Das Abstandsgebot

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hein

Mitglied
Ich hatte eine sehr schlechte Nacht.

Gestern Abend standen meine Frau und ich gleichzeitig am Waschbecken im Badezimmer und putzten die Zähne. Dabei bin ich ihr offensichtlich ein wenig zu nahe gekommen, ja vielleicht habe ich auch ein wenig gedrängelt. Jedenfalls schob sie mich von sich weg und meinte:

„Abstandsgebot!“

Die folgenden Prozeduren bis zum Anziehen des Schlafanzuges konnten wir zeitlich auseinander ziehen und so auf Distanz bleiben. Aber dann gab es doch noch ein kurzfristig schwer lösbares Problem: unser Ehebett. Es ist, und da ist das Maßband unerbittlich, nicht breiter als 1,80 Meter. Bei einem Sicherheitsabstand von 1,50 Meter bleiben also noch genau 15 Zentimeter für jeden.

Letztlich einigten wir uns darauf, dass jeder nur den ihm zugemessenen Rand des Bettes nutzen würde.

So habe ich mich also bemüht, mit diesem Streifen, nicht viel breiter als eine Rolle Klopapier, auszukommen. Erst konnte ich lange nicht einschlafen, und dann erinnere ich mich nur noch vage an Alpträume von Abstürzen aus großer Höhe und Frostnächte mit kaltem Hintern.

Und ich habe, obwohl mehrfach in Versuchung, nicht kontrolliert, ob die Schutzmaßnahmen auf der anderen Seite auch wirklich immer eingehalten wurden. Bei Zuwiderhandlungen wäre zwar ein Platzverweis möglich gewesen, aber die Diskussion darüber hätte wahrscheinlich die Nacht völlig ruiniert.

Jetzt denke ich über technische Lösungen nach: entweder ein Schutz aus Plexiglas auf Höhe der Bettritze, oder aber eine Haltevorrichtung mit Zurrgurten, wie ich sie sonst für die Ladungssicherung an meinem PKW-Anhänger benutze.

Für heute Nacht werde ich jedenfalls auch noch das Tragen eines Mundschutzes verlangen. Das sollte zumindest die von der anderen Seite des Bettes ausgehenden Sägegeräusche etwas dämpfen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Hein,

dieses Thema passt durchaus auch in Humor und Satire, das hast du ausgezeichnet bewiesen.
Gibt es für solche Fälle eigentlich keine Notbetreuung?
Sehr gerne gelesen und geschmunzelt!

Liebe Grüße
Manfred
 

hein

Mitglied
Hallo Manfred,

man könnte ja auch ins Gästezimmer ausweichen, aber dann müsste ja jemand nachgeben!

Danke für den Sternenregen.

LG
hein
 

molly

Mitglied
Hallo hein,

danke für diesen humorvollen Beitrag, den ich sehr gut nachempfinden kann.

Viele Grüße

molly
 

Ji Rina

Mitglied
Hallo hein,
Ich hätte dir noch ewig zuhören können....Plexiglas quer durch die Wohnung wäre auch nicht schlecht....
Liebe Grüsse,
Ji
(Ich stelle ja nur selten Texte ein - aber du noch viel seltener....)
 
G

Gelöschtes Mitglied 21114

Gast
Was für eine Granate von einer Geschichte! Keine Schnörkel, kein Mitternachtsklamauk, erzählt mit der eisernen Genauigkeit eines Mathelehrers.
Meine Bewunderung mit tiefgezogenem Hut,
Joe
 

Cellist

Mitglied
Jetzt denke ich über technische Lösungen nach: entweder ein Schutz aus Plexiglas auf Höhe der Bettritze, oder aber eine Haltevorrichtung mit Zurrgurten, wie ich sie sonst für die Ladungssicherung an meinem PKW-Anhänger benutze.
Hallo hein,

die Lösung mit den Zurrgurten halte ich für die bessere! Hoffe, dir damit bei der Entscheidungsfindung geholfen zu haben.

LG
Cellist
 

hein

Mitglied
Hallo zusammen,

danke für die freundlichen Kommentare und den den überraschenden Sternesegen.

@Ji Rina
Jetzt im Sommer schaffe ich es gerade, die laufend erscheinenden Beiträge zu verfolgen. Mit eigenen Werken ist da nicht viel. Und das Wenige ist dann auch noch bei der Zensur nicht durchgegangen.

Aber der nächste Winter kommt bestimmt.

LG
hein
 
Hallo hein,
jetzt habe ich mal ein bisschen Zeit, und da fiel mir Deine reizende Geschichte ins Auge. Trocken und schnörkellos erzählt und der Fokus auf analytisch präzise Problemlösungen gerichtet. Klasse.
Schöne Grüße,
Rainer Zufall
 

hein

Mitglied
Hallo Rainer,

es ist doch besser das es dir zweimal ins Auge gefallen ist als gar nicht.

Und mit dem Problem, das man manchmal etwas im Kopf "verlegt" habe ich auch meine Erfahrungen.

Insofern: alles gut.

LG
hein
 

Isbahan

Mitglied
Ich hätte so gerne noch ein wenig mehr erfahren: Wie man(n) das Abstandsgebot Zuhause einhält … Unter Ehefrauen geht ja das Gerücht um, dass es Ehemänner geben soll, die seit Monaten im Garten, gleich neben dem Grill, campieren oder in Partykellern, Bastelräumen, Garagen oder auf dem Dachboden verelenden. Ich sag` ja immer: Vorsicht bei der Partnerwahl ;)
 

Hagen

Mitglied
Hallo Hein,
ich bin der Ansicht, dass Frischhaltefolie durchaus genügt.
Als weitere Maßnahme könnte man natürlich, wie im Mttelalter, ein Schwert mit scharfer Schneide in des Bettes Mtte plazieren.
Aber die Frage, die sich mir weiterhin aufdrängt, ist: Was ist eigentlich ein Schlafanzug????
Je nun ... und immer schön gesund und fröhlich bleiben!
Wir lesen uns!
Herzlichst
Yours Hagen
 

hein

Mitglied
Hallo Hagen,

du hast recht: Frischhaltefolie ist die definitive Lösung für alle Fragen der sozialen Distanz.

Man wickelt es sich einfach als Mund-Nasen-Schutz um den Kopf, und nach einigen Minuten ist das Infektionsrisiko gleich Null.

Ich werde gleich mal ein Mail an den Gesundheitsminister schicken, er wird diese Idee bestimmt begeistert aufgreifen.

LG
hein
 

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