Der ‘Kohlenbuddha‘ (gelöscht)

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Blumenberg

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Hallo Hagen,

so viele Geschichten, da kommt man ja kaum mit dem Lesen hinterher :)
Du lieferst hier eine eine nette Geschichte, die den Alltag im Nachkriegsdeutschland mit ein wenig fernöstlicher Mystik mischt. Dabei zeichest du den Nachkriegsalltag und seine Probleme - Heizmittel- und Nahrungsmittelknappheit sehr anschaulich. Auch die Pointe gefällt mir, es darf ja auch mal ein gutes Ende nehmen.
Da dies ein Literaturform ist habe ich neben Lob auch noch ein paar Anmerkungen zu deiner Geschichte, die mir, aus meiner subjektiven Leserperspektive heraus, aufgefallen sind.
Erstens finde ich das die häufigen Wiederholungen innerhalb des Textes ein wenig den Lesefluss hemmen.
Seine Mutter war gespannt, fragte: „Was ist denn Baijiu?“, und begann ihrem Sohn ein [red]Brot mit Affenfett[/red] zu bereiten.
„Baijiu, ist ein wertvoller, Chinesischer Schnaps“, sagte Kurt und sah zu, wie seine Mutter Bauchspeck, Zwiebeln, Milch, Mehl, Majoran aus ihrem Gärtchen, ein Ei, Salz und Pfeffer bei leichtem Feuer glasig briet, obwohl Brennmaterial knapp war.
„Ich mache dir erst mal ein [red]Brot mit Affenfett[/red]“, sagte die Witwe Dengelmann, „sonst kann ich dir leider nichts bieten. Den Baijiu wollen wir schön zulassen, aber den Sake möchte ich mal probieren.“
Gesagt, getan.
Wie es sich für einen Seemann an Land gehört, erzählte Kurt bei [red]Brot mit Affenfett[/red] und Muckefuck sowie Sake, vom Klabautermann, der sich durch Poltergeräusche auf Schiffen bemerkbar macht.
Beispielsweise taucht in diesem kurzen Abschnitt drei Mal das Brot mit Affenfett vor. Im Abschnitt vorher ist es der Majoran aus eigenem Anbau, oder der Überraschung an späterer Stelle. Hier würdeich versuchen die Wiederholungen herauszunehmen.

Daneben ist mir noch eine weitere Stelle aufgefallen. Du schreibst:
Als dann am nächsten Tag ein Lastwagen vor dem Häuschen der Witwe Dengelmann hielt und zwei starke Männer eine gewaltige Buddhastatue abluden, war die Witwe Dengelmann entsetzt, sozusagen vom Donner gerührt.
Die Überraschung war eine Buddhastatue, lachend, glatzköpfig, mit Brüsten wie von einer vornehmen Dame und mit dickem Bauch, so wie man sich einen Buddha eben vorstellt.
Hier finde ich holpert es ein wenig, da der zweite Satz die Überraschung auflöst, die aber bereits im Satz davor aufgelöst wurde. Das Problem ließe sich lösen, wenn du im ersten Satz die Buddahstatue durch Fracht sersetzt. Also: "...und zwei Männer starke Männer die Fracht abluden,...".

Ein letzter Punkt noch, aber das ist nur herumgesponnen weil ich die wundersame Kohleproduktion so eine nette Idee fand. Ich hätte die gute Frau Dengelmann über die erschienenen Kohleklumpen noch ein wenig länger grübeln lassen, anstatt es sofort durch den heranfahrenden Zug aufzulösen. So käme noch ein wenig sinnieren über die wundersame Kraft des "Bodhisdingsbums" hinzu.

Insgesamt aber gerne gelesen!

Beste Grüße

Blumenberg
 

Hagen

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Hallo Blumenberg!

Danke erst mal, dass Du Dich mit meinem Text beschäftigt hast, und für die gute Benotung.
Das ist ja das Schöne an der LL, das die Texte und Autoren so vielschichtig sind. Ich bin nun schon eine ganze Weile dabei, und Schreiben macht mir als Rentner einfach Spaß. Da sammelt sich natürlich allerhand an.
Und damit sind wir bei dem nächsten Punkt. Ich kann einfach nicht anders; - wenn es einmal läuft, dann füllt sich gar manche Seite und es kommt viel zustande.
Das Ding mit dem Buddha ist meinem Darenwede-Epos entnommen, der wahrscheinlich niemals enden wird.
Manche Leute sagen, ich sei ‘Detailverliebt‘, was mich sehr freut. Viel Recherche ist auch notwendig, aber irgendwie macht es mir Spaß, und mich von mühsam recherchierten Details zu trennen; - also das bringe ich nun auch wieder nicht fertig, und dann kommt sowas zustande wie die Nummer mit dem ‚Affenfett‘.
Ich werde aber sogleich nochmal drüber gehen.
Das Gleiche betrifft auch das Ding mit der ‚Ladung des LKWs‘. Da hast Du mir einen echt wertvollen Tipp gegeben, den ich eilends beherzigen werde!

So, nun habe ich Dich genug vollgelabert und mache mich an die Überarbeitung.
Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen.

Wir lesen uns!

Yours Hagen

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Du kannst sooft Korrektur lesen wie du willst, es ist immer einmal zu wenig.
 

onivido

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Hallo Hagen,
wenn das keine wahre Geschichte ist, braucht man viel Fantasie (Kreativitât) dazu , um auf so etwas zu kommen. Hut ab.
Aber was ist Affenfett? Ich glaube nicht, dass es sich dabei tatsâchlich um das Fett unserer weiteren Verwandtschaft handelt.
Grûsse//Onivido
 

Hagen

Mitglied
Hallo onivido,

Danke für die Beschäftigung mit meinem Text und die gute Benotung.

Tja, als kleiner Junge, (ich bin Jahrgang '48) habe ich meine Großeltern immer in ihren Schrebergarten begleiten müssen, wo sie vorwiegend Bohnen und Majoran? angebaut haben.
Du wirst lachen, aber in einem der Nachbargärten stand wirklich eine Buddha Statue. Die hat mich damals fasziniert. Bei der Recherche zu meinem Roman bin ich auf diesen Bodhisdingsbums und seinen Hintergrund gestoßen. So entstand diese Geschichte.
Die Story 'Das Klavier im Garten' setzt diese Geschichte übrigens fort. Sie gehört zu meinem Zyklus 'Darenweder Geschichten'.

Als Affenfett werden scherzhaft minderwertige Fette zweifelhafter Herkunft bezeichnet. Der Begriff wird heute nur noch selten verwendet.

Das 'Affenfett' und die anderen 'Gerichte aus der schlechten Zeit' habe ich mühsam recherchiert, um der Geschichte Intensität zu verabreichen.

In der 'schlechten Zeit' nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zum Beispiel für kalt durch den Fleischwolf gedrehtes Schweinefett (Flomen) oder für Margarine verwendet. Auch ein an Griebenschmalz erinnernder Brotaufstrich, der in der Sowjetischen Besatzungszone verbreitet war, wurde so genannt.

'Affenfett' als Brotaufstrich besteht aus ausgelassenem Speck, der mit Ei, Milch und Mehl vermischt und mit Salz und Majoran gewürzt wird. Die Mischung wird bei mäßiger Hitze gestockt, sodass sie noch streichfähig ist, und warm verzehrt.
(Das Originalrezept ist zu googeln)

Wir lesen uns!

Herzlichst
Yours Hagen
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Das logische Denken ist das Muster
einer vollständigen Fiktion.
Friedrich Nietzsche
 

Aina

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Lieber Hagen,
als absoluter Fan deiner Darenweder Geschichten, erfreut mich auch diese Geschichte!
Herzlichen Dank für das Lesevergnügen!
Aina
 

Hagen

Mitglied
Danke, liebe Aina,
dass Du dich mit meinem Text beschäftigt hast, sowie für die gute Benotung.
Damit dass ich Dir ein gewisses 'Lesevergnügen' bereiten konnte, ist meine Anspruch eigentlich erfüllt, und ich hoffe, dass mir in Bälde noch ein paar Darenweder Geschichten einfallen werden.
Ich arbeite dran.

Küss die Hand, gnädige Frau
Herzlichst
Yours Hagen


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Das Sinnen und Gedankenmachen hat keinen Wert,
und man tut ja auch nicht, wie man denkt,
sondern tut jeden Schritt eigentlich ganz unüberlegt so,
wie das Herz gerade will.“
 
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