Der Gartenzwerg

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seefeldmaren

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Ein Mann aus Eichsfeld, westlich einst gegossen,
zur Ostfigur erst hinterher lackiert,
steht hinterm Rhododendron, unverdrossen,
man hat ihn nicht bestellt, nur importiert.
Sobald der Grill entflammt, erhebt der Mann
den rechten Arm, doch deutet er nur schlecht,
die Richtung stimmt nicht ganz. Man lacht ihn an.
Die Gäste finden ihn erstaunlich echt.
Bei Dunkelheit beginnt der Mann zu sprechen,
vom großen Tausch, vom Volk, das untergeht,
die Gäste hörens zischen, und sie zechen,
bis echtes Donnern überm Garten steht.
Der Krieg, den er so gerne kommen sah,
kommt wirklich an, nur leider hier, zu Haus.
Die Gäste flüchten, keiner bleibt mehr da:
man birgt, was glänzt, und schifft das Glänzen aus.
Die Kiste reist, wie Kriegsgut eben reist,
verstellt, verzollt, vergessen, bis sie dann,
ein Junge öffnet, welcher Hamsa heißt,
in einem Hinterhof in Matheran.
Die Mutter sieht den steifen Arm: er winkt!?
Der Arm steht gut: man könnte Wäsche hängen,
das Safranhuhn, den Korb, das nasse Tuch.
Man tut es nicht. Man will ihn nicht bedrängen.
Der Gast ist keine Stange! Denn das wäre Fluch!
Sie winkt zurück und bringt ihm Tee und Reis,
ein Kissen auch, sobald die Sonne sinkt,
die liebevollen Blicke überreichen ihm ein Eis -
man pflegt den Gast. Das ist hier leider so!
Bei Dunkelheit beginnt der Mann zu sprechen,
vom großen Tausch, vom Volk, das untergeht,
da hört der Hof nur seine Brunnen plätschern,
weil hier kein Mensch die Sprache je versteht.
Er sieht sich satt an Leuten, die er hasste,
und trägt, was schwerer wiegt als jede Last:
dass keiner hier in seine Rede passte.
Er kam als Feind und wird gepflegt als Gast.
 
Zuletzt bearbeitet:

klausKuckuck

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Ein kreuznormales Reimgedicht: wie schön, Maren!
Dein Gedicht kritisiert rechtsextreme und nationalistische Ideologien, insbesondere die Vorstellung vom „Großen Tausch“. Es stellt dieser Ideologie die Erfahrung konkreter menschlicher Begegnung gegenüber. Und noch einmal: als perfekt gemachtes Reimgedicht (und ich dachte schon, dieses Handwerk sei mittlerweile ausgestorben).
KK
 

wiesner

Mitglied
Hamsa ... Matheran? Sind das Anspielungen auf, ja, was eigentlich?

die Reimpartner auf so ... sprechen ... plätschern kann ich leider nicht finden
gleichwohl: mit Freude gelesen, weil Lyrik eben auch Positionsangebot sein kann (nicht nur Klang oder Poesie)

Gruß
Béla
 

seefeldmaren

Mitglied
Hallo @klausKuckuck, @wiesner, @Aniella,

vielen Dank für das Gutgefallenfinden des Werkes, fürs Kommentieren, fürs Sternieren und fürs Lesen.

Wiesner, Anspielung auf: Der werte Herr Zjorn Hücke ist nicht mehr in Deutschland, sondern musste ins Ausland flüchten und auf diese Weise unfreiwillig einige Import/Export-Verfahren durchlaufen und kämpft seither mit den Erosionen seiner kämpferischen Ideologien. Ob das gut geht? ;) Vielleicht ist es zu reißerisch und zu hoffnungsvoll.
Ich bin Optimist! Lieber erstmal Hut drauf als Hut ab! :cool:

Erst schrieb ich "Hassan" und "Teheran", weil diese Wörter so wundervoll ins Metrum gepasst hätten - aufgrund der Kompliziertheit der Konflikte in diesen Bereichen des Auslands, und auch aus Respekt vor für mich fremden Kulturen, entschied ich mich für einen Ort, der noch etwas weiter ab vom Schuss ist und neutraler als der Iran, Syrien usw usf gelesen werden kann. An dieser Stelle wurde mir klar, dass ich bei solchen konkreten Nennungen als Nichtinvolvierter höllisch aufpassen muss und ich in Erinnerung habe, dass viele Menschen in Indien ich als ausgesprochen gastfreundlich in Erinnerung habe.

Lg Maren
 



 
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