Die Nachlässigkeit der Türen

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Ubertas

Mitglied
Ihre Beredsamkeit wurde ins Türblatt eingeritzt. Dahinter wurde Atem zum Krampf, der über Heiserkeit verstummte. Noch einmal vor der Tür. Die gehässigen Stimmen im Flur werden lauter, wie rotierende Flügel.
Ein Windrad des Wahnsinns.
Die ausgehängten Briefe sind gewaschen, gewaschen in voller Hoffnung, in falschem Stolz. Die Dunkelheit frisst Holzbalken aus den Läden, ein künstliches Licht am halboffenen Fenster.
Schwarz.
Ich nehme den Rahmen, die Erinnerung aus dem Bild und halte sie vor deine schwarz gewordenen Augen.
Ein Licht funkelt.
Darüber der Stechschritt auf den Treppen. Verleumdung, Verleumdung, Verneinen. Als wäre der Ausweg ein Entkommen.
Ich höre nichts, als ich an der Treppe lausche, nur das Opium dringt mir hinauf.
Das Stockwerk wechseln! Ausgehen, bevor du ausgehst. Nur noch eine Tür.
 

Shallow

Mitglied
Liebe @Ubertas,

wenn die Lyrikerin prosaisch wird ...
lese ich es besonders gern, nicht nur wegen der Bilder, die eingefangen und hingetupft werden. Auch wenn diesmal der Wahnsinn nicht weit, der Stechschritt laut und die Dunkelheit besonders schwarz sein mag - gibt es "nur" noch eine Tür, oder "wenigstens" eine Tür? Wer weiß, gern gelesen von

Shallow
 

Scal

Mitglied
Eine munkelwunde, opioide Textarchitektur, dachte ich, und erinnerte mich an die faszinierenden Beschreibungen von Thomas de Quincey (Bekenntnisse eines englischen Opiumessers), als er die Kupferstiche des italienischen Architekten Piranesi betrachtete.
Und schon bin ich – wieder einmal - vom gegebenen Text zu weit abgedriftet ...

Lieben Gruß
Scal
 

Ubertas

Mitglied
Liebe Maren, lieber Manfred, lieber Shallow, lieber Scal,

ich danke Euch sehr für Euer Lesen und für die wundervollen Bewertungen. Ich freue mich sehr!

Ein großes Dankeschön an die beiden Spurenleser Shallow und Scal!
Danke für Eure so feinen Gedanken, die die Schwellen dieses kleinen Textes aufnehmen und auf ihre eigene Weise weiter beschreiten. Das ist ein großes Geschenk.
Deine Frage, lieber Shallow, ob es am Ende um ein „nur“ oder ein „wenigstens“ geht, lässt das Schlussbild auf wunderbare Weise in der Schwebe. Und dazu fügt sich, lieber Scal, deine wunderbare Drift, die über den Textrand hinaus weiterführt.
Deine Assoziation hat mich zu diesem Beitrag geführt – vielleicht weist er ein wenig in den Raum, den dein Kommentar geöffnet hat: https://www.theparisreview.org/blog/2014/08/15/oneiric-architecture-and-opium/

Euch allen einen lieben Dank!

Liebe Grüße,
ubertas
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Sehr schön!

Auch dazu ist Kurzprosa da, dass Grenzen verschwimmen und überschritten werden.

Empfehlung!

Liebe Grüße
Manfred
 



 
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