Der Zigeunerbaron

Botanica

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Endlich setzte sie sich, und es tat ihr gut. Nach dem Lauf durch die nächtlichen Straßen der Stadt mit ihrem seufzenden, blassen Mann, dessen Hände schienen, zu seinem Bauch angewachsen zu sein, und dem Gespräch mit einer verschlafenen Krankenschwester in der Notaufnahme, kam ihr die harte Bank im Wartezimmer des Krankenhauses wie ein Schlosssofa vor. Erst jetzt bemerkte Edita die Menschen im Wartezimmer besser. Ihr Blick traf auf den einer Frau mit blonden Strähnen über einem dunkleren Gesicht. Sie war ziemlich groß, modisch gekleidet, ihre schlanken Hüften rankte ein Lederrock um, die Füße steckten in Turnschuhen. Die Frau lehnte sich an dem ehemaligen inneren Pförtnerraum auf, der nun eher eine hölzerne Bude ohne Glas war. Von ihrer Stelle aus schien sie das ganze Wartezimmer und auch den weißen Flur vor ihr, aus dem man in die Ambulanzen eintrat, zu kontrollieren. Am anderen Ende des Raumes saßen noch zwei Männer und eine Frau, alle überdurchschnittlich genährt. Die Frau starrte in die Luft, die Männer, in zerrissenen Jeans, schienen zu schlummern.

Die Stille im Warteraum wurde durch ein paar Worte in einer für Edita unbekannten Sprache. Es fiel ihr ein, dass es die Zigeunersprache (Romani) war. Es lag auf der Hand, alle vier gehörten zusammen und die Frau im Lederrock hatte unter ihnen das Sagen.

Es war halb drei früh. Edita begann auf der Bank zu schlummern. Ihr Mann erschien immer noch nicht, es war fast sicher, dass er in der Ambulanz eine Infusion bekam. Die Ankunft einer jungen Krankenschwester unterbrach die allgemeine schläfrige Stimmung. Sie blieb bei den sitzenden Zigeunern stehen und reichte einem von ihnen ein Formular. Sanft erklärte sie dazu: „Wissen Sie, ihr Bekannter bekommt jetzt eine Infusion. Sein Zustand ist kritisch, sein Blutzuckerwert beträgt 35. Selbst der Arzt hat so etwas noch nie erlebt. Er sollte im Krankenhaus bleiben, aber er weigert sich. Hier ist ein Formular, füllen Sie es aus und unterschreiben Sie, dass Sie den Patienten auf eigenes Risiko mit nach Hause nehmen.“ Der junge Zigeuner schaute das Papier einen Moment an und begann es in den Händen umzudrehen.

Halb im Schlaf fragte sich Edita, wann sie zuletzt von jemandem im weißen Mantel so freundlich und einfühlsam angesprochen worden war. Zugleich fiel es Ihr ein, dass sie schon seit gut dreiviertel Stunden hier saß und niemand deutete ihr an, was mit ihrem Mann los war. Die Krankenschwester eilte in die Ambulanz zurück.

Die resolute blonde Zigeunerin begann jetzt Tschechisch zu sprechen. Edita begriff, dass sie sie in das Gespräch verwickeln wollte. Sie griff nach dem Papier, besichtigte es und sagte zu Edita: „Na, sehen Sie, dieses hier ist eine Patientenverfügung. Aber was ist da eigentlich zu wundern? Der Mann würde ständig nur selber Kekse, Bonbons und Kuchen essen, und jetzt hat er diesen Zuckerwert.“ „Fünfunddreißig,“ wiederholte sie nach der Schwester.

Edita erwiderte: „Ach was, lassen Sie den Patienten einfach im Krankenhaus. Hier wird man ihm helfen und seinen Blutzucker ganz sicher senken. Natürlich muss man dann Diät halten, Medikamente einnehmen und die Ratschläge der Ärzte befolgen. Diabetes ist eine heimtückische Krankheit. Man sollte sie den Ärzten zur Behandlung überlassen.“

„Na ja, aber er ist erwachsen, wir können ihm keine Befehle geben“, sagte die Zigeunerin.

Edita bereute, etwas überhaupt gesagt zu haben, und schloss erneut ihre Augen zu. Nach einem Moment registrierte sie in ihrer Nähe eine Bewegung. Es erschien der Zuckerrekordmann und setzte sich auf die Bank neben sie. Es war ein älterer, imposanter Mann, etwa siebzig Jahre alt, mit einer scharfkantigen Adlernase in seinem dunklen Gesicht. Sein stattlicher Bauch wölbte sich über einem breiten Ledergürtel. Edita schätzte ab, dass der Umfang seiner Taille sicher seine Körpergröße übertraf. Ihr Blick wanderte zu den eleganten ockerfarbenen Schuhen des Patienten. Vor einiger Zeit hatte sie ähnliche im Schaufenster einer Boutique auf der Hauptstraße gesehen; sie hatten ungefähr hundertfünfzig Euro gekostet. Na, dieser da scheint die höchste Etage des Roma-Ethnie zu sein, vielleicht sogar der Wajda (der Wojwoda der Zigeuner) selbst, fiel Edita ein.

Dann begann alles schnell wie in einem Film zu laufen. Der Patient richtete einen kurzen, knappen Befehl an dien auf ihn Wartende, woraufhin einer der Zigeuner blitzschnell aufstand und hinter der Glastür in der Dunkelheit verschwand. Eine Minute später erschien eine große, dunkle Limousine direkt vor der Tür auf der Rampe, wo normalerweise nur Krankenwagen halten. Alle Zigeuner, einschließlich des Patienten sprangen innerhalb der nächsten Minute ins Auto und verschwanden in der schwindenden Dunkelheit. Sie machten sich so schnell aus dem Staub, als wären sie nie da gewesen. Wäre die nicht ausgefüllte Patientenverfügung nicht auf der Bank gelegen, hätte Edita gedacht, sie habe geträumt.

Ihr Mann war noch immer beim Arzt. Edita stand auf und spazierte im Raum herum. Ihre Schritte führten auch zu der Stelle, wo die blonde Zigeunerin, die das Sagen hatte, stand. Auf dem Holzregal lag ein Taschenbuch. Der schäbige Umschlag und die teilweise abgerissenen Kanten zeugten vom Alter des Buches und einer nicht gerade schonenden Behandlung. Edita nahm das Buch in die Hand, und ihr Herz sprang vor Freude. Es war „Der Zigeunerbaron“ von dem berühmten ungarischen Schriftsteller Mór Jókai! In ihrer Jugend hatte sie alle Werke dieses großen ungarischen Prosaautors gelesen, trotzdem beschloss sie, dieses Buch mitzunehmen, denn ein solches Juwel wird heutzutage nur noch selten verlegt. Sie schlug das Buch auf, und gleich auf der ersten Seite, unter dem Titel, prangte eine handgeschriebene Handynummer. Teils aus Neugier, teils aus Langeweile wählte sie die Nummer. Sie wollte gerade auflegen, als eine heisere Stimme am anderen Ende der Leitung ertönte: „Hallo, hier spricht Feri Farkaš, der Zigeunerbaron. Was wünschen Sie?“
 

jon

Mitglied
1.: Deutsch ist nicht deine Muttersprache, oder? Da sind vor allem am Anfang so viele Semantikfehler drin, dass man manchmal schon ein wenig rätseln muss, was du sagen willst. Auch das Gesprochene klingt nicht echt.

2.: Am Anfang fehlt die Info, dass der Mann der Hauptfigur in den Behandlungsraum gegangen ist.

3.: Klammern gehören nicht in erzählende Texte, verpacke die Erklärungen (wenn du sie für nötig hältst) anders.

4.: Die Absätze wirken wie willkürlich eingestreut, sie folgen selten dem Inhalt.

5.: Es gibt unlogische Details. Hier mal das, was mir auffiel:
  • Die Frau und ihr Mann kommen in der Notaufnahme an. Normalerweise sitzt man dann noch ein Weilchen herum, ehe man behandelt wird. Das scheint hier nicht der Fall gewesen zu sein, denn der Text beginnt damit, dass Edita sich setzt, ohne ihren Mann. Das beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit.
  • Woher kennt Edita die "Zigeunersprache"? (Nein, der Name reicht nicht. Meine Kollegin Katja ist ja auch nicht in Russland aufgewachsen.)
  • Wieso ist fast sicher, dass Editas Mann eine Infusion bekommt? (Putzig, dass der Zigeuner auch eine bekommt. Solche Zufälle sollte es in Geschichten nicht grundlos geben.)
  • Ich glaube nicht, dass das besagte Formular eine Patientenverfügung ist.
  • Die Entlassung gegen ärztlichen Rat unterschreibt der Patient, nicht irgendjemand, der mehr oder weniger zufällig anwesend ist.
  • Wieso denkt Edita nach der Abreise der Zigeuner immer noch, die Blonde habe das Sagen gehabt, obwohl sie doch kurz vorher den Zucker-Mann als "höchste Etage" identifiziert hatte?
  • Wieso freut sich Edita so heftig(!) über ein zerschlissenes Buch? Mag ja sein, dass die Texte kaum noch verlegt werden, aber Second Hand gibt's die sicher noch.
 

Anders Tell

Mitglied
Worauf will diese Geschichte hinaus? Ich denke, sie spielt nicht in Deutschland. Hier hat und hatte man immer ein gespaltenes Verhältnis zu den sog. Zigeunern. Gespalten zwischen Bewunderung und Verfolgung. Meines Wissens nach gibt es hier keine Zigeunerbarone, nur selbsternannte Könige und einer nannte sich sogar Kaiser. Es gibt einflußreiche Clanchefs und Präsidenten des Zentralrats der Sinti und Roma. Wie z. B. den Vater von Marianne Rosenberg.
Aber ganz gleich wie bedeutend ein solcher Anführer unter seinen Leuten sein mag, würde keine deutsche Klinik ihm eine Vorzugsbehandlung gewähren. In vielen anderen Ländern sind Sinti und vor allem Roma nicht gut gelitten. Sie werden unterdrückt und in Ghettos abgeschoben.
Es bleibt also das Klischee des goldbehangenen Zigeunerführers mit dickem Mercedes und dem absuloten Sagen über seine Leute.
 

Botanica

Mitglied
Ad 1: Kannst du, bitte, einige nennen?

Ad 2: Am Anfang fehlt die Info, dass der Mann der Hauptfigur in den Behandlungsraum gegangen ist.

Das erfährt man doch weiter im Text. Ich will die Leser nicht müde machen, sie unterschätzen und ihnen alles (alle Details) auf dem Teller unter die Nase bringen.

Wenn man die einzelnen Beiträge auf dieser Website liest, erfährt man (wenn überhaupt) in den meisten Geschichten erst am Ende, dass sich die Handlung z. B. in einem Konzentrationslager abspielt, oder dass es in der gegessenen Lasagne den gehackten Liebhaber der Ehefrau gibt, usw. und niemanden scheint es zu stören. Und manchmal erfährt man gar nicht, worum es im Text geht. Aber das gehört doch zur Sache.

Ad 4: Ich bin nicht der Meinung. Die Absätze folgen in der Reihenfolge, wie sie wirklich passiert sind und wie es mir passt. Man soll nur aufmerksam lesen.

Ad 5:

Die Frau und ihr Mann kommen in der Notaufnahme an. Normalerweise sitzt man dann noch ein Weilchen herum, ehe man behandelt wird. ...

Wann warst du, bitte, das letzte Mal in der Notaufnahme? Oder warst du dort überhaupt? Mein Patenkind arbeitet als Ärztin in Chemnitz, hat Dienste auch in der Notaufnahme und erwähnt dies öfters: Sehr viele Patienten... Es kommen Einer nach dem Anderen... die ganze Nacht hindurch. Ich war leider mehrmals in der Notaufnahme und immer das selbe: Mehrstündiges Warten und volle Warteräume, dort erfährt man wirklich viel vom Leben...

Der Text beginnt dort, wo er beginnt. Nicht Editas Mann ist die Hauptfigur.

Woher kennt Edita die "Zigeunersprache“?

Bei uns weiss fast jedermann, wenn man in der Zigeunersprache spricht, weil hier viele Zigeuner leben und benutzen ihre Sprache frei.

Was hat eine gewisse Katja aus Russland hier damit zu tun? Ich kenne keine und verstehe deinen Hinweis nicht, wahrscheinlich auch die Anderen nicht, die dies lesen.

Wieso ist fast sicher, dass Editas Mann eine Infusion bekommt?

Und wie sollte er schon behandelt werden, wenn er eine akute Gallenblasenentzündung (einen Gallenblasenanfall im Volkksmunde gesagt) hat? Gleich am Anfang wird es angedeutet aber für den Inhalt ist es nicht wesentlich. Solche akkuten Zustände werden mit Infusionen behandelt. aber wie gesagt: Ich will die Leser nicht mit allen Details, die übrigens für den Sinn des Textes nicht wichtig sind, belasten.

Die Entlassung gegen ärztlichen Rat unterschreibt der Patient, nicht irgendjemand, der mehr oder weniger zufällig anwesend ist.

Die Menschen, die ausser Edita im Warteraum waren, waren auf keinen Fall dort zufällig anwesend. Sie hatten doch den Zuckerrekordmann ins Krankenhaus eingebracht und warteten auf ihn. Sie waren seine Familienmitglieder, das geht doch aus dem Text hervor. Fast immer bewegen sich Angehörige dieser Ethnie in Gruppen.

Bekanntlich, wenn jemand (der Patient) eine Infusion bekommt, kann er während der Behandlung kaum etwas richtig lesen und auch unterschreiben. Wahrscheinlich darum brachte die Krankenschwester das Formular seinen Familienmitgliedern. Weiter, viele Zigeuner können auch heute hier nicht lesen, das durfte auch ein Grund sein. Weiter, auch enge Familienmitglieder können den Patienten gegen ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus holen und für ihn die Patientenverfügung unterschreiben oder auch nicht, wie in diesem Fall (und einfach verschwinden ohne jegliche Verantwortung wie in diesem Fall).

Wieso denkt Edita nach der Abreise der Zigeuner immer noch, die Blonde habe das Sagen gehabt, obwohl sie doch kurz vorher den Zucker-Mann als "höchste Etage" identifiziert hatte.

Das war klar von ihrem Benehmen. Aber bei den Zigeunern legt man immer größeren Wert auf den Mann als auf die Frau. Also, vor seinem Erscheinen war sie vorne aber danach erteilte er die Befehle (sieh den Text).

  • Wieso freut sich Edita so heftig(!) über ein zerschlissenes Buch? Mag ja sein, dass die Texte kaum noch verlegt werden, aber Second Hand gibt's die sicher noch.
Das ist überhaupt nicht so sicher. Die ältere Literatur wird heutzutage selten verlegt, und im Second Hand findet man diese wertvollen Sachen daher nicht so oft, Leute behalten sie lieber selber. Vielleicht erfrischte Edite mit dem Buch Erinnerungen an ihre Jugend. Ich überlasse es den Lesern zum Denken. Man muss ihnen doch nicht alles direkt auf dem Teller servieren... Oder?

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Nur wer die Weisheit mit Löffeln frisst, kann auch klugscheißen (Patrick Nieslony)

Ja, die Redewendung ist im Internet zu finden, im Allgemeinen gibt es sie oft in verschiedenen Kommentaren unter Artikeln. Aber einverstanden, sie ist wahr und gilt für alle. Oder? Übrigens, im Internet ist nur ein gewisser Boris Nieslony, kein Patrick N. zu finden.
 

Botanica

Mitglied
Es bleibt also das Klischee des goldbehangenen Zigeunerführers mit dickem Mercedes und dem absuloten Sagen über seine Leute. ...

Ach, das ist manchmal kein Klischee. Einige Zigeuner sind wirklich arm, aber es gibt in dieser Schicht auch solche Klans, wie angedeutet. Nur sieht man und erlebt man sie nicht so offen und direkt. Und es gibt eine versteckte und strenge Hierarchie in diesen Schichten. Die Spitzen besitzen wirklich dicke Mercedes-Wagen, goldene Uhren, dicke goldene Ketten, usw. Aber man kann solche Sachen den Deutschen nur schwierig erklären, wenn fast keine Zigeuner in Deutschland leben, und wenn in deutschen Zeitungen, usw. nur selten Artikel ueber dieses Thema erscheinen. Und wenn schon, dann wie Sinti und vor allem Roma nicht gut gelitten sind. Die Wirklichkeit ist viel, viel bunter und oft auch verschieden.... wie das Leben auch.

Der Zuckerrekordmann bekam keine Vorzugsbehandlung, das habe ich nicht erwähnt. Er und seine Familienmitglieder kamen einfach vor Edita und ihrem Mann und weil sie so lange auf dem Flur wartete, erlebte sie auch diese Szene und sah den Respekt der Krankenschwester vor den Zigeunern, den sie bei den Aerzten kaum erlebt hatte.
 

Botanica

Mitglied
Es bleibt also das Klischee des goldbehangenen Zigeunerführers mit dickem Mercedes und dem absuloten Sagen über seine Leute. ...

Ach, das ist manchmal kein Klischee. Einige Zigeuner sind wirklich arm, aber es gibt in dieser Schicht auch solche Klans, wie angedeutet. Nur sieht man und erlebt man sie nicht so offen und direkt. Und es gibt eine versteckte und strenge Hierarchie in diesen Schichten. Die Spitzen besitzen wirklich dicke Mercedes-Wagen, goldene Uhren, dicke goldene Ketten, usw. Aber man kann solche Sachen den Deutschen nur schwierig erklären, wenn fast keine Zigeuner in Deutschland leben, und wenn in deutschen Zeitungen, usw. nur selten Artikel ueber dieses Thema erscheinen. Und wenn schon, dann wie Sinti und vor allem Roma nicht gut gelitten sind. Die Wirklichkeit ist viel, viel bunter und oft auch verschieden.... wie das Leben auch.

Der Zuckerrekordmann bekam keine Vorzugsbehandlung, das habe ich nicht erwähnt. Er und seine Familienmitglieder kamen einfach vor Edita und ihrem Mann und weil sie so lange auf dem Flur wartete, erlebte sie auch diese Szene und sah den Respekt der Krankenschwester vor den Zigeunern, den sie bei den Aerzten kaum erlebt hatte.
 

Anders Tell

Mitglied
Es gab und es gibt in Deutschland viele Sinti und Roma, wie in allen europäischen Ländern. Jetzt aktuell sind viele z. B. aus Rumänien hierhin vertrieben worden. Nur verbindet uns mit den sog. Zigeunern eine leidvolle Geschichte, weil viele von ihnen in den KZs umgekommen sind. Deshalb benutzen wir diese diskriminierende Bezeichnung normalerweise nicht. Ein Roma hat einmal zu mir gesagt, dass sie das Wort nicht stört. Man diskriminiert nicht mit Worten, sondern mit Haltungen. Nicht ohne Grund habe ich die populäre Schlagersängerin Rosenberg erwähnt, die sich erst in den 70er Jahren zu ihrer Sinti Herkunft bekannte, weil sie Vorurteile fürchtete. Ja, ich habe auch die Clanführer mit Goldkette kennen gelernt. Viele Sinti und Roma sind seit langem seßhaft. Oft pflegen sie ihre Traditionen noch und der Zusammenhalt in den Familien ist immer noch sehr wichtig. Die berühmte Band Gipsy Kings besteht fast ausschließlich aus einer Familie. Das schreibe ich alles, um Dir lieber Botanica zu vermitteln, dass es ein heikles Thema ist.
 

Botanica

Mitglied
Ja, ich kann gut verstehen, das das Thema "Roma", "Sinti" und auch mehrere andere Völker für die Deutschen wegen der Konzentrationslager sensibel sein kann, weil nicht nur "Roma"und "Sinti" in diesen Einrichtungen gelitten und vernichtet wurden ... Aber daher können wir doch wahrhaftige Namen, Begriffe, usw. schon benutzen? Und auch die Wahrheit sagen, wie die Sachen waren oder sind. Oder?

Hat man Angst, um genügend politisch korrekt zu sein?

Die Sachen sollten bei ihren echten Namen genannt werden. Und die Anwendung der politischen Korrektheit? Einmal so und dann wieder anders? Bei einer Gruppe/ Nation, usw. tolerant und der bei der anderen nicht mehr?

Das Wort „Zigeuner“ und andere Wörter, die davon abgeleitet sind, sind doch in den gängigen Wörterbüchern zu finden. Hat man hier nicht zu große Angst vor normalen Sachen? Auch mir haben mehrere Zigeuner gesagt, dass dieser Namen für sie ok ist.

Übrigens, wir haben die Zigeuner nicht vernichtet. Und die jetzige Lage von ihnen sieht wirklich verschieden und nicht eindeutig aus.

Und die verfasste Geschichte passierte so, wie es aufgeschrieben ist.

Der Eine muss sich eben ausdenken, dem Anderen passieren einfach die Sachen ...
 

Anders Tell

Mitglied
Eben das ist der Punkt: Die Wiedergabe eines Erlebnisses macht noch keine Geschichte. Welche Form der Aufbereitung daraus eine Geschichte erzeugt, traue ich mir nicht zu, zu erklären. In Deiner Geschichte "Durch den Wald" hast Du dieses Ferment hinzu gegeben. Der Leser bleibt beschäftigt und stellt sich und an den Text Fragen.
Hier gibt es keine Frage. Man sagt vielleicht nur: So what?
 

petrasmiles

Mitglied
Liebe(r) Botanica,

abgesehen von den von jon schon angemerkten sprachlichen Ungenauigkeiten ließ sich Deine Geschichte gut lesen.
Ich fragte mich nur am Ende, was denn jetzt der Zigeunerbaron am Telefon aussagen soll. Das mit dem Buch habe ich noch verstanden, aber warum da eine Telefonnummer steht und Edita dort sogleich anruft, das gehe ich nicht mit.

Grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass man aus lauter political correctness nicht aufhören sollte, die Dinge beim Namen zu nennen.
Aber wenn man das tut, dann hängt auch die Messlatte hoch: Was ist denn jetzt der Sinn des Ganzen? Sicher wolltest Du nicht Vorurteile bedienen, aber an Sachinformationen oder Reflexionen kommt da auch nicht viel.
Sollte Edita etwa eifersüchtig sein? Wenn eine Vertreterin des medizinischen Personals Angehörige anspricht, dann wird sie das gewöhnlich mit leiser Stimme tun, die sanft wirkt. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, dass es eine 'Sonderbehandlung' gegeben hat, schon mal gar nicht, wenn es offensichtlich um das Ausfüllen eines Dokumentes ging.

Es geht bei der Kritik gar nicht darum, dass 'Zigeuner' ein heikles Thema seien - und schon gar nicht sollte man anderen Menschen vorschreiben, wie sie Themen zu behandeln haben - aber es fehlt einfach der 'Witz' des Ganzen. Oder wie Anders sagte: So what?

Liebe Grüße
Petra
 

Botanica

Mitglied
Liebe Petra,

zu den einzelnen Punkten in deiner Nachricht:

Ich fragte mich nur am Ende, was denn jetzt der Zigeunerbaron am Telefon aussagen soll.

Nichts soll er aussagen. Es war eigentlich eine Überraschung für Edita. Es passiert schon (oder es ist früher öfters passiert), dass Menschen ihre Handy-Nr. nur so hinterlassen, z. B.: um eine Bekanntschaft zu machen, Dienstleistungen anzubieten und vieles mehr; früher war es mehr oft. Die Überraschung ist darin, dass er sich als Zigeunerbaron (nach seinem Namen) meldet. Ein Zufall, Edita hält doch in ihren Händen ein Buch mit demselben Namen. Das Ende habe ich ausgedacht, darauf habe ich doch als Autor Recht. Bitte siehe Punkt Nr. 2 der Empfehlungen der Website www.leselupe.de zu Kurzgeschichten - Offener Ausgang

und Punkt 5: - Entwicklungspotenzial

Übrigens, ich empfehle dir und jedermann Romane des hervorragenden ungarischen Schriftsteller Mór Jókai zu lesen. Mehrere seiner Werke sind in der deutschen Sprache digitalisiert. Man findet sie auf der Guteneberg-Website. In seinen Werken kann man sehr gut erfahren, wie man die Handlung entwickelt, die Spannung steigert, er hatte immer ein umfangreiches Wissen über den Hintergrund seiner Geschichten, usw.

Sicher wolltest Du nicht Vorurteile bedienen

Auf keinen Fall! Für mich sind wirklich alle Menschen gleich. Persönlich unterscheide ich nur schlechte und gute Menschen. Ich will mich nicht loben, aber wenn man in unserer Obdachlosen- Zeitschrift Artikel über Menschen, die Hilfe brauchen, veröffentlicht, dann sind es meistens Zigeuner und ich unterstütze sie auch finanziell.

Wenn eine Vertreterin des medizinischen Personals Angehörige anspricht, dann wird sie das gewöhnlich mit leiser Stimme tun.

Leider, nicht immer und nicht alle! Eher umgekehrt!

Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, dass es eine 'Sonderbehandlung' gegeben hat, schon mal gar nicht, wenn es offensichtlich um das Ausfüllen eines Dokumentes ging.

Aber doch. Die Krankenschwester hat nämlich Respekt (oder vielleicht auch etwas Angst) vor ihnen gehabt. Es waren vier von ihnen dort und sie war allein, kein Wachdienst, nur Edita. Die Krankenschwester wusste nicht, was sie von ihnen erwarten sollte. Und es war in der Nacht (oder am frühen Morgen). Aber das ist nicht so sehr sich darüber zu wundern. Etwas Ähnliches erwähnt auch meine Patentochter, die in Chemnitz als Ärztin arbeitet.


Ich sehe, dass diese hingewiesenen Missverständnisse auf Kulturunterschieden zwischen Deutschland und meinem Heimatland beruhen. Davon zeugen diese viele Fragen rund um. Den Lesern einer Literaturzeitschrift in meinem Heimatland hat eben diese Geschichte sehr gefallen, sie verstehen nämlich die Zusammenhänge ... Sorry! Dies war mein letzter Beitrag hier.


Liebe Grüße
 

Botanica

Mitglied
Für Anders Tell:

Auch hier in dieser Kurzgeschichte gibt es genügend Fragen (vielleicht auch für dich; siehe oben z. B. die zahlreichen Fragen von Jon ...), nur müsste man ein wenig den Kontext kennen, aufmerksam lesen und auch etwas vom exzellenten Schriftsteller Mór Jokai gelesen haben. Da bin ich aber nicht sicher, ob viele Deutsche Romane von M. Jókai gelesen haben oder ob sie überhaupt an der Literatur aus Osteuropa interessiert sind. Aber ich will wirklich keine Art des Menschen des Typs:

Nur wer die Weisheit mit Löffeln frisst, kann auch klugscheißen (siehe oben)

sein. Das überlasse ich den Besserwissern hier.

Trotzdem möchte ich dich und Andere gern auf die Empfehlungen der Website www.leselupe.de zu Kurzgeschichten aufmerksam machen, ich kopiere sie gern für die Interessierten:

Kurzgeschichten - Nur die Spannung kommt nicht zu kurz (https://www.leselupe.de/foren/kurzgeschichten-1/)

der Name sagt es schon - eine Kurzgeschichte ist eine kurze Geschichte.

Weil sie so kurz ist, geht's direkt zur Sache und ist am Schluss noch längst nicht zu Ende. Wie im richtigen Leben; das geht ja auch oft einfach weiter, als sei nichts geschehen. Was natürlich nicht stimmt, ohne Geschehen wäre es schließlich keine Geschichte. Der Kurzgeschichte reicht ein strammer Handlungsstrang, sie verträgt keine überflüssigen Worte und orientiert sich an folgenden Merkmalen:

- Unmittelbarer Beginn
- Offener Ausgang
- Linearer Verlauf
- Konzentration auf einen Wirklichkeitsausschnitt
- Entwicklungspotenzial


Und wenn man dann meine Kurzgeschichte liest und die 5 Punkte in Betracht nimmt, ist es ziemlich klar, dass sie alle diese Merkmale besitzt.

Warum stellt man diese Empfehlungen zu den einzelnen Genres aus, wenn man dann nichts davon wissen will? Ich finde sie sehr nützlich.

Hast Du dich nicht gefragt, warum der Zigeunerbvaron dreimal in der Geschichte erwähnt ist? Und besonders am Ende der Geschichte? Und auf solche Art? Ist das kein offener Ausgang?

Und warum stört dich, bitte, dass die Geschichte auf einem konkreten Erlebnis aus dem Leben beruht? Siehe, bitte, Punkt 4 der Empfehlungen: - Konzentration auf einen Wirklichkeitsausschnitt.

Meiner Meinung nach sind die Geschichten am besten, die auf aus dem konkreten Leben stammen. Anders können sie oft ziemlich farblos, „ohne Saft“, langweilig, unwahrscheinlich oder so ausfallen; stilistisch und grammatisch zwar ausgezeichnet aber man weiß eigentlich nicht, worum es dort geht (nur niemand wagt hier zu sagen, dass „der König nackt ist“ …). Besonders wenn man dieses oder jenes auf eine übertriebene Weise versteckt, bzw. in den Hintergrund drückt, um man, Gott behüte, bestimmte ausgewählte Parteien nicht beleidigt (und bestimmte andere kann man schon...)

Dies war mein letzter Beitrag hier, ich werde euch nicht mehr belasten.

Liebe Grüße
 

petrasmiles

Mitglied
Liebe(r) Botanica,

das ist jetzt aber die schlechteste Variante mit Kritik umzugehen.

Gerade wegen der kulturellen Unterschiede ist der Austausch wichtig.
Ich finde, Du nimmst die Kritik viel zu persönlich. In erster Linie geht es doch um den Text - und wenn jemand etwas nicht versteht, dann fragt er nach, oder vergleicht es mit dem, was er selbst annimmt oder gelernt hat.

Ich halte es für einen Fehler, auszusteigen, bevor man sich 'erklärt' hat.
Ich empfinde eine andere Kultur - und damit Perspektive auf Altbekanntes - immer bereichernd, aber wenn Du Dich dem nicht aussetzen willst, dann empfindest Du das offensichtlich nicht als Bereicherung, weil Du die Unterschiede nicht erklären willst.
Zum Verständnis müssen aber Transferleistungen von beiden Seiten kommen.

Liebe Grüße
Petra
 



 
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