurden wir durch die Technik befreit. Haben wir nicht geschafft, wovon Generationen vor uns für viele zehntausend Jahre nur träumen konnten? Haben wir nicht den Hunger besiegt, die Sternenenergie gebändigt und selbst der Religionen Gebräuche aus dem Weg geräumt, um die Menschheit endlich zu einen, endlich zu einem Fortschritt und einem Frieden zu bringen, der Jahrhunderte dauert? Die Technologie gab uns die Kraft, sie ist die einzige Konstante, die über jedem von uns steht.
Sie ist es auch, die ein jeder von uns zu führen vermag. Wir stehen hier in all unserer Macht, bereit, die letzten Grenzen zu überwinden und halten Wacht über das Leben eines jeden Bewohners dieses Systems. Ich spüre in meinem Herzen, dass auch die Verlorenen durch den Fortschritt neu geboren werden können. Dass wir sie zurückholen in den Kreis der Einigkeit. Wir müssen nur, wie es im Malleus heißt, uns rein halten von der Sünde unseres Geistes, von den Sünden des Glaubens an andere Mächte als diese. Zu diesem Zwecke weihen wir –“
Ein gewaltiges Beben durchbrach die Rede und ließ den Sacerdotem mitten im Satz abbrechen. Es hatte elfe geschlagen und die Bombe entfaltete mehr Wirkung als geplant war. Der Boden begann zu zittern, Risse bildeten sich in Sekundenbruchteilen in den Säulen sowie an einzelnen Stellen des zentralen Areals und eine erste Panik brach im Saal aus.
Nur kurz schien es, als habe sich die Lage gebessert. Gerade, als alle dachten, dass das Beben vorbei war, dass es nur eines von den gelegentlich auftretenden Marsbeben gewesen sein mochte, und als alle wieder Luft zu holen begannen, brach der Altar in der Mitte komplett zusammen. Flammen schlugen hoch, Feuerbälle sprangen bis hinauf zur Decke und verteilten ihre Flammen. Damit einher verstärkte sich das Beben erneut. Säulen, die vormals nur Risse aufwiesen, stürzten in sich zusammen. Die holografischen Übertragungen brachen ab und tauchten die Halle in ein staubiges rotes Dämmerlicht.
Die Panik brach innerhalb der Gäste nun vollends aus. Es folgte ein Ansturm der Menschen zu den Ausgängen, doch waren die Wege durch die Trümmerstücke und Unebenheiten vielfach versperrt.
Teile der Emporen brachen, kippten zur Seite weg und rissen viele mit sich herab. Es war ganz so, als ob sich ein Spalt im Untergrund geöffnet hatte, ein Abgrund, der bereit war, den ganzen Tempel zu verschlucken. Das vormalige blaue Licht war längst verschwunden, es hatte einer Art Glutofen Platz gemacht, dessen giftige und heiße Dämpfe nach oben strömten.
„Was geht hier vor?“, rief Athene aufgeregt.
Geistesgegenwärtig hatten sie und auch Kaleon ihre Skaphander geschlossen. Da eine Säule auf Athene stürzte, hatte Kaleon die Hoheit außerdem zur Seite gestoßen. Die herabfallenden Trümmer richteten so, im Gegensatz zu den anderen Menschen, die meist augenblicklich starben, nur geringe Schäden an. Dennoch war sie halb unter den Bruchstücken einer Säule und eines Teils der Decke begraben und drohte, in den nahen Abgrund des Altars gerissen zu werden.
„Trümmer und Leichen versperren die Wege“, meinte Kaleon mehr zu sich selbst als zu Athene, als er die Lage sondierte, „wir müssen aus dem Epizentrum raus.“
„Ich kann nicht, ich hänge fest!“, schrie Athene ihn an.
Kaleon reagierte augenblicklich. Im dichter werdenden Staub und einem zunehmenden Rumoren des Untergrunds packte er ihren Arm und zog sie vom Abgrund zurück aus den Trümmern heraus. Sie schafften es noch, über einige Risse hinweg zu gehen und Abstand vom zentralen Teil des Tempels zu nehmen, ehe die Decke vollends auf sie niederging. Der gesamte Tempel brach in sich zusammen und das letzte, was die Funkverbindung hergab, war ein Aufschreien von Athene.

Capitulum VII: Milia pro Uno (Tausende für einen)

Fortsetzung kann folgen, sobald Kapitel 7 fertig ist. Wer ernstlich bis hierher gekommen ist und mehr lesen möchte, der möge das bitte hier als Antwort kommunizieren.
 
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