der mann das rote kleid und ein fuchs

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Schweigen schreit gegen die nachtfarben
der stille an. an den dunklen

liedern der vögel zieht wind
die spanne zwischen zwei augenblicken

ins nichts. es ist oktober. am wald
rand dreht sich ein mann in blut

rotem kleid um die eigene achse.
und lacht. tiefer schlaf

ruht seit stunden im lauf. wartet
auf das erstbeste wort. den

boden deckt laub. öfter
wird es unter seinen schritten zu

glas. ein junger fuchs
trägt ein schneeiges tier im blutigen maul.

in irgend ein dickicht. es ist oktober.
und der herbst treibt sein ur

altes blut in die bäume. es ist rot.
wie das echo des schusses.

ein fuchsohr zuckt.
 

revilo

Mitglied
uuuaaahhhhh.......die erste Zeile hat mich so verschreckt, dass ich nur noch flüchtig weitergelesen habe....und dieser Firlefanz mit Trennungen und Punkten ist nicht mein Ding...
LG revilo
 

Mondnein

Mitglied
Rotrock

Auf die Überraschungseffekte bei den Enjembements kommt es ja hier an:
ins nichts. es ist oktober. am wald
rand dreht sich ein mann in blut

rotem kleid um die eigene achse.
Das geht nur über so ein strophenwechselnden Umschlagen des Sinns.
Durch die Lücke behält das erste Bild, wo der Mann sich im Blut dreht, seine vorläufige aber eben weiterhin nachklingende Eigenständigkeit.
Und das Bild mit dem roten Rock bleibt ja auch surrealistisch unaufgelöst, eine ziemlich deutungsfreie nackte Metapher, ein Bild für was auch immer.
Es kann natürlich auch realistisch ein Engländer in alter Uniform sein, der, wie in England Tradition, Füchse jagt.
 

Tula

Mitglied
Hallo Patrick

Nach mehrmaligem Lesen habe ich mich mit mir selbst geeinigt, dass es ein herbstliches Stilleben in Poesie-Form ist. Ob ich damit richtig liege ?

Ich sehe den Herbst aber nicht als eine Art Sinnbild des Todes, Vergehens usw. Das wäre bei mir eher der Winter.
Warum hat der Fuchs ein "schneeiges" Tier im Maul? Entspricht vielleicht nicht den üblichen Tarnfarben. Wobei ... vielleicht ist die Gans ja auch im Herbst weiss :)

Aber insgesamt gefällt mir die Mystik im Gedicht.

LG
Tula
 

revilo

Mitglied
das ist sicherlich ein mutiges Gedicht...aber die ersten beiden Zeilen sind für mich ein Lyrikunfall, der passiert ,wenn die Metahern ausser Komtrolle geraten und so bombastisch sind, dass es schon unfreiwillig belustigend wirkt....an inhaltlichen Diskussionen beteilige ich mich grundsätzlich nicht, weil mich das an die ünsägliche Frage im Deutschunterricht erinnert :" was will uns der Autor damit sagen ? "......du bist ein guter Dichter, ohne jeden Zweifel......aber pass auf, dass du dich nicht in einen Metapherrausch schreibst.....ist mir auch schon passiert......und wird mir auch noch passieren.....LG revilo....
 

Monochrom

Mitglied
Hi,

das ist ein verunglückter Text. Schiefe Metaphern, sich ausschließende Formulierungen, nicht funktionierende Sinnbilder, schlechte Emjambements.

Ganz schwach.

Beispiele:
Schweigen schreit gegen die nachtfarben
der stille an (ist kausal verunglückt, falsche Wortwahl ergibt sich ausschließendes Sinnbild, Schweigen kann nicht schreien, schon gar nicht gegen Stille, Stille hat keine Farben...)

Das zieht sich durch den kompletten Text und erzeugt in mir weder Stimmung noch Bilder, sondern nur Fragezeichen und Verwunderung.

Eine Sinneswahrnehmung mit Hilfe von falsch gewählten Attrributen in Bilder zu pressen, wirkt unbedarft und hilflos.

Das schreit mich geradezu an: "Ich bin Kunst. Ich möchte auf Teufel komm raus Kunst und Besonders sein".

Dazu kommen dann noch verschwurbelte Satzkonstruktionen und wahllos gerichtete Enjamebents.

Ich vermisse auch eine Konstruktion im Arrangement der Bilder.

Nö, gefällt mir nicht.

Ciao,
Monochrom
 

Mondnein

Mitglied
Oxymoron

Das ist es, was mich hier im Dichterforum traurig macht. Abgehobener Germanistenclub.
Wo seit Ihr, wo bleibt Ihr, wenn eine Ustrarisa meine Ghaselen runterputzt? Wenn Marie-Luise ihre Einser unter meine Lieder setzt? Wenn der Anonymus reinschlägt? Wenn die Biedermeier meine Modernismen angreifen? Keiner rührt sich, weil das im Gereimten abläuft, und das ist nicht Eure Welt.
Diese Club-Absonderung ist mir ein Greuel.

das ist ein verunglückter Text. Schiefe Metaphern, sich ausschließende Formulierungen, nicht funktionierende Sinnbilder, schlechte Emjambements.
Statt mit einer Beschreibung beginnst du mit der Wertung. Nun ja, die Begründung folgt nach.
"Schiefe Metaphern" gibt es nicht. Das Attribut "schief" gibt der "Metapher" eine nette Eigenschaft, aber es gibt keinen Grund für eine Abwertung, denn mehr oder weniger "schief" ist sie nur mehr oder weniger surreal.
"sich ausschließende Formulierungen" sind ein zweitausend Jahre altes klassisches Stilmittel: Oxymoron. "Schwarze Milch der Frühe", da ist es Celan. "Wenn sie schweigen, sprechen die Steine", da war es unser Herr Jesus.
"nicht funktionierende Sinnbilder" - das ist Sache des Lesers, ob er etwas in Zusammenhängen verstehen will oder das Sinnbild isoliert. "Funktionieren" gilt für dechnische Apparate, nicht für Bilder, auch nicht für Symbole usw. Fürs Verstehen schon, aber auch das ist bei Gedichten ziemlich möglichkeitenverzweigt.
"schlechte Enjambements" - Was soll das wertende Attribut hier besschreiben? Es gibt kühne, aufregende, aber auch lockere, unauffällige und weiß der Himmel was für Zeilensprünge sonst noch, aber "schlecht" kann ich keinem dieser Umbrüche anhängen.
Und dann belegen die Bespiele, die Du gibst, genau das, was ich hier zurückspiegele: Du wertest Metapher ab, weil sie oxymorisch sind.
Ich halte das für äußerst unprofessionell, vor allem deshalb, weil es so professionell aussieht.
Schweigen kann nicht schreien, schon gar nicht gegen Stille, Stille hat keine Farben...)
Die Metapher vom schreienden Schweigen mag etwas zu oft beansprucht worden sein, aber sie ist uralt, stark und schon ein wenig konventionell. Noch nie gelesen?
Und natürlich hat Stille Farben. "What do you see when you turn off the light? I can't tell you but I know its mine" - sieh mal, da ist es schon trivial. Ansonsten wäre es eine der ältesten Synästhesien der Welt. Synästhesie ist ein fruchtbarer Motivbereich und die große Erfahrungs-Transparenz der Dichtung.

Nimms mir nicht übel, Monochrom, es macht mir viel Freude, an einem konkreten Gedicht mal die Grundsätze unserer Werkkritik zu durchmustern und zu reflektieren. Ich hätte es gerne auch beim großen Ustrarisa-Krieg gesehen.
Gut, mal was von der Selbst- und Fremdkritik der Reimlosen zu lesen. Das fehlt fehlt fehlt bei den Gereimten und den Festen Formen. Und hier, im Reimlosen, offenbaren sich einige Merkwürdigkeiten, Beliebigkeiten der Kritiklust.
Das ist sehr interessant für mich. (Ich meine das nicht ironisch.)
 

Mondnein

Mitglied
zum Oxymoron und den "schiefen Metaphern"

das ist ein verunglückter Text. Schiefe Metaphern, sich ausschließende Formulierungen, nicht funktionierende Sinnbilder, schlechte Emjambements.
Statt mit einer Beschreibung beginnst du mit der Wertung. Nun ja, die Begründung folgt nach.
"Schiefe Metaphern" gibt es nicht. Das Attribut "schief" gibt der "Metapher" eine nette Eigenschaft, aber es gibt keinen Grund für eine Abwertung, denn mehr oder weniger "schief" ist sie nur mehr oder weniger surreal.
"sich ausschließende Formulierungen" sind ein zweitausend Jahre altes klassisches Stilmittel: Oxymoron. "Schwarze Milch der Frühe", da ist es Celan. "Wenn sie schweigen, sprechen die Steine", da war es unser Herr Jesus.
"nicht funktionierende Sinnbilder" - das ist Sache des Lesers, ob er etwas in Zusammenhängen verstehen will oder das Sinnbild isoliert. "Funktionieren" gilt für dechnische Apparate, nicht für Bilder, auch nicht für Symbole usw. Fürs Verstehen schon, aber auch das ist bei Gedichten ziemlich möglichkeitenverzweigt.
"schlechte Enjambements" - Was soll das wertende Attribut hier besschreiben? Es gibt kühne, aufregende, aber auch lockere, unauffällige und weiß der Himmel was für Zeilensprünge sonst noch, aber "schlecht" kann ich keinem dieser Umbrüche anhängen.
Und dann belegen die Bespiele, die Du gibst, genau das, was ich hier zurückspiegele: Du wertest Metapher ab, weil sie oxymorisch sind.
Ich halte das für äußerst unprofessionell, vor allem deshalb, weil es so professionell aussieht.

Schweigen kann nicht schreien, schon gar nicht gegen Stille, Stille hat keine Farben...)
Die Metapher vom schreienden Schweigen mag etwas zu oft beansprucht worden sein, aber sie ist uralt, stark und schon ein wenig konventionell. Noch nie gelesen?
Und natürlich hat Stille Farben. "What do you see when you turn off the light? I can't tell you but I know its mine" - sieh mal, da ist es schon trivial. Ansonsten wäre es eine der ältesten Synästhesien der Welt. Synästhesie ist ein fruchtbarer Motivbereich und die große Erfahrungs-Transparenz der Dichtung.

Nimms mir nicht übel, Monochrom, es macht mir viel Freude, an einem konkreten Gedicht mal die Grundsätze unserer Werkkritik zu durchmustern und zu reflektieren. Ich hätte es gerne auch beim großen Ustrarisa-Krieg gesehen.
Gut, mal was von der Selbst- und Fremdkritik der Reimlosen zu lesen. Das fehlt fehlt fehlt bei den Gereimten und den Festen Formen. Und hier, im Reimlosen, offenbaren sich einige Merkwürdigkeiten, Beliebigkeiten der Kritiklust.
Das ist sehr interessant für mich. (Ich meine das nicht ironisch.)
 
Hallo zusammen.
Ich habe noch nicht die Distanz zu diesem Text entwickelt
um ihn selber beurteilen zu können.

Ich nehme aber schonmal zur Kenntnis, dass es eine
Grenze gibt, die gelungen und lächerlich verbindet und das
ich sie hier wohl überschritten habe.

Ich danke euch für eure Meinungen.
Ich denke ich werde euch noch genauer antworten
wenn mir der Text fremder geworden ist.

L.G und Danke
Patrick
 

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