Der Tod (Sonett)

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viktor

Mitglied
Der Tod (Sonett)

Tritt ein, mein Tod, die Tür steht auf zum Zimmer,
sei leis und sanft, mein Atem geht schon schwach.
Ich bitte Dich, mach niemand andern wach,
nun trag mein mattes Leben fort für immer.

Ich spür, mein Weg geht diese Nacht zu Ende,
ich, der im Leben nicht die Wege fand,
hab endlich diesen letzten nun erkannt
und leg mein müdes Herz in Deine Hände.

Der schwarze Vogel öffnet sein Gefieder
und steigt hinauf ins erste Morgenrot.
Die letzte Sehnsucht riecht den Duft von Flieder,

der Fährmann wartet schon in seinem Boot.
Ganz leise singt der Vogel seine Lieder
von der Geburt, vom Leben und vom Tod...
 

zanzara

Mitglied
Ein stimmungsvolles Sonett zu einem schwierigen Thema. Das Schlussterzett mit seinem hoffnungsvollen Nachklang finde ich besonders gelungen.
Gruß
zanzara
 

viktor

Mitglied
vielen dank an euch vier für eure ositive beurteilung - es ermutigt, denn es war mein erster sonett-versuch!
liebe grüße
viktor
 

Eve

Mitglied
Hallo viktor,

ich schließe mich den vorigen Kommentaren gerne an ... auch mir gefällt die Melodie in deinem Gedicht - und dass dein Text am Ende noch eine kleine Kurve macht, nicht nur dumpfe Traurigkeit hinterlässt.

Viele Grüße,
Eve
 

Wittgenstein

Mitglied
Lieber Viktor,

Dein Erstlingssonett ist ausgezeichnet gelungen.
Kompliment!

Es erinnert mich sehr an "Komm, großer schwarzer Vogel" von Ludwig Hirsch.

Solltest Du das Lied nicht kennen, empfehle ich Dir, unter http://www.amazon.de auf Suchbegriff "Ludwig Hirsch" zu gehen, dort die CD "Komm, großer schwarzer Vogel" anzuklicken, dort kannst Du das Lied anhören.

Es lohnt sich.

Herzliche Grüße
Wittgenstein
 

viktor

Mitglied
...huch - da ist der tod wieder aufgetaucht, aber man muss ja immer mit ihm rechnen...
jedenfalls freue ich mich sehr über eure positive wahrnehmung dieses sonetts!
liebe grüße
viktor
 

Joh

Mitglied
Hallo Victor,

es ist einfach wunderschön, traurig aber die Sprache tröstet und versöhnt.

ein Gruß an Dich, Johanna
 
F

Franziska Franke

Gast
Das ist ein sehr schönes Sonett und die From wirkt gar nicht konstruiert. Dafür gebe ich dir eine 9
Viele liebe grüße FF
 

viktor

Mitglied
hallo joh, ff und vivi,
danke für eure positive resonanz.
insgesamt bin ich überwältigt von der resonanz für diesen text.
vllt liegt es daran, dass eine art "endzeitstimmung" - und somit eine beschäftigung mit dem tod - raum greift...
liebe grüße
viktor
 

MarenS

Mitglied
Hut ab, du schriebst es sei dein erstes Sonett gewesen!
Ein ewiges Thema doch genau in der Mitte gepackt, nicht grob, nicht wehleidig...eher abschließend.

Es grüßt die Maren
 
Lieber viktor,

ich hatte hier nur im Juni gewertet, ohne Kommentar. Dein erstes Sonett, es ist einfach Klasse geworden. Da decke ich jetzt den Benedikt mit zu. :)

Lieben Gruß,
Estrella
 

viktor

Mitglied
ob maria benedikt auch in seiner letzten stunde das hm - händchen halten wird?
fragen über fragen...
lg
viktor
 
C

cellllo

Gast
Zum Auswendiglernen schön !
Zum Weinen schön !

Danke, dass dies Gedicht auf die Startseite kam, sonst wär ich ihm als Frischling gar nicht begegnet...

Zum Vogel als archetypisches Seelen- und Todessymbol :
Es gibt eine Urzeit-Höhlenmalerei : ein verletzter Stier mit heraushängendem Gedärm, nahebei eine am Rücken liegende menschliche Gestalt und ein senkrechter Stock auf dessen Spitze eine Vogelfigur sitzt.
Ich sah in einem Brancusi-Buch alte Photos von alten bäuerlichen Friedhöfen in Rumänien : Die Gräber wurden mit ornamental geschnitzten Holzpfählen versehen, manche enden oben mit einer geschnitzten Vogelgestalt !
Brancusi hat das Thema der rautenartig geschnitzten Pfähle übernommen und beendete es mit der endlosen Säule...

cellllo
 

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