Die Schöne

L'étranger

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Die Weide steht am Badestrand,
und schau, sie trauert nicht,
ein milder Glanz schmückt ihr Gewand,
es glänzt im Sommerlicht.

Ich seh ihr langes wildes Haar,
das die Gestalt verhüllt,
und sah sie schon im letzten Jahr,
mein Herz schlug laut und wild.

Sie stand im heißen Sonnenwind,
er wehte leicht ihr Kleid,
sie schien halb Frau, und halb ein Kind,
die Seele sprungbereit.

Der Sommer ging, dann sank mein Herz,
die Weide hing nun schwer,
ich wühlte mich in stillen Schmerz,
ein Winter kam einher.

Nun steht sie wieder, meine Schöne,
am lichten Badesee
mein Herz singt helle Freudentöne,
wie schön, dass ich sie seh!
 

Der Neue

Mitglied
Verbindung von inneren Befindlichkeiten und Naturwahrnehmung - das geht immer. Hier für meine Begriffe maß- und geschmackvoll umgesetzt.
Das plötzliche Auftauchen von weiblichen Kadenzen in der letzten Strophe wirkt naturgemäß durch das Aufeinanderfolgen zweier Senkungen etwas holprig oder verlangsamt das Tempo, aber das war wohl reimtechnisch nicht zu vermeiden oder könnte sogar ein beabsichtigter Effekt sein.
 

L'étranger

Mitglied
Hallo,

freut mich, dass der Text trotz seiner Leichtigkeit noch zur Kenntnis genommen wird.

Was die weiblichen Kadenzen in der letzten Strophe angeht: ich breche an dieser Stelle tatsächlich das bisherige Strickmuster auf, das einer kastrierten Chevy- Chase-Strophe entspricht. In der letzten Strophe mochte ich das Tempo aber ganz gern herausnehmen; es ist ja das Ende.

Gruß Lé.
 

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