das alte lied und mein zweites gesicht

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wüstenrose

Mitglied
Hi Patrick,

nicht, dass ich irgendwas gegen den Verlauf deines Gedichts einzuwenden hätte, aber mein spontaner Leseeindruck:
mir reichen die ersten beiden Zeilen. Auch nicht unbedingt als Gedicht, sondern einfach so als Satz:
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.
Diesen Satz finde ich schon ziemlich großartig. Sagt mir mehr als mancher Roman.

lg wüstenrose
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

lege den finger auf das alte lied
das unter der nähe zerbricht,

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe waren wir uns schon.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

lege den finger auf das alte lied
das unter der nähe zerbricht,

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

lege finger auf das alte lied
das unter der nähe zerbricht,

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

lege finger auf das alte lied
das unter der nähe zerbricht,

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

und lege den finger auf das lied
das unter der nähe zerbricht,

schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

und lege den finger auf das lied
das unter der nähe zerbricht,

schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.

lege den finger auf das lied
das unter der nähe zerbricht,

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben,

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
 

revilo

Mitglied
Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück.


uuuuuuuuhhhhhhh.........fällst du da weich oder hart......????
 
F

Frodomir

Gast
Hallo Patrick Schuler,

dein Gedicht liest sich für mich sehr interessant und hat ein starkes Ende, welches mich mit dem von mir geschätzten "wow, darin ist etwas gewesen, was ich erstmal erspüren muss"-Gefühl zurück in die außerlyrische Realität entlässt.

Aber der Reihe nach, damit ich mich meinem Gefühl vielleicht mit dem Verstand ein wenig nähern kann. Du schreibst:

Jeden abend falle ich
in die enge meiner worte zurück
In dieser Strophe lese ich von einem Lyrischen Ich, welches den vielleicht geschäftigen Tag nicht einfach hinter sich lässt, sondern beinahe ohne eigenes Zutun aus einer Rolle fällt - eine Rolle, die dem Lyrischen Ich über seine eigentliche Größe hinaus Geltung verschaffte, denn warum sollte es sonst, wenn der Tag sich neigt, wieder fallen müssen?

Dabei fällt es in die eigene Sprache zurück, es erscheint mir möglich, dass es sich hier um Gesprochenes handelt, welches bereits gesagt wurde und was das Lyrische Ich gar bereuen mag, aber auch der Gedanke, dass es sich hier um eine Selbstreflektion des Dichters handeln könnte, interessiert mich. Der tagsüber mit anderen Dingen als dem Schreiben beschäftigte Poet kommt des Abends nach Hause und findet Halt (man kann Enge in diesem Sinne positiv als feste und stabilisierende Grenze intepretieren) oder, pessimistischer betrachtet, den Ausweg aus aller Begrenzung der conditio humana auch nicht in der Sprache, weil man, wie Wittgenstein schon feststellte, darüber hinaus nicht gehen kann.

Ich wundere mich nur, weshalb du das Gedicht Großgeschrieben beginnst, ist es einfach ästhetisches Empfinden?

Mit diesen Vorgedanken in die zweite Strophe gehend, fällt mir die Interpretation nun nicht unbedingt leicht:

lege den finger auf das lied
das unter der nähe zerbricht,
Ich folge aber einmal gewagt dem Deutungsstrang des selbst dichtenden Lyrischen Ichs und interpretiere nun so, dass hier das Lied die Geschäftigkeit und vielleicht auch Geselligkeit der Tagesaktivitäten symbolisiert, welche für den Dichter auch nicht unlyrisch sind (deshalb die Wahrnehmung der Ereignisse als Lied), während der einsame Abend in der Dichterstube es ermöglicht, wieder in Kontakt mit den ruhigen und sanftmütigen Anteilen des Lyrischen Ichs zu treten. Wie ein Finger auf die Lippen legt das Lyrische Ich nun selbigen auf den Trubel des Tages, welcher noch wortvoll zum Schweigen gezwungen wird.

Nun gerät meine Interpretation aber ins Stocken, denn es heißt:

und schweige dir ein lächeln über.
ich habe mein gedächtnis aufgegeben
Mit Macht drängt drängt sich vor mein inneres Auge das Bild einer zweiten Person, in welche sich das Lyrische Ich nun verlieren möchte, denn das bisher Erlebte (Gedächtnis) wird ad acta gelegt und in Strophe 4 scheinen sich die Dinge zu vereinigen:

stand in dem brief. mein
zweites gesicht lag in den zeilen,
Diesen Eindruck gewinne ich durch die Verbindung von Syntax und Pronomen, denn lesbar sind die Varianten

1. "Ich habe mein Gedächtnis aufgegeben", stand in dem Brief, "mein zweites Gesicht lag in den Zeilen"

2. "Ich habe mein Gedächtnis aufgegeben", stand in dem Brief, mein zweites Gesicht lag in den Zeilen.

Das Aufgeben des Gedächtnisses bezieht sich in meinen Augen als Apokoinu sowohl auf die bisherige beinahe monologische Erzählung des Lyrisches Ichs als auch auf den Inhalt des von einer anderen Person geschriebenen Briefes.
Auch das in den Zeilen liegende Zweite Gesicht kann sich in dieser Doppelfunktion auf beide Agenten beziehen.

Und wie zur Bestätigung dieser grammatischen Verknüpfungen schließt die letzte Strophe wirklich wundervoll, in dem sie den Dialog (auf dieses Zweisein spielt das Wort Antwort an) durch die Vereinigung in der Nähe ablöst:

hat die antwort vergessen -
so nahe sind wir uns gewesen.
Das finde ich klasse!

Nun, du siehst, dass in meinem Deutungsversuch ein Bruch liegt, was sicherlich daran liegt, dass ich zunächst hartnäckig versuchte, die Linie mit dem Dichter durchzuziehen. Trotzdem finde ich meine Idee gar nicht so abwegig und würde ich jetzt nochmal eine Interpretation deines Gedichtes schreiben, würde ich versuchen, beide Stränge zusammenzuführen. Ob es mir gelänge, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

Insgesamt hat mir dein Gedicht gut gefallen, es hat sogar einige Stellen, die mich richtig begeistert haben (vor allem das Ende), aber es hat zumindest auch eine Stelle, mit der ich mich ein wenig schwertue. Es handelt sich um Vers 5:
und schweige dir ein lächeln über.
Bei diesem Vers habe ich das Problem, dass für mich lächeln und schweigen zwei Tätigkeitswörter sind, die sich nicht unbedingt ausschließen, aber in meinen Augen auch nicht gerade ergänzen. Diese Worte hinterlassen bei mir schon ein interessanten Gefühl, aber eben auch einen kleinen logischen Knoten im Kopf. Dass ich mich dann auch noch bei dem Wort über frage, wieso du nicht hinüber schreibst, lässt den Vers für mich nicht gewinnen. Vielleicht kannst du mir hier weiterhelfen?

Viele Grüße
Frodomir
 

Ralf Langer

Mitglied
Ich habe gerade wenig Zeit und Kraft zu denken:

Aber diese Analyse Frodomirs, dieses tatsächliche Einlassen auf das innerste dieses Gedichtes ist an und für sich, ist herausragend...

Es ist schön einen solchen Interpreten des lyrischen in 'unseren' Reihen zu wissen
Thanx an Frodomir und
thanx an Patrick
Lg
Ralf
 
Hallo Frodomir
Du hast es sehr richtig erkannt, es geht um das Schreiben, um einen Dichter. Allerdings ebenso um die Beziehung zweier Menschen.
Die beiden Stränge überlappen sich nicht so stark, wie man es eigentlich von Gedichten gewohnt ist, und der "Dichter" es, zumindest Teilweise, dem Leser schuldig ist.

Die ersten Zeilen geben ja doch zu, das der Schreibende gerne mehr, vielleicht besseres sagen möchte, aber seine Worte nicht nur begrenzt, sondern auch zu eng, als Gefäß für das sind, was eigentlich gesagt werden möchte. Interessant, dass du Wittgenstein erwähnst. Wie hat er es nochmal gesagt? Dass man sich Beulen an der Sprache rennt? Ich weiß es nicht mehr genau, es steht glaube ich in den Philosophischen Betrachtungen.

Das Lied, welches in den nächsten Zeilen erwähnt wird ist eben nichts weiter als das Geschriebene, das dem eigentlichem Druck mehr und anderes zu sagen nicht standhält.

Gleichzeitig wird jetzt, durch das erwähnen einer zweiten Person klarer um was es sich handeln soll, um etwas zwichenmenschliches, um etwas unausgesprochenes, dass die besagte Person "aufegegeben hat.

Das Lyri. hat dies (oberflächlich) auch getan, deshalt das zweite Gesicht.

Am Ende trifft sich jetzt der Strang nicht so klar, das du könnte ebenfalls nur an der oberfläsche vergessen oder verziehen haben.

Das zumindest war mein Gedanke, es liest sich aber, denke ich recht vieldeutig, unklar.

Ich hoffe ich konnte weiterhelfen.

P.S
Deine Kommentare sind grenzgenial!
Ich frage mich wie du das machst :D
Eine erstaunliche und schöne Fähigkeit, so viel entdecken zu können und es auch noch klar wiederzugeben.
Hut Ab.

Und L.G
Patrick
 
F

Frodomir

Gast
Hallo Patrick,

ja, es liest sich nicht besonders eindimensional, ich nehme aber an, dass dies auch daran liegen kann, dass du das Gedicht vor allem während des Schreibens entwickelst und es nicht unbedingt bis aufs Kleinste davor planst, oder? In solchen Schreibprozessen finden sich dann viele Gedanken, Gefühle und Ideen zusammen und entwickeln einen roten Faden, dem es zu folgen gilt, als würde sich eins aufs andere fügen. Hm, naja, jedenfalls geht es mir oft so ;-)

Wie es Wittgenstein genau gesagt hat, weiß ich leider nicht mehr, wir haben es in der Uni oft dran gehabt, aber eher so als a-priori Wissen, wie man eben weiß, dass der Himmel blau ist.

Nunja, die Sache mit dem Kommentieren ist für mich ganz einfach: Es macht mir Spaß, mich mit Lyrik zu beschäftigen, weil es mir gut tut und den Blick weitet. Andere nehmen Drogen, ich Gedichte :)
 
Hallo Frodomir
Ja, das meiste entsteht im Prozess des Schreibens.
Hat man die Grundidee, fädelt sich der rote Faden von alleine ein.

Hallo mondnein
Danke dir, für die tolle Wertung

L.G euch beiden
Patrick
 

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