Die gelben Häuser rauschen im Wind

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die gelben Häuser rauschen im Wind.
Es ist nicht der Eichbaum, der aus geräumigen Hängen sprießt,
es ist nicht das gebratene Reh, das den Jäger fängt.
Aber auch nicht das Fernsehbild, aus dem Kugeln schreien.

Wäre doch das Reh Licht geworden
oder der Affe eine Stereoanlage.

Die gelben Häuser rauschen im Wind,
der aus den purpurfarbenen Wolken sprießt,
aus hängenden Kabeln unter den lahmen.

Der Tisch schluckt einsame Blitze,
Funken, die das Weltende verkünden.

Die gelben Häuser rauschen im Wald,
Rosa Rauschen im fliegenden Laub der Dächer.
Briefkästen und Rathausuhren klappern
mit weitgesichtigen Spatzen um die Wette.

Die gelben Häuser rauschen im Wind.
 
G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Lieber Bernd,

ob nun Vorstellung oder gar Wunsch (hier- als Negation / Umwertung der herkömmlichen Welt bzw. des herkömmlichen Blickes) :
Ein originelles, faszinierendes Gedicht!

Vermutlich steckt da mehr als nur ein spontaner Ausdruck dahinter.
Und Opiate schließe ich einfach mal aus :).

Gruß,
Keram
 
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G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Der Tisch schluckt einsame Blitze,
Funken, die das Weltende verkünden.
Der Tisch möchte wieder Baum sein. Zum natürlichen Anfang zurück. Funken werden zu Feuer, welches für Zerstörung und Wandel steht. Naturkraft der Balance, wie alle Elemente, die entsprechend für einen Ausgleich in der Welt sorgen.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Vielen Dank, Keram. Eines ist interessant:
Vermutlich steckt da mehr als nur ein spontaner Ausdruck dahinter.
Das stimmt. Ich freue mich sehr, dass Du das erkannt hast.
Das Grundgerüst ist ungefähr 30 Jahre alt und stammt aus der Zeit, in der ich begonnen habe, mich stark mir Dada und Expressionismus zu beschäftigen.

Dada ist ja eine sehr aufreizende und oft verachtete Richtung, die schon lange tot ist, aber immer noch lebt.

Immer wieder geht mir auch Hoddis durch den Kopf.
Und wir haben gesellschaftliche Umwälzungen.
Eine neue, unbekannte, kommt auf uns zu.
Es gab einen schwarzen Schwan, eine Wildcard, ein plötzliches und unvorhergesehenes Ereignis.

Das regt an ...

Auch Merz.

... nicht der von heute.
Der Dichter ...
 
G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Danke, Bernd, für deine anregenden Anmerkungen!
 
G

Gelöschtes Mitglied 19299

Gast
Thema Hoddis.
Es hat etwas verspätet KLICK bei mir gemacht.
Las ich doch vor Monaten die Georg Heym- Biografie: "Ich, ein zerrissenes Meer."
 

Baskerville

Mitglied
Expressionismus passt aber für mich hat es noch am ehesten etwas von einem fauvistischen Gemälde, vor allem der Einsatz von klaren aber nicht unbedingt immer realistischen Farbeindrücken.
 

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