der liebe trübe - Sonett

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HerbertH

Mitglied
was trübt die liebe?

ich liebe trübe eingedenk der fahlen nehrung
doch was entsteht aus dieser steten letzten querung
im dunklen kasten harrt der brief auf bald’ge leerung
es fehlt der blick – erstarrt erhofft sich niemand mehrung

wem taugt denn dieser hang zum leiden - wem nur wem?
kann nichts rein gar nichts mir noch neue wege weisen?
ich ruhe öfter jetzt – werd ich am end bequem?
wo ist der schrei der mich befreit? wo sind die weisen?

wen kann ich recht von herzen preisen? wem vertrauen?
wirst du mich lieben? wirst mich herzen oder jagen?
weich wird mein blick, wirst du mit mir gern gläsern schauen?

ich fürchte bald geht es mir richtig an den kragen
ach könnte ich entspannt durchwandern neue auen
mit dir die welt– ach dich entspannt auf händen tragen
 
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blackout

Mitglied
Ja, ein bisschen haben wir alle Bammel, wenn man zum Beispiel die Bilder aus den spanischen Krankenhäusern sieht. Wer möchte so sterben?
Alle wissen wir nicht, was wird in Zeiten der Quarantäne und danach, und ich befürchte, dies weiß noch nicht mal die Bundesregierung. Diesem Thema widmet sich dein Sonett. Inhaltlich gehe ich mit, obwohl es stellenweise etwas larmoyant wird, sehe leider aber nicht alle Anforderungen an die Form des Sonetts erfüllt.

Ein bisschen eigenwillig dein Sonett, 6 Hebungen und statt drei Reimen in den Terzetten nur zwei. Ein bisschen ins Grübeln gerate ich auch bei deinem ersten Quartett, zum Beispiel Vers 3, wo der Brief und nicht der Briefkasten geleert wird. Musst du dir noch einmal sehen. Unschön auch der Reim auf ung.

Nicht beachtet hast du, dass das 2. Quartett dieselben Reime wie das 1. Quartett haben sollte. Auch ist (im 2. Quartett) weisen und weisen kein Reim.
Auch irritiert, dass das 1. Quartett umarmenden Reim hat und das 2. Quartett Kreuzreim. Ich bin der Ansicht, wenn man eine feste Form wählt, sollte man auch ihre Anforderungen erfüllen. Das ist doch die Herausforderung des Sonetts an den Schreiber. Die sehe ich bei diesem Sonett leider nicht zufriedenstellend erfüllt. Da wäre es vielleicht besser gewesen, du hättest eine andere Strophenform gewählt für diesen Text, nicht aber das Sonett.

Gruß, blackout
 
Zuletzt bearbeitet:

Walther

Mitglied
lb blackout,
dieses sonett ist deshalb ein ereignis, weil es originell und innovativ sechs hebungen verbaut und nicht mal im entferntesten leiert. zeige mir eines in diesem forum, für das diese aussage gilt - meine und deine bitte eingeschlossen.
kommen wir zur nächsten anmerkung, der form: nein, liebe blackout, Schlegel ist tot, und schon Gryphius schrieb ungereimte sonette und selbst Paul Fleming druchbrach reim- und metrumsvorgaben. deine kritik stößt also in die leere.
der autor kann übrigens auch "formal korrekte" sonette - und was für welche. also brauchst du ihn nicht zu belehren. kurz: deine kritik geht in die falsche richtung.
lg W.
 
G

Gelöschtes Mitglied 21263

Gast
Gerade die kolossale Stemmarbeit betr. der Hebungen hat mich überrascht - und überzeugt!
Das fragende Vorwärtsdrängen ist's wohl, was ein elegantes Tempo einspielt und den mächtigen Textcorpus vergessen macht.
Sehr gut!

F.
 

blackout

Mitglied
Walther, ich habe ihn nicht belehrt, sondern meine Ansicht aufgeschrieben. Ich habe ihm auch Hinweise auf wirkliche Fehler gegeben, die er offensichtlich übersehen hat, was für mich darauf hinweist, dass er flüchtig gearbeitet hat. Was das Sonett angeht, du erwähnst Gryphius, so kenne ich Dutzende Sonette in Alexandrinern, dagegen habe ich überhaupt nichts. Ich bin aber der Ansicht, seine höchst private Form finden, das kann man erst machen, wenn man das Sonett beherrscht. Und hier hat sich mir gezeigt, dass da noch einiges offen ist, zum Beispiel sauberes Arbeiten. Ja, das kenne ich, Becher hat in seinem Buch der Sonette Petrarca-Sonette, die ja eine feste Form sind, im Kreuzreim geschrieben. Aber eben durchgehend. Und das ist eine Faustregel, innerhalb eines Gedichts wechselt man nicht die Reimstruktur. Und wenn man es trotzdem macht, dann ist das keine Revolution der Lyrik, die geschieht immer über den Inhalt, von dem die Form, neu oder alt, abhängt. Aber lediglich an der Form herumzufummeln reicht für eine Revolution der Lyrik nicht aus. Vielleicht bin ich da zu streng, mag daran liegen, dass ich es mal so gelernt und eingesehen habe, dass da was dran ist. Sieh mal, du hast gesehen, dass ich überhaupt nicht dogmatisch an Texte herangehe, bei Charlottes "Xenien". Was inhaltlich begründet ist, das ist immer richtig, immer gut.
Aber hier in diesem Gedicht sehe ich keinen begründeten Anlass, der Form den privaten Stempel aufzudrücken. Und noch was - wenn Herbert H. mein Kommentar nicht gefällt, soll er es mir selbst schreiben, er braucht doch nicht dich als Vermittler.

Gruß, blackout
 

Walther

Mitglied
Blackout,
leider sind deine anmerkungen samt und sonders irrelevant. du machst das bei sonetten anderer gerne, daher habe ich diesen eintrag zum anlaß genommen, die basis deiner kritik zu hinterfragen. das einzige detail, das man diskutieren, ist das doppelte verwendung von "weisen", aber auch hier liegst du falsch, weil die beideutung des worts jeweils völlig unterschiedlich, so daß die verwendung korrekt und unproblematisch ist.
in der tat benötigt HerbertH keinen fürsprecher. mir aber geht es an dieser stelle um deine art der sonettkritik im allgemeinen. und diese habe ich geerdet und als irrelevant entlarvt. du darfst das gesagte auf die mehrzahl deiner diesbezüglichen einträge gemünzt sehen.
lg W.
 

Walther

Mitglied
Blackout,
leider sind deine anmerkungen samt und sonders irrelevant. du machst das bei sonetten anderer gerne, daher habe ich diesen eintrag zum anlaß genommen, die basis deiner kritik zu hinterfragen. das einzige detail, das man diskutieren könnte, ist das doppelte verwendung von "weisen", aber auch hier liegst du falsch, weil die beideutung des worts jeweils völlig unterschiedlich ist, so daß die verwendung korrekt und unproblematisch ist.
in der tat benötigt HerbertH keinen fürsprecher. mir aber geht es an dieser stelle um deine art der sonettkritik im allgemeinen. und diese habe ich geerdet und als nicht hilfreich entlarvt. du darfst das gesagte auf die mehrzahl deiner diesbezüglichen einträge gemünzt sehen, die immer solche elemente enthalten, die schlicht nicht der stand der dinge reflektieren und daher nur deine meinung sind aber nichts sonst.
lg W.
 

HerbertH

Mitglied
Vielen Dank für die rege Diskussion, die - ich gebe es zu - durch meine etwas eigenwillige Schreibe so recht in Fahrt kam. In der Tat habe ich mit der Form ein wenig gespielt und mich gerade wegen der sechshebigen Verse um eine gewisse Binnenstrukturierung z.B. mit Gedankenstrichen gewidmet. Auch die Reimstruktur geht in diese Richtung... In der Tat mag das Puristen sauer aufstoßen, es bringt aber Lebendigkeit.
Und in der Tat habe ich auch die diskutierten weisen-weisen Reime hier bewusst genau wegen deutlich verschiedener Bedeutung gewählt, was auch besonders gut wegen der Kleinschreibung funktioniert.

Ich freue mich sehr über die Resonanz, die ich gar nicht so groß erwartet hatte, und danke dafür, wie auch für all die Sterne - grad habe ich auch die am Frühlingshimmel leuchten sehen und mich auch daran erfreut.

Herzliche Grüße

Herbert
 

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