Lieber Frodomir,
gerade in den letzten vier Jahren habe ich die Begrenztheit der Einflussmöglichkeiten eines Einzelnen vor Augen geführt bekommen.
Parallel dazu brauchen unsere 'Herrscher' gar keine Claqueure mehr. Ob es eine Mehrheit gut und richtig findet, was sie da machen, ob es überhaupt diese Mehrheiten gibt, und nicht nur geschickte Fragestellungen bei Umfragen Spielraum für das erwünschte Ergebnis sorgen, ob es immer noch zu viele gibt, die an diesem System mit Gewinn partizipieren? Allein die Zahl der Ministerialen ist wieder gewachsen, trotz der Verkleinerung des Bundestages, der öffentliche Dienst wächst, während die Stellen der Bürgerdienste schrumpfen, die, die es zuerst trifft, sind schon an den Rand der Sichtbarkeit gentrifiziert, zudem kann man sie wunderbar mit irgendwelchen Haltungsfragen diffamieren, haben ihr Schicksal also verdient, nicht wahr?
Das alles ficht sie nicht an.
Es gibt genug, die sich hinter diesem 'wir' verstecken können. Ich sage nur: Not in my name! Und ob ich zu einer Demo gehe, meinem Abgeordneten schreibe oder in den Hungerstreikt trete, interessiert niemanden. Und eine Partei, die eine andere Politik machen würde und auch noch gewählt würde, so dass sie eine andere Politik machen könnte, ist nicht vorhanden.
Ich habe das Gefühl, wir leben schon in postdemokratischen Zeiten, und es sind wieder die Kaiser, Fürsten und Generäle, die diese 'Führbarkeit' sehen, die Masse der Menschen kann man höchstens dazu verführen, Parolen zu glauben, aber nicht dazu, einen Krieg für führbar zu halten.
Also nein, kein 'wir'.
Liebe Grüße
Petra